22.08.2025
Vor Showdown mit den Bravos
Auf Stuttgart Surge wartet in den ELF-Playoffs mit den Madrid Bravos ein echter Brocken. Im exklusiven Interview mit football-world spricht Co-Defensive Coordinator und Assistant Head Coach Johannes Brenner über die größte Herausforderung der Saison und nennt die eigene Stärken.

Herr Brenner, Sie spielen zum ersten Mal gegen die Madrid Bravos. Worauf stellen Sie sich ein? Ist es vielleicht die schwerste Aufgabe der bisherigen Saison?
Das Spiel gegen die Madrid Bravos ist auf jeden Fall eine Premiere und eine ganz besondere Aufgabe für uns. Wenn man sich die Bravos anschaut, kann man ganz deutlich in allen Mannschaftsteilen sehen, dass die Spieler mit Herzblut und Emotionen spielen, von Anfang bis Ende füreinander kämpfen und eine stark ausgeprägte Hingabe und Leidenschaft für unseren Sport haben. Es kommt eine Mannschaft mit einer extrem explosiven Offense zu uns, die ganz bewusst gesagt hat, dass sie so viele Punkte wie möglich machen will. Deswegen werden wir mit Sicherheit alle Hände voll zu tun haben, um dieses Offensivfeuerwerk zu stoppen.
Zwar gab es bislang noch keine Begegnung zwischen der Surge und den Bravos, trotzdem treffen wir auch auf viele alte Bekannte, angefangen bei Head Coach Andrew Weidinger, der die letzten Jahre bei Rhein Fire war. Zum Runningback Justus Seelig haben wir eine lange Beziehung, da er bereits von Coach Neuman und Coach Pastorino trainiert wurde. Gegen den Receiver Juan Flores haben wir schon zu Milano-Seamen-Zeiten gespielt und auch Yasir Raji kennen wir schon von Rhein Fire.
Mit Aron Cruickshank wartet vielleicht der beste Receiver der ELF-Geschichte auf Sie. Wie wollen Sie ihn aus dem Spiel nehmen?
Aron Cruickshank ist ein äußerst explosiver Receiver, der bei jedem Ballkontakt den Weg in die Endzone finden kann. Deswegen muss es unser Ziel sein, seine Ballkontakte zu minimieren und ihn bestenfalls gar nicht erst den Ball bekommen zu lassen. Das wird natürlich nicht immer leicht sein, deshalb haben wir verschiedene Varianten vorbereitet. Dazu muss man sagen, dass die Kombination mit Reid Sinnett die Situation für uns nicht leichter macht. Der Quarterback ist extrem clever und es ist sehr schwierig für eine Defensive, die Hände an ihn ranzubekommen. Die Abstimmung zwischen Sinnett und Cruickshank ist einfach herausragend. Es ist ein besonderes Duo, bei dem wir versuchen müssen, das Zusammenspiel zu unterbrechen.

Andrew Weidinger gilt als Offensiv-Mastermind. Was macht es so schwer, seine Offensive zu stoppen?
Andrew Weidinger hat es wieder geschafft, eine sehr explosive Kombination zusammenzustellen. Mit Sinnett hat er einen erweiterten Coach auf dem Feld, der immer wieder beweist, dass er die komplette Offense kontrollieren kann. Die Abstimmung zwischen Weidinger und ihm ist überragend, vor allem was die Betrachtung der gegnerischen Defense und die Ausnutzung ihrer Schwachstellen angeht. Dass da eine gewisse Klarheit im System besteht, zeigt sich auch daran, wie schnell Sinnett den Ball verteilt und wie schnell die Entscheidungen getroffen werden. Dazu ist er einer der Quarterbacks, die am seltensten gesackt werden. Das spricht für klare Strukturen und einen klaren Plan in der Offensive.
Neben Cruickshank gibt es noch einige weitere Puzzlestücke, die die Offense so gefährlich machen. Seelig ist eine Allzweckwaffe, der sowohl im Backfield als auch als Receiver agieren kann, und Raji wird als Offensive Lineman, Tight End, Runningback sowie Receiver eingesetzt. Durch diese Flexibilität entstehen sehr viele mögliche Varianten, gegen die man sich alle verteidigen können muss. Auch auf Juan Flores, ein absoluter Speedster, muss man ein besonderes Augenmerk legen.
Eine der größten Stärken Andrew Weidingers ist es, die individuellen Stärken seiner Spieler optimal zu nutzen, was es so schwierig macht, seine Offenses zu stoppen. Er stellt sie so auf, dass sie genau zu den Stärken seiner Spieler passt, was äußerst bemerkenswert ist und ihm auch an seiner neuen Wirkungsstätte wieder sehr gut gelungen ist. Die verschiedenen Spielzüge bauen bei ihm immer wieder aufeinander auf und testen die Disziplin der Defense in Bezug auf die Augenkontrolle: Vieles sieht ähnlich aus, ist aber doch ein bisschen anders. Wenn man da nicht ständig hellwach ist, lassen die Bravos einen dafür büßen. Die ständige Disziplin, dass jeder seinen Teil beiträgt, diese explosive Offense zu verteidigen, wird daher eine große Herausforderung sein.
Ihre Defensive zählt zu einen der Besten in der Liga. Was macht sie so stark?
Wir versuchen von Woche zu Woche, es der gegnerischen Offense so schwierig wie möglich zu machen und das, was sie besonders gut können, als erstes zu verhindern. Dadurch zwingen wir sie, sich umzustellen und Dinge zu tun, die sie bislang nicht so oft getan haben oder in denen sie bislang nicht so erfolgreich waren. Die größte Herausforderung ist es dann am Spieltag zu schauen, was der Gegner genau macht und wie man das am besten zu seinem eigenen Vorteil nutzen kann. Wir versuchen grundsätzlich jede Woche uns etwas anders aufzustellen und uns auf mögliche Anpassungen während des Spiels vorzubereiten. Dazu braucht es sehr gute Spieler, die bereit sind von Woche zu Woche in den Gameplan zu investieren, und natürlich auch sehr gute Coaches.
Mit Co-Defensive Coordinator Cody Pastorino haben wir einen der absolut besten Defensive Masterminds in unserem Coaching Staff. Es ist aber nie die Leistung eines Einzelnen, es ist immer eine Team Defense, in der wir versuchen, alle, die auf dem Platz sind, in die gleiche Richtung arbeiten zu lassen. Hierzu bedarf es viel Abstimmung und viel Kommunikation. Am Ende geht es weniger um schematische Taktiken, sondern um die Spieler, die mit Leidenschaft zu Werke gehen. Die Spiele werden von den Spielern gewonnen.
Ohne es statistisch belegt zu haben, würde ich es wagen zu behaupten, dass wir eine Defense sind, die wahrscheinlich im Verlauf einer Saison die meisten Spieler eingesetzt hat. Es gibt bei uns viele Spieler, die ihren Beitrag leisten, je nachdem, was der Gegner oder das Spiel erfordert. Wenn ein Spieler etwas gut kann, so versuchen wir, genau dieses Element zu nutzen. Gerade jetzt gegen Ende der Saison hilft es extrem, dass wir unsere Spieler durch Rotation etwas frischer halten konnten und stets versuchen, die Lasten auf so viele Schultern wie möglich zu verteilen.
smu