02.12.2024
35-jähriger Profi in der Krise
Die Baltimore Ravens gehören in dieser NFL-Saison zum Kreis der Favoriten, haben allerdings auch schon fünf Spiele verloren. Ein Mitgrund: Kicker Justin Tucker, der aber für den Moment noch das Vertrauen genießt.

Seit vielen, vielen Jahren - genauer gesagt seit 2012 - läuft Justin Tucker für die Baltimore Ravens auf. Der Kicker, einst als nicht gedrafteter Profi in die NFL gekommen, hat nie einem anderen Team angehört.
Und warum auch? Der inzwischen 35-jährige Routinier hat sich von Anfang an bewährt, auf Tucker ist stets Verlass gewesen. Die Zahlen bestätigen das: Allein in 94 Regular-Season-Partien hat der schussgewaltige Athlet 414 von 465 Field Goals verwandelt - 62 davon gar aus über 50 Yards.
In der Spielzeit 2021 war ihm sogar ein goldener Schuss aus 66 Yards geglückt - das bis heute weiteste Field Goal der NFL-Geschichte. Mit Ablauf der Uhr hatte Tucker damals zum 19:17 bei den Detroit Lions verwandelt und war im Anschluss von allen Seiten gefeiert, auf Händen getragen worden.
Mit insgesamt 1748 erzielten Punkten plus Super-Bowl-Sieg an der Seite von Quarterback Joe Flacco 2013 (34:31 gegen die San Francisco 49ers) ist Tucker zeifelsfrei einer der besten Kicker der bisherigen Football-Geschichte - und ziemlich sicher ein künftiger Hall of Famer.
Das Geschäft aber ist schnelllebig, das dürfte ein jeder wissen - und der langjährige Ravens-Spieler bald spüren?
Fakt ist nämlich: Tucker steckt in der größten Krise seiner Laufbahn. Von 27 Field-Goal-Versuchen hat der Routinier in dieser Regular Season, in der Baltimore mit einer 8-5-Bilanz kurz vor dem Playoff-Ticket, aber nicht auf Platz 1 der umkämpften AFC North (Pittsburgh Steelers mit 9-3) steht, nur 19 verwandelt. Das entspricht einer Quote von nur 70,4 Prozent - die mit Abstand schwächste seiner Karriere bislang. Zwei vergebene Extrapunkte runden "das Krisenpaket" ab.
Erst am Sonntag beim mit Spannung erwarteten Kracher zwischen den Ravens und Philadelphia Eagles (19:24) hatte Tucker zwei Field Goals und einen Extrapunkt verpasst, was in Addition zum Sieg gereicht hätte. Zum ersten Mal in seiner 13-jährigen Karriere überhaupt hatte er drei Kicks in einem Spiel vergeben.
Woanders - und das hat die Vergangenheit gerade auf der Position des Kickers gezeigt - wäre ein Profi mit solch einer schwachen Saisonbilanz auf allerhöchstem Niveau eventuell schon längst entlassen worden. In Baltimore wird aber noch an Tucker festgehalten - das hat nach dem jüngsten Auftritt auch Head Coach John Harbaugh gegenüber ESPN klargestellt: "Wenn Sie mich fragen, ob wir uns von Justin Tucker verabschieden werden, dann kann ich nur sagen: Das hab ich wirklich nicht vor. Ich glaube auch nicht, dass das weise wäre." Auch Star-Quarterback Lamar Jackson unterstrich: "Er ist immer noch der GOAT (Greatest Of All Time; Anm. d. Red.)."
Dass aber so ein Auftritt und dazu diese bislang schwache Saison nicht spurlos an einem vorbeigeht, ist auch klar - was Tucker selbst bestätigt hat: "Es fühlt sich so an, als hätte ich uns dieses Spiel gekostet." Sein Lösungsansatz: "Es hilft aber ja keinem, lange auf so etwas herumzukauen. Das Einzige, was ich tun kann, ist weiter hart arbeiten, nach vorn blicken und von Kick zu Kick zu schauen."
mag