22.10.2026
Kommt der baldige Einbruch?
Die Tabelle lügt nicht - sie erzählt aber auch nicht immer die ganze Wahrheit. Nach den ersten Wochen der NFL-Saison haben sich einige Teams eine starke Ausgangslage erarbeitet, obwohl ihre bisherigen Leistungen längst nicht so überzeugend waren, wie es der Record zunächst vermuten lässt.

Vier NFL-Teams stehen nach den ersten Wochen der Saison besser da, als es ihre Leistungen teilweise vermuten lassen. Die Vikings, Broncos, Giants und Steelers haben sich allesamt eine gute Ausgangslage erarbeitet, doch Effizienzwerte, Punktdifferenz oder große Unterschiede zwischen Offense und Defense liefern deutliche Warnsignale.
Fünf Spiele, fünf Siege: Auf den ersten Blick gibt es an den Minnesota Vikings wenig auszusetzen. Hinter der perfekten Bilanz verbirgt sich allerdings eine der größten Diskrepanzen der gesamten NFL.
Minnesotas Defense gehört bislang zur absoluten Spitze. Nach fünf Spielen belegten die Vikings sowohl bei zugelassenen Expected Points Added pro Play als auch bei der defensiven Success Rate den ersten Platz der NFL. Auf der anderen Seite des Balls sieht die Situation vollkommen anders aus. Sowohl bei EPA pro Play als auch bei der offensiven Success Rate rangierte Minnesota lediglich auf Platz 31 von 32 Teams.
Bislang kann die Defense die Probleme der Offense auffangen. Über eine komplette Saison dürfte es allerdings schwierig werden, diese enorme Diskrepanz dauerhaft zu kompensieren. Sobald die Defense einen schwächeren Tag erwischt, muss die Offensive beweisen, dass sie Spiele auch selbst entscheiden kann. Die 5-0-Bilanz ist real - die zugrundeliegenden Zahlen sehen allerdings längst nicht nach einem derart dominanten Team aus.
Noch deutlicher wird die Diskrepanz bei den Denver Broncos. Das Team von Sean Payton steht bei 4-2, obwohl die Offense in mehreren wichtigen Kategorien zu den schwächsten der gesamten NFL gehört. Nach sechs Spielen rangierte Denver bei Success Rate, Yards pro Play und Points pro Drive jeweils unter den fünf schlechtesten Teams der Liga.
Wie extrem die Defense und knappe Spielverläufe den Record bislang retten, zeigte sich gegen die Seattle Seahawks. Denver gewann die Partie mit 17:14 nach Overtime - obwohl die Broncos offensiv gerade einmal 168 Total Yards zustande brachten. Bo Nix kam auf lediglich 107 Passing Yards. In der kompletten zweiten Hälfte produzierte Denver gerade einmal 30 Yards Offense.
Selbst Payton machte anschließend deutlich, wie knapp die bisherige Saison verlaufen ist. Die Broncos könnten angesichts ihrer engen Spiele genauso gut mit einer deutlich schlechteren Bilanz dastehen. Denver besitzt eine Defense, die Spiele gewinnen kann. Soll die 4-2-Bilanz aber nachhaltig sein, muss die Offensive erheblich zulegen.
Die vielleicht kurioseste Situation gibt es in der NFC East. Die New York Giants stehen bei 3-2-1 und führen damit ihre Division an. Die reine Punktebilanz zeichnet jedoch ein anderes Bild.
New York hat bislang 136 Punkte erzielt und 140 zugelassen. Trotz des positiven Records besitzen die Giants damit eine Punktdifferenz von -4.
Auch weitere Kennzahlen lassen Zweifel daran aufkommen, ob New York tatsächlich wie ein klar positives Team spielt. Der Expected Record bewegt sich ungefähr im Bereich von 3-3, während der Simple Rating System-Wert die Giants im hinteren Bereich der NFL einordnet.
Das bedeutet nicht automatisch, dass New York in den kommenden Wochen einbrechen wird. Es zeigt allerdings, wie wenig Abstand derzeit zwischen dem Division-Leader und einem durchschnittlichen beziehungsweise unterdurchschnittlichen Team liegt. Der 3-2-1-Record verschafft den Giants eine hervorragende Ausgangslage. Dominant war der Weg dorthin jedoch keineswegs.
Auch die Pittsburgh Steelers haben mit 4-2 eine starke Ausgangslage geschaffen. Wie bei Minnesota und Denver gibt es allerdings ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den beiden Mannschaftsteilen. Die Defense gehört in mehreren wichtigen Kategorien zu den besseren Units der NFL. Offensiv sieht es deutlich schwieriger aus.
Vor allem das Passing Game produziert bislang nicht konstant genug. In aktuellen Effizienz-Rankings befindet sich Pittsburghs Offense lediglich im unteren Mittelfeld der Liga, während das Passspiel noch weiter hinten einzuordnen ist.
Selbst beim 26:19-Erfolg gegen die Tampa Bay Buccaneers offenbarte Pittsburgh über weite Strecken offensive Probleme. Erst 16 Punkte im vierten Viertel und ein langer Drive in der Overtime brachten den Steelers letztlich den Sieg.
Die 4-2-Bilanz darf deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass Pittsburgh offensiv noch deutlich Luft nach oben besitzt. Gegen Gegner, die die Steelers-Defense stärker unter Druck setzen und selbst konstant punkten, könnte genau das zum Problem werden.
Keines dieser vier Teams ist automatisch ein Kandidat für einen kompletten Absturz. Ein guter Record entsteht schließlich nicht zufällig - knappe Spiele müssen ebenfalls erst einmal gewonnen werden. Dennoch zeigen die Zahlen deutliche Unterschiede zwischen Bilanz und tatsächlicher Performance.
Bei den Vikings ist es die enorme Abhängigkeit von einer dominanten Defense. Denver gewinnt trotz einer statistisch schwachen Offense. Die Giants führen ihre Division trotz negativer Punktdifferenz. Und Pittsburgh benötigt bislang regelmäßig seine Defense, um die eigenen offensiven Probleme auszugleichen.
Minnesota, Denver, New York und Pittsburgh haben sich ihre gute Ausgangslage erarbeitet. Ob ihre Records auch nach 17 Spielen noch genauso überzeugend aussehen, dürfte allerdings davon abhängen, ob sie ihre bislang offensichtlichen Schwachstellen beheben können.
Autor: Niklas Kreuzer