02.09.2024
NFL 2024: Buccaneers, Saints, Falcons, Panthers im Check
Die Offseason ist traditionell auch die "Hope Season", denn Teams verbessern sich auf dem Papier und verlieren kein Spiel. Mit Niederlagen kennt sich die NFC South aus, letzte Saison vereinten die vier Teams die meisten aller Divisions im Vergleich. Der Fokus liegt auf Atlanta, wo es nach "keinem" diesmal zwei Quarterbacks gibt. Ob das gut geht?

Den glanzvollen Tom-Brady-Jahren folgte in Tampa Bay Baker Baker Mayfield als Quarterback. Was zunächst nach einem Camp-Battle um die Rolle als Starter aussah, ist nach den Eindrücken einer starken Saison eine mittel- bis langfristige Wunschlösung geworden. Mayfield, der mit seiner ersten 4.000-Yards-Saison und 28 Touchdown-Pässen aufgeblüht war, verlängerte bei den Bucs. Ein Dreijahresvertrag mit einem Volumen von 100 Millionen US-Dollar sind Beleg der Wertschätzung. Mit Receiver Mike Evans und Left Tackle Tristan Wirfs bezahlte das Franchise aus Florida zwei weitere tragfähige Säulen der Offensive.
Es bleibt also einiges beim Alten in Tampa Bay, der Playoff-Einzug und dortige Triumph über lahmende Eagles geben schließlich Recht. Doch mit Offensive Coordinator und Play Caller Dave Caneles (dazu später mehr) hat man Mayfields Flüsterer verloren. Die Hoffnung der Bucs ist, dass die Verbindung mit Liam Coen ebenfalls entsteht. Coen und Mayfields arbeiteten bei den Rams kurz, aber erfolgreich zusammen.
Auf der defensiven Seite schmerzt der Abgang von Shaq Barrett, dafür ist mit Jordan Whitehead ein verlorener Sohn zurück. Alles in allem ist das Team von Head Coach Todd Bowles und General Manager Jason Licht wieder schlagkräftig besetzt. Die Vorjahresbilanz von 9-8 ist wieder möglich - ob es für Platz 1 der Division reicht, liegt auch an der Konkurrenz.
Ebenfalls mit der Bilanz von 9-8 beendeten die Saints die vergangene Spielzeit. Doch die Stimmung in New Orleans ist nicht ganz so optimistisch. Quarterback Derek Carr spielte eine für seine Verhältnisse durchschnittliche Saison. Seine Ansprüche - und auch die der Saints - verlangen nach mehr. Doch geht das unter diesen Umständen? Das Kapitel Michael Thomas ist in NOLA endgültig vorbei. In Chris Olave gibt es längst den legitimen Nachfolger. Doch Running Back Alvin Kamara wird weder jünger noch spritziger - und die Offensive Line könnte ein Hindernis werden. Allerdings eher für das eigene Angriffsspiel als für gegnerische D-Lines.

Ryan Ramczyk, der All-Pro Right Tackle, verpasst wegen einer schweren Knieverletzung die komplette Saison und steht vor einer ungewissen Zukunft. Ihn soll nun Trevor Penning vertreten, der vergangenes Jahr als Left Tackle aus Leistungsgründen gebencht wurde. Für die linke Seite haben die Saints in Taliese Fuaga ein großes Talent in der 1. Runde gepickt, dem man Eingewöhnungszeit zugestehen muss.
Defensiv gibt zusätzlich zum aufstrebenden Paulson Adebo mit Kool-Aid McKinstry (Zweitrunden-Pick) einen neuen Cornerback und damit frisches Blut für eine in die Jahre gekommene Secondary. In die Jahre gekommen trifft auch auf die D-Line um Cam Jordan zu. Es ist nur noch wenig übrig von der Dominanz früherer Jahre. Talent ist zwar da, sonst hätte man keine neun Siege eingefahren, doch sollte es nicht vorangehen, könnte es für Dennis Allens Head-Coach-Posten eng werden.
Mit welchem Quarterback-Play die Falcons durch die vergangene Spielzeit stolperten, wurde bei den kürzlichen Kader-Cuts deutlich. Desmond Ridder, der Starter in Atlanta, der zwischenzeitlich zu den Arizona Cardinals getradet worden war, schaffte es nicht einmal, sich im Wüstenstaat für die Backup-Rolle zu empfehlen. Doch das ist Georgia nun alles vergessen: Kirk Cousins hat einen großen Deal bekommen und sollte für die nächsten Jahre das Gesicht des ambitionierten Franchises werden. Oder doch nicht? Im Draft überraschten die Falcons einmal mehr - und pickten an achter Stelle in der ersten Runde Michael Penix Jr., einen Quarterback. Cousins, von seinem Achillessehnenriss genesen, soll in die Rolle des Lehrmeister schlüpfen und für den kurzfristigen Erfolg sorgen, Penix erst einmal zuschauen und lernen.
Für das Falcons-Arsenal um Tight End Kyle Pitts, Nr.-1-Receiver Drake London und Vorjahres-Überraschungs-Pick Bijan Robinson gibt es mit QB Cousins keine Ausreden mehr. Die Erstrunden-Picks der Jahre 2021 bis 2023 müssen nun liefern. In der Defensive verstärkte sich ATL im Draft in den späteren Runden. Zudem investierten die Falcons mit Pass Rusher Matt Judon (vormals Patriots) und Safety Justin Simmons (zuletzt bei den Broncos) in wichtige und brandgefährliche Puzzleteile. Mit Grady Jarrett, A.J. Terell und Jessie Bates war bereits Talent da, doch die aggressiven Moves zeigen, dass unter dem neuen Coach Raheem Morris deutlich weniger Spiele als in der 8-10-Saison verloren gehen sollen. Win-Now in Atlanta ist definitiv angesagt - eine Playoff-Teilnahme unter diesen Umständen Pflicht.
Es ist nicht überliefert, mit welchem Gefühl sich die Panthers den Start des diesjährigen NFL-Drafts angesehen haben, aber es dürfte kein gutes gewesen sein. War es doch "ihr" Pick, mit dem die Chicago Bears Quarterback-Hoffnung Caleb Williams gepickt haben. Das war nur möglich, weil Carolina einem retrospektiv (zumindest nach Jahr eins bewertet) fatalen Deal zugestimmt hat, um 2023 selbst an Platz 1 des Draftboards und somit an Bryce Young zu kommen. Eine durchwachsene Debütsaison für den schmächtigen Quarterback (2,8775 Yards, elf TD-Pässe, zehn INTs) erzeugen keine Begeisterungsstürme, nur zwei Siege und 15 Niederlage noch weniger. Doch es gibt Anlass zur Hoffnung.
Die Panthers investierten viel Geld in die beiden Guards Damien Lewis und Robert Hunt, die dafür sorgen sollen, dass Young deutlich mehr Zeit aufrecht auf dem Feld verbringt. In Diontae Johnson und dem pfeilschnellen Xavier Legette sind zudem zwei neue Anspielstationen an Bord, die auch Routinier Adam Thielen entlasten werden. Als Nachfolger des nach einem Jahr entlassenen Frank Reich hat sich Carolina beim Divisionsrivalen Tampa Bay bedient und dessen OC Dave Canales als Head Coach verpflichtet. Auch in der Hoffnung, dass Young ein ähnlicher Höhenflug wie Mayfield gelingt.
In der Verteidigung ist der Wegfall von Pass Rusher Brian Burns (nun Giants) aufzufangen. Neu dabei ist dafür Local Hero Jadevon Clowney, der gegnerischen QBs das Fürchten lernen soll. Zudem kommt es weiter auf Defensive Tackle Derrick Brown an, der in der Offseason einen teuren Vertrag unterschrieb. Brown ist ebenso wie Cornerback Jaycee Horn als Anker eingeplant. Es ist der nächste Neuanfang in Carolina, die Panthers sind nun schon weiter als zwei Siege, werden aber wohl wieder das Schlusslicht der NFC South sein.
mlr