01.10.2025
Einschätzungen nach Woche 4 von Adrian Franke
Die neue Regular Season ist schon wieder einen Monat alt - höchste Zeit für ein erstes Zwischenfazit! Herrscht schon jetzt Alarmstufe Rot bei den Ravens? Sind die Chiefs zurück? Sind die Colts ein Top-10-Team? Und was ist das Best-Case-Szenario für die Bengals ohne Joe Burrow? In seinem ersten Power Ranking während der laufenden Spielzeit sortiert kicker-Experte Adrian Franke alle 32 Teams.

Ranking vor Saisonstart: 29
Die Titans hatten zumindest einen Plan, wie sie um Rookie-Quarterback Cam Ward herum ein vernünftiges Team aufbauen wollen. Eine Offensive Line, die zumindest solide ist, gepaart mit einem Nummer-1-Receiver in Calvin Ridley und jungen Playmakern daneben - in der Theorie war es eine gute Idee.
Unglücklicherweise hat sich nichts davon bisher erfüllt. Die teuer zusammengestellte Line spielt deutlich unter dem erhofften Level, Ridley selbst ist unzuverlässig und von der Sideline gibt es auch nur bedingt Unterstützung. Schon nach drei Wochen zog Head Coach Brian Callahan eine erste Reißleine, indem er das offensive Play-Calling abgab. Sein Stuhl wackelt erheblich.
Auch die Cornerback-Gruppe hat sich nicht wie erhofft entwickelt, inklusive L'Jarius Sneed, der zwar von seiner Verletzung zurück ist, aber nicht ansatzweise an seine Chiefs-Form anknüpfen kann.
So ist Jeffery Simmons der einzige Lichtblick in der Defense. Rookie-Receiver Elic Ayomanor sowie in Phasen Quarterback Cam Ward sind vorsichtige Lichtblicke in der Offense. Und das reicht dann schlicht nicht. Die Titans steuern wieder auf einen Top-5-Pick zu.
Ranking vor Saisonstart: 26
Die Panthers sind für mich eines dieser Teams, bei dem nach vier Wochen sich schon dieses ungute Gefühl breitmacht, dass wir auf eine problematische Offseason zusteuern. Die Hoffnung, dass die Offense an die zweite Saisonhälfte aus dem Vorjahr anknüpfen kann, hat sich so gar nicht bestätigt. Bryce Young spielt solide, aber auch nicht mehr. Die Line ist schon jetzt durch Verletzungen dezimiert, ähnlich wie die Skill-Player-Gruppe. Immerhin: Rookie-Receiver Tetairoa McMillan ist ein klar positiver Lichtblick in den ersten Spielen seiner NFL-Karriere.
Doch all das führt zu mehreren Problemen. Sollten die Panthers am Ende bei rund sechs Siegen stehen - reißt dann einmal mehr der Geduldsfaden von Teambesitzer David Tepper? Gibt es den nächsten Umbruch? Wenn Young irgendwo in den 20er Plätzen in der ligaweiten Quarterback-Hierarchie rangiert - reicht das, um ihm noch eine Saison zu geben? Oder sucht man aktiv nach einem neuen Starter für 2026?
Die Defense hat sich bislang halbwegs achtbar geschlagen, zumindest auf der Seite des Balls scheinen die Verstärkungen aus der Offseason zu greifen. Aber die Panthers sind eines der Teams, bei dem ich im Moment noch große Fragezeichen auch hinsichtlich der mittelfristigen Prognose habe. Nicht nur qualitativ, sondern auch strategisch, wie der weitere Weg aussehen soll, wenn die Saison so weiterläuft wie bisher.
Ranking vor Saisonstart: 30
Nach dem überraschend positiven Auftritt in Woche 1 gegen Pittsburgh ging bei dem einen oder anderen Jets-Fan die Hoffnung sicher hoch - und vor diesem Kontext fühlen sich die anderen Spiele bislang wie eine Enttäuschung an.

Aber hier ist es wichtig, die richtige Perspektive zu behalten. Die Jets sind in Jahr 1 eines Neustarts. Und auch wenn der Kader für ein Team an diesem Punkt schon viel junges Talent hat: Es ist trotzdem ein Neubeginn, mit neuem Head Coach, neuen Play-Callern und einer mittel- und langfristig noch vakanten Quarterback-Position.
Justin Fields war immer nur die Übergangslösung, und die ersten Wochen dieser Saison haben unterstrichen, warum eine gewisse Skepsis hier immer angebracht war. Gleich in den ersten beiden Spielen gab es die volle Fields-Bandbreite: In Woche 1, als die Jets den Ball am Boden bewegen und die Steelers vertikal attackieren konnten, sah die Offense gut aus. Gegen die Bills, die ihnen im zweiten Saisonspiel das Run Game wegnahmen, kam vom Dropback Passing Game überhaupt nichts.
Die Offensive Line zeigt sehr positive Ansätze, die Defense wird noch mehr Qualität in der Secondary neben Sauce Gardner brauchen, um so zu spielen, wie Aaron Glenn das haben will. Und Glenn macht insgesamt bislang nicht die beste Figur, das Team wirkt zu häufig noch in der Defense unkoordiniert und sammelt zu viele Strafen.
Für 2025 limitiert all das New York deutlich. Aber der Blick muss hier eher in einem Zwei- bis Drei-Jahresfenster erfolgen.
Ranking vor Saisonstart: 12
Die Verletzung von Joe Burrow macht diese Saison zu einem verlorenen Jahr in Cincinnati. Natürlich ist das Downgrade zu Jake Browning signifikant, das wäre bei jedem Team so, das einen Top-5-Quarterback für drei Monate verliert. Doch im Gegensatz zu anderen Topteams haben die Bengals darüber hinaus eine deutlich schwächere Infrastruktur um den Quarterback herum. Das wird gerade schmerzhaft offensichtlich.
Ja'Marr Chase, Tee Higgins, und insgesamt das Waffenarsenal, das ist die klare Stärke. Die Offensive Line ist aber eine deutliche Schwachstelle. Das hat direkt zu Burrows Verletzung geführt, und auch Browning leidet jetzt darunter. Das Backup-Quarterback-Duell gegen Carson Wentz und die Vikings unterstrich, wie groß die Defizite in Cincinnatis Kader sind, auf beiden Seiten des Balls. Und wenn die Bengals den Ball nicht laufen und Browning nicht beschützen können, dann wird das eine sehr lange Saison.
Vielleicht findet Browning noch so in die Spur, wie es vor zwei Jahren der Fall war, als er Burrow ebenfalls über mehrere Wochen ersetzen musste. Dann kann die Offense immer noch produktive Spiele haben. Doch angesichts des Gesamt-Zustandes des Teams muss man für die Bengals fast hoffen, dass das nicht passiert. Ein radikaler Umbruch in der Offseason wäre vielleicht genau das, was Cincinnati braucht.
Ranking vor Saisonstart: 32
Der "Sprung" von 32 auf 28 mag nicht nach viel aussehen, und der Record ist ebenfalls überschaubar, deshalb in aller Deutlichkeit: Die Saints haben mich über die ersten vier Wochen positiv überrascht.
Das beginnt mit Spencer Rattler, der als Ballverteiler eine unerwartet gute Figur macht. Die Defensive Front ist ebenfalls besser als gedacht. Demario Davis und Cam Jordan spielen gut.
Natürlich sind die Saints weit davon entfernt, ein gutes, oder auch nur ein mittelmäßiges Team zu sein. New Orleans wird aller Voraussicht nach einen Top-5-Pick im kommenden Draft haben, an der Prognose hat sich nichts geändert. Aber das Team ist keine Blamage, die Saints haben gezeigt, dass sie Spiele eng halten können und früher oder später werden sie auch eines davon gewinnen. Sie sind kompetitiv und sie bleiben in Spielen. Das spricht auch ein Stück weit für den Trainerstab.
Ansonsten ist der Blick für dieses Team ganz klar auf 2026 gerichtet.
Ranking vor Saisonstart: 28
Die Hoffnung bei den Giants war, dass eine Elite-Level-Defensive-Line dem Team einen Floor gibt. Auch in die Secondary wurde viel investiert, klare Schwachstellen blieben hier dennoch. Doch mit einer dominanten Line, die den Run stoppt und ohne Blitzing zum Quarterback kommt, sollte die Basis gelegt werden.
Nicht nur für die Defense, sondern für das ganze Team. Damit es reicht, wenn die Offense eine Handvoll produktiver Drives hinlegt. Die erwartbare Inkonstanz mit Russell Wilson war dort schon eingepreist.

Nach den ersten vier Wochen der Saison ist von diesem Plan wenig übrig geblieben. Die Defensive Line ist gut - gegen eine dezimierte Offensive Line wie die der Chargers kann sie auch Spiele an sich reißen -, aber sie ist noch nicht die alles dominierende Unit, die man sich hier erhofft hatte. Die Effekte davon sehen wir sehr direkt in der Secondary, die dadurch sehr angreifbar ist.
Doch auch die Offense kann bislang ihren Teil nicht beitragen - abgesehen vom Duell mit der desolaten Cowboys-Defense. In Woche 1 war die Offensive Line desaströs, in Woche 3 war Russell Wilson das wohl größte Problem. Der wurde prompt nach nur drei Spielen gebenched, am Sonntag gab Jaxson Dart sein Debüt.
Das fungierte als merklicher Spark für die Offense. Hier bleibt aber abzuwarten, wie schnell die Giants die Offense um Dart herum weiterentwickeln können. Und das ohne Malik Nabers, der den Rest der Saison nach seinem Kreuzbandriss verpassen wird. Darts weitere Entwicklung ist ab sofort die mit weitem Abstand relevanteste Storyline für den Rest dieser Giants-Saison.
Ranking vor Saisonstart: 31
Was wäre möglich für die Browns, wenn die Offense nur Liga-Durchschnitt wäre? Selbst ohne die obligatorische Frage danach, wo diese Franchise stehen könnte, wenn es den Deshaun-Watson-Trade nicht gegeben hätte: Eine solide Offense mit einem Liga-Mittelfeld-Quarterback könnte die Browns zu einem Playoff-Team machen.

Denn so stark ist die Defense abermals. Nach einem leichten Durchhänger letztes Jahr, als die Defense immer noch gut war, aber die Turnover ausblieben, scheint die Unit jetzt wieder ein anderes Level an Dominanz zu haben. Insbesondere die Run Defense ist exzellent, und dahinter können die Browns den meisten Offenses mit enger, aggressiver Coverage Probleme bereiten.
Das wird Cleveland in fast jedem Matchup zumindest zu einem unangenehmen Gegner machen. Upsets wie der gegen die Packers sind auch im weiteren Saisonverlauf keineswegs auszuschließen.
Die Offense aber ist extrem limitiert, im Passing Game sind es in erster Linie viele kurze Pässe und Play Action, vieles als Versuch, die Tight Ends in den Raum zu bringen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass bald ein erster Quarterback-Tausch erfolgen wird.
Sollte sich das Run Game mit den beiden jungen Backs weiter stabilisieren, würde das der Offense mehr Floor geben. Dann ist vielleicht sogar das untere Liga-Mittelfeld für die Browns als Team möglich.
Ranking vor Saisonstart: 24
Nach dem Debakel zum Auftakt gegen die Colts schien es denkbar, dass die Situation in Miami gänzlich eskalieren könnte. Dass der Locker Room das Handtuch wirft, der Coach das Team verloren hat und drastische Maßnahmen sehr viel früher als vor Saisonstart ohnehin schon gedacht ergriffen werden müssen.
Auch wenn der Record das nur bedingt widerspiegelt, kann man zumindest festhalten: Ganz so schlimm ist es nicht. Miami zeigte eine offensive Reaktion gegen die Patriots und blieb auch gegen die Bills bis zum Schluss im Spiel. Eine Interception von Tua Tagovailoa, die er so nicht werfen darf, beendete zwar den möglichen Drive zum späten Ausgleich jäh, doch selbst Tyreek Hill machte nach dem Spiel klar, dass Coach Mike McDaniel die Mannschaft gut eingestellt hatte.
Umso bitterer ist es, dass sich Hill am Montag gegen die Jets schwer verletzte - das Spiel, in dem Darren Waller endlich sein Saison-Debüt gab und zeigte, was er der Offense geben kann. Hill wird den Rest der Saison verpassen, es könnte sein letztes Spiel für Miami gewesen sein.
Doch das Problem mit dieser Dolphins-Saison war immer nicht nur die Frage danach, was genau überhaupt die Strategie der handelnden Akteure ist. Wie viel Weitsichtigkeit kann man sich leisten, wenn vom GM und dem Head Coach jetzt Resultate verlangt werden? Das Problem war auch die Frage der Definition: Was wäre überhaupt eine erfolgreiche Fins-Saison?
Ich denke nicht, dass ein 7-10-Jahr, in dem das Team in seiner Entwicklung und seiner Mentalität Fortschritte zeigt, reicht, damit McDaniel seinen Job behält. Viel mehr scheint aber angesichts der Secondary und der Offensive Line, die bereits früh beide Starter auf der rechten Seite vorerst verloren hat, nicht realistisch. Dazu kommt, dass Tua bislang nicht gut spielt und die Defensive Front, die eigentlich eine Stärke sein müsste, das so noch nicht aufs Feld bringt. Die Trends innerhalb dieser Saison sind positiv, aber ich bin skeptisch, dass das am Ende reicht.
Ranking vor Saisonstart: 21
Die Raiders-Offense ist eine der Enttäuschungen der bisherigen Saison. Geno Smith hatte sein schwächstes Spiel seit vor seiner Seahawks-Zeit gegen die Chargers und leistete sich auch gegen die Bears in der vergangenen Woche zu viele Fehler. Und das Run Game ist noch problematischer.
Mit Pete Carroll, Chip Kelly und Ashton Jeanty sollte das mit Abstand schlechteste Run Game der Vorsaison einen massiven Boost erhalten. Davon sieht man bisher gar nichts.
Die Offensive Line kreiert keinerlei Räume für Jeanty, der regelmäßig Kontakt schon hinter der Line of Scrimmage managen muss. Die Offense erinnert zunehmend eher an das, was Smith in Seattle letztes Jahr hatte, als ebenfalls gar nichts vom Run Game kam.
Dass die Defense problematisch sein würde, das war absehbar. Und ganz spezifisch in der Secondary bestätigt sich das bislang deutlich. Die Idee aber war, dass die Offense sehr schnell sehr viel besser ist, sodass die Raiders zumindest mal unterhaltsam und in Shootouts kompetitiv sind. Und diese Rechnung geht nicht auf, wenn die Offense so gar nichts vom Run Game bekommt.
Ich schreibe die Raiders dahingehend noch nicht ab. Doch der Start unter dem neuen Regime war ernüchternd.
Ranking vor Saisonstart: 23
Der mancherorts durchaus vorhandene Offseason-Hype rund um die Falcons ist nach vier Wochen doch deutlich abgeklungen. Und das, obwohl die Defense bislang gefällt. Insbesondere den Pass-Rush würde ich so früh in der Saison sogar als positive Überraschung bezeichnen.
Es ist die Offense, die zum Start in die Saison enttäuschte. Das Run Game ist solide, aber nicht verlässlich auf dem Top-5-Level, das wir letztes Jahr gesehen haben. Obwohl Bijan Robinson eine tolle Saison spielt. Der Verlust von Right Tackle Kaleb McGary ist hier spürbar, aber das alleine reicht nicht als Erklärung.

Der Offense fehlt insgesamt die Explosivität. Das war letztes Jahr schon ein Problem und setzt sich nahtlos fort. Und spätestens hier müssen wir über den Quarterback sprechen: Niemand hat Zweifel an Penix' Armstärke. Aber die Accuracy ist auffallend inkonstant, nicht nur die Shot Plays. Einige gravierende Fehler in seinen Entscheidungen ziehen sich durch die bisherige Saison. Aus Falcons-Sicht muss man jetzt hoffen, dass sein Spiel gegen Washington einen neuen Trend startet. Denn das war Penix' mit Abstand bestes Saisonspiel bislang.
Atlanta war für mich vor der Saison ein Team mit Upside, bei dem ich aber erst sehen will, was wir wirklich von der Offense bekommen. Nach drei Spielen von Penix letztes Jahr gegen drei ausgesprochen schwache Defenses war das eine große Unbekannte. Das erste Zwischenfazit fällt weiterhin skeptisch aus.
Ranking vor Saisonstart: 16
Die gegnerischen Defenses waren zuletzt mit Dallas und den Raiders durchaus dankbar. Doch selbst in der ersten Hälfte des Lions-Spiels konnte man positive Fortschritte erkennen. Strukturell, aber auch im Spiel von Caleb Williams.
Das macht Mut, und das ist selbstredend das Nummer-1-Thema für die gesamte Bears-Saison: Inwieweit entwickelt sich Caleb Williams, und wie funktionieren er und Ben Johnson gemeinsam? Auch wenn es hier leicht positive Tendenzen gibt, ist auch klar, dass es noch ein weiter Weg ist. Das Run Game etwa ist deutlich zu schwach bislang, das limitiert die Gesamtstruktur der Offense. Und auch die Hierarchie bei den Playmakern ist merklich offen. Keine ungewöhnlichen Themen für Jahr 1 eines neuen Regimes.
Defensiv bin ich zumindest mal skeptisch für die weitere Saison. Die Verletzung von Jaylon Johnson schwächt die Secondary empfindlich, und die Front ist weit weg von dem Level, das Chicago hier individuell von Spielern wie Odeyingbo, Gervon Dexter oder Grady Jarrett bräuchte, um seinen Floor zu stabilisieren.
Hier wird Dennis Allen Lösungen finden müssen, die vermutlich auch außerhalb seiner bevorzugten schematischen Komfortzone liegen. Und das möglichst schnell.
Ranking vor Saisonstart: 22
Den erhofften positiven Knalleffekt konnte man in New England in der Frühphase der Mike-Vrabel-Ära noch nicht beobachten. Die Defense ist noch nicht ganz auf dem Level, das angesichts der individuellen Qualität möglich sein sollte. Auch wenn die Verletzung von Christian Gonzalez ein spürbarer Faktor ist und der Trend hier positiv wirkt.

Die Offense ist noch nicht spürbar weit genug weg von dem, was wir letztes Jahr in New England gesehen haben, um hier schon ein positives Zwischenfazit zu ziehen. Die Offensive Line zeigt Ansätze, zumindest in Pass Protection, muss sich aber noch weiter stabilisieren. Mit zwei Rookies direkt im Lineup ist das auch nachvollziehbar.
In die Pass-Catcher haben die Patriots einiges investiert, mit bisher überschaubarem Ertrag. Stefon Diggs kommt über die Volume, TreVeyon Henderson ist Teil einer Dreier-Rotation und Kyle Williams ist noch kein Faktor. Hunter Henry ist vielleicht sogar der verlässlichste Playmaker.
Ich gehe davon aus, dass die Patriots sich auf beiden Seiten des Balls im weiteren Saisonverlauf steigern werden. Gleichzeitig aber bin ich nach den ersten vier Wochen aber eher skeptisch dahingehend, dass es gleich im ersten Jahr unter Vrabel für die ganz große positive Überraschung reicht.
Ranking vor Saisonstart: 8
Bei den Texans könnten Eins-zu-Eins die gleichen Themen wie im Vorjahr an dieser Stelle stehen. Die Defense ist stark - sie ist aber auch der einzige Grund dafür, dass Houston überhaupt kompetitiv ist. Denn offensiv sprechen wir über die gleichen Probleme wie schon während der vergangenen Saison.
Die Offensive Line ist viel zu anfällig, das Run Game ist kein Faktor. Das Passing Game hängt völlig in der Luft, es gibt wenig individuelle oder via Scheme kreierte Separation. In der Folge steht Stroud viel unter Druck, hat häufig keinerlei Spielraum - und zusätzlich dazu spielt Stroud individuell nicht gut.
Das ist eine schwierige Formel. Die Hoffnung darauf, dass eine runderneuerte Offensive Line in Kombination mit einem neuen Line-Coach sowie einem neuen Offensive Coordinator den Umschwung bringt, erweist sich bisher als Trugschluss. Die Offense wirkt fast noch zahnloser als letztes Jahr.
Das gibt den Texans quasi keinerlei Ceiling. Solange die Defense Spiele eng halten kann, werden die Texans auch Chancen haben. Doch das ist die Formel, um sich irgendwie in die Playoffs zu schleppen. Und nicht die Formel für einen klaren Fortschritt in Jahr 3.
Ranking vor Saisonstart: 20
Die 2025er Cowboys sind im Kern eine leicht andere Version der 2024er Bengals. Eine horrende Defense, die insbesondere durch die Luft niemanden vor ernsthafte Probleme stellt - und eine Offense, die an einem guten Tag immer jenseits der 30-Punkte-Marke landen kann.
Das sorgt für unterhaltsame Spiele - das Sunday Night Game gegen Green Bay war natürlich ein riesiges Spektakel! - und für Fantasy-Punkte. Wenngleich für beide Aspekte die Verletzung von CeeDee Lamb ein empfindlicher Dämpfer war. Aber vor allem es ist schwer, auf diesem Wege verlässlich Spiele zu gewinnen.
Wenn ich jetzt auf die Cowboys schaue, habe ich fast schon heute mehr Interesse an den Weichenstellungen nach der Saison. Was ist der Plan mit den Ressourcen aus dem Micah-Parsons-Trade? Ist George Pickens 2026 noch ein Cowboy? Wie wollen sie ihre Defense reparieren?
Dallas ging schon als auffallend unrundes Team in die Saison, ehe man sich entschied, Parsons weg zu traden. Mit den Ausfällen in der Offensive Line, in der Tyler Guyton den erhofften Sprung bislang nicht geschafft hat, liegt noch mehr Druck auf Dak Prescott. Der war zuletzt gegen die Giants und die Packers herausragend, doch das über eine volle Saison so zu erwarten, ist viel verlangt. Aber ich sage gleichzeitig auch: Von Brian Schottenheimer bin ich nach den ersten vier Spielen positiv überrascht.
Ranking vor Saisonstart: 13
Nachdem die Offense letztes Jahr eine Top-10-Unit war, die Defense qualitativ aber schlicht nicht ansatzweise genug Feuerkraft hatte, hat sich das Narrativ zwar nicht komplett gedreht - aber es ist die Offense, die jetzt zurecht in der Kritik steht.
Die Cardinals hatten in der vergangenen Saison eine Top-8-Rushing-Offense, davon ist kaum etwas übrig. Der Verlust von O-Line-Coach und Run Game Coordinator Klayton Adams fällt hier extrem ins Gewicht. Bisher gelingt es Offensive Coordinator Drew Petzing nicht, das auszugleichen. In puncto Effizienz hat Arizona in dieser Saison bislang ein Bottom-8-Run-Game
Das führt zu einer Offense, die sehr langsam und zäh daherkommt. Und das obwohl Kyler Murray eine gute Saison spielt. Doch die Protection ist ein Problem, Marvin Harrison hatte einen Horror-Start in die Saison, und insgesamt fehlt schlicht der Speed in der Offense. Bisher gelingt es nicht, mit dem Passing Game Räume für das Run Game zu öffnen, und das ist ein erhebliches Problem. In der Folge fehlt die offensive Identität. Der Floor kommt fast nur vom Quarterback.
Die positive Erkenntnis nach den ersten vier Wochen ist: Die Investitionen in die Defensive Line tragen sofort Früchte. Arizonas Defensive Line ist nicht nur signifikant besser als im Vorjahr - das war zugegebenermaßen auch nicht schwierig - sondern in allen Spielen war sie mit essentiellen Plays zur Stelle. Und das noch ohne Erstrunden-Pick Walter Nolen, der zeitnah ebenfalls eingreifen sollte.
Ranking vor Saisonstart: 17
Die Idee für diese Steelers-Saison war: Wenn die Defense auf Top-8-Level spielt, dann muss die Offense mit Aaron Rodgers nur mittelmäßig sein - und wenn Rodgers dann in den Playoffs heiß läuft, hat man eine Chance, endlich mal wieder Postseason-Erfolge zu feiern.
Nach den ersten vier Spielen aber muss man sich mit der Realität auseinandersetzen, dass diese Formel auf beiden Seiten der Gleichung so nicht aufgehen wird.

Denn: Die Defense ist bislang zwar einmal mehr gut darin, sich Takeaways zu holen und so einen Spielverlauf auch gerne mal auf den Kopf zu stellen. Aber Down für Down offenbart sie bis dato enorme Probleme. Gegnerische Offenses konnten die Secondary regelmäßig vertikal attackieren, und auch die Front ist noch weit weg von der erhofften Dominanz.
Und die Offense? Ähnlich wie die Defense zeigt auch Rodgers, dass er immer noch in entscheidenden Momenten Big Plays auflegen und damit Spiele entscheiden kann. Doch die Offensive Line ist bislang enttäuschend, dadurch geht auch im Run Game nicht viel. Und während Rodgers jede Woche ein, zwei spektakuläre Würfe in seinem Spiel hat, ist die offensive Konstanz außerhalb von geschemter Production wie in Woche 1 gegen die Jets sehr überschaubar. Das Vikings-Spiel war dahingehend eine positive Überraschung
Es wäre nicht das erste Mal, dass diese Formel - einzelne Big Plays defensiv, einzelne Big Plays offensiv - Pittsburgh in die Playoffs führt. Aber es ist nicht das, was man sich bei der Zusammenstellung dieses Teams erhofft hatte. Und es ist ein wöchentlicher Ritt auf der Rasierklinge.
Ranking vor Saisonstart: 9
Das Ceiling der Broncos war immer direkt mit der Entwicklung von Bo Nix in dessen zweiter NFL-Saison verknüpft. Und bisher ist das Zwischenfazit eher überschaubar. Aktuell verfehlt er zu viele Würfe, wirkt sehr inkonstant in seinen Entscheidungen, und das in einer Offense, die ihn strukturell schon merklich an die Hand nimmt.
Das limitiert die Offense, und dafür ist die individuelle Qualität nicht hoch genug. Die Line ist gut in Pass-Protection, das Run Game ist definitiv besser als im Vorjahr. Die Playmaker außerhalb von Sutton sind aber ebenfalls noch nicht konstant verlässlich.
Und die Defense ist sehr gut, das Spiel gegen die Chargers vorletzte Woche ging zwar verloren, unterstrich aber, wie schwierig es sein kann, Denvers Defense zu bezwingen, wenn die aus allen Rohren feuert. Der Pass-Rush ist brandgefährlich, Bonitto spielt eine Breakout-Saison.
Dahinter ist nicht nur der amtierende Defensive Player of the Year in Pat Surtain, sondern eine insgesamt physische Gruppe. Wenn die Offense weiter stagniert, müssen die Broncos auf der defensiven Seite noch eine Schippe drauf packen. Das ist trotz des schon jetzt hohen Standards keineswegs auszuschließen.
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Ranking vor Saisonstart: 15
Der Start der McCarthy-Ära wurde unglücklicherweise jäh unterbrochen - nach nur zwei Spielen musste der junge Quarterback schon wieder verletzt raus. Und das nach zwei holprigen ersten Starts, nicht zuletzt, weil Left Tackle Christian Darrisaw die ersten beiden Spiele noch verletzt verpasste.
Die Offense im ersten Spiel mit Carson Wentz - und Darrisaw - zu sehen war eine Bestätigung der Preseason-Einschätzungen bezüglich der Vikings. Das ist eine unheimlich gut besetzte und designte Offense, die per se einen hohen Floor generiert. Solange der Quarterback verlässlich on-time spielt, wird Minnesota schon allein dadurch vielen Defenses Probleme bereiten.
Gegen Pittsburgh operierte Wentz sehr viel weniger on-time und warf den Ball dafür sehr viel häufiger zum Gegner. Das egalisiert dann diese Vorteile auch schnell wieder.
Natürlich hat Minnesotas Offense - wie schon im Vorjahr - die eigene Defense als Pluspunkt. Selbst in Spielen, in denen der offensive Motor stockt - Woche 1 gegen Chicago wäre ein Paradebeispiel dafür - kann die Defense die Tür offenhalten. Und mit ihrer Aggressivität, der merklich verbesserten Interior Defensive Line, und all dem, was Brian Flores einer Offense entgegenwerfen kann, kann sie selbst auch Punkte aufs Scoreboard bringen.
Mein erstes Zwischenfazit geht klar Richtung Übergangsjahr für die Vikings. Umso wichtiger ist es, dass McCarthy zeitnah zurückkommt. Denn wenn es ein Übergangsjahr wird, ist erst recht die Evaluierung von McCarthy die oberste Priorität.
Ranking vor Saisonstart: 14
Der Verlust von Nick Bosa wiegt selbstredend schwer. Nicht nur wegen der enormen individuellen Qualität, sondern auch, weil ein maßgeblicher Teil des defensiven Umbruchs dieses Jahr darin bestand, eine junge Front aufzubauen, die von Bosa angeführt wird. Jetzt fällt dieser Eckpfeiler weg und das war gegen Jacksonville nicht zuletzt in der Run-Defense sofort ein Faktor.

Die Defense hatte bis dato positiv überrascht. Die Rückkehr von Robert Saleh hat sich sofort als Volltreffer erwiesen; jetzt muss er zeigen, dass er das ohne Bosa aufrechterhalten kann. Eine schwierige Aufgabe.
Die Offense hat noch immer einen hohen Floor, selbst ohne Purdy, Kittle, Aiyuk und Jennings konnte San Francisco den Ball zuletzt bewegen. Doch kehrt auch hier keine Stabilität ein: Purdy kam gegen Jacksonville womöglich zu früh von seiner Zehverletzung zurück und ist abermals angeschlagen, auch Ricky Pearsall verletzte sich im Spiel gegen die Jaguars.
Die Hoffnung muss sein, dass San Francisco offensiv jetzt zügig gesünder wird. Dann können die 49ers für den Rest der Saison immer noch eine Top-8-Offense haben.
Das kann die 49ers in die Playoffs befördern. Mehr ist dieses Jahr vermutlich nur dann möglich, wenn die Defense ohne Bosa überraschen kann. Und da bleibe ich erst einmal skeptisch.
Ranking vor Saisonstart: 25
So richtig schlau werde ich aus den Jaguars noch nicht. Das liegt sicher auch an sehr machbaren Gegnern zum Start in die Saison, die insbesondere Jacksonvilles Defense nur bedingt testen konnten. Gegen San Francisco spielte die Defense abermals gut, doch es sind in erster Linie die Turnover, die hier herausstechen. Mit 14 (!) Takeaways aus den ersten vier Spielen führen die Jaguars die NFL an. Das aufrechtzuerhalten ist schwierig - und zudem in puncto Prognosen schwer vorhersehbar.
Aber: Die Defensive Front wirkt klar verbessert, hier gibt es spürbar mehr Stabilität. Offensiv ist das Run Game im Vergleich zum Vorjahr definitiv besser. Das war bislang auch der offensive Floor, denn das Passing Game ist noch extrem inkonstant.
Und das betrifft alle Facetten. Trevor Lawrence lässt zu viele Würfe liegen, Brian Thomas hatte einen Saisonstart zum Vergessen, und Rookie Travis Hunter ist noch viel zu wenig in die Offense involviert.
Hier gibt es noch viel Luft nach oben für Head Coach Liam Coen, der aber früh in seiner Amtszeit in Jacksonville gezeigt hat, wie gut er darin ist, das Run Game zu einer Basis der Offense zu machen. Ich denke, wir haben noch nicht die beste Version der 2025er Jaguars gesehen. Gleichzeitig kann der Druck auf die Offense jederzeit zunehmen, sollten defensiv die Turnover drastisch zurückgehen.
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Ranking vor Saisonstart: 19
Wenn die Seahawks-Offense ihre Schlagzahl, insbesondere was die Big Plays angeht, aufrechterhalten kann, werden die offensiven Moves der vergangenen Offseason im Rückblick sehr positiv aussehen. Aktuell trifft Sam Darnold die Shot Plays noch besser als in Minnesota, und während die Offense Down für Down noch inkonstant ist und sich nur sehr vereinzelt wie erhofft auf das Run Game stützen kann, sind es vor allem die Big Plays im Passing Game, die den Unterschied ausmachen.
Das kann ein schmaler Grat sein, weil die Gefahr auf leere Drives und damit Phasen in einem Spiel, in dem die Offense völlig abgemeldet wirkt, mit dieser Formel sehr viel höher ist. Aber wenn Darnold so weiter spielt, wird diese Formel häufiger aufgehen.
Das gilt vor allem, weil die eigene Defense den Rest erledigt. Mit einer starken Front und einem Elite-Play-Caller ist der Floor hier hoch. Auch wenn Riq Woolen bisher entschieden zu häufig negativ auffällt und damit Cornerback außerhalb von Witherspoon ein Problem im weiteren Saisonverlauf werden kann.
Ebenfalls erwähnenswert im Kontext von Floor und Kleinigkeiten, die den Unterschied machen: Special Teams waren bisher herausragend für die Seahawks.
Ranking vor Saisonstart: 10
Zwei der ersten vier Spiele ohne Quarterback Jayden Daniels machen Washingtons wahre Qualität schwerer greifbar. Die Offensive Line ist noch nicht der Stabilisator, den man sich hier erhofft hat, und Terry McLaurin merkte man es auch vor der Verletzung an, dass er die Saisonvorbereitung verpasst hat.
Will sagen: Das ist ein Team, das vermutlich etwas Zeit braucht, um auf Touren zu kommen. Die Defense und insbesondere die Defensive Front sind dabei sogar leicht positive Überraschungen in der Frühphase dieser Saison. Und offensiv zeigt Kliff Kingsbury bislang, dass sein Scheme auch in diesem Jahr Offense kreiert und selbst mit prominenten Ausfällen den Ball bewegt.
So überwiegen für mich nach einem alles andere als runden Saisonstart die positiven Erkenntnisse bei den Commanders. Daniels sollte bald wieder fit sein, dann bekommen wir ein akkurateres Bild von diesem Team.
Ranking vor Saisonstart: 27
Der größte Sprung in diesem Ranking für die größte Überraschung der bisherigen Saison. Selbst die optimistischsten Colts-Fans dürften nicht mit einer Top-5-Offense über die ersten vier Wochen der Saison gerechnet haben; selbst die optimistischsten Daniel-Jones-Fans haben diese Saison nicht kommen sehen.

Es ist der nächste spannender Test Case dafür, wie stabile bis gute Umstände im Zusammenspiel mit einem erfahrenen Quarterback, der woanders in einer schlechten Situation untergegangen ist, funktionieren können. Sam Darnold in Minnesota, Geno Smith in Seattle, Baker Mayfield in Tampa Bay - Beispiele dafür gab es zuletzt genug.
Jones kommt in Indianapolis bislang in den Genuss einer starken Offensive Line, eines guten Run Games, und die auch spielertypisch unterschiedlichen Playmaker werden von Shane Steichen sehr gut eingesetzt. Und Jones fungiert in erster Linie als Ballverteiler.
Die Defense auf der anderen Seite ist mehr oder weniger das, was man erwarten konnte. Eine solide Unit, die wacklige Offenses mit dem 4-Man-Rush vor Probleme stellen kann, und die unter Lou Anarumo auch gewillt ist, mal aggressiver zu blitzen. Eine Top-10-Unit wird das über die Saison vermutlich nicht sein, aber gut genug, solange die Offense ihre Schlagzahl aufrechterhält.
Selbst gegen die Rams, als Jones sein klar schwächstes Saisonspiel bis dato hatte, war Indianapolis im Spiel und hätte diese Partie gewinnen können. Die Colts sind ein High-Floor-Team, dessen Ceiling davon abhängt, was wir über die gesamte Saison von Jones bekommen.
Ranking vor Saisonstart: 11
Die Buccaneers haben über die ersten Wochen in jedem Fall eines unterstrichen: Dieses Team ist gut gecoacht und hat eine hohe Gesamtqualität, auch wenn man Ausfälle kompensieren muss. Denn davon hatte Tampa Bay schon jetzt mehr als genug, von Tristan Wirfs über Chris Godwin, Cody Mauch, Luke Goedeke und Calijah Kancey, bis hin zu jüngst auch Mike Evans.
Die Offensive Line ist auch weiter dezimiert, bei den Playmakern bleibt zu hoffen, dass zeitnah das volle Waffenarsenal endlich gemeinsam auf dem Platz steht. Und dass Baker Mayfield vielleicht ein paar Prozentpunkte von seiner Aggressivität runterfahren kann, um nicht wöchentlich mit ganz so vielen Turnovern zu flirten.
Trotz alledem konnten die Bucs den Ball bisher bewegen und auch etwa gegen die starke Texans-Front ihr Run Game aufziehen. Die Defense ist unangenehm mit ihrer Front und physisch in Man Coverage.
Die volle Bestbesetzung wird es durch die langfristigen Verletzungen von Mauch und Kancey dieses Jahr nicht mehr geben. Aber selbst mit dem noch möglichen Best-Case-Szenario sehe ich ein Bucs-Team, das in die Top 5 in der Conference gehört.
Ranking vor Saisonstart: 18
Ich bin sehr gespannt, wie lange die Chargers diese offensive Spielweise auf diesem Level aufrechterhalten können. Gegen Denver konnte man bereits die Grenzen für die Offensive Line sehen; eine Line, die schon seit Saisonstart ohne Left Tackle Rashawn Slater auskommen muss und die gegen die Giants dann auch noch Joe Alt verlor. Das prägte diese Partie, es war nach dem Broncos-Spiel das zweite Spiel in Folge, in dem Justin Herbert konstant unter enormem Druck stand.
Ich bin über die ersten Wochen der Saison insbesondere vom Coaching Staff der Chargers positiv überrascht. Auf der offensiven Seite hatte ich nicht erwartet, dass Los Angeles die Offense so in die Hände von Justin Herbert legen würde. Und bisher ernten die Coaches hier die Früchte dieses Vertrauens.
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Auf der defensiven Seite ist es komplexer. Die Chargers-Defense hatte schon letzte Saison deutlich über ihrer individuellen Qualität gespielt. So etwas wiederholt sich selten im Jahr darauf, umso weniger, wenn mehrere Starter das Team verlassen oder verletzt ausfallen.
Doch bislang gelingt es Los Angeles auch dieses Jahr, defensiv extrem gut gecoacht aufzutreten und so einige Talent-Defizite zu kompensieren.
Das ist alles in Summe ein Drahtseilakt. Gute Offenses sollten dieser Defense dennoch erhebliche Probleme bereiten können, und was ein guter Pass-Rush mit der Offensive Line macht, haben wir bereits mehrfach gesehen. Doch solange Herbert auf diesem Level spielt, und sich die Defense nicht selbst schlägt, können die Chargers viele Spiele gewinnen.
Ranking vor Saisonstart: 1
Zwei Dinge, die klare Stärken für die Ravens sein sollten, haben früh in dieser Saison noch bedenklich große Probleme. Das ist zum einen die Defense, und ganz konkret die Defensive Front. Die Lions dominierten die Line of Scrimmage gegen Baltimore, Buffalo konnte den Ball in der zweiten Hälfte ebenfalls problemlos bewegen und schaffte so das Comeback.
Der Defense fehlen schlicht die Spieler. Gegen Kansas City fiel der Großteil der Starting-Defensive-Line aus, dazu verletzten sich Nate Wiggins, Marlon Humphrey und Roquan Smith im Laufe der Partie. Baltimore muss hier gesund werden, und zwar möglichst schnell. Bei Madubuike ist seit dieser Woche klar, dass er den Rest der Saison mit seiner Nackenverletzung verpassen wird.
Der andere Part ist das eigene Run Game. Die Browns machten in Woche 2 den Anfang, mit vielen Stacked Boxes und einer aggressiven Front stoppten sie Baltimores Run Game, wie es in der Lamar-Jackson-Ära fast noch nie passiert ist. Die Lions knüpften eine Woche später mit einer ähnlichen defensiven Strategie daran an. Auch Kansas City ließ die Ravens zu keinem Zeitpunkt einen Rhythmus im Run Game finden. Sollte Lamar Jackson jetzt mit seiner Oberschenkelverletzung kurzzeitig ausfallen, laufen die Ravens Gefahr, Record-technisch in ein sehr tiefes Loch zu fallen.
Die Offensive Line ist ein ernsthaftes Problem. Beide Guard-Spots waren schon vor der Saison Fragezeichen und Roger Rosengarten auf Right Tackle ist zwar ein guter Athlet, aber kann mit Power seine Probleme bekommen. Angesichts der Art und Weise, wie mögliche Playoff-Gegner in der AFC - Buffalo, Kansas City, die Chargers unter anderem - ihre Edge-Positionen besetzen, ist das ein Thema, das man auch weiter im Auge behalten muss. In der Defense erwarte ich mit einem kleineren Lazarett dann auch eine spürbare Leistungssteigerung.
Ranking vor Saisonstart: 4
Vielleicht war der eindrucksvolle Sieg gegen Baltimore genau das, was Kansas City nach sehr zähen ersten drei Wochen gebraucht hat. Eine offensive Explosion, in der nicht nur das Scoreboard endlich mal wieder an das erinnerte, zu was diese Offense in der Lage sein kann. Die Art und Weise, wie das Team auftrat, hatte einen ganz anderen Vibe. Viel mehr Geradlinigkeit, viel mehr Präzision, viel mehr Effizienz - und auch wieder mehr Explosivität. Auch wenn man hier für vollen Kontext erwähnen muss, dass die Ravens-Defense extrem dezimiert war.
Dennoch war es ein sehr positives Zeichen vonseiten der Chiefs, die bald auch Rashee Rice zurück bekommen. Denn die Qualität aus den letzten Jahren, enge Spiele fast immer zu gewinnen, hat diese Version der Chiefs bis dato nicht gezeigt. Und das ist nicht einfach nur eine "zufällige" Regression, die irgendwann kommen muss. Sicher, die Chiefs hatten letztes Jahr auch einige Male Glück spät im Spiel, doch war die 2024er Version auch schlagkräftiger in diesen engen Spielen.
Weil die Offense zwar unspektakulär, aber wenigstens verlässlich effizient war. In den ersten vier Wochen wirkte die Offense noch häufig unrund, inklusive Kelce und Mahomes. Weil die Defense weniger löchrig in der Secondary daherkam und der Pass-Rush mehr Spiele mit entschied. Die Unterschiede zu der eigenen 2024er Version sind in der laufenden Saison greifbar.
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In Summe macht das die Chiefs zu einem Team, dem immer noch die Dominanz auf beiden Seiten des Balls fehlt, während zusätzlich der Floor wackeliger ist als in der vergangenen Saison.
Kansas City hat sich ein gewisses Polster verdient. Ich will erst sehen, dass Andy Reid und Patrick Mahomes die Probleme nicht reparieren können, wenn die Offense wieder gesünder ist. Gegen die Ravens war die Rückkehr von Xavier Worthy ein enormer Boost. Rice sollte einen ähnlichen Effekt auf die Offense haben. Und dann sprechen wir bald vielleicht wieder über ein Team mit einem anderen Gesicht.
Ranking vor Saisonstart: 6
Die große Ungewissheit vor dieser Rams-Saison war der Rücken von Matt Stafford. Und wer Los Angeles vor der Saison deshalb signifikant runtergestuft hat, kann zurecht immer noch Restbedenken dahingehend haben, ob Staffords Körper die gesamte Saison durchsteht. Für den Moment aber gibt es nur einen wirklich validen Datenpunkt, nämlich den der ersten vier Spiele. Und in denen hat Stafford gänzlich ohne merkliche Limitationen gespielt.
Die Rams-Offense macht in der Folge bislang jede Menge Spaß. Puka Nacua und Davante Adams ergänzen sich sehr gut, im Run Game sorgt Blake Corum sogar für etwas mehr Explosivität. Und das trotz bereits mehrerer kurzzeitiger Ausfälle in der Offensive Line. Ich denke, diese jetzt schon schlagkräftige Offense hat noch Luft nach oben.
Defensiv bewegt sich Los Angeles derweil relativ im erwartbaren Rahmen. Die Front ist sehr stark und sogar noch besser als letztes Jahr. Die Secondary funktioniert primär, wenn sie sich auf die Front stützen kann. Individuell sind die Cornerbacks - und bisweilen auch die Safeties, die viel zu dritt auf dem Platz stehen - eine Schwachstelle. Je nachdem, wie sich der weitere Saisonverlauf gestaltet,würde es mich nicht wundern, wenn die Rams hier noch auf dem Trade-Markt aktiv werden.
Ranking vor Saisonstart: 5
Offensiv haben die Packers nach der Anfangsphase der Saison noch Luft nach oben. Die Offensive Line musste in fast allen Spielen ersatzgeschwächt spielen, das merkte man insbesondere im Run Game. Im Passing Game plagen Green Bay ähnliche Probleme wie im Vorjahr: Der klare Nummer-1-Receiver fehlt noch, dazu kommen auch hier prominente Ausfälle, namentlich Jayden Reed und Christian Watson.

Ich bin zuversichtlich, dass Green Bay diese Problemzonen vielleicht nicht gänzlich eliminieren, aber zumindest doch erheblich eindämmen kann. Das Spiel gegen Dallas kann man als Schritt in die richtige Richtung deuten, allerdings ist jedes Spiel gegen die Cowboys-Defense, die Punkte-technisch Woche für Woche in diesen Größenordnungen unterwegs ist, was das angeht mit Vorsicht zu genießen.
Die Packers sind in erster Linie aufgrund ihrer Defense ein Top-5-Team. Mit Micah Parsons ist das bislang eine herausragende Front - auch wenn die Cowboys einen exzellenten Game Plan dagegen hatten. Das erlaubt es der Secondary dahinter, aggressiv zu spielen.
Die Offense ist gut, muss sich aber weiter entwickeln. Dann könnten die Packers im weiteren Saisonverlauf mit das kompletteste Team in der NFL stellen. Aktuell sind sie an diesem Punkt aber noch nicht.
Ranking vor Saisonstart: 7
Der Saisonauftakt gegen die Packers war besorgniserregend und stellte all die Offseason-Fragen wieder sehr präsent in den Raum: Würde Detroit den Verlust beider Coordinators verkraften können? Ist die Offensive Line noch gut genug? Knickt Goff jetzt ein?
Die Auftritte danach gegen Chicago und insbesondere gegen Baltimore unterstrichen einmal mehr, warum Overreactions nach Woche 1 meist keine gute Idee sind. Detroits Offense explodierte in beiden Partien, die Defense spielte gegen die Ravens-Offense exzellent. Gegen Cleveland dauerte es eine Weile, aber auch hier kam Detroit ins Spiel und kontrollierte die Partie letztlich.
Genauso wenig wie man nach Woche 1 überreagieren sollte, sage ich auch jetzt: Ich will erst noch die Konstanz sehen. Ich will sehen, dass beide Coordinators ihre Units über die Saison weiterentwickeln können, wenn Gegner mehr Tape haben und neue Angriffspunkte finden. Das wird darüber entscheiden, ob die Lions ein Team sind, das einen tiefen Playoff-Run hinlegen kann.
Für den Moment sehen sie aus wie ein Top-3-Team in ihrer Conference.
Ranking vor Saisonstart: 2
Ganz simpel zusammengefasst sind die Eagles bisher ein Team, das genau das macht, was nötig ist, um Spiele zu gewinnen. Dabei wirken sie nie dominant, insbesondere offensiv nicht.

Bislang ist das Philadelphia nicht auf die Füße gefallen, auch, weil der Gegner Woche für Woche mehr Fehler macht. Auch das ist andersherum gedacht eine Qualität der Eagles: Dieses Team schlägt sich nicht selbst. Was CeeDee Lambs Drops im Opener waren, war der Kelce-Goal-Line-Drop zur Interception im Spiel gegen die Chiefs, es waren die geblockten Field Goals im Spiel gegen die Rams und ein geblockter Punt zum Touchdown sowie zwei kritische Bucs-Turnover am Sonntag gegen Tampa Bay.
Das Bucs-Spiel unterstrich diesen Punkt: Philadelphias Offense war in der zweiten Hälfte völlig abgemeldet, und dennoch reichte es am Ende.
Und dann gibt es aber auch das Rams-Spiel, welches Kevin Patullo, den neuen Offensive Coordinator der Eagles, darauf hinwies, dass er ein durchaus funktionierendes Downfield Passing Game hat. Nach extrem konservativen Spielen zum Start in die Saison öffneten die Eagles schließlich gegen Los Angeles die Offense, als man in der zweiten Hälfte deutlich zurücklag.
Das Spiel war ein wichtiger Datenpunkt in der noch jungen Saison. Denn im Run Game fehlt die Explosivität noch, nachdem das im Vorjahr das Markenzeichen dieser Eagles-Offense war. Auch die Interior Offensive Line ist noch nicht auf dem gewohnten Level. Philadelphia muss wieder mehr dafür machen, bewusst Räume für sein Run Game zu kreieren.
Dafür ist die Defense schon wieder eine echte Stärke. Die Interior Defensive Line ist exzellent, dahinter hat Philadelphia vielleicht das beste Linebacker-Duo in der NFL. Einzig der Nummer-2-Outside-Corner-Spot ist noch ein Problem.
Ranking vor Saisonstart: 3
Die Bills haben früh in der Saison die erwartbaren Schwächen in der Defense an den Tag gelegt. Die Front ist noch sehr inkonstant, insbesondere was das Run Game angeht. Doch ist es eine Front, in der mehrere Spieler verletzt oder gesperrt fehlen - In vier Wochen kann diese Unit schon ein ganz anderes Gesicht haben.
In der Secondary hat Erstrunden-Pick Maxwell Hairston den Start seiner Rookie-Saison aufgrund einer Knieverletzung verpasst, und dass Safety noch eine Schwachstelle sein könnte, kommt ebenfalls wenig überraschend.
Offensiv haben wir schon eine ausgeprägte Palette gesehen. In Woche 1 die irre Aufholjagd gegen die Ravens, in der Josh Allen einmal mehr gezeigt hat, dass sich die Offense jederzeit nach Bedarf auch stark auf das Passing Game stützen kann. Und dann zwei sehr kontrollierte Spiele gegen die Jets und die Dolphins, bei denen Buffalo frühzeitig in eine Art Verwaltungsmodus ging.
Die Bills haben ein exzellentes Run Game, und sie haben einen Top-3-Quarterback, der hinter einer Top-5-Line spielt. Der offensive Floor ist unheimlich hoch damit. Wenn jetzt Keon Coleman die Flashes, die er früh in der Saison hatte, fortsetzen und stabilisieren kann, ist das potenziell die beste Offense in der NFL. Und bei der Defense bin ich für die Entwicklung im weiteren Saisonverlauf optimistisch.
Adrian Franke