18.08.2025
Urteil im Scouting-Skandal
Die NCAA hat die University of Michigan wegen eines systematischen Vergehen beim Scouting hart bestraft. Dabei bekommt auch Ex-Coach Jim Harbaugh eine saftige Strafe. Die Wolverines kündigen derweil Berufung an.

Nach fast zweijähriger Untersuchung gegen den Vorwurf des illegalen Scouting der University of Michigan hat die NCAA nun eine Entscheidung getroffen: Der College-Verband befand die Wolverines für schuldig und verhängte harte Strafen.
Die Universität muss neben einer Grundstrafe von 50.000 Dollar auch jeweils zehn Prozent ihres Gesamtbudgets aus dem Vorjahr und der Stipendiensumme für diese Saison als Strafe zahlen. Zudem verliert sie ihre Einnahmebeteiligung an den Playoffs für diese und die nächste Spielzeit, sodass eine Summe von bis zu 30 Millionen Dollar als Strafe möglich ist.
Darüber hinaus wurde Ex-Coach Jim Harbaugh mit einer zehnjährigen Sperre belegt, in dieser Zeit darf er weder Michigan besuchen noch ohne Erlaubnis der NCAA ein anderes College-Football-Team übernehmen. Damit wird der 61-Jährige erst 2038 wieder den Campus betreten dürfen, denn im vergangenen Jahr wurde bereits eine vierjährige Strafe in einem anderen Fall gegen ihn verhängt. Auch die ehemaligen Mitarbeiter Connor Stalions und Denard Robinson erhielten eine Sperre über acht und drei Jahre.
Doch damit nicht genug: Der aktuelle Head Coach Sherrone Moore wird mit einer Sperre von drei Spielen belegt, zwei davon hatte sich der Klub bereits selbst aufgelegt. Damit wird er auch bei einem möglichen Spiel der Wolverines im kommenden Jahr in Frankfurt fehlen. Zudem verhängte die NCAA ein 14-wöchiges Verbot der Kommunikation mit potenziellen Rekruten.
"Das wahre Ausmaß und der Umfang des Sign Stealing Scheme, einschließlich des verschafften Wettbewerbsvorteils, werden aufgrund der vorsätzlichen Vernichtung und Zurückhaltung von Informationen durch Einzelpersonen niemals vollständig bekannt werden. Aber die Absicht war klar - es ging darum, einen erheblichen Wettbewerbsvorteil zu erlangen", sagte Norman Bay, der leitende Anhörungsbeauftragte des NCAA-Ausschusses, auf einer Pressekonferenz am Freitag.
In dem 74 Seiten langen Bericht schildert die NCAA, dass Stalions zwischen 2021 und 2023 ein Netzwerk von Helfern aufgebaut haben soll, dass das gegnerische Teams heimlich ausspähte und deren Signale filmte.
Deswegen verurteilte der Verband Michigan in elf Fällen, davon sechs der schwersten Kategorie. Dazu zählen illegales Off-Campus-Scouting in 56 Fällen, Recruiting-Verstöße durch mehrere Trainer, Verantwortungsverstöße von HC Jim Harbaugh, mangelnde Kooperation von Harbaugh, Moore, Robinson und Stalions sowie das generelle Versäumnis der Universität, eine Compliance-Kultur zu etablieren.
"Man baut kein Netzwerk von Personen namens 'KGB' auf, das sogenannte 'schmutzige Filme' aufzeichnet, wenn die Kosten dafür mehrere Zehntausend Dollar betragen. Es sei denn, man beabsichtigt, sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen", begründete Bay die Entscheidung.
Trotz allem verzichtete die NCAA darauf, einen Playoff-Bann gegen die Wolverines zu verhängen, auch die Meisterschaft von 2023 dürfen sie behalten. "Das Gremium ist zu dem Schluss gekommen, dass eine mehrjährige Playoff-Sperre die aktuellen Spieler unfairerweise für die Handlungen von Trainern und anderen Mitarbeitern bestrafen würde", erklärte das Gremium in einer Mitteilung, obwohl sie offen eingesteht, dass eine solche Strafe angemessen wäre.
Dennoch hat die Universität Berufung auch gegen die aktuelle Entscheidung angekündigt. "Wir schätzen die Arbeit des Ausschusses für Regelverstöße, aber in einer Reihe von Fällen enthält die Entscheidung grundlegende Fehler bei der Auslegung der NCAA-Satzung und zahlreiche Schlussfolgerungen stehen in direktem Widerspruch zu den Beweisen - oder dem Fehlen von Beweisen - in den Akten", heißt es in einem Statement der Wolverines.
mgs