25.11.2024
Quarterbacks regieren in dieser Kategorie
Am Ende einer jeden Regular Season wird er individuell ausgezeichnet - der vermeintlich beste Spieler der Spielzeit. In der NFL geht diese Ehre fast ausnahmslos an Quarterbacks. Doch es hat schon "Ausnahmen" gegeben - auch diese Saison?

Während die New York Giants eine Saison zum Vergessen abliefern, ihren wenig überzeugenden und teuer bezahlten Quarterback Daniel Jones freistellen sowie mit Ersatzmann Tommy DeVito eine Abreibung von den Tampa Bay Buccaneers erhalten, surft Ex-Spieler Saquon Barkley auf der Euphoriewelle.
Der Second Overall Pick im NFL Draft 2018 war in dieser Offseason auch deshalb aus New York zu den Philadelphia Eagles gekommen, weil die Giants unter anderem wegen Spielmacher Jones nicht mehr die finanziellen Mittel hatten. Am Ende erhielt damals ausgerechnet die direkte und unliebsame NFC-East-Konkurrenz aus Philadelphia den Zuschlag - und nun stehen die Eagles mit Speerspitze Barkley bei einer famosen 9:2-Bilanz.
Das jüngste 37:20 bei den Playoff-Aspiranten der Los Angeles Rams im Sunday Night Game dürfte bei manch einem New York Giant abermals für Kopfschütteln gesorgt haben. Denn Barkley, der schon jetzt nach erst elf Partien die beste Saison seiner Laufbahn spielt, lief allein in diesem Spiel für 255 Yards, erreichte zudem 47 Yards als Receiver und krönte das Ganze mit zwei Touchdowns.
In der Gesamtrechnung stand der 27-Jährige damit bei 302 Yards. Zum Vergleich: Sein Ex-Team erreichte beim 7:30 gegen Tampa Bay nur 245 Yards - und das als gesamte Mannschaft.
Von den Rängen ertönen zudem nicht umsonst immer lauter werdende "MVP!"-Rufe. Doch kann Barkley, der zweifelsfrei einer der besten Akteure dieser bisherigen Regular Saison ist, am Ende des Tages wirklich zum Most Valuable Player der NFL ausgezeichnet werden?
Ein kurzer Blick in die Geschichte macht dabei direkt klar, dass dies ein schwieriges Unterfangen wird. Seit 1957 läuft die MVP-Wahl vor allem über die Associated Press (AP), die mit größte Nachrichten- und Presseagentur der Welt mit Hauptsitz in New York City. Und seither sind fast ausschließlich Quarterbacks gekürt worden - allein in den vergangenen elf Jahren stets, zuletzt Lamar Jackson von den Baltimore Ravens, der auch diese Spielzeit abliefert und mit anderen wieder beste Karten hat.
Lediglich einige wenige Running-Back-Größen wie Browns-Legende Jim Brown (1957, 1958, 1965) oder O. J. Simpson (1973) konnten die Quarterback-Phalanx mal durchbrechen. Aus anderen Positionsgruppen gibt es derweil fast gar keine Gewinner - nur Defensive Tackle Alan Page von den Minnesota Vikings im Jahr 1971, Washingtons Kicker Mark Moseley 1982 oder die Linebacker-Ikone Lawrence Taylor von den New York Giants 1986.
Der letzte Nicht-Spielmacher mit der MVP-Auszeichnung war der als Privatperson streitbare Adrian Peterson, der 2012 zu stolzen 2097 Yards und zwölf Touchdowns gelaufen und letztmals in der Liga 2021 für die Tennessee Titans und Seattle Seahawks aktiv war. Wohlgemerkt noch zu einem Zeitpunkt, als eine Regular Season pro Team nur 16 Spiele bot. Barkley mit seinen momentan 1392 Yards und zehn Scores hat 17 Spiele Zeit für eine Aufstockung seiner Werte.
Ein paar aufgestellte Marken helfen sicherlich dabei, ihn zumindest in der Verlosung mit Quarterback-Größen wie Ravens-Star Jackson, Lions-Kopf Jared Goff und vor allem auch Bills-Anführer Josh Allen zu halten. Mit seinem jetzigen Spiel mit über 300 Total Yards ist Barkley nur einer von zwölf Athleten in der Geschichte, die dieses Kunststück als Nicht-Quarterback in einer Partie erreicht haben.

Rams-Cheftrainer Sean McVay lobte den Running Back nach der Niederlage seiner Truppe in dieser Week 12 in den höchsten Tönen: "Er ist ein brandgefährlicher Runner wie kein anderer. Er kann Lücken ausnutzen, kreieren und finishen. Deshalb legt er bislang auch eine MVP-artige Saison hin."
Eine Spielzeit, die sogar noch einen neuen Rekord aufstellen könnte: Bislang hat Eric Dickerson einst im Jahr 1984 für die Rams 2105 Yards erlaufen - bis heute die Bestmarke. Sollte Barkley aber so weitermachen, wäre die Überbietung drin. Der Eagles-Star ist aktuell auf Kurs zu 2151 Yards. Blöd nur: Selbst Dickersons Fabelwert von damals reichte nicht zum MVP-Titel, dieser ging damals an Abwehrspieler Taylor von den New York Giants.
Barkley nimmt es gelassen hin, er genießt einfach den Augenblick, aktuell mit "MVP!" besungen zu werden: "Ich liebe es, Teil dieser Diskussion zu sein. Das ist cool. Wenn man mir aber sagt, ich werde ein Jahr haben, in dem ich MVP werde und nicht den Super Bowl gewinne, dann wähle ich Zweiteres." Wer würde sich da auch anders entscheiden?
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