28.04.2017
NFL, Draft 2017: Erstaunen und Fassungslosigkeit bei Pick 2
Im alljährlichen Draft werden in der National Football League die vielversprechendsten Talente unter den 32 Teams verteilt - oder besser: Die NFL-Franchises erwerben mit ihren Ziehungen in den insgesamt sieben Runden die Rechte an den Rookies, die zuvor an den US-Colleges gespielt und beeindruckt haben. Im Rampenlicht stehen dabei stets die ersten Neuankömmlinge. Während es in diesem Jahr auf Position eins keine große Überraschung gab, bekamen es die Chicago Bears offenbar kurz mit der Angst zu tun.
Der Startschuss für den diesjährigen dreitägigen NFL-Draft fiel in der Stadt Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania, wo bereits der erste Draft überhaupt über die Bühne gegangen war: Am 8. Februar 1936 schlug der Football-Puls einst im Ritz-Carlton Hotel. Nun gab es vor dem Museum of Art ein Open-Air-Event, das mit zigtausenden frenetischen Fans eröffnet wurde. Fans, die NFL-Commissioner Roger Goodell bei dessen Eröffnungsrede sowie bei allen Verkündungen wie immer lautstark auspfiffen - und so Kritik an diversen Dingen mitteilten.
Dennoch wurde auch geklatscht - und zwar in erster Linie beim Number-One-Pick des diesjährigen Drafts: Die Cleveland Browns, das mit der Katastrophen-Bilanz von 1:15 schwächste Team der Regular Season 2016, durfte mit der Ziehung beginnen und entschied sich wie allseits erwartet für Nachwuchs-Star Myles Garrett.
Auf dem Defensive End, der für die Texas A&M University auflief und es insgesamt auf 31 "Sacks" und 141 Tackles brachte, liegen nun große Hoffnungen. Das 21-jährige Kraftpaket, das aufgrund seiner Größe, seiner Schnelligkeit und seiner Beweglichkeit mit Julius Peppers (ehemals Green Bay, aktuell Carolina) verglichen wird, soll die Defense der Browns künftig auf ein besseres Level heben und das Franchise nach der letzten Play-off-Teilnahme 2002 wieder merklich konkurrenzfähiger machen.
"Großartige Dinge werden passieren", versprach ein selbstbewusster Garrett den Cleveland-Fans direkt nach der Bekanntgabe. "Ich will der Beste sein. Ich kann mich nur selbst aufhalten." Einer seiner künftigen Mitspieler, Cornerback Joe Haden, untermalte die Hoffnungen des gesamten Klubs bereits vor dem Draft: "Ihn auf den Videoaufnahmen zu beobachten, hat mir schon früh gezeigt, dass er für unser Team eine sofortige Verstärkung ist - und das auf die nächsten Jahre hinaus."
Damit die Cleveland Browns aber insgesamt ein echter Konkurrent im Kampf um die Play-offs werden können, fehlt dem Klub allerdings auch nach wie vor ein starker Quarterback: Seit 1999 hat das NFL-Franchise aus dem US-Bundesstaates Ohio 26 QBs ausprobiert.
Ein Quarterback-Problem hatte offenbar auch Chicago in den eigenen Reihen ausgemacht: Denn eigentlich kamen die Bears aufgrund ihrer Vorjahresbilanz (3:13) erst an dritter Stelle im diesjährigen Draft dran. Allerdings tauschten sie in einer Hauruck-Aktion flugs das Recht mit den an zweiter Position geführten San Francisco 49ers (2:14) und schnappten sich Spielmacher Mitchell Trubisky. Und das, obwohl mit Mike Glennon (16 Millionen US-Dollar) erst ein Nachfolger-Quarterback für den freigestellten Jay Cutler verpflichtet worden war.
Eine Entscheidung, die vor allem von den eigenen Fans in der Heimat mit Unmut und Fassungslosigkeit begleitet wurde. Reihenweise lange Gesichter waren in Chicago bei der Draft-Party zu sehen. Auch NFL-Experten konnten den Schritt nicht nachvollziehen. Schließlich hatten die Bears dafür ihren dritten Pick, einen Drittrunden- sowie einen Viertrunden-Pick in der diesjährigen Lotterie sowie einen Drittrunden-Pick 2018 hergegeben.
Alles in allem ein sehr teures Unterfangen für einen Spieler, der sicherlich viele Qualitäten (Pocket-Kontrolle, gute Pässe, gutes Auge) vorweist, allerdings auf nur 13 Spiele (8:5) als Starter auf dem College in North Carolina kommt. Überrascht zeigte sich schließlich auch Trubisky, der erste Quarterback-Pick der Bears seit 2003, selbst: "Ich habe nicht damit gerechnet. Es war verrückt. Ein Traum geht nun für mich in Erfüllung."
Erklärbar ist der Schritt im Grunde nur damit, dass Chicago gedacht hatte, dass der einzige Konkurrent San Francisco den Quarterback wegschnappen wollte. Doch wollten die 49ers das? Unsicher. Sicher ist, dass sich die Niners mit ihrem dritten Pick die Dienste von Defensive Tackle Solomon Thomas aus Stanford sicherten - und vielleicht schmunzelten.
Cleveland Browns: Defensive End Myles Garrett (Texas A&M)
Chicago Bears: Quarterback Mitchell Trubisky (North Carolina)
San Francisco 49ers: Defensive Tackle Solomon Thomas (Stanford)
Jacksonville Jaguars: Running Back Leonard Fournette (LSU)
Tennessee Titans: Wide Receiver Corey Davis (Western Michigan)
New York Jets: Safety Jamal Adams (LSU)
Los Angeles Chargers: Wide Receiver Mike Williams (Clemson)
Carolina Panthers: Running Back Christian McCaffrey (Stanford)
Cincinnati Bengals: Wide Receiver John Ross (Washington)
Kansas City Chiefs: Quarterback Patrick Mahomes (Texas Tech)
New Orleans Saints: Cornerback Marshon Lattimore (Ohio State)
Houston Texans: Quarterback Deshaun Watson (Clemson)
Arizona Cardinals: Inside Linebacker Haason Reddick (Temple)
Philadelphia Eagles: Defensive End Derek Barnett (Tennessee)
Indianapolis Colts: Safety Malik Hooker (Ohio State)
Baltimore Ravens: Cornerback Marlon Humphrey (Alabama)
Washington Redskins: Defensive Tackle Jonathan Allen (Alabama)
Tennessee Titans: Cornerback Adoree' Jackson (USC)
Tampa Bay Buccaneers: Tight End O.J. Howard (Alabama)
Denver Broncos: Offensive Tackle Garett Bolles (Utah)
Detroit Lions: Inside Linebacker Jarrad Davis (Florida)
Miami Dolphins: Outside Linebacker Charles Harris (Missouri)
New York Giants: Tight End Evan Engram (Ole Miss)
Oakland Raiders: Cornerback Gareon Conley (Ohio State)
Cleveland Browns: Safety Jabrill Peppers (Michigan)
Atlanta Falcons: Defensive End Takkarist McKinley (UCLA)
Buffalo Bills: Cornerback Tre'Davious White (LSU)
: Defensive End Taco Charlton (Michigan)
: Tight End David Njoku (Miami)
: Outside Linebacker T.J. Watt (Wisconsin)
: Inside Linebacker Reuben Foster (Alabama)
: Offensive Tackle Ryan Ramczyk (Wisconsin)
Markus Grillenberger