09.10.2026
Wie schlecht ist Miami wirklich?
Vier Spiele, vier Niederlagen - auf den ersten Blick gibt es bei den Miami Dolphins in der Saison 2026 wenig Grund für Optimismus. Doch während die Ergebnisse noch fehlen, vollzieht sich in Florida ein radikaler Umbruch. Das jüngste Roster der NFL soll den Grundstein für eine neue Ära legen.

Die ersten Wochen zeigen dabei bereits, auf welchen Spielern diese Zukunft aufgebaut werden könnte. Rookies wie Jacob Rodriguez, Caleb Douglas und Chris Bell übernehmen früh Verantwortung, während sich mit Ollie Gordon II, Malik Washington und Jonah Savaiinaea weitere junge Spieler entwickeln. Die Dolphins gewinnen noch nicht - doch erstmals werden die Konturen des Neuaufbaus sichtbar.
Die Dolphins haben sich 2026 bewusst für einen harten Umbruch entschieden. Rund 180 Millionen US-Dollar Dead Cap belasten das Franchise, während Head Coach Jeff Hafley und General Manager Jon-Eric Sullivan mit einem extrem jungen Kader einen Neustart wagen.
Die Bilanz von 0-4 verdeutlicht, dass dieser Prozess Zeit benötigt. Gleichzeitig möchte Hafley die Saison keineswegs als reines Übergangsjahr verstanden wissen. Miami will bereits jetzt gewinnen.
Beim 10:15 gegen die zuvor ungeschlagenen Minnesota Vikings war zumindest zu erkennen, wohin die Entwicklung gehen könnte. Die Defense ließ keinen einzigen Touchdown zu und hielt Miami bis zum Ende im Spiel.
Kaum ein Spieler verkörpert den Neuaufbau bislang so deutlich wie Jacob Rodriguez. Der an Position 43 gedraftete Inside Linebacker bekam bereits früh den "Green Dot" auf dem Helm und damit die Verantwortung, die defensiven Spielzüge über Funk entgegenzunehmen und an seine Mitspieler weiterzugeben.
Rodriguez liefert jedoch nicht nur organisatorisch ab. Gegen Minnesota sammelte er 18 Tackles und stellte damit einen Rookie-Rekord der Dolphins auf.
Nach vier Spielen steht der Rookie bereits bei 46 Tackles, acht Tackles for Loss und einer Interception. Damit gehört Rodriguez nicht nur zu den auffälligsten Spielern der Dolphins, sondern bereits zu den produktivsten Tacklern der gesamten NFL.
Auch offensiv hat Miami im Draft offenbar interessante Bausteine gefunden. Caleb Douglas sorgte direkt bei seinem NFL-Debüt gegen die Las Vegas Raiders für Aufsehen. Der Drittrundenpick fing Pässe für 94 Yards und stellte damit einen Franchise-Rekord für einen Dolphins-Spieler in seinem ersten NFL-Spiel auf.
Nach zwei Einsätzen steht Douglas bei sieben Receptions für 113 Yards. Eine Knöchelverletzung bremst den 1,93 Meter großen Receiver derzeit aus, sein erster Eindruck macht ihn dennoch zu einem der spannendsten Spieler des Neuaufbaus.
Mit Chris Bell besitzt Miami einen weiteren jungen Receiver aus der dritten Runde. Bell steht nach seinen ersten NFL-Einsätzen bei fünf Receptions für 92 Yards.
Wie explosiv er sein kann, zeigte eine Szene gegen Minnesota. Bell verwandelte einen Pass von Malik Willis beinahe in einen spektakulären 68-Yard-Touchdown. Der Score wurde allerdings zurückgenommen, weil Bell zuvor knapp die Seitenlinie berührt hatte.
Nicht nur die Rookies sorgen für Hoffnung. Auch mehrere Spieler aus den vergangenen Draft-Klassen machen den nächsten Schritt.
Ollie Gordon II lieferte gegen Minnesota das bislang beste Spiel seiner jungen NFL-Karriere. Der 2025 gedraftete Runningback benötigte lediglich neun Carries für 100 Rushing Yards und einen Touchdown. Sein längster Lauf ging über 53 Yards.
Nach vier Wochen steht Gordon bei 148 Rushing Yards und zwei Touchdowns. Noch bildet De'Von Achane die Spitze des Backfields, doch Gordon liefert erste Argumente dafür, langfristig eine größere Rolle übernehmen zu können.
Auch Malik Washington entwickelt sich weiter. Der 2024 gedraftete Receiver kommt nach vier Spielen bereits auf 17 Receptions für 219 Yards und bringt zusätzlich Qualitäten als Returner mit.
Ein weiterer Baustein findet sich in den Trenches. Jonah Savaiinaea befindet sich in seinem zweiten NFL-Jahr und wurde von der linken auf die rechte Guard-Position verschoben.
Dort soll der Zweitrundenpick von 2025 gemeinsam mit Erstrunden-Tackle Kadyn Proctor langfristig zu den Eckpfeilern der Offensive Line gehören.
Gerade für ein Team im Neuaufbau ist diese Entwicklung entscheidend. Miami benötigt nicht nur neue Playmaker, sondern vor allem ein stabiles Fundament rund um Quarterback Malik Willis und das junge Backfield.
Vier Niederlagen lassen sich nicht wegdiskutieren. Miami steht bei 0-4 und gehört damit nach einem Viertel der Regular Season zu den wenigen noch sieglosen Teams der NFL.
Doch der Saisonstart erzählt gleichzeitig eine zweite Geschichte. Rodriguez übernimmt bereits als Rookie Verantwortung in der Defense. Douglas und Bell zeigen ihr Potenzial als junge Receiver. Gordon lieferte sein erstes 100-Yard-Spiel und Washington entwickelt sich zu einer verlässlichen Option im Passing Game.
Noch ist daraus kein erfolgreiches Football-Team entstanden. Dafür fehlen Miami Konstanz und vor allem Siege. Die Dolphins haben sich jedoch für einen langfristigen Neuaufbau entschieden - und nach vier Wochen sind zumindest einige der Spieler zu erkennen, die dabei eine zentrale Rolle spielen könnten. Gegen die Cincinnati Bengals bietet sich am Sonntag die nächste Gelegenheit, aus den ersten Fortschritten endlich auch den ersten Sieg zu machen.
nkr