29.08.2024
NFL 2024: Cowboys, Eagles, Giants und Commanders im Check
Dallas blickt in eine ungewisse Zukunft, Philadelphia muss die unerklärliche Vergangenheit aufarbeiten. In New York und Washington liegen indes schwere Aufgaben vor den Quarterbacks. Die NFC East im Check.

Bahnt sich der letzte Ritt von Texas an? Erneut gehen die Dallas Cowboys mit einem absoluten Top-Kader und herausragenden Spielern auf den Premium-Positionen in die NFL-Saison. Das Problem: Das war schon in den letzten Jahren so - und das Play-off-Debakel gegen die Green Bay Packers im vergangenen Januar war nur die letzte und herbste Enttäuschung, wenn es drauf ankam. Nun könnte es die letzte Saison werden - sowohl für den angezählten Head Coach Mike McCarthy als auch für Quarterback Dak Prescott, der in sein letztes Vertragsjahr geht und anders als viele andere Spielmacher noch keine hochdotierte Verlängerung erhalten hat.
Die Saison 2024 könnte also der letzte Angriff des jetzigen Gebildes um McCarthy, Prescott und die beiden Ausnahmespieler Micah Parsons und CeeDee Lamb (zuletzt teuer verlängert) sein, um die sehnlich erwartete und insgesamt sechste Lombardi Trophy nach fast 30 Jahren zurück nach Dallas zu holen. Ob der Glaube daran im Front Office aber tatsächlich so hoch ist, muss mit Blick auf die passive Free Agency (immerhin Running Back Ezekiel Elliott zurückgeholt und mit zusätzlich Läufer Dalvin Cook an Land gezogen) aber bezweifelt werden. Auch der Abgang der erfahrenen Tyron Smith (Jets), Stephon Gilmore (Vikings) und Leighton Vander Esch (Karriere beendet) deutet auf die ersten Vorboten eines Umbruchs hin. Der würde wohl nur gestoppt werden, wenn Prescott und McCarthy tatsächlich Großes vollbringen.
Vom 10-1-Team zur chancenlosen Wild-Card-Lachnummer: Die vergangene Saison der Eagles wäre wohl der Muster-Eintrag im NFL-Duden unter dem Stichwort "Einbruch". Das schier unerklärliche Multiorganversagen dieses so talentierten Kaders gibt noch immer Rätsel auf - auch wenn Head Coach Nick Sirianni zuletzt betonte: "Es ist wichtig, dass wir nicht überkorrigieren." Zwei offensichtliche Fehlentscheidungen der letzten Saison hat er trotzdem korrigiert und beide Coordinator-Posten neu besetzt. Der aufstrebende Kellen Moore in der Offense und der routinierte Defensiv-Guru Vic Fangio stehen auf ihrem jeweiligen Gebiet für das oberste Regal.
Wenn der Einbruch also wirklich an den Fehlbesetzungen der Vorsaison lag, dann sollte Philadelphia mit dem äußerst kompletten Kader auch wieder ein ernsthafter Kandidat für den Super Bowl sein. Allerdings steckt für Sirianni wohl noch mehr Arbeit hinter diesem Vorhaben: So müsste es den Eagles wohl auch gelingen, den zurückgetretenen Center Jason Kelce auf wie neben dem Platz zu ersetzen - und Quarterback Jalen Hurts muss zeigen, dass sein Leistungsabfall zum Saisonende nur ein Ausrutscher war. Immerhin: Die Kombination mit dem aus New York geholten Running Back Saquon Barkley und der starken O-Line dürfte für ein außergewöhnliches Running Game sorgen.
Nicht viele Quarterbacks erhalten in der NFL so viele Chancen wie Daniel Jones. Seit 2019 warten die Giants darauf, dass der Spielmacher den sechsten Pick des damaligen Drafts rechtfertigt. Auch nach dem im vergangenen Jahr erlittenen Kreuzbandriss des 27-Jährigen halten die Verantwortlichen noch an Jones fest - es wird wohl seine letzte Möglichkeit, sich dauerhaft zu empfehlen. Was ihm Mut machen dürfte: In First Rounder Malik Nabers sollte Jones endlich den Playmaker auf der Wide-Receiver-Position bekommen, den er während seiner gesamten Zeit in der NFL schmerzlich vermisst hat.
In der Defense macht vor allem die Line rund um Defensive Tackle Dexter Lawrence Hoffnung, die durch die Verpflichtung von Edge Rusher Brian Burns zu einer der komplettesten D-Lines der gesamten NFL gehören dürfte - die das aber wahrscheinlich auch sein muss, weil die Secondary spätestens nach dem Abgang von Safety Xavier McKinney ansonsten zur Problemzone werden könnte. Eine realistische Chance auf die Playoffs dürfte New York nur haben, wenn Jones wieder an sein Niveau der Saison 2022 herankommt. Doch beim Blick auf die langfristige Entwicklung des Franchise muss die Frage aufgeworfen sein: Wäre das für die Giants überhaupt so gut?
Rundumerneuerung steht in der US-Hauptstadt auf dem Plan: Seit zweieinhalb Jahren haben die Commanders einen neuen Namen, seit einem Jahr einen neuen Besitzer - und jetzt ist auch sportlich alles neu. Das Besitzer-Konsortium rund um Investor Josh Harris hat den routinierten Dan Quinn, mit Atlanta immerhin einst im Super Bowl, als Head Coach eingesetzt. Dazu zog Washington im Draft an zweiter Stelle Quarterback-Talent Jayden Daniels, der die seit Jahren klaffende Qualitätslücke auf der wichtigsten Position im Football endlich dauerhaft schließen soll.
Doch Bedenken sind angebracht: Die schon im vergangenen Jahr marode O-Line, die im Vorjahr Mitverantwortung dafür trug, dass Daniels-Vorgänger Sam Howell der am meisten gesackte Quarterback der Liga war, scheint auf den Tackle-Positionen weiter nicht gefestigt. Und Quinns Defense hat zwar in Linebacker-Ikone Bobby Wagner einen echten Anführer dazubekommen, seit dem Abgang von Montez Sweat aber keine Unterschiedsspieler mehr auf den so wichtigen Positionen Pass Rush und Cornerback. Der Neuaufbau könnte ein langwieriger werden.
mib