28.08.2024
NFL 2024: Bills, Dolphins, Jets, Patriots im Check
In der AFC East geht's heiß her: Mit den Buffalo Bills, den Miami Dolphins und den New York Jets haben gleich drei Teams Ambitionen auf Tiefe Playoff-Läufe. Doch wer schnappt sich den Divisionstitel? Und was machen die Patriots?

Zum vierten Mal in Serie sicherten sich die Buffalo Bills in der vergangenen Spielzeit die Krone der AFC East, wieder einmal wurden die Bemühungen des Teams aus dem Bundesstaat New York aber nicht belohnt. Wie schon 2022 (ebenfalls in den Divisional Play-offs) und 2021 (in der Conference Championship) erwies sich die Hürde Kansas City als etwas zu hoch. Den Preis für kontinuierlich starke Leistungen ohne den endgültigen Erfolg mussten die Bills nun in diesem Sommer bezahlen - nach einem personellen Aderlass sieht das Team von Head Coach Sean McDermott grundverändert aus.
Der wohl auffälligste Abgang ist der von Star-Receiver Stefon Diggs, der nach der Verpflichtung des neuen Offensive-Coordinators Joe Brady immer weniger Targets erhielt, dann beim Minicamp der Bills unerklärt abwesend blieb und schlussendlich im Tausch für einen Zweitrunden-Pick nach Houston verschifft wurde. 5372 Yards und 37 Touchdowns hatte Diggs in vier Jahren von Quarterback Josh Allen gefangen, diese Produktion fehlt nun. Der neue Heilsbringer in der Offensive ist Zweitrunden-Pick Keon Coleman, auf dem direkt in seiner Rookie-Saison große Erwartungen ruhen.

Auch in der Defensive mussten die Bills mit Tre'Davious White und dem Safety-Duo Jordan Poyer und Micah Hyde einige langjährige Stützen aus Cap-Gründen gehen lassen. Da in Matt Milano und Von Miller zwei Defensivanker nach Verletzungen aber wieder genesen sind und mit Star-Cornerback Taron Johnson sogar verlängert werden konnte, halten sich die Fragezeichen dennoch in Grenzen. So führt der Weg zum Divisionstitel wohl auch in diesem Jahr wieder über Buffalo.
Auf den Divisionstitel schielen auch die Miami Dolphins, die den Bills bereits im vergangenen Jahr einen großen Kampf um die Krone der AFC South lieferten. Schlussendlich mussten sich die Fins knapp hinter Buffalo anstellen, was ihnen ein Playoff-Aufeinandertreffen mit dem späteren Super-Bowl-Sieger Kansas City einbrachte. Eine krachende 26:7-Niederlage in der Kälte von Kansas City bedeutete das jähe Aus in der ersten Wild-Card-Runde. Ein Schicksal, das in diesem Jahr unbedingt verhindert werden soll.
Head Coach Mike McDaniel kann sich dafür auch in dieser Saison wieder auf ein schlagkräftiges Team verlassen, besonders die Offensive stellt mit Quarterback Tua Tagovailoa, Wide Receiver Tyreek Hill und dem dynamischen Running-Back-Duo, bestehend aus Raheem Mostert und der letztjährigen Rookie-Sensation De'Von Achane, das Prunkstück der Franchise dar.
Deutlich mehr Fragen ranken sich um die Defensive: Mit 318,3 Yards pro Spiel ließen die Dolphins im vergangenen Jahr den zehntwenigsten Raumgewinn der gesamten Liga zu, stellten damit aber den schlechtesten Wert der gesamten Division. Zu allem Überfluss mussten im Sommer aus Cap-Gründen einige Abstriche gemacht werden: Besonders Christian Wilkins, der im vergangenen Jahr neun Sacks und 65 Tackles auflegte und für vier Jahre und 110 Millionen in Las Vegas unterschrieb, wird schwer zu ersetzen sein. Cornerback Xavien Howard wurde durch Kendall Fuller (ehemals Washington Commanders) ausgetauscht, der eine gleichwertige Alternative darstellen sollte. Mit dem explosiven Potenzial der Offensive dürfte sich Miami trotz Wilkins' Fehlen zu einem Anwärter um die Playoff-Plätze herauskristallisieren.
Bereits im vergangenen Jahr waren die Hoffnungen der New York Jets riesig gewesen. Eine enorm starke Defense, gepaart mit jungen aufregenden Waffen in der Offensive und dem neuverpflichteten Star-Quarterback Aaron Rodgers: Es hätte das Rezept für eine überaus erfolgreiche Spielzeit sein sollen. Stattdessen schlug aber bekanntermaßen das Pech zu - und Rodgers Saison dauerte ganze vier Spielzüge im neuen Dress an (Achillessehnenriss).
Nach einem 7:10-Abschneiden und dem 13. Verpassen der Playoffs in Serie startet in dieser Spielzeit der nächste Versuch. Auf dem Papier sind die Jets grundverbessert, mit Morgan Moses und Tyron Smith sowie dem Erstrunden-Pick Olu Fashanu hat Rodgers drei solide Beschützer hinzubekommen. Dazu ist die Defensive weiterhin erstklassig und könnte mit dem per Trade aus Philadelphia geholten Hasson Reddick - sofern dieser denn einen neuen Vertrag unterschreibt - sogar noch besser werden. Das Problem ist und bleibt - wie bei den Dolphins - aber die Fitness. Schaffen es Rodgers und Co. auf dem Feld zu bleiben, kann es weit gehen - wenn nicht, droht sich die Playoff-Misere der Jets weiter zu verlängern.
Alles neu in New England: Nach 24 Jahren und sechs Titeln endete mit dem Abschied von Trainer Bill Belichick bei den New England Patriots in diesem Sommer die erfolgreichste Ära der Franchise-Geschichte. Das Ende selbst war überfällig und nach dem enttäuschenden Abschneiden der vergangenen Saison auch unumgänglich. Mit nur vier Siegen aus den 17 Spielen der regulären Saison erlebten die Patriots ihre schlechteste Saison seit dem Jahr 1992 - nun soll ein Neuanfang her.
An der Seitenlinie hat ab sofort ein altbekanntes Gesicht das Sagen: Nachdem er in den vergangenen Jahren bereits als Assistenztrainer für die Franchise gearbeitet hat, übernimmt nun Jarod Mayo, Linebacker der Patriots zwischen 2008 und 2015, die Geschicke von Belichick. Mit einem sich im Umbruch befindenden Roster soll er eine neue Zeitrechnung in New England starten. An die Seite gestellt bekommen hat der junge Coach auch direkt einen neuen Quarterback: Nach dem Scheitern von Mac Jones soll sich Drake Maye, der dritte Pick des diesjährigen NFL Drafts, zum Spielmacher der Zukunft entwickeln.

Diese Entwicklung wird allerdings Zeit brauchen, schließlich hat der Kader der Patriots immer noch zahlreiche Löcher. Zwar konnten mit Mike Owenu in der Offensive sowie Christian Baremore, Kyle Dugger und Jabrill Peppers in der Defensive wichtige Teile des Rosters gehalten werden, besonders auf der Position der Passempfänger fehlt es aber schlicht an Talent. Sofern größere Überraschungen ausbleiben, wird die kommende Saison für New England ein weiteres Jahr der Entwicklung, die Augen und Hoffnungen werden insbesondere auf den jungen Spielern um Maye, den Rookie-Wide-Receivern Ja'Lynn Polk und Javon Baker sowie dem aus der Verletzungspause zurückkehrenden Cornerback Christian Gonzalez ruhen.
cfr