08.07.2025
NFL-Kolumne von Adrian Franke
Welche Teams helfen ihren Quarterbacks am meisten? Offensive Line, Waffenarsenal, Play-Caller: Das sind die zehn Offenses, bei denen sich der Quarterback in der kommenden Saison auf die meiste Hilfe freuen darf.

Einige Teams haben die Liste denkbar knapp verpasst. Ich habe lange zwischen den Ravens und den Chiefs überlegt, sehe beide bei den Playmakern aber nah genug beieinander und habe bei den Ravens ähnliche Line-Fragezeichen, dass der Playcaller der Tie-Breaker für die Chiefs war.
Die Bengals sind das andere AFC-Offense-Schwergewicht, das rein aufgrund der Playmaker in die Diskussion gehört. Die Line ist aber zu schwach, und der Play-Caller holt das nicht wieder auf. Das war der Tie-Breaker im Vergleich zu Miami für den zehnten Platz.
Chicago könnte in einem Jahr zweifellos auf dieser Liste stehen. Auf dem Papier kann man dieses Argument schon jetzt machen, aber das ist der typische Fall von: Ich will es erst einmal auf dem Platz sehen. Division-Rivale Green Bay ist mindestens genauso hoch einzuordnen. Hier will ich sehen, ob Matthew Golden ein Nummer-1-Receiver für diese Offense sein kann. Die Line und den Playcaller für ein Top-10-Ranking haben die Packers.
Und vielleicht fast ein wenig unter dem Radar, aber auch die Atlanta Falcons sind nah dran an der Top 10. Ein ausgewogenes Waffenarsenal, eine sehr gute Line und ein Playcaller, der letztes Jahr einen guten Einstand hatte. Wenn sich eine Receiving-Waffe neben Drake London weiter etablieren kann, muss man die Falcons nächstes Jahr hierfür auf dem Zettel haben.
Auffällig ist die Unterteilung der Conferences: In der NFC sind die Teams mit den besten offensiven Umständen - in der AFC sind die Elite-Quarterbacks.
Honorable Mention: Baltimore Ravens; Green Bay Packers; Chicago Bears; Cincinnati Bengals; Atlanta Falcons
Playcaller: Top 10
Waffen: Top 5
Offensive Line: Bottom 10
"Bottom 10" für Miamis Offensive Line ist vielleicht noch zu positiv formuliert. Terron Armstead ist weg, mit Patrick Paul und Rookie Jonah Savaiinaea übernehmen zwei relative Unbekannte jetzt prominente Rollen. James Daniels ist ebenfalls neu dabei, der Ex-Steeler kommt von einem Ende September erlittenen Achillessehnenriss zurück.
Das sind viele Ungewissheiten für eine Line, die schon seit Jahren eine Schwachstelle ist, und die Miamis Offense dadurch auch limitiert. Und das muss die Dolphins trotz der klaren Stärken anderswo deutlich runterziehen, weil es die Offense im Gesamtbild eindimensional machen und so auch die Waffen ein Stück weit ihrer Effizienz berauben kann. Auch wenn Mike McDaniel auf eindrucksvolle Art und Weise gezeigt hat, wie er um eine schwache Line herum arbeiten und eine der explosivsten Offenses der NFL aufziehen kann.
Das funktioniert, weil er die Playmaker ideal einsetzt: Tyreek Hill, Jaylen Waddle, De'Von Achane. Dazu junge Spieler aus der zweiten Reihe, die aufrücken können, wie Jaylen Wright und Malik Washington. Was das Waffenarsenal angeht, kann kaum ein Team den Dolphins das Wasser reichen.
Das gilt für mich auch, nachdem Miami Jonnu Smith abgegeben hat. Smith war ein guter Role Player. Ich gehe aber davon aus, dass Washington im Zusammenspiel mit Nick Westbrook-Ikhine im Gegenzug eine größere Workload bekommen. Und vielleicht hat Darren Waller ja sogar noch etwas im Tank.
Playcaller: Top 5
Waffen: Top 15
Offensive Line: Top 20
Nach einer Saison, in der sich Kansas City mit einer dezimierten Receiver-Gruppe durchschleppte, sieht das Bild jetzt wieder ganz anders aus.
Die Rückkehr von Rashee Rice ist der erste Schritt dahingehend, die ganze Gruppe wieder besser zu ordnen. Rice soll das Nummer-1-Possession-Target sein, so wie 2023, als er 105 Bälle für 1.200 Yards fing - bei einer durchschnittlichen Target-Tiefe von gerade einmal fünf Yards. Rice fing ein Drittel seiner Pässe in jener Saison hinter der Line of Scrimmage.
Letztes Jahr rutschte aufgrund der Rice-Verletzung Xavier Worthy vermehrt in diese Rolle. Ab Woche 13 hatte er nur noch ein Spiel mit einer durchschnittlichen Target-Tiefe von über zehn Yards - und das war der Super Bowl, als die Chiefs in hohem Rückstand volles Risiko gehen mussten.

Das vertikale Target sollte wieder mehr seine Rolle sein, mit Marquise Brown gewissermaßen zwischen Rice und Worthy. Das würde auch Travis Kelce entlasten, und mit Rookie Jalen Royals gibt es noch eine weitere Option dahinter.
Playcaller und Waffen werden stark sein, die große Frage ist die Line. Nachdem sich die Chiefs entschieden haben, Joe Thuney abzugeben, sind sowohl Left Guard als auch Left Tackle ernsthafte Fragezeichen. Hier muss aus dem Quartett Jaylon Moore, Josh Simmons, Kingsley Suamataia und Mike Caliendo ein vernünftiges Duo gebildet werden. Dann kann die Offense auch wieder ein anderes Gesicht zeigen, und davon gehe ich für 2025 aus.
Playcaller: Top 15
Waffen: Top 20
Offensive Line: Top 5
Die Offensive Line hat sich zu einer echten Stärke entwickelt. Die Bills haben hier keinen Superstar, aber alle fünf Starter sind solide bis sehr gut, insbesondere die beiden Tackles. Das gibt Buffalo einen Floor, das trägt dazu bei, dass das Run Game der Puls der Offense sein kann und es stabilisiert das Passing Game.
In der Bewertung der Receiver und Tight Ends hängt viel davon ab, wie viel man Keon Coleman in seiner zweiten Saison zutraut. Denn die Bills haben viele gute Role Player, angefangen mit Khalil Shakir und auch die beiden Tight Ends gehören hier mit dazu. Die dominanten Playmaker, die verlässlich Man Coverage schlagen, fehlen allerdings - Coleman ist derjenige, der am ehesten ein solcher Spieler werden könnte.
Gelingt ihm ein merklicher Sprung im zweiten Jahr, würde das Buffalo nicht nur in diesem Ranking weiter hochschieben. Es könnte der Schlüssel für einen tiefen Playoff-Run sein.
Playcaller: Top 5
Waffen: Top 20
Offensive Line: Top 5
Die Broncos sind eine kleine Anomalie in dieser Liste. Denn als einziges Team ist ihr Waffenarsenal gerade so in den Top 20, und man könnte einen Case dafür machen, dass selbst das noch zu hoch gegriffen ist. Hier bekommen sie von mir ein wenig positive Projection durch ihre beiden größten offensiven Neuzugänge: Tight End Evan Engram und Running Back RJ Harvey.
Und das nur in Teilen aufgrund der jeweiligen individuellen Qualität. Denn beide sind vor allem exzellente Scheme Fits für das, was Sean Payton offensiv letztes Jahr gefehlt hat. Engram gibt ihnen einen verlässlichen Possession Receiver, Harvey dürfte unter anderem ihr primärer Screen Receiver sein, mit dem Potenzial, ein Three-Down-Back für Payton zu werden.
Treten hier diese beiden Prognosen ein, hat Denver mit Engram, Harvey, Courtland Sutton als X-Receiver, Devaughn Vele als Big Slot und Marvin Mims als Speedster und Gadget-Receiver seine Rollen-Fixpunkte. Das in Kombination mit einer herausragenden Pass-Protecting-Line und einem Playcaller in Sean Payton, der letztes Jahr gezeigt hat, dass er immer noch zur absoluten Liga-Spitze gehört, gibt Bo Nix im zweiten Jahr eine sehr gute Startposition.
Playcaller: -
Waffen: Top 10
Offensive Line: Top 5
Zwei zentrale Fragen bei den Lions: Mit Ben Johnson verlieren sie einen der besten offensiven Playcaller der letzten Jahre - wie dramatisch wird das Downgrade zu John Morton, der in dieser Rolle eine Unbekannte ist?
Mit dem Rücktritt von Center Frank Ragnow verliert Detroit zudem gewissermaßen seinen Playcaller auf dem Platz, auch hier wird es nicht nur einen qualitativen Drop-Off geben, sondern auch ein Vakuum, was Anpassungen und Koordination auf dem Platz angeht.
Die Lions haben vorgesorgt und haben mit Christian Mahogany und Tate Ratledge junge Spieler, die in der Interior Offensive Line nachrücken. Aber sowohl Playcaller als auch Line waren spezifische Stärken der letzten beiden Jahre. Kann Detroit das aufrechterhalten? Die realistische Prognose muss hier negativ ausfallen - und das könnte einen Dominoeffekt auf den Rest der Offense haben.
Die Waffen dagegen können die Offense in jedem Fall weiter maßgeblich mittragen. Amon-Ra St. Brown, Jameson Williams, Sam LaPorta - das ist ein starkes Trio, das sich zudem gut ergänzt. Tim Patrick und Rookie Isaac TeSlaa komplettieren die Pass Catcher und Jahmyr Gibbs bildet mit David Montgomery das potenziell beste Backfield in der NFL.
Playcaller: -
Waffen: Top 5
Offensive Line: Top 10
Mit Dave Canales und Liam Coen hatten die Buccaneers jetzt zwei Glückstreffer nacheinander - gelingt mit Josh Grizzard der Coordinator-Hattrick? Grizzard wurde intern befördert, nachdem er 2024 unter Coen als Pass Game Coordinator gearbeitet hat. Davor war er sieben Jahre in Miami.
Tampa Bay gehört in Summe hier in die Top 10 und sogar in die Top 5, weil das Waffenarsenal herausragend ist und sich die Line letztes Jahr extrem gesteigert hat. Aber Tampa Bay hatte auch eine der am besten designten Offenses in der NFL, Coen verbesserte das Run Game extrem, Tampas Screen Game war exzellent. Er erlaubte es Baker Mayfield, schnell zu spielen - so, wie er am besten funktioniert. Inwieweit das sein Nachfolger reproduzieren kann, bleibt abzuwarten.
Doch selbst wenn Chris Godwin etwas Zeit braucht, haben die Bucs mit Emeka Egbuka einen fähigen Ersatz in der ersten Runde gedraftet. Jalen McMillan ist, genau wie Tight End Cade Otton, ein guter Role Player. Das Backfield ist sehr gut, Bucky Irving kommt aus einer fantastischen Rookie-Saison. Und Mike Evans ist immer noch der Dreh- und Angelpunkt und einer der dominantesten X-Receiver in der NFL.
Die Bucs sind im direkten Vergleich mit den Lions für mich mit ihrer Offensive Line näher dran an den Top 5, als es Detroit mit dem Waffenarsenal ist. Und auf der anderen Seite sehe ich eine reelle Gefahr, dass die Line der Lions dieses Jahr aus den Top 5 fällt. Das waren die Tie-Breaker zwischen diesen beiden Teams, die mit neuen Playcallern an den Start gehen.
Playcaller: Top 5
Waffen: Top 5
Offensive Line: Top 20
Kyle Shanahan gibt der Offense nach wie vor einen immens hohen Floor, auch wenn er die Offense letztes Jahr ohne Christian McCaffrey anpassen musste. Shanahan ist einer der zwei, drei besten Play-Caller und Offense-Architekten in der NFL - offen ist noch, womit er in der kommenden Saison genau arbeiten kann.
Ein fitter Christian McCaffrey ist der Fixpunkt der Offense; fehlt er, fehlt ein kritisches Element, und das hat einen weitreichenden Folgeeffekt auf fast alle Teile der Offense.

Ist McCaffrey fit und kommt Brandon Aiyuk mit 100 Prozent von seinem Kreuzbandriss zurück, stellt San Francisco ein Top-3-Waffenarsenal.
Deebo Samuel ist zwar weg, aber Ricky Pearsall soll eine größere Rolle einnehmen. Jauan Jennings hatte seinen Breakout letztes Jahr und bringt zusätzliche Physis in die Offense, George Kittle ist noch immer der beste Tight End in der NFL.
San Franciscos Waffenarsenal ist nicht nur qualitativ herausragend, es ist die beste Gruppe in der Art und Weise, wie sich die verschiedenen Spieler ergänzen und zum Playcaller passen.
Die Offensive Line wurde letztes Jahr ein wenig über die Maßen kritisiert, hat aber eine solide Gruppe - mit einem Superstar in Trent Williams. Dominick Puni und Colton McKivitz sind zuverlässige Starter, Center Jake Brendel und Left Guard, wo Ben Bartch vermutlich Aaron Banks ersetzt, sind Fragezeichen, respektive Schwachstellen. Es wird eine Aufgabe für Shanahan sein, die Line auch schematisch wieder mehr zu entlasten.
Ohne die Verletzungsfragezeichen hätte ich die 49ers in den Top 3.
Playcaller: Top 5
Waffen: Top 10
Offensive Line: Top 15
Nachdem die Rams letztes Jahr eine starke zweite Saisonhälfte hingelegt haben und die junge Defense enorme Fortschritte gezeigt hat, hat 2025 klare "Last Dance"-Vibes. Für Matthew Stafford könnte die kommende Saison die letzte NFL-Spielzeit sein, Neuzugang Davante Adams wird noch dieses Jahr 33 Jahre alt.
Es ist also ein kurzfristiges Fenster. Aber dieses Fenster könnte eine weitere explosive Top-5-Offense hervorbringen: Adams an diesem Punkt seiner Karriere ist nicht nur besser als Cooper Kupp, er ergänzt mit seinem Skillset vermutlich Puka Nacua auch besser.
Rookie-Tight-End Terrance Ferguson wird zuerst hinter und neben Tyler Higbee Snaps bekommen, kann als Receiver der Offense aber auch schon im ersten Jahr eine zusätzliche Dimension geben. Das Run Game ist effizient und Sean McVay hat sich längst als einer der besten Playcaller ligaweit etabliert und die Offense konstant weiterentwickelt.
Dabei ist er immer noch tendenziell eher abhängig von seiner Offensive Line als Kyle Shanahan. Hier bleibt abzuwarten, ob Alaric Jackson länger ausfällt. Der Rest der Line ist überdurchschnittlich bis gut. Bleiben die Rams offensiv fit, muss eine Top-5-Offense das Ziel sein.
Playcaller: -
Waffen: Top 5
Offensive Line: Top 5
Ganz vereinfacht kann man auf die letzten beiden Eagles-Saisons schauen und zu folgendem Fazit kommen: Ein durchschnittlicher Playcaller reicht, um mit der besten Offensive Line und dem vielleicht besten Waffenarsenal der NFL eine Top-10-Offense aufs Feld zu bringen. Das gelang letztes Jahr mit Kellen Moore, und selbst mit Brian Johnson im Jahr davor hatte Philadelphia in Summe eine Top-15-Offense. Auch wenn es sich nicht immer danach anfühlte.
Dementsprechend ist Kevin Patullo die große Wildcard vor der kommenden Saison. Patullo blickt auf fast 20 Jahre NFL-Coaching-Erfahrung zurück, vornehmlich in der Arbeit mit Wide Receivern. Seit 2021 ist er in Philadelphia und hat dort als Passing Game Coordinator gearbeitet.
Patullo ist die Unbekannte in einer ansonsten herausragend aufgestellten Eagles-Offense. A.J. Brown ist ein Top-5-Receiver, DeVonta Smith einer der besten Nummer-2-Receiver in der NFL. Dallas Goedert ist sicher in den Top 10 seiner Position und Saquon Barkley hat sich letztes Jahr als bester Running Back der Liga etabliert.
Auch die Line ist eine Elite-Unit und könnte dieses Jahr abermals ihren Spitzenplatz verteidigen. Hier muss nur Mekhi Becton ersetzt werden. Das könnte mit Tyler Steen geschehen - oder Kenyon Green, das neueste Jeff-Stoutland-Projekt.
Play-Caller: Top 5
Waffen: Top 10
Offensive Line: Top 10
Kevin O'Connell hat sich als einer der besten offensiven Playcaller etabliert und gezeigt, dass er seine Offense an verschiedene Quarterbacks anpassen kann und es dabei trotzdem stets schafft, seine besten Playmaker einzubinden, während er der Offense stets ein funktionierendes Gesamtkonstrukt bietet. Diese Kombination bei einem Play-Caller ist genauso selten, wie sie wertvoll ist.
Dabei ist natürlich Justin Jefferson das zentrale Element. Der beste Receiver der NFL für sich ist schon ein gutes Verkaufsargument, doch Jordan Addison hat sich als einer der besten Nummer-2-Receiver in der Liga etabliert. T.J. Hockenson ist ein Second-Tier-Tight-End und selbst der dritte Receiver-Spot ist mit Jalen Nailor, Tai Felton und Rondale Moore mit ein wenig Tiefe besetzt.
Im Backfield wurde Aaron Jones gehalten, Jordan Mason ergänzt das Trio mit Jones und Ty Chandler. Die Offensive Line war über die letzten Jahre die offensichtliche Schwachstelle, wurde in dieser Offseason aber komplett ausgetauscht: Ryan Kelly, Will Fries und Donovan Jackson sollten mindestens den Floor stabilisieren und könnten mit einem guten Tackle-Duo realistisch zeitnah eine Top-10-Line bilden.
Kein Team hat in allen Bereichen ein so hohes Level und ein so hohes Maß an Sicherheit. Die Bühne ist bereit für Quarterback J.J. McCarthy.
Adrian Franke