27.04.2026
NFL Draft Grades von Adrian Franke
Die Cardinals und Rams sorgten für die Schocker in Runde 1, die Jaguars für verwundertes Augenreiben danach. Der NFL Draft 2026 ist vorbei, Adrian Franke analysiert exklusiv für kicker alle 32 Draft-Klassen und vergibt seine Draft Grades.

Nach monatelangen Prospect-Analysen, Prognosen via Mock Drafts und Diskussionen über Spieler, Team-Strategien und die Quarterback-Fragen haben wir Klarheit: Der NFL-Draft 2026 liegt hinter uns! Damit bietet sich die Gelegenheit für ein erstes Zwischenfazit.
Denn genau darum geht es bei Draft Grades wenige Tage nach dem Draft.
Eine rein sportliche Analyse ist erst nach drei, vier Jahren seriös möglich. Hier und heute soll es nicht darum gehen, jede der 32 Klassen im Detail auf die nächsten vier Jahre zu prognostizieren. Es geht nicht, zumindest nicht primär, darum, sich festzulegen, welcher Tag-3-Pick ein Star und welcher Top-10-Pick in einigen Jahren als "Bust" abgestempelt wird. Man kann dahingehend natürlich Prognosen abgeben, die Noten maßgeblich definieren sollte das aber nicht. Das gilt auch für die eigene Spieleranalyse, die natürlich relevant ist, aber, wie auch die Analyse der Teams, letztlich auch eine Prognose ist.
In erster Linie sollte es bei Draft Grades darum gehen, die Herangehensweise der Teams im Hier und Jetzt zu bewerten. Dabei fließen die eigenen Analysen der Prospects, sowie die Konsens-Sichtweise auf diese Spieler selbstredend mit ein. Fast interessanter ist allerdings die Frage danach, wie Teams den Draft aus strategischer Perspektive angegangen sind.
Wer hat das Board aus einer (Positional-)Value-Perspektive gut gespielt? Wer war smart mit seinen Trades - und wer eher nicht? Wessen Herangehensweise wirkt durchdacht? Und welche Drafts könnten in der Zukunft deutlich negativer interpretiert werden, obwohl die gepickten Spieler vielleicht gar nicht das primäre Problem waren?
Das ist die Daseinsberechtigung von Draft Grades unmittelbar nach dem Draft, auch bevor wir die Spieler für ihre neuen NFL-Teams auf dem Platz gesehen haben. Man muss sie eben als das auffassen, was sie auch tatsächlich bewerten sollen.
Die Picks: Guard Olaivavega Ioane (1. Runde), Edge Zion Young (2. Runde), Receiver Ja'Kobi Lane (3. Runde), Receiver Elijah Sarratt (4. Runde), Tight End Matthew Hibner (4. Runde), Cornerback Chandler Rivers (5. Runde), Tight End Josh Cuevas (5. Runde), Running Back Adam Randall (5. Runde), Punter Ryan Eckley (6. Runde), Defensive Tackle Rayshaun Benny (7. Runde), Guard Evan Beerntsen (7. Runde)
Die Analyse: Ioane und Young sind prototypische Ravens-Picks. Guard war letztes Jahr ein riesiges Problem, Ioane ist einer der "sichersten" Spieler in diesem Draft und ein sofortiger Starter sowie ein klares Upgrade. Er bringt eine Power mit, die Baltimore hier zuletzt gefehlt hat und wird insbesondere im Run Game Räume öffnen, die letztes Jahr zu häufig nicht da waren.
Young ist ein bulliger, physischer Power Edge, der damit eine gute Ergänzung zu Trey Hendrickson und Mike Green darstellt. Young ist mehr der harte Edge Setter und hat seine Stärken gegen den Run sowie als Bull Rusher, während Hendrickson und Green ihre Qualitäten ganz klar jeweils als Pass Rusher haben.
Lane ist ein großer Catch-Point-Receiver, der in der Red Zone gewinnt, spektakuläre Catches sammelt und für seine Größe sehr gut beschleunigt. Eine gute Ergänzung für Baltimores Receiving-Gruppe.
Generell war Physis ein übergreifendes Thema dieser Draft-Klasse. Ioane, Young und Sarratt untermauern das, alle drei bringen ein Power-Element mit. Und Sarratt und Lane sind ein ganz anderer Receiver-Typ, als das, was Baltimore über die letzten Jahre meist hatte.
Ich mag den Rivers-Pick an Tag 3: ein Corner, der innen und außen spielen kann, der unerwartet spät ging und der vielleicht in einem Jahr Marlon Humphrey beerben könnte. Wie so viele Teams in diesem Draft holten sich auch die Ravens ihren Blocking Tight End, warteten damit aber bis in die fünfte Runde, wo ich das für deutlich vertretbarer halte. Im Gegenzug wählten sie Hibner, einen Receiving Tight End, relativ hoch aus.
Ein unspektakulärer, aber sehr produktiver Draft, der mehrere Starter hervorbringen sollte.
Die Note: 2+
Die Picks: Edge Cashius Howell (2. Runde), Cornerback Tacario Davis (3. Runde), Center Connor Lew (4. Runde), Receiver Colbie Young (4. Runde), Offensive Tackle Brian Parker II (6. Runde), Tight End Jack Endries (7. Runde), Defensive Tackle Landon Robinson (7. Runde)
Die Analyse: Der ausgesprochen teure - hier in der Note aber nicht berücksichtigte - Trade für Dexter Lawrence hat die Bengals aus der ersten Runde genommen. Dafür gab es an Tag 2 ein spannendes Prospect: Cashius Howell ist ein Speed Rusher, dessen Impact im Pass Rush direkt spürbar sein sollte.
Das große Thema bei ihm: Howell hat historisch kurze Arme für die Position. Funktioniert sein Spiel in der NFL? Gut möglich, dass er auf dem nächsten Level ein reiner Pass Rusher ist. Aber vielleicht planen die Bengals ihn in der Rolle neben Boye Mafe, Shemar Stewart und Myles Murphy auch ein. Dann könnte er der Faktor sein, der die Front für 2026 komplett macht.
Davis ist ein riesiger Corner mit legitimem Speed, der etwas höher ging als gedacht, aber nicht weit außerhalb seiner Range. Und mit Edge - spezifisch einem Pass-Rush-Spezialisten - und Cornerback, konnte Cincinnati auch nach dem Lawrence-Trade zwei seiner größten Needs mit den ersten beiden Picks angehen.
Lew arbeitet sich gerade von einem im Oktober erlittenen Kreuzbandriss zurück, könnte aber der beste Center dieser Klasse werden und 2027 als Starter übernehmen. Robinson ging sehr viel später als erwartet und gibt Cincinnati eine spannende Interior Pass-Rush-Option. Sowohl er als auch Endries haben eine echte Chance, es in den finalen Kader zu schaffen.
Die Note: 2-
Die Picks: Offensive Tackle Spencer Fano (1. Runde), Receiver KC Concepcion (1. Runde), Receiver Denzel Boston (2. Runde), Safety Emmanuel McNeil-Warren (2. Runde), Offensive Tackle Austin Barber (3. Runde), Center Parker Brailsford (5. Runde), Linebacker Justin Jefferson (5. Runde), Tight End Joe Royer (5. Runde), Quarterback Taylen Green (6. Runde), Tight End Carsen Ryan (7. Runde)
Die Analyse: Der Downtrade mit Kansas City war der Best Case zum Start in den Draft für die Browns. Es war ein offenes Geheimnis, dass Cleveland ein paar Spots runterwill, um dann eines der Top-Tackle-Prospects zu bekommen. Dafür gab es von den Chiefs einen ordentlichen Preis, und Cleveland konnte selbst nach dem Downtrade noch den ersten Lineman auswählen: Fanos bestes Tool ist die Athletik und er soll alle fünf Line-Positionen spielen können. Bei Utah hat er bereits Right Tackle und Left Tackle gespielt, Letzteres soll er wohl in Cleveland spielen.
Auch der zweite Pick war eine High-Value-Position, und ein Spieler, den ich sehr mag: Concepcion ist in meinen Augen der beste reine Separator dieser Receiver-Klasse, und zusätzlich ein brandgefährlicher Returner. In Summe war es ein exzellenter erster Tag.
Die Value-Picks gingen an Tag 2 zunächst weiter, mit Denzel Boston draftete Cleveland einen weiteren Wide Receiver, dessen Profil jedoch gänzlich anders ist als das von Concepcion. Boston ist ein großer Receiver, der nah an der Formation blocken, aber auch X-Receiver spielen kann. Ein Big-Body-Receiver war das, was Cleveland gefehlt hat, und man kann davon ausgehen, dass hier unter dem neuen Coaching Staff auch weiter umgebaut werden wird. Das Starting-Pass-Catcher-Quartett könnte dann sehr gut Jerry Jeudy, Denzel Boston, KC Concepcion und Harold Fannin sein. Eine spannende Gruppe!
Später in Runde 2 wählten die Browns mit einem kleinen Uptrade Emmanuel McNeill-Warren, der nicht selten in Runde 1 zu ihnen prognostiziert wurde. Für mich war diese Range Mitte Runde 2 durch den Draft-Prozess deutlich realistischer für ihn, weil er nicht die Athletik hat wie etwa Nick Emmanwori, der ein beliebter Vergleich für ihn war. Aber an Pick 58 ist es eine ganz andere Geschichte, und Safety war eine Problemzone für die Browns. Dass sie dann von den Giants die Picks 105, 145 und einen Viertrunden-Pick 2027 für Pick 74 bekamen, war der nächste gute Downtrade.
Barber hat Upside und kann ein Swing Tackle, vielleicht sogar perspektivisch irgendwann ein Starter werden. Hier gab Cleveland allerdings auch erstmals Draft-Kapital ab (105, 145, 206 gegen 86) und pickte einen Spieler sehr hoch gemessen an seinem Profil.
Der interessanteste Tag-3-Pick ist ohne Frage Taylen Green. Ein extrem athletischer Quarterback, der als Passer aber noch einen sehr weiten Weg vor sich hat. In Clevelands Quarterback Room ist dieses Jahr viel möglich, vielleicht sehen sie Green aber auch als eine Art Taysom-Hill-Waffe.
Cleveland hat das Board dieses Jahr in Summe unheimlich gut gespielt, alle zentralen Needs adressiert und hatte über die ersten vier Picks keine Reaches. In der Bewertung der Strategie und Herangehensweise, was hier im Fokus steht, aber auch in Kombination mit der Spielerauswahl, mein Top-Draft dieses Jahr.
Die Note: 1
Die Picks: Offensive Tackle Max Iheanachor (1. Runde), Receiver Germie Bernard (2. Runde), Quarterback Drew Allar (3. Runde), Cornerback Daylen Everette (3. Runde), Guard Gennings Dunker (3. Runde), Receiver Kaden Wetjen (4. Runde), Tight End Riley Nowakowski (5. Runde), Defensive Tackle Gabriel Rubio (6. Runde), Safety Robert Spears-Jennings (7. Runde), Running Back/Receiver Eli Heidenreich (7. Runde)
Die Analyse: Die Steelers wurden ohne Frage bei ihrem ersten Pick überrumpelt. Als sie dachten, sie hätten Makai Lemon bereits, nur um dann von den Eagles ausmanövriert zu werden. Das sollte nicht passieren, wenn man so viel Draft-Munition hat, und das ließ den Iheanachor-Pick wie einen Panik-Pick wirken. Ich bin mir gar nicht so sicher, ob sie hier letztlich nicht sogar den besseren Spieler gepickt haben: Die Upside mit Iheanachor ist sehr hoch und Tackle ist eine Baustelle, umso mehr mit der Ungewissheit bezüglich der Gesundheit von Broderick Jones. Unabhängig von der Lemon-Nummer ist Iheanachor ein guter Pick für die Steelers.
Den Receiver-Pick holte Pittsburgh dann an Tag 2 per Uptrade nach. Ich mag Germie Bernard als High-End-Nummer-3, sehe sein Skillset aber auch sehr ähnlich zu dem von Michael Pittman und Pittsburgh hat hier durch den Trade Pick 135 zusätzlich zu Pick Nummer 53 in den Receiver investiert. Das wiederum wirkte zu sehr wie eine Overcorrection nach dem Lemon-Flop in der ersten Runde.
Ich mochte dagegen den Double-Down-Pick für die Offensive Line, nach Iheanachor kam Gennings Dunker in der dritten Runde, der direkt starten könnte. Ein Power Blocker, der Räume im Run Game kreieren wird.
Drew Allar hat Upside, muss aber seine Mechanics deutlich verbessern, damit seine Accuracy konstanter wird. Das ist ein Quarterback-Projekt, zumindest die Tools in Form des Armtalents und der Physis sind aber da. Wetjen ist in erster Linie ein Returner und wurde dafür sehr hoch gepickt.
Ein später Pick, der aus dieser Klasse hängenbleiben könnte, kam ganz zum Schluss: Eli Heidenreich war bei Navy ein Slotback und könnte als Slot-Receiver-Running-Back-Hybrid einen Platz finden.
Der Steelers-Draft hat sich über die ersten Picks chaotisch angefühlt. Wahrscheinlich war er das auch. Am Ende steht aber eine solide Klasse, aus der ich drei Starter und ein bis zwei weitere Role Player für realistisch halte.
Die Note: 2-
Die Picks: Guard Keylan Rutledge (1. Runde), Defensive Tackle Kayden McDonald (2. Runde), Tight End Marlin Klein (2. Runde), Guard Febechi Nwaiwu (4. Runde), Linebacker Wade Woodaz (4. Runde), Safety Kamari Ramsey (5. Runde), Receiver Lewis Bond (6. Runde), Linebacker Aiden Fisher (7. Runde)
Die Analyse: Ich bin kein Fan von Rutledge in Runde 1, noch weniger ein Fan davon, für ihn hoch zu traden. Das ist ein solider, nasty Power Blocker mit guter Explosivität, aber mit inkonstanter Balance, inkonstanter Pass Protection und Schwächen, wenn er mehr im Raum agieren muss. Ein High-Floor-Pick, aber auch an einem Punkt im Draft, an dem noch jede Menge Guards verfügbar waren. Die Texans pickten ihn hoch, gemessen am Konsens sowie auch gemessen an meinem Ranking und sie tradeten für ihn hoch.
Houston war auch an Tag 2 direkt mit einem Uptrade am Start und ging von Pick 91 auf 117, um von 38 auf 36 hoch zu kommen. Dort bedienten die Texans ihren größten defensiven Need: Kayden McDonald ist ein großer Nose Tackle und Run Stuffer, der auch Houstons Pick in Runde 1 hätte sein können.

Mit ihrem zweiten Pick in Runde 2 wählten die Texans Marlin Klein, das deutsche Tight End Prospect. Ein explosiver Tight End mit guter Größe, der sehr gute Ansätze als Blocker zeigt. Klein wird hier noch Feinschliff brauchen, genau wie auch als Route Runner und wird sicher mehr Muskelmasse in der NFL noch draufpacken. Aber in Houston sollte er diese Zeit hinter Dalton Schultz, Brevin Jordan und Cade Stover bekommen, und perspektivisch könnte er ein echter In-Line-Tight-End mit Receiving und Blocking Impact werden.
Tag 3 war geprägt von Picks, die wie signifikante Reaches wirken. Ramsey wäre da am ehesten noch die Ausnahme, das ist ein guter Spieler für die zweite Reihe einer starken Texans Secondary.
McDonald passt super rein und kann für eine Defense, die bereits auf absolutem Elite-Level ist, der finale Touch sein. Der Rutledge-Pick war sehr teuer, McDonald war ebenfalls ein Uptrade. Die ersten beiden Picks signalisieren klar den Wunsch nach noch mehr Physis - hier passt auch Klein noch dazu - waren aber auch teure Investments auf Low-Value-Positonen.
Die Note: 3
Die Picks: Linebacker CJ Allen (2. Runde), Safety A.J. Haulcy (3. Runde), Guard Jalen Farmer (4. Runde), Linebacker Bryce Boettcher (4. Runde), Edge George Gumbs Jr. (5. Runde), Edge Caden Curry (6. Runde), Running Back Seth McGowan (7. Runde), Receiver Deion Burks (7. Runde)
Die Analyse: Einer von mehreren Drafts dieses Jahr ohne Top-50-Pick, und insgesamt hatte Indianapolis auch nur zwei Picks innerhalb der Top 100. Diese Klassen zu bewerten kann herausfordernd sein, die Colts aber machen es mir einfach.
Weil sie klare Baustellen angehen konnten, mit Spielern, die tendenziell eher noch höher gehandelt wurden, als Indianapolis sie gepickt hat, und die sofortige Starter sein sollten. Das gilt für Allen, ein physischer Downhill Linebacker, der gewisse Limitationen in puncto Länge und Athletik in Coverage hat, aber der als toller Leader gilt.
Und auch mit Haulcy, ein Deep Safety Prospect mit Ballhawk-Qualitäten, acht Interceptions hatte er über die letzten beiden Jahre, der aber auch Physis und Power mitbringt. Haulcy hat mir am besten gefallen, wenn er Routes in Coverage vor sich lesen und dann mit seiner Physis nach vorn triggern kann. Nah an der Box hat er mit seiner überschaubaren Agilität und Quickness häufiger gewackelt. Er wird in erster Linie in Split Safety Looks funktionieren.
Zusätzlich dazu konnte Indianapolis im Downtrade mit Pittsburgh in Runde 2 einen zusätzlichen Viertrunden-Pick einsammeln und Farmer sollte mit seiner Power und der Länge zumindest ein Swing Interior Lineman werden. Vielleicht sogar mehr als das.
Und dann hatten die Colts vielleicht die interessantesten Picks in den 200ern: Curry ist ein physischer Outlier, aber war sehr produktiv als Pass Rusher im College. McGowan ist ein guter Runner zwischen den Tackles mit überraschender Explosivität. Und Burks ging viel später als gedacht, er ist sehr schmal, aber hat gefährlichen Speed, um eine Rolle als vertikaler Receiver vielleicht primär aus dem Slot einzunehmen.
Ein guter Draft, der von mir eine gute Grade bekommt und mehrere Starter hervorbringen sollte. Beachtlich, angesichts des Draftkapitals.
Die Note: 2
Die Picks: Tight End Nate Boerkircher (2. Runde), Defensive Tackle Albert Regis (3. Runde), Guard Emmanuel Pregnon (3. Runde), Safety Jalen Huskey (3. Runde), Edge Wesley Williams (4. Runde), Tight End Tanner Koziol (5. Runde), Receiver Josh Cameron (6. Runde), Receiver CJ Williams (6. Runde), Edge Zach Durfee (7. Runde), Linebacker Parker Hughes (7. Runde)
Die Analyse: Boerkircher in Runde 2 ist auf jedem öffentlichen Board und auf dem Konsens-Board ein massiver Reach. Ein Tight End, der noch vor Saisonstart 25 Jahre alt wird, in keiner College-Saison 200 Receiving Yards hatte und am ehesten ein Nummer-3-Tight-End mit Blocking-Qualitäten werden dürfte, mit dem ersten Pick innerhalb der Top 60 auszuwählen, war, gelinde gesagt, wenig inspirierend.
Und auch der nächste Pick wirkt wie ein Reach. Albert Regis ist ein solider Rotations-Defensive-Tackle, der aber weder die Länge, noch die Athletik hat, um realistische Upside in eine Defensive Line zu bringen. Jacksonville hatte nach dem Travis-Hunter-Trade letztes Jahr so wenig hohe Munition in diesem Draft, und ist mit diesen Picks sehr Scheuklappen-artig umgegangen.
Pregnon ist hier der Pick, der positiv auffällt. Es war der eine Top-100-Pick der Jaguars, der nicht deutlich höher ging als gedacht, im Gegenteil. Und Pregnon mit seiner Power und seiner Erfahrung sollte direkt auf Guard starten können.
Es würde mich aber auch nicht wundern, wenn er der einzige Starter aus den vier Top-100-Picks der Jaguars werden würde. Ohne Pick in Runde 1 und dann mit so viel Tag-2-Munition wurde man den Eindruck nicht los, dass die Jaguars sich hier für smarter hielten als der Rest der Liga. Das ist eine sehr gefährliche Herangehensweise an den Draft, und natürlich sollen Teams ihr eigenes Board und ihre eigenen Rankings haben, aber so hart einen eigenen Weg zu beschreiten, führt fast immer dazu, dass man Value liegen lässt, dass man strategisch größere Impact-Spieler ignoriert um "seine" Spieler zu bekommen und das ist mein Eindruck hier mit dieser Klasse.
Das setzte sich auch an Tag 3 fort, als Jacksonville für Wesley Williams, den nächsten unerwartet hohen Pick, im Trade mit den Panthers hochging. Dazu kam ein weiterer Tight End mit Tanner Koziol, quasi das Gegenstück zu Boerkircher, als Receiving Tight End. Ich befürchte, dass Jacksonville hier auf einem sehr gefährlichen Draft-Weg unterwegs ist, dessen Impact man vielleicht nicht 2026, aber mittelfristig in den kommenden Jahren so richtig spüren wird.
Die Note: 4
Die Picks: Receiver Carnell Tate (1. Runde), Edge Keldric Faulk (1. Runde), Linebacker Anthony Hill (2. Runde), Guard Fernando Carmona (5. Runde), Running Back Nicholas Singleton (5. Runde), Defensive Tackle Jackie Marshall (6. Runde), Center Pat Coogan (6. Runde), Tight End Jaren Kanak (7. Runde)
Die Analyse: Ich persönlich hatte Tate nicht als Top-5-Pick auf meinem Board, aber er war der Konsens-Nummer-1-Receiver und es ist nachvollziehbar, wie die Titans zu diesem Pick kamen: Nachdem Bailey und vor allem Jeremiyah Love vom Board waren, sahen sie in Tate den Spieler, der Cam Ward in dessen Entwicklung am ehesten unterstützen kann. Ich würde argumentieren, er kann das sogar mehr noch als Love. Und er passt stilistisch sehr gut zu Ward: Ein Downfield Receiver, der am Catch Point mit Größe gewinnt, zusammen mit einem Quarterback, der aggressiv vertikal attackieren will.
Auch bei Faulk, für den Tennessee im Gesamt-Value etwa einen zusätzlichen frühen Viertrunden-Pick im Trade nach oben investierte, ist die Rolle klar. Ein langer, physischer Defensive End, der in Salehs 4-Man-Rush sofort gegen den Run hilft und sich als Pass Rusher noch entwickeln könnte. Die Defensive Line der Titans hat in dieser Offseason ein gänzlich anderes Gesicht bekommen und sollte, wie man das von Saleh-Teams kennt, direkt das Herzstück des Teams sein.
Zwei Tag-3-Picks, die eine Rolle finden könnten: Nicholas Singleton hat Big Play Speed und das mit einem großen Frame. Und Coogan ist ein sehr erfahrener Center mit Stärken in Pass Protection, der zumindest die Tiefe aufwerten sollte.
In Summe gleichen sich Tate und Faulk ein wenig aus, was Value gemessen an den meisten Boards angeht. Beide gingen in einer vertretbaren Range und passen sehr gut zu dem, was die Titans jeweils auf beiden Seiten des Balls aufbauen wollen. Hill gefällt mir für Saleh mit seiner Reichweite in Coverage. Die Definition eines soliden Drafts.
Die Note: 2-
Die Picks: Edge T.J. Parker (2. Runde), Cornerback Davison Igbinosun (2. Runde), Tackle Jude Bowry (4. Runde), Receiver Skyler Bell (4. Runde), Linebacker Kaleb Elarms-Orr (4. Runde), Cornerback Jalon Kilgore (5. Runde), Defensive Tackle Zane Durant (5. Runde), Cornerback Toriano Pride Jr. (7. Runde), Punter Tommy Doman (7. Runde), Guard Ar’maj Reed-Adams (7. Runde)
Die Analyse: Tag 1 lief sehr gut für die Bills. Spät in der ersten Runde, wo das Talent-Level schon deutlich heruntergegangen war und sich nur sehr vereinzelt von Tag 2 abhob, ging Buffalo insgesamt dreimal in Trades runter und machte so in Summe aus den Picks 26, 91 und 165 die Picks 35, 66, 101, 125 und 167. Das ist de facto der Trade für DJ Moore wieder reingeholt und dann noch ein bisschen Kapital extra, das war exzellent gemanagt.
Umso mehr, weil dann Anfang der zweiten Runde noch Spieler auf dem Board waren, die auch an 26 der Pick hätten sein können. Buffalo pickte hier T.J. Parker, ein toller Value an der Stelle und ein klarer Need. Über die ersten 35 Picks haben die Bills diesen Draft ligaweit mit am besten gespielt.
Buffalo nutzte dann ein wenig des zusätzlichen Draft-Kapitals in Form von Pick 182 in einem kleinen Uptrade ganz am Ende der zweiten Runde für Cornerback Davison Igbinosun, ein großer Outside Press Corner, der in puncto Quickness und Agilität allerdings limitiert ist.
Bowry ist vielleicht eher ein Guard auf dem nächsten Level, die Bills brauchten in jedem Fall noch Tiefe und auch einen Swing-Tackle, das dürfte seine Rolle sein.
Ich mochte Bells Tape, weil er so quick ist und so gute Movement Skills hat. Der Speed ist da, die Drops muss er dringend abstellen. Aber er ist Buffalos Receiver-Prototyp, ein ähnlicher Receiver wie Khalil Shakir, und eine weitere Waffe für Yards nach dem Catch.
Die späten Tag-3-Picks könnten hier vielleicht überraschen. Mich würde es nicht schocken, wenn Kilgore in drei Jahren eher ein Starter wäre als Igbinosun. Durant bringt Power für die Interior Defensive Line, die Buffalo fehlt. Elarms-Orr ist leicht, aber hat die Athletik und Reichweite in Coverage und könnte als Rookie auf Linebacker starten. Und Adams ging deutlich später als gedacht, er passt in ihr Scheme und könnte ein Swing Guard sein.
Ich war großer Fan der Strategie und der Herangehensweise bei den Trades. Das in Kombination mit dem Parker-Pick in Runde 2 bringt die Bills für mich auf die positive Seite. Viele der Picks danach, rein was die Spielerauswahl angeht, fand ich aber eher überschaubar und hätte zudem mehr hohe Investments in die Mitte der Defense - Nose Tackle, Linebacker - erwartet. Nach den ersten 35 Picks war das ein Draft, der eine 1 hätte werden können, so lande ich in Summe mehr bei "gut".
Die Note: 2
Die Picks: Offensive Tackle Kadyn Proctor (1. Runde), Cornerback Chris Johnson (1. Runde), Linebacker Jacob Rodriguez (2. Runde), Receiver Caleb Douglas (3. Runde), Tight End Will Kacmarek (3. Runde), Receiver Chris Bell (3. Runde), Linebacker Trey Moore (4. Runde), Linebacker Kyle Louis (4. Runde), Safety Michael Taaffee (5. Runde), Receiver Kevin Coleman (5. Runde), Tight End Seydou Traore (5. Runde), Guard DJ Campbell (6. Runde), Edge Max Llewellyn (7. Runde)

Die Analyse: Wir wussten, dass die Liga bei Proctor höher ist als der mediale Draft-Konsens. Und ich verstehe es aus dieser Perspektive: Spieler mit Proctors Maßen sind selten! Aber er hat auch echte Fragezeichen in seinem Profil; angefangen damit, ob er ausreichende Mobilität und Quickness hat, um Tackle in der NFL zu spielen. Das aber muss der Plan sein, wenn man ihn so hoch pickt. Ich sehe hier ein erhebliches Risiko, zusätzlich dazu noch in dem Wissen, dass Caleb Downs und Rueben Bain noch auf dem Board waren, war Proctor einer der Picks, die ich weniger mochte in Runde 1. Johnson dagegen gefällt mir sehr gut, auch an der Stelle in Runde 1 und über Needs müssen wir bei den Dolphins gar nicht sprechen: Nahezu alles war ein Need in Miami zum Start dieses Drafts.
Rodriguez ist ein Ballmagnet und eine Turnover-Maschine. Ich bin bei ihm gespannt, ob er in der NFL als Linebacker in der Box genug Physis hat. Rodriguez ist ein ehemaliger Quarterback, der auf Linebacker umgeschult wurde und ist klein für die Position. Aber sein Spielverständnis und seine Nase für den Ball sind spektakulär.
Leider gingen die eher fragwürdigen Picks dann weiter. Mal in puncto Reach mit Caleb Douglas, der vielleicht eher ein Possession Receiver ist, aber dafür einfach nicht konstant genug spielt, mal in puncto Reach und Positional Value mit Will Kacmarek, ein primärer Blocking Tight End, der sehr viel früher ging als gedacht.
Bell war dann wieder mehr die Art Pick, die ich von Miami dieses Jahr erwartet habe. Ein Upside-Receiver, der sich zwar gerade von einem Kreuzbandriss zurückarbeitet, aber der eindrucksvolle Speed hat für einen großen, physischen Receiver und der am ehesten als Yards-after-Catch-Waffe eingesetzt werden sollte.
Ich mochte den Louis-Pick an Tag 3, ein Safety-Linebacker-Hybrid-Spieler. Er war aber auch schon der dritte Off-Ball-Linebacker, den Miami in diesem Draft auswählte. Selbst wenn sich deren Rollen dann leicht unterscheiden werden.
Dieser Draft mit all der Munition und nach all den guten Spielern, die Miami über die letzten acht Monate abgegeben hat, sollte die Basis für den Neustart sein. Und vielleicht ist er das, aber das ist nicht der Eindruck, den ich von dieser Klasse habe, die auch strategisch einfach nicht das ist, was ich von Miami erwartet hatte. Wenig Investment in die Trenches, wenig Upside-Picks auf Premium-Positionen, was eigentlich die Themen dieses Dolphins-Drafts sein sollten.
Die Note: 3-
Die Picks: Offensive Tackle Caleb Lomu (1. Runde), Edge Gabe Jacas (2. Runde), Tight End Eli Raridon (3. Runde), Cornerback Karon Prunty (5. Runde), Offensive Tackle Dametrious Crownover (6. Runde), Linebacker Namdi Obiazor (6. Runde), Quarterback Behren Morton (7. Runde), Running Back Jam Miller (7. Runde), Edge Quintayvious Hutchins (7. Runde)
Die Analyse: Vielleicht die Klasse, mit der ich mich dieses Jahr am schwersten tue. Lomu ist ein athletisches Tackle Prospect, das man aber noch entwickeln muss. Und das stilistisch einige ähnliche Stärken und Schwächen hat wie Will Campbell. Lomu soll perspektivisch auf die rechte Seite gepackt werden, das scheint der aktuelle Plan zu sein. Ich hätte dann aber Zweifel daran, dass die Patriots genügend Physis mit ihrem Tackle-Duo haben. Wenn Lomu sich überhaupt wie erhofft entwickelt und wenn er auf der rechten Seite zurechtkommt.
Ich kritisiere den Pick aber nicht zu sehr, eventuell haben die Patriots einen langfristigen Starting Tackle Ende der ersten Runde gefunden. Aber es ist auch ein Pick, der mit einigen Fragen erst einmal stehen bleibt.
Jacas ging, genau wie Lomu, in der erwarteten Range. Ein Power-Edge, der aber noch unerwartet inkonstant gegen den Run spielt. Dazu kommt, dass die Patriots für Lomu (Preis: Viertrunden-Pick) und für Jacas (Preis: Viert- und Sechstrunden-Pick) jeweils hoch gegangen sind. Und Raridon ist ein Blocking Tight End der im Zuge des Blocking Tight End Runs an Tag 2 relativ hoch vom Board ging.
Richtig warm wurde ich mit der Klasse nicht. Viel wird davon abhängen, ob Jacas mehr als ein Rotationsspieler werden kann, und ob Lomu auf Right Tackle - und im Tackle-Tandem mit Will Campbell - funktioniert. Dass die Patriots Receiver ignoriert haben, ist insofern nachvollziehbar, da der Trade für A.J. Brown später im Sommer an diesem Punkt ein offenes Geheimnis ist.
Die Note: 3
Die Picks: Edge David Bailey (1. Runde), Tight End Kenyon Sadiq (1. Runde), Wide Receiver Omar Cooper (1. Runde), Cornerback D’Angelo Ponds (2. Runde), Defensive Tackle Darrell Jackson (4. Runde), Quarterback Cade Klubnik (4. Runde), Guard Anez Cooper (6. Runde), Safety VJ Payne (7. Runde)
Die Analyse: Ein Draft, bei dem ich mich mit am meisten in diesem Jahr von meiner eigenen Spielerbewertung bewusst ein wenig lösen muss. Ich habe bei Bailey größere Fragezeichen, weil seine Run-Defense ein Problem ist und weil er zwar Speed und Explosivität auf Elite-Level hat, aber nicht den Bend, den wir sonst von solchen Pass Rushern sehen.
Das ist kurioserweise auch das Thema bei Sadiq: Elite Straight Line Speed, limitierte Agilität. Sadiq wird vertikal Big Plays haben, ich habe Fragezeichen dahingehend, wie viel Separation er als echter Route Runner kreiert. Aber in jedem Fall wurden die Jets in Runde 1 deutlich explosiver, das gilt auch für den Pick von Omar Cooper, eine gute Yards-after-Catch-Waffe, für die New York von 33 auf 30 nochmal hoch in die erste Runde kam.
Gleichzeitig würde ich hier auch die strategische Big-Picture-Frage stellen. Die Jets haben letztes Jahr Mason Taylor gedraftet, jetzt draften sie für die gleiche Rolle Sadiq. Coopers Skillset ähnelt dem von Garrett Wilson. Unabhängig davon, dass ich bei den jeweiligen Spielern individuell niedriger bin als der Konsens, habe ich Zweifel daran, dass das die idealen Picks im Gesamtkontext des Jets-Rebuilds waren.
Der Downtrade mit den Lions an Tag 2 brachte etwas zusätzlichen Value für die Jets, und den Pick dann, nachdem sie von 44 auf 50 heruntergegangen waren, gefällt mir fast noch mehr: D’Angelo Ponds ist ein Spieler, der mit seiner Explosivität, seiner Spielintelligenz, seiner Antizipation und seinem Feuer identitätsstiftend für eine Secondary sein kann. Er ist eben sehr klein, und vielleicht kann er in der NFL nicht Outside spielen. Aber das ist ein toller Spieler, der einen Platz finden wird.
Klubnik als Quarterback-Lotterielos in Runde 4 ist in Ordnung und passt zur Timeline der Jets. Ich sehe ihn als Backup in der NFL, aber jetzt haben sie eine Alternative für dieses Jahr hinter Geno Smith, die in keiner Weise verhindert, dass New York einen Quarterback hoch im kommenden Draft auswählt, wovon ich nach wie vor ausgehe.
Die Jets hatten sehr viel Draft-Kapital, entsprechend muss die Erwartungshaltung an diesen Draft auch groß sein. Ich bin noch nicht sicher, ob die Playmaker, die sie in Runde 1 gepickt haben, nicht denen, die sie bereits im Kader hatten, zu ähnlich sind und wie groß der Impact von einem Spieler wie Sadiq in der NFL sein wird. Oder ob Tight End unbedingt die Position ist, die ich an ihrer Stelle priorisiert hätte. Mein Lieblings-Pick kam an Tag 2 mit Ponds.
Die Jets wurden definitiv besser und sie wurden viel explosiver, das war das übergreifende Thema dieser Klasse. Ein Schritt in die richtige Richtung. Strategisch und bei der Frage, ob sie mehr aus ihrem Draft-Kapital hätten machen können, sehe ich den Draft der Jets eher in der Kategorie "solide".
Die Note: 2-
Die Picks: Defensive Tackle Tyler Onyedim (3. Runde), Running Back Jonah Coleman (4. Runde), Tackle Kage Casey (4. Runde), Tight End Justin Joly (5. Runde), Safety Miles Scott (7. Runde), Tight End Dallen Bentley (7. Runde), Linebacker Red Murdock (7. Runde)
Die Analyse: Der erste Broncos-Pick in diesem Draft kam nach einem kleinen Downtrade erst an Position 66. Dementsprechend ist das eine sehr andere Bewertung als für die meisten anderen Teams.
Onyedim ging dabei zusätzlich sehr hoch, was die Bewertung nicht einfacher macht. Das ist ihr Ersatz zumindest in der Rotation für John Franklin-Meyers in einer Defense, in der die Startplätze alle besetzt sein dürften.
Coleman ist ein solider Back, ein guter Runner zwischen den Tackles, das ist die Absicherung hinter J.K. Dobbins. Casey könnte ihr Swing Tackle werden, vielleicht aber auch ein genereller Swing Lineman, der auch auf Guard aushelfen kann.
Hier würde ich am liebsten eine "Incomplete"-Note vergeben, denn das ist dieser Draft unter dem Strich. Nach dem Waddle-Trade und mit letztlich nur einem Pick innerhalb der Top-100 war einfach nicht viel drin.
Die Note: 3
Die Picks: Cornerback Mansoor Delane (1. Runde), Defensive Tackle Peter Woods (1. Runde), Edge R Mason Thomas (2. Runde), Cornerback Jadon Canady (4. Runde), Running Back Emmett Johnson (5. Runde), Receiver Cyrus Allen (5. Runde), Quarterback Garrett Nussmeier (7. Runde)
Die Analyse: Der Uptrade in der Top 10 war nicht gerade günstig, und hier kann man diskutieren: Wäre Delane wirklich mit Pick 7 oder 8 vom Board gegangen? Wäre Caleb Downs in dem Fall die so viel schlechtere Alternative gewesen? Ich bin großer Fan von Delane, und Corner war ein klarer Need, trotzdem muss man festhalten, dass die Chiefs hier in Summe einen Premium-Preis gezahlt haben.

Aber man muss auch festhalten, dass die Chiefs-Defense in diesem Draft deutlich besser wurde. Delane ist ein Nummer-1-Corner, vielleicht der einzige in diesem Draft. Woods ist ein Gap Shooter und gefährlicher Interior Pass Rusher, perspektivisch im Idealfall auch ihr Chris-Jones-Nachfolger. Und R Mason Thomas ist ein spektakulärer Speed Rusher mit Top-Tier-Explosivität, der den Chiefs einen anderen Pass Rush Flavor gibt als das, was Kansas City bereits hat. Strategisch, genau wie wo die Spieler jeweils gepickt wurden und wie sie in die Defense passen, war das ein sehr stimmiger Start für Kansas City.
Tag 3 gefiel mir hier ebenfalls ausgesprochen gut. Emmett Johnson hatte ich höher als der Konsens, aber auch der Konsens hatte ihn höher als Pick 161. Ein sehr smarter Runner, der auch stilistisch eine sehr gute Ergänzung zu Kenneth Walker darstellt. Cyrus Allen ist ein guter Route Runner, aber nicht ganz das, was man sich als Receiver-Ergänzung aus diesem Draft für die Chiefs erhofft hatte.
Dass Garrett Nussmeier bis in die siebte Runde fiel, muss mit seinen Rückenproblemen zusammenhängen. Vom Tape her hätte das ein Tag-2-Quarterback sein können und ich mag ihn als Backup hinter Mahomes perspektivisch sogar mehr als Justin Fields.
Kleine Abzüge in der Note gibt es für den Uptrade in der Top 10 und den Preis, den man damit in Summe für Delane gezahlt hat. Die Alternative hätte Downs an 9, einer der Big Body Receiver (Hurst, Brazzell, Fields) an 74 und ein Corner (Rivers, Abney) an 148 sein können. Eine Diskussion, die man durchaus führen kann. Dennoch eine sehr starke Klasse.
Die Note: 2+
Die Picks: Quarterback Fernando Mendoza (1. Runde), Defensive Back Treydan Stukes (2. Runde), Edge Keyron Crawford (3. Runde), Offensive Tackle/Guard Trey Zuhn (3. Runde), Cornerback Jermod McCoy (4. Runde), Running Back Mike Washington (4. Runde), Safety Dalton Johnson (5. Runde), Cornerback Hezekiah Masses (5. Runde), Receiver Malik Benson (6. Runde), Defensive Tackle Brandon Cleveland (7. Runde)
Die Analyse: Dass Mendoza der Pick zum Start des Drafts sein würde, wussten wir seit Monaten. Es war ein einfacher Pick in einer Draft-Klasse mit einer schwachen Spitze, nur einem Quarterback für ganz oben und als ein Team, das einen Franchise-Quarterback dringend braucht.
Der kleine Downtrade zum Start in den zweiten Tag bescherte den Raiders den Sprung von 117 auf 91, und nach dem Downtrade schnappte sich Las Vegas Treydan Stukes, einer meiner Lieblings-DBs in dieser Klasse. Ein großer Slot-Corner-Safety-Hybrid mit enormer Spielintelligenz und der Athletik, um diese Antizipation auch in Plays am Ball umzuwandeln.
Crawford hat erst spät in der High School mit Football angefangen, die Agilität und Quickness aber sind offensichtlich. Ein explosiver Pass Rusher, der sich auch in Coverage zurückfallen lassen kann und der in seiner Entwicklung noch deutlich mehr Potenzial haben dürfte. Der Pick ergibt umso mehr Sinn, weil die Raiders während des Drafts Tyree Wilson zu den Saints getradet haben.
Der große Name neben Mendoza ist aber Jermod McCoy. Und es gibt Gründe dafür, dass ein, rein vom Talent-Level her, Top-15-Spieler in diesem Draft erst zum Start der vierten Runde vom Board ging. Die Knieproblematik soll ernsthafte langfristige Fragezeichen mitbringen, eine weitere Operation ist wohl notwendig, und es soll im Bereich des Möglichen sein, dass er anschließend nicht mehr spielen kann. Aber wenn McCoy fit ist, wenn er fit bleibt, ist das ein Steal an der Stelle. In der Bewertung natürlich aber mit einem großen Sternchen dahinter.
Es dauerte dann bis in die spätere vierte Runde, ehe die Raiders in ihr offensives Waffenarsenal investierten. Mike Washington dürfte den neuen Head Coach Klint Kubiak an das erinnern, was er mit Kenneth Walker in Seattle hatte. Und auch bei den Raiders wird Washington die Nummer 2 hinter Ashton Jeanty sein, bringt aber mit der Größe, Physis und vor allem dem Speed ein anderes Element in das Backfield.
Die Kritikpunkte: Ich hätte unbedingt sehen wollen, dass die Raiders nach dem Mendoza-Pick einen ihrer hohen Picks in einen Receiver investieren. Als Las Vegas Crawford Anfang Runde 3 pickte, waren unter anderem Antonio Williams, Malachi Fields, Zachariah Branch, Ted Hurst und Chris Brazzell noch auf dem Board.
Zuhn hat Starting-Guard-Potenzial, ging aber absolut am oberen Ende seiner Range. Und McCoy muss man ein wenig außer Konkurrenz für die Bewertung betrachten. Ein guter Draft, der aber für meinen Geschmack noch besser hätte sein können.
Die Note: 2
Die Picks: Edge Akheem Mesidor (1. Runde), Center/Guard Jake Slaughter (2. Runde), Receiver Brenen Thompson (4. Runde), Tackle Travis Burke (4. Runde), Safety Genesis Smith (4. Runde), Defensive Tackle Nick Barrett (5. Runde), Guard Logan Taylor (6. Runde), Tackle Alex Harkey (6. Runde)
Die Analyse: Die ersten beiden Chargers-Tage in einem Wort zusammengefasst wäre für mich dieses: uninspirierend. Das war mein übergreifendes Gefühl zum Chargers-Draft letztes Jahr, und es ist mein übergreifendes Gefühl zu den diesjährigen Top-Chargers-Picks.
Für volle Transparenz an dieser Stelle: Bei Mesidor war ich niedriger als manche andere. Das Alter - Mesidor ist bereits 25 Jahre alt - in Kombination damit, dass er mir am besten als Interior Pass Rusher gefallen hat und ich unsicher bin, ob er Early Down außen in der NFL funktioniert, macht ihn für mich zu einem schwierigen Profil. Er ist technisch weit und wird direkt einen Impact haben, ob er aber ein guter Erstrunden-Pick war, das wird sich zeigen müssen.
Slaughter ging dann auch gemessen am Konsens deutlich höher als vermutet. Und er soll hier wohl Guard spielen, nachdem er bei Florida Center gespielt hat. Er hat zumindest die Athletik für die neue Chargers-Offense.
Mein Lieblings-Pick kam aber an Tag 3. Brenen Thompson hat sensationellen Speed, er ist extrem schmal und muss die richtige Rolle finden. Aber es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich diesen Receiver in Mike McDaniels Offense vorzustellen. Und die Chargers brauchten dringend mehr Speed. Thompson ist mit der Größe ein Outlier, aber ich sehe hier einen Impact-Spieler für diese Offense.
Danach war das Thema klar: Nach den O-Line-Katastrophen der vergangenen Saison sollte mehr Tiefe her. Burke ist ein riesiges Tackle Prospect, Taylor ein monströs großer Guard mit echten Qualitäten als Run-Blocker und Harkey könnte ihr Swing Tackle werden. Man kann den Chargers nach diesem Draft zumindest nicht vorwerfen, dass sie die Offensive Line ignorieren. Wie viel Impact sie aus Tag 1 und 2 aber mitnehmen, da bin ich eher auf der skeptischen Seite.
Die Note: 3+
Die Picks: Safety Dillon Thieneman (1. Runde), Center Logan Jones (2. Runde), Tight End Sam Roush (3. Runde), Receiver Zavion Thomas (3. Runde), Cornerback Malik Muhammad (4. Runde), Linebacker Keyshaun Elliott (5. Runde), Defensive Tackle Jordan Van den Berg (6. Runde)
Die Analyse: Mit Thieneman könnte Chicago einer der Steals der ersten Runde gelungen sein. Ein extrem athletischer Safety mit enormer Reichweite, der auch als echter Single High Safety fungieren kann. Ich hatte in keinem Szenario gesehen, dass er bis Pick 25 fällt, in Kombination mit Free-Agency-Neuzugang Coby Bryant haben die Bears ihr Starting-Safety-Duo in einer Offseason generalüberholt und könnten hier eine echte Stärke kreiert haben.
Das Thema zog sich aber leider nicht durch den weiteren Bears Draft. Center wurde durch den überraschenden Rücktritt von Drew Dalman ein Thema, aber Jones ging sehr hoch. Immerhin athletisch bringt er sehr gute Voraussetzungen für eine Ben-Johnson-Offense mit, dafür ist er aber auch vergleichsweise klein, mit einer Armlänge in der 9. Perzentile.
Noch sehr viel deutlicher war der Reach bei Zavion Thomas, der in den meisten Draft-Prognosen als Siebtrunden-Pick gehandelt wurde. Die Bears haben ihn mit Pick 89 in der dritten Runde ausgewählt. Thomas hat Speed, ist aber eher ein Returner als ein wirklicher Receiver. Starke Velus-Jones-Vibes an dieser Stelle.
Das in Kombination mit der Tatsache, dass die ersten drei Picks Safety, Center und ein Blocking Tight End waren und dass sie die Defensive Line fast komplett ignoriert haben, dämpft die Euphorie nach der ersten Runde doch erheblich. So sehr ich Thieneman mag.
Die Note: 3+
Die Picks: Offensive Tackle Blake Miller (1. Runde), Edge Derrick Moore (2. Runde), Linebacker Jimmy Rolder (4. Runde), Cornerback Keith Abney (5. Runde), Receiver Kendrick Law (5. Runde), Defensive Tackle Skyler Gill-Howard (6. Runde), Edge Tyre West (7. Runde)
Die Analyse: Tackle und Edge mit den ersten beiden Picks waren die klaren Prognosen für die Lions, und genau so kam es auch. Und Miller ist ein prototypischer Lions-Spieler, mit der Toughness, mit der Erfahrung, aber auch der Athletik, die er mitbringt. Und er ist auch der Pick, der den Move ermöglicht, der sich in Detroit seit Wochen anbahnt: Penei Sewell wird jetzt auf die linke Seite wechseln, Miller ist ein Right Tackle.
Kein Brad-Holmes-Draft kommt ohne Uptrade, den gab es auch hier in Runde 2, und zwar, um für Derrick Moore hoch zu traden. Edge ist ein Need, die Lions suchen seit Jahren nach einem verlässlichen Nummer-2-Edge gegenüber von Aidan Hutchinson. Ich mag Moore für diese Rolle und er hat die Power, die die Lions von ihren Edge-Rushern sehen wollen. Aber Detroit hat hier Pick Nummer 128 abgegeben, um in Runde 2 sechs Picks hochzuklettern. Es ist und bleibt die Draft-DNA von Holmes, die ich weiter kritisch sehe, gerade auch weil es sich Jahr für Jahr wiederholt.
Umso mehr mochte ich den Abney-Pick an Tag 3. Abney ist durch seine Athletik und den Mangel an Länge limitiert, aber mit der Antizipation und dem Feuer, mit dem er spielt, passt er zu Detroit. Law könnte Detroits neuer Returner sein.
Alles in allem ein sehr typischer Lions-Draft, mit immerhin mehr Fokus auf Positional Value, bei dem auch Needs adressiert wurden, die dringend angegangen werden mussten. Und das mit soliden Spielern und einem Uptrade an Tag 2. Nichts, was wir nicht schon gesehen hätten von Detroit, aber ich mag die Klasse insgesamt.
Die Note: 2-
Die Picks: Cornerback Brandon Cisse (2. Runde), Defensive Tackle Chris McClellan (3. Runde), Edge Dani Dennis-Sutton (4. Runde), Center Jager Burton (5. Runde), Cornerback Domani Jackson (6. Runde), Kicker Trey Smack (6. Runde)
Die Analyse: Kein Pick in Runde 1, und dass Cisse bis Pick 52 fiel, war schon fast eine Art Best Case für die Packers. Cisse hat legitimen Speed, sein Closing Burst ist sehr gut und er hat Qualitäten als Press Corner. Der Recovery Speed gibt ihm ein wenig Spielraum für Fehler, gleichzeitig ist er auch noch roh.

Im Raum wirkt er mitunter unsicher beim Lesen von Routes und ist dann auch zu spät dran, und mit dem schmalen Frame bekommt er Probleme gegen Blocker im Run und Screen Game. Aber das ist ein junger Corner, den man entwickeln kann, der athletische Tools hat - und Corner war eine der größten Baustellen bei den Packers.
Die andere war die Defensive Line, wenig überraschend gingen hier die nächsten beiden Picks rein. McClellan ist ein Power-Spieler vor allem gegen den Run, Dennis-Sutton hat alle athletischen Tools, muss die aber noch mehr auch auf den Platz bringen. Trotzdem guter Value mit Pick 120, und Jager Burton hat Starter-Potenzial. Auch er bringt athletisch alles mit, was ein klares Thema dieser Klasse war.
Die Note: 2
Die Picks: Defensive Tackle Caleb Banks (1. Runde), Linebacker Jake Golday (2. Runde), Nose Tackle Domonique Orange (3. Runde), Offensive Tackle Caleb Tiernan (3. Runde), Safety Jakobe Thomas (3. Runde), Tight End/Fullback Max Bredeson (5. Runde), Cornerback Charles Demmings (5. Runde), Running Back Demond Claiborne (6. Runde), Center Gavin Gerhardt (7. Runde)
Die Analyse: Ein sehr mittelmäßiger, weil riskanter Draft. Banks ging ganz am oberen Ende seiner Range, und das ist ein sehr risikoreicher Pick. Die Upside ist riesig, aber die Inkonstanz auch. Dazu kommt eine Verletzungsvorgeschichte in Form einer schweren Fußverletzung letztes Jahr.
Der Linebacker-Pick war umso überraschender, weil wenig später der Trade von Jonathan Greenard zu den Eagles verkündet wurde. Das Edge-Board war bei Pick 51 noch gut gefüllt, hier hätte Minnesota direkt vorsorgen können - entschied sich aber für einen flexibel einsetzbaren Off-Ball-Linebacker. Vielleicht planen sie, Golday mehr Edge-Snaps zu geben, das würde seine Schwachstellen in puncto Play Recognition etwas kaschieren.
Orange ist ein Nose Tackle und in erster Linie ein Run-Stopper und unterstreicht als zweiter Defensive-Tackle-Pick, wie viel Arbeit Minnesota in der Interior Defensive Line hatte.
Tiernan ist ein interessanter Spieler, gleichzeitig muss man hier abwarten, ob er mit den extrem kurzen Armen überhaupt Tackle spielen kann in der NFL. Auch Minnesota ließ sich dann an Tag 3 seinen Blocking Tight End nicht entgehen.
Späte Picks, die interessant sein könnten: Demmings ist ein großer, explosiver Outside Corner, den ich mir gut in Flores’ Defense vorstellen kann. Claiborne hat keinerlei Power, aber ist ein Speed-Back, und wenn man ihn in den Raum bringt, kann er Big Plays kreieren. Er ist jedoch ein reiner Change-of-Pace-Runner, der im Passspiel keine wirkliche Rolle und viele Drops hatte.
Minnesota hat nirgends sonderlich Value eingesammelt, hat wenige Value-Positionen innerhalb der Top 150 adressiert und geht mit seinem Erstrunden-Pick ein größeres Risiko ein. Wenn Banks einschlägt, ist diese Grade zu niedrig, aber für den Moment bin ich kein Fan dieses Drafts.
Die Note: 3
Die Picks: Cornerback Avieon Terrell (2. Runde), Receiver Zachariah Branch (2. Runde), Safety Kendal Daniels (4. Runde), Defensive Tackle Anterio Thompson (6. Runde), Linebacker Harold Perkins Jr. (6. Runde), Guard Ethan Onianwa (7. Runde)
Die Analyse: Eine der coolsten Geschichten aus diesem Draft ist, dass die Terrell-Brüder jetzt in der gleichen Secondary spielen. A.J. Terrell als Outside Corner, Avieon Terrell dürfte in der NFL primär innen spielen, kann aber auch nach außen rücken. Er wird in der NFL noch mehr Power gegen den Run entwickeln müssen, insbesondere, wenn er bevorzugt innen spielen soll. Sein Coverage-Skillset aber ist gut, Inside und Outside.
Branch ist eine gute Ergänzung für Atlantas Playmaker-Gruppe. Ein Speedster, der am besten mit dem Ball in der Hand ist, und der bei Georgia auch primär als Gadget-, Screen- und Underneath-Receiver eingesetzt wurde. Das ist seine Rolle. Er ist limitiert als Route Runner, er ist limitiert am Catch Point, aber er kann Big Plays nach dem Catch kreieren und hat hier eine gänzlich andere Explosivität und Quickness als die anderen Falcons-Waffen.
Ich mochte beide Spieler jeweils dort, wo Atlanta sie gedraftet hat. Gleichzeitig sprechen wir bei den beiden Spieler, die mutmaßlich am ehesten einen Impact haben werden aus dieser Draft-Klasse, über einen Slot Corner und einen Gadget-Spieler, der vielleicht ein Slot Receiver werden kann.
Dennoch: Gemessen an den sehr limitierten Ressourcen könnte Atlanta mit ein bis im besten Fall zwei Startern hier raus gehen, mit Perkins als Tag-3-Upside-Pick in einer defensiven Hybrid-Rolle. Ein angesichts des Kapitals unerwartet solider Draft.
Die Note: 2-
Die Picks: Offensive Tackle Monroe Freeling (1. Runde), Defensive Tackle Lee Hunter (2. Runde), Receiver Chris Brazzell II (3. Runde), Cornerback Will Lee III (4. Runde), Center Sam Hecht (5. Runde), Safety Zakee Wheatley (5. Runde), Linebacker Jackson Kuwatch (7. Runde)
Die Analyse: Ich hatte nicht erwartet, dass Freeling für die Panthers noch da sein würde, aber ich mag den Pick für Carolina sehr. Freeling hat die größte Upside aller Tackle-Prospects in diesem Draft, vielleicht braucht er noch etwas Zeit, aber selbst das passt hier: Freeling muss nicht sofort starten, wenn die Panthers das nicht wollen. Sie können ihm Zeit geben.
Hunter war mein Pick für die Panthers in meinem 2-Runden-Mock. Carolina hatte in der Interior Defensive Line noch Bedarf, Hunter ist ein massiver Nose Tackle mit aber überraschender Quickness im Pass-Rush und sollte Derrick Brown hier vor allem in der Run-Defense merklich entlasten können. Die Panthers-Front wird in der kommenden Saison ein komplett anderes Gesicht haben.
Bei Brazzell ist die große Frage, ob er genug Power hat, um als vertikaler Receiver außen zu bestehen. Der Speed, die Größe und die Movement Skills für die Größe sind beachtlich und ich bin gespannt, was Carolinas Plan mit ihm ist. Und wie sie ihn und Xavier Legette einplanen, beide brauchen eine spezifische Rolle. Aber Carolina hat jetzt eine physisch sehr große Receiver-Gruppe, vielleicht hilft das auch Bryce Young.
Hecht könnte ein Starting-Center auf dem nächsten Level werden und Wheatley ging deutlich später als gedacht. Safety war ein Need, Wheatley hat die Athletik für eine Single-High-Rolle, was vielleicht genau das ist, was die Panthers aus diesem Draft mitnehmen wollten. Starker Draft.
Die Note: 2+
Die Picks: Receiver Jordyn Tyson (1. Runde), Defensive Tackle Christen Miller (2. Runde), Tight End Oscar Delp (3. Runde), Guard Jeremiah Wright (4. Runde), Receiver Bryce Lance (4. Runde), Safety Lorenzo Styles (5. Runde), Receiver Barion Brown (6. Runde), Cornerback TJ Hall (7. Runde)
Die Analyse: Die Saints haben nirgends konkreten Value eingesammelt, nicht mit Trades und nicht mit Picks. Sie haben auch nirgends verrückte Reaches gepickt. Aber ich mochte die Strategie, die ganz klar so lautete: Wie können wir um Tyler Shough etwas aufbauen, damit er bestmögliche Chancen hat, sich zu entwickeln und damit wir als Team sehen können, was mit Shough möglich ist?
Das fing an mit Tyson in Runde 1. Ein toller Route Runner und ein Receiver-Typ, der Chris Olave ideal ergänzt. Mir gefällt er spezifisch dafür noch besser, als es etwa mit Carnell Tate der Fall gewesen wäre.

Delp hat enorme Upside und ist ein In-Line-Blocker, mit aber der Athletik, vertikal zu attackieren. Ich halte es für realistisch, dass er als Nummer-3-Tight-End bei den Saints in die Saison geht, sich aber mittelfristig zumindest in einen Co-Starter entwickelt. Und auch Bryce Lance, der kleine Bruder von Trey Lance, passt in diese Idee. Lance ist als Receiver noch merklich unterentwickelt, das ist in allen Nuancen der Position auffällig. Aber er hat brandgefährlichen Speed und eine gute Größe, mit der man vertikal attackieren kann.
Bei Wright bleibt abzuwarten, ob er mehr als eine Swing-Option ist. Dafür adressierte New Orleans mit Miller mit seinem zweiten Pick noch eine seiner größten defensiven Baustellen, Miller ist ein guter Run-Defender und sollte den Saints hier dringend benötigte Stabilität geben.
Einfach ein rundum guter Draft mit einer klar erkennbaren Strategie.
Die Note: 2
Die Picks: Edge Rueben Bain (1. Runde), Linebacker Josiah Trotter (2. Runde), Receiver Ted Hurst (3. Runde), Cornerback Keionte Scott (4. Runde), Defensive Tackle DeMonte Capehart (5. Runde), Guard Billy Schrauth (5. Runde), Tight End Bauer Sharp (6. Runde)
Die Analyse: Rueben Bain mit dem Nummer-15-Pick ist mein Top-Value-Pick in Runde 1. Und man darf die Bedenken hier nicht außer Acht lassen, mit den kurzen Armen muss er erst zeigen, dass es in der NFL für ihn so gut funktioniert, wie im College. Aber Bains ganzes Spiel ist bereits darauf ausgelegt, den relativen Mangel an Länge zu kompensieren. Die Leverage, die Power, wie er beides in seinen Pass-Rush-Moves nutzt, all das ist exzellent. Zusätzlich dazu ist er ein sehr guter Run-Defender und wird in der Blitz-lastigen Bucs Defense auch bei Stunts und dergleichen eine gute Rolle spielen. Das war der Best-Case-Pick für Tampa Bay an der Stelle.
Linebacker war vielleicht sogar vor Edge der größte Need der Bucs und das klare Thema für Tag 2. Jacob Rodriguez wäre der ideale Fit gewesen, der ging ein paar Spots früher. Trotter ist aber ein physischer Downhill-Linebacker, der als Blitzer in Todd Bowles' Defense funktionieren sollte.
Im Trade mit den Packers ging Tampa Bay von 84 auf 77 runter und erhielt zusätzlich einen Fünftrunden-Pick, um dann an 84 Ted Hurst zu draften, eines der spannendsten Receiver-Projekte in diesem Draft. Der Speed ist legitim, Hurst wird mit dem Sprung von Georgia State in die NFL Zeit brauchen, kann sich aber in einen X-Receiver entwickeln. Und Scott in Runde 4 könnte sich als sehr guter Value entpuppen, ein physischer Run-Defender, der vielleicht auch Safety spielen wird in der NFL.
Tampa Bay ist meist ein konservatives Team im Draft, aber wenn das Board so fällt wie dieses Jahr, sieht man die beste Version dieser Herangehensweise. Rein von den Spielern her und wo die Bucs diese bekommen haben, einer meiner absoluten Lieblingsdrafts dieses Jahr.
Die Note: 1-
Die Picks: Safety Caleb Downs (1. Runde), Edge Malachi Lawrence (1. Runde), Linebacker/Edge Jaishawn Barham (3. Runde), Offensive Tackle Drew Shelton (4. Runde), Cornerback Devin Moore (4. Runde), Edge LT Overton (4. Runde), Receiver Anthony Smith (7. Runde)
Die Analyse: Dass Downs bis zu den Cowboys fiel - genau genommen gab es einen kleinen Uptrade um einen Spot, den Dallas später mit einem kleinen Downtrade mit den Eagles wieder reinholte - war ein Glücksfall. Im neuen Cowboys-Scheme wird Downs ein massiver Difference Maker sein, er ist der wahrscheinlich "sicherste" Spieler im ganzen Draft und ich bin sehr gespannt darauf, wie groß sein Impact sein kann.
Ich mag den Lawrence-Pick, dessen Rolle als Speed Rusher außen für Dallas essenziell ist, und die sie bisher nicht besetzt hatten. Ein explosiver Speed Rusher, der zum Quarterback kommt.
Barham gibt Dallas eine unheimlich physische, explosive Allzweckwaffe. Er wird Snaps als Pass Rusher und als Linebacker bekommen und bietet Dallas auch auf dem zweiten Level der Defense einen Spielertyp, den die Cowboys so nicht haben.
Und ich mochte auch die späten Picks. Devin Moore hat eine Chance, sich in Dallas einen Starting Spot zu verdienen. Overton ist ein 3-4-End in der neuen Cowboys-Defense mit jeder Menge Power gegen den Run.
Einer meiner Lieblings-Drafts dieses Jahr.
Die Note: 2+
Die Picks: Linebacker/Edge Arvell Reese (1. Runde), Offensive Tackle Francis Mauigoa (1. Runde), Cornerback Colton Hood (2. Runde), Receiver Malachi Fields (3. Runde), Defensive Tackle Bobby Jamison-Travis (6. Runde), Offensive Tackle J.C.Davis (6. Runde), Linebacker Jack Kelly (6. Runde),
Die Analyse: Auch wenn es in den Tagen vor dem Draft vermehrt kursierte: Ich hielt es für nahezu ausgeschlossen, dass Arvell Reese bis Pick 5 fällt. Ein echter Glücksfall für die Giants, die Reese vermutlich zuerst als Off-Ball-Linebacker einsetzen werden, ihn aber auch als Edge Rusher in ihre Front einbauen können. Er und Abdul Carter, das ist eine junge Achse, die einer Defense eine Identität gibt.
Bei Mauigoa gibt es die Fragezeichen mit dem Rücken, eventuell droht hier noch eine weitere Operation, die wohl eine rund dreimonatige Pause zur Folge hätte. Das ist mein einziger Negativ-Punkt mit diesem Pick, denn Mauigoa wird zuerst auf Guard starten und da habe ich wenige Zweifel daran, dass er sehr gut sein wird. In ein bis zwei Jahren könnte er dann auf Right Tackle rausrücken.

Die Giants hatten zwei Top-10-Picks, das muss auch die Erwartungshaltung prägen. Viel mehr als Reese und Mauigoa hätte man davon aber nicht erwarten können. Reese mit dem fünften Pick ist so viel "Value", wie es in der Top 10 geht, und Mauigoa ging genau da, wo er gehen sollte. Hood hatte Erstrunden-Hype, da habe ich selbst ihn vom Tape her nicht gesehen, weil er mir in Zone Coverage zu steif war und zu häufig dann Kontakt in der Route gesucht hat. Aber mit Pick 37 ging auch er in einem für ihn komplett guten Bereich.
Überhaupt kein Fan bin ich von dem Trade in Runde 3. Die Giants hatten, noch infolge des Jaxson-Dart-Uptrades letztes Jahr, keinen Pick in Runde 3 und investierten dann kurzerhand die Picks 105, 145 und einen Viertrunden-Pick nächstes Jahr, um Pick 74 von den Browns zu bekommen. Ein sehr hoher Preis, und das in dieser Draft-Klasse.
Fields rein als Spieler gefällt mir als großer Possession Receiver mit sehr gutem Ball-Tracking. Er hat nicht die Athletik für eine X-Receiver-Rolle, aber als großer Possession Receiver wie ein Michael Pittman ist er gut aufgehoben und sollte in die Giants Offense passen. Aber es gab andere Big Body Possession Receiver, die auch zu Beginn von Runde 4 noch da gewesen wären, der Uptrade hier war sehr aggressiv.
In Runde 4 und 5 hatten die Giants dann dadurch keinen Pick. Lediglich noch drei Picks in Runde 6 zum Abschluss, die primär in Tiefe für die Line of Scrimmage investiert wurden.
Die Note: 2+
Die Picks: Receiver Makai Lemon (1. Runde), Tight End Eli Stowers (2. Runde), Offensive Tackle Markel Bell (3. Runde), Quarterback Cole Payton (5. Runde), Guard Micah Morris (6. Runde), Safety Cole Wisniewski (7. Runde), Defensive Tackle Uar Bernard (7. Runde), Edge Keyshawn James-Newby (7. Runde)
Die Analyse: Der Uptrade für Lemon ist vertretbar, was ich mich eher frage, ist, wie genau die Receiver-Gruppe, die die Eagles sich gerade aufbauen, zusammenpasst - und wie sie zum Skillset von Jalen Hurts passt. Denn davon ausgehend, dass A.J. Brown das Team noch per Trade verlassen wird, haben die Eagles jetzt sehr viele Pass-Optionen über die Mitte des Feldes: Lemon, Stowers, Dallas Goedert und auch Dontayvion Wicks, der via Trade vor einigen Wochen geholt wurde. Was fehlt, ist ein X-Receiver-Typ, und all das mit einem Quarterback, der bislang nicht gerade geglänzt hat, wenn es darum geht, konstant die Mitte des Feldes zu attackieren.
In meinen Augen war Lemon auch kein Steal, sondern ging in der für ihn richtigen Range. Selbst wenn man hier den Eagles einen Steal gemessen am Konsens-Ranking adressieren will, muss man das dann wieder mit dem Markel-Bell-Pick an 68 Overall ausgleichen, der wiederum deutlich höher ging als erwartet. Bell ist ein massiver Tackle, der aber vielleicht einfach nicht die Foot Quickness hat, um Tackle in der NFL zu spielen.
Drei spannende Picks: Eli Stowers in Runde 2. Ein ehemaliger Quarterback, der auf Tight End umgeschult wurde, sofort produktiv war und letztes Jahr in der SEC 62 Bälle für fast 800 Yards fing. Ein athletischer Receiving Tight End mit toller Beschleunigung auch nach dem Catch, Stowers wird einen Impact haben.
Ich habe bei Cole Payton anhand seines Tapes keinen künftigen NFL-Quarterback gesehen, aber eine Allzweckwaffe im Stile eines Taysom Hill, für den man Packages entwerfen kann. Und: Uar Bernard. Der athletische Freak aus dem International Pathway Program, der quasi ohne Football-Erfahrung in die NFL kommt. Die Eagles hatten mit Jordan Mailata den größten Treffer, wenn es um solche Athleten geht, vielleicht können sie das hier wiederholen.
Wichtig hier noch zu erwähnen, auch wenn ich Spieler-Trades separat bewerte: Die Eagles haben während des Drafts Jonathan Greenard via Trade für zwei Drittrunden-Picks - einer dieses Jahr, einer nächstes Jahr - aus Minnesota geholt. Ein notwendiges Edge-Upgrade für Philadelphia.
Die Note: 2
Die Picks: Linebacker Sonny Styles (1. Runde), Receiver Antonio Williams (3. Runde), Edge Joshua Joseph (5. Runde), Running Back Kaytron Allen (6. Runde), Center Matt Gulbin (6. Runde), Quarterback Athan Kaliakmanis (7. Runde)
Die Analyse: Ohne Pick in Runde 2 oder Runde 4 liegt der Fokus umso mehr auf den ersten beiden Picks. Und die könnten beide Homeruns sein.
Styles ist ein Top-10-Talent in diesem Draft und das Potenzial hier ist riesig. Er hat das Zeug, der nächste Fred Warner zu werden, und auch wenn das sehr große Vorschusslorbeeren sind: Styles hat das beste Inside-Linebacker-Tape, das ich über die letzten fünf Jahre von einem Prospect gesehen habe.
Williams ist ein explosiver Slot Receiver, der Terry McLaurin gut ergänzen sollte. Hier musste Washington jünger und athletischer werden, und das ist ihnen mit diesem Pick gelungen. Ich gehe davon aus, dass Williams ein sofortiger Starter in Washington sein wird.
Washingtons nächster Pick kam erst in Runde 5, und hier nahmen die Commanders nochmal einen spannenden Spieler mit: Edge Rusher Joshua Josephs ging - wohl aufgrund von Charakter-Bedenken - deutlich später als gedacht, ein leichter Edge-Rusher mit wenig Power und Quickness, aber mit brandgefährlicher Explosivität und außergewöhnlicher Länge, dem ich zumindest als Rotations-Pass-Rusher auch als Rookie eine Rolle zutraue.
Ich mag auch den Allen-Pick. Washington hätte Running Back auch höher adressieren können, wartete aber bis in die sechste Runde. Das Backfield der Commanders ist ziemlich offen, Allen könnte sich als der beste Runner zwischen den Tackles entpuppen. Ein möglicher Fantasy Sleeper.
Die Note: 2+
Die Picks: Running Back Jeremiyah Love (1. Runde), Guard Chase Bisontis (2. Runde), Quarterback Carson Beck (3. Runde), Defensive Tackle Kaleb Proctor (4. Runde), Receiver Reggie Virgil (5. Runde), Linebacker Karson Sharar (6. Runde), Offensive Tackle Jayden Williams (7. Runde)
Die Analyse: Im Vorfeld dieses Drafts war das Thema Positional Value sehr prominent. Weil die im Vakuum besten Spieler auf Positionen waren, die nicht zu den Premium-Positionen gehören. Doch das letztlich einzige Team innerhalb der Top-6-Picks, das eine wirkliche Low-Value-Position gepickt hat, ist das Team, das es sich mit am wenigsten leisten konnte: die Cardinals mit dem Love-Pick.
Und wir haben diesen Film schon so oft gesehen. Zuletzt gerade erst vergangene Saison, als mit Ashton Jeanty ein anderes herausragendes Running Back Prospect zu einem schlechten Team gedraftet wurde, das nicht die Infrastruktur bereits gebaut hatte, um aus einem guten Running-Back-Talent das Maximum herauszuholen. Die Gefahr besteht hier auch.

Darum geht es hier in erster Linie. Love ist ein toller Spieler, ein Big-Play-Back der auch als Pass-Catcher eine relevante Rolle spielen wird. Aber damit ein hoch gepickter Running Back funktionieren kann in einer Art und Weise, die das Team wirklich voran bringt, muss die Offensive Line intakt sein, ein Quarterback muss da sein, die Offense muss eine etablierte Unit sein, in die man dann den Running Back als finalen Baustein rein packt. Arizona hat von alledem nichts.
Christian McCaffrey wurde ein Top-Impact-Spieler, als er nach San Francisco kam. Saquon Barkley wurde ein Top-Impact-Spieler, als er zu den Eagles kam. Love wird in Arizona Momente haben, in denen man das große Talent sieht. Das ist nicht der Kritikpunkt hier. Aber aus der Roster-Building-Perspektive der Cardinals ist es schlicht der völlig falsche Zeitpunkt für diesen Pick, und erst recht an Nummer 3 Overall.
Die NFL ist sehr gut darin, Top-Running-Back-Talente zu identifizieren. Running Backs, die innerhalb der Top 15 gepickt werden, sind selten per se schlecht. Aber ihr individueller Impact, die Frage danach, inwieweit der Back einen Unterschied machen kann, variiert stark von der Situation, in die er kommt. Das ist das Problem hier.
Immerhin: Der nächste Pick passte zum Love-Pick und war ein Spieler, der auch in Runde 1 hätte gehen können. Guard Chase Bisontis ist der beste Outside Zone Blocking Guard in dieser Klasse, und das wird Arizona unter LaFleur viel spielen. Idealer Fit und ein Day-1-Starter für eine Line, die damit in dieser Offseason auf den beiden Guard-Spots aus einer Schwachstelle eine Stärke gemacht haben könnte.
Das Hauptproblem mit Beck ist nicht einmal die extrem limitierte Upside, die Probleme mit Pressure, der sehr limitierte Arm und die Tatsache, dass das ein reiner Game Manager ist. Das Problem ist hier auch die Timeline: Beck wird auf seine Spiele in der kommenden Saison kommen, und die Chance ist hoch, dass Arizona dann in Runde 1 nächstes Jahr einen Quarterback auswählt. Was den Beck-Pick schnell zu einem relativ verschwendeten Pick und Beck selbst zu dem machen würde, was mein Fazit in seiner Analyse auch ist: ein Backup.
Proctor ist dafür ein umso spannenderer Pick. Ein Defensive Tackle mit echter Pass Rush Upside, dessen Spiel gegen LSU sein Potenzial auf der großen Bühne unterstrichen hat. Proctor gemeinsam mit Walter Nolen könnte den Cardinals noch viel Spaß machen. Virgil hat eine Chance, es als Possession Receiver, der nah an der Formation auch blocken kann, in den Kader zu schaffen.
Love ist, auch wenn er strategisch hier wenig Sinn ergibt, ein herausragendes Prospect, Bisontis einer der besten Guards dieser Klasse und Proctor hat echte Upside als Interior Pass Rusher. Die Spieler, die sie mit drei der ersten vier Picks ausgewählt haben, könnten sehr gut werden. Das bewahrt Arizona vor einer noch schlechteren Grade. Wenn wir aber über Process und Roster-Building-Herangehensweise sprechen, geht es nicht schlechter als das, was die Cardinals hier über die ersten beiden Tage fabriziert haben.
Die Note: 4
Die Picks: Quarterback Ty Simpson (1. Runde), Tight End Max Klare (2. Runde), Offensive Tackle Keagen Trost (3. Runde), Receiver CJ Daniels (6. Runde), Defensive Tackle Tim Keenan III (7. Runde)
Die Analyse: Der Simpson-Pick hat für mich drei Facetten. Eine ergibt Sinn, die anderen beiden finde ich schwerer nachvollziehbar.

Sinn ergibt, dass man auf Quarterback vorsorgen will. Den ganzen vergangenen Sommer über wurde diskutiert, wie lange der Rücken von Matthew Stafford standhält und ob er überhaupt die Saison übersteht. Das gelang ihm, aber bleibt er auch nächstes Jahr fit? Und wird 2026 seine letzte Saison? Der Gedankengang, dass man aus Rams-Sicht ohnehin selten in der Reichweite für einen Wunsch-Quarterback pickt, und hier die Chance sah, mit einem Quarterback, der ohnehin erstmal Backup sein und lernen sollte, vorzusorgen, das ist nachvollziehbar.
Weniger nachvollziehbar ist die Auswahl des Spielers. Die Rams und spezifisch Sean McVay haben vor einigen Jahren viele Hebel in Bewegung gesetzt, um aus dem Jared-Goff-Tier den Sprung nach oben zu schaffen und sich mit Matt Stafford einen Quarterback zu holen, dessen Arm die Offense auf eine andere Art öffnet. Mit dem Simpson-Pick sind sie jetzt wieder auf Kurs Goff-Tier. Was das angeht, fühlt es sich wie ein Rückschritt an.
Der dritte Punkt ist der des Timings. Die Rams sind in einem absoluten Win-Now-Fenster und draften mit ihrem Top-Pick einen Spieler, der voraussichtlich 2026 keine Rolle spielen wird. Macht Stafford weiter, auch 2027 nicht. Das ist der Preis des Vorsorgens auf der Quarterback-Position, gleichzeitig muss man hinterfragen, ob hier ein Impact-Pick für das jetzige Titelfenster nicht die bessere Wahl gewesen wäre.
Und um ein Narrativ noch zu beenden: Ich kann mir in keinster Weise vorstellen, dass Les Snead einen Quarterback picken würde, bei dem Sean McVay nicht einverstanden ist. Was gleichzeitig aber auch nicht heißen muss, dass es McVays bevorzugter Pick an der Stelle war. Ich hätte hier auch einen Playmaker genommen, idealerweise einen, der Davante Adams früher oder später ersetzen kann.
Anschließend hatten die Rams nur noch zwei weitere Top-200-Picks. Einer wurde in Max Klare investiert, Klare kommt in einen vollen Tight-End-Room, aber auch zu einem Team, das viele 3-Tight-End-Sets spielt und diese Spieler featuren will. Klare kann als Receiver einen Unterschied machen, kann vertikal attackieren, ist aber Undersized und wird mehr Power brauchen, um nicht "nur" ein Receiving Tight End zu sein. Aber er ist ein Spieler für die Tiefe und für das Win-Now-Jahr vermutlich bestenfalls der Nummer-3-Tight-End.
Der andere Top-200-Pick ist Keagen Trost, ein guter Run-Blocker, der in der NFL tendenziell eher innen spielen wird und Swing-Tackle-Flexibilität mitbringt. Ein Spieler für die Tiefe, genau wie Klare davor. Das ist so wenig Investment in ein Jahr, in dem man All-In ist.
Diese Draft-Klasse steht und fällt so oder so mit der Frage, ob Simpson funktioniert. Aber selbst wenn man diesen Pick gesondert betrachtet, haben die Rams dahinter vielleicht nur Backups und bestenfalls Role Player gefunden, selbst wenn ich die Upside bei Klare mag. Jetzt haben sie keine Receiver-Tiefe hinter Adams und Puka Nacua, zweifelhafte Tiefe in der Offensive Line und auch wenn ich die Idee hinter dem Simpson-Pick verstehe, ist das so gar nicht das, was ich aus dieser Klasse sehen wollte.
Die Note: 4+
Die Picks: Receiver De’Zhaun Stribling (2. Runde), Edge Romello Height (3. Runde), Running Back Kaelon Black (3. Runde), Defensive Tackle Gracen Halton (4. Runde), Guard Carver Willis (4. Runde), Cornerback Ephesians Prysock (4. Runde), Linebacker Jaden Dugger (5. Runde), Offensive Tackle Enrique Cruz (5. Runde)
Die Analyse: Die Niners hatten vielleicht den besten ersten Draft-Tag in der eigenen Division, indem sie gar nichts gepickt haben und doppelt per Trade runter gegangen sind. Der Gegenwert war überschaubar, die Strategie aber nachvollziehbar.
Zum Start an Tag 2 überraschten die Niners dann mit Stribling, der deutlich höher ging als erwartet, aber der ein klarer Scheme-Fit ist: Großer Frame, Speed, Yards-after-Catch- und Blocking-Qualitäten. Das ist ihr Jauan-Jennings-Ersatz. Aber eben ausgesprochen hoch für den 23-jährigen Receiver.
Immerhin ging San Franciscos Value-Suche, wenn schon nicht bei den Picks, dann wenigstens bei den Trade weiter. Auch in Runde 2 ging es im Trade mit den Browns einmal runter für zusätzliches Draft-Kapital und später noch einmal im Trade mit den Ravens.
Allerdings setzte Kyle Shanahan auch seine Tradition fragwürdiger Running-Back-Picks fort: Mit allen Backs abgesehen von Love und Price noch auf dem Board, und mit insgesamt fünf eigenen Picks zwischen Pick 90 und 140, priorisierten die Niners an 90 nicht nur einen Running Back, sondern wählten Kaelon Black über Prospects wie Mike Washington oder Jonah Coleman. Ein Redshirt Senior, der im Laufe seiner Saison 25 Jahre alt wird, limitierten Speed hat und kein Pass-Catcher ist. Black war bei Indiana produktiv in einem sehr guten Team, weil er ein kompakter Runner zwischen den Tackles und ein guter Pass Protector ist. Das ist ein gutes Skillset, aber nichts, was man in Runde 3 priorisieren müsste oder sollte. Ein leider prototypischer Shanahan-Pick, den wir schon so häufig gesehen haben.
Height ist ein guter Rotations-Pass-Rusher, Halton ein ähnlicher Spielertyp wie Neuzugang Osa Odighizuwa und dementsprechend ebenfalls Teil der Pass-Rush-Rotation.
Willis wird in der NFL nach innen rücken und dürfte den Niners vor allem als Run-Blocker gut gefallen haben.
San Francisco hätte in diesem Draft, auch mit den Downtrades, und wie das Board fiel, ideal einige seiner größten Baustellen adressieren können. Stattdessen entschied man sich nicht zum ersten Mal für eine Draftstrategie, die zu sehr von eigenen, extremen Spielerbewertungen und vertrauten Mustern geprägt war und ließ so vielleicht wieder Gelegenheiten auf bessere Spieler ungenutzt.
Die Note: 3-
Die Picks: Running Back Jadarian Price (1. Runde), Safety Bud Clark (2. Runde), Cornerback Julian Neal (3. Runde), Guard Beau Stephens (5. Runde), Receiver Emmanuel Henderson Jr. (6. Runde), Cornerback Andre Fuller (7. Runde), Defensive Tackle Deven Eastern (7. Runde), Cornerback Michael Dansby (7. Runde)
Die Analyse: Wir wissen, dass Seattle Pick 32 traden wollte und dass es wohl keine Abnehmer mehr gab, nachdem die Picks vor ihnen wild hin und her getradet wurden. Dafür gibt es kein Downgrade in der Note.
Die Seahawks, die nach dem Super-Bowl-Sieg über die New England Patriots Running Back und Final-MVP Kenneth Walker an die Kansas City Chiefs abgegeben hatten, hatten dadurch sehr wenig Draft-Kapital mit nur vier Picks insgesamt - aber klare Needs. Corner, Edge, Safety, und hier war das Board nicht schlecht mit Pick 32. Doch die Seahawks entschieden sich für einen komplementären Running Back. Das ist Price, der bei Notre Dame nie der Starter war, noch nie 150 offensive Touches in einer Saison hatte und schlicht sehr, sehr hoch ging. Ein Undersized Back ohne Top-Tier-Speed, der eine gute Ergänzung für ein Backfield darstellt.

Die Seahawks waren sicher der Meinung, dass kein Running Back später mehr zu ihnen fällt, doch wurde kein Running Back bis zu ihrem nächsten Pick gedraftet. Price ist ein solider Change-of-Pace-Back, aber das war eine der fragwürdigsten Entscheidungen in Runde 1, die bei dieser kleinen Seahawks-Draft-Klasse umso schwerer wiegt.
Bud Clark ist ein explosiver Safety, der tiefer spielen und damit Nick Emmanwori gut ergänzen sollte. Clarks beste Qualität ist seine Ballhawk-Production mit 15 Interceptions über seine letzten vier Saisons. Er muss allerdings erst zeigen, dass er genug Power hat, um als Run-Defender in der NFL zu funktionieren.
Neal ging ebenfalls an der Spitze seiner erwarteten Range. Corner war ein Need, Neal hat die Größe, die nach dem Abgang von Riq Woolen fehlt. Er hat aber nicht den Long Speed, den Woolen hat, ist limitiert in seiner Agilität und muss ebenfalls deutlich konstanter spielen. Dafür ist er als Tackler deutlich besser.
Price war ein sehr fragwürdiger Move, es war aber nicht der einzige: An Tag 3 gab Seattle einen Viertrunden-Pick nächstes Jahr ab, um sich einen Fünftrunden-Pick dieses Jahr zu ertraden und Guard Beau Stephens zu holen.
Draft-Klassen mit so wenigen hohen Picks sind in der Bewertung immer eine Herausforderung. Clark ist mein Lieblings-Pick aus der Gruppe und wird Seattle ebenfalls einige Turnover bescheren können. Bei Defensive Backs hat Mike Macdonald ohnehin erst einmal jede Vorschusslorbeere verdient.
Gleichzeitig kann man auch bei Teams mit wenig Munition die Strategie bewerten, die ist fast noch wichtiger als bei Teams mit sehr vielen Picks. Und die Strategie insbesondere zu Beginn des Drafts erfordert ein deutliches Downgrade. Seattle hat diesen Draft sehr aus einer Need-Perspektive betrachtet, und das sieht man in den Picks deutlich.
Die Note: 3-
Adrian Franke