25.10.2017
Philadelphia dank des Quarterbacks weiter auf der Erfolgswelle
Selbst unter schwierigeren Umständen blüht Carson Wentz erneut auf und sorgt für spektakuläre Szenen, bricht Uralt-Rekorde und hinterlässt fassungslose Experten.
Eigentlich hatte dieser bedeckte Montagabend (Ortszeit) in Philadelphia gleich nach Einbruch der Dunkelheit den Eindruck erweckt, als wäre es den Eagles vorbestimmt, die Euphorie-Welle vorerst mal wieder zu verlassen.
Erst verlor die Defense mit Linebacker Jordan Hicks einen ihrer wichtigsten Playmaker, dann brachte sich die Offense beim Opening Drive selbst um jegliche Scoring-Chancen. Vier Flaggen (!) hinterließen einen verwirrten Carson Wentz. Der Quarterback warf eine relativ abenteuerliche Interception, seine erst vierte in dieser Saison, bei noch 31 zu gehenden Yards zum neuen First Down. Washingtons ersatzgeschwächte Secondary hatte wenig Mühe, den Turnover zu erzwingen.
Und Redskins-Quarterback Kirk Cousins fand seinerseits den richtigen Rhythmus, spazierte übers Feld und brachte seine Farben beim wichtigen Division-Duell auf Kurs.
Doch irgendwie - und das ist wohl jene Euphorie-Welle, die derzeit stärker zu sein scheint als jede Schwächephase einer Partie - kamen die Eagles zurück und das ganz allein dank ihres Quarterbacks. Wentz' erstem Big Play (ein 64-Yard-TD-Pass auf Rookie Mack Hollins) folgten weitere, zahlreiche Momente, die nicht nur die US-Kommentatoren fassungslos zurückließen - "How on earth did he do that?"
Am Ende standen vier Touchdowns auf seinem Konto. Wentz warf damit zum dritten Mal in Folge für mindestens drei und egalisierte den 64 Jahre alten Franchise-Bestwert von Bobby Thomason.
Für seine Mitspieler war die spektakulärste Szene, in der sich der 24-Jährige bei einem Third Down irgendwie aus einem Haufen von vier Mit- und vier Gegenspielern befreit hatte, keine Überraschung. "Das ist halt Carson, im Training macht er das ständig", meinte nicht nur Rookie-Running Back Corey Clement. Routinier Jason Kelce schlug in dieselbe Kerbe. "Es macht Spaß, das mit anzusehen, aber überraschend kommt es nicht mehr."
Aussagen, die bei einem Quarterback, der noch nicht mal anderthalb Saisons auf dem Buckel und lediglich 23 NFL-Spiele absolviert hat, darauf schließen lassen, wie gut dieser momentan drauf ist. Wenn er das Außergewöhnliche schon jetzt gewöhnlich aussehen lässt. Dazu machte er auch den zweiten, noch schwerwiegenderen Ausfall von Tackle Jason Peters zumindest vorerst vergessen.
Die Zahlen belegen das: 17 Touchdowns sind nach sieben Partien nicht nur sein persönlicher Karrierebestwert, damit führt er auch die gesamte Liga an, in der die Eagles dazu die beste Bilanz (6:1) aufweisen.
In seinem zweiten Jahr hat Wentz ohne Zweifel einen Riesensprung gemacht. Nicht nur ist der zweite Draft-Pick des Vorjahres mutiger geworden, sondern vor allem auch schlauer. Natürlich trägt daran auch das enorm verbesserte Receiving-Corps um Alshon Jeffery (354 Yards, zwei TD), Torrey Smith (210 Yds, ein TD) und Tight End Zach Ertz (494 Yds, fünf TD) seinen Anteil.
Vor allem aber der athletische Faktor scheint immer mehr in den Vordergrund zu treten. Wentz' Bewegungen in der Pocket erinnern bereits an Superstar Aaron Rodgers. Als "Magier" betiteln ihn nicht nur die Medien. Selbst Jay Gruden, Head Coach der Redskins, hatte sich bereits in der Vorwoche geärgert, dass Wentz ausgerechnet in seiner Division landen musste, denn "er hat sich so schnell entwickelt, wie ich es bei niemandem zuvor gesehen habe".
Dass Wentz teilweise auch zu lässig und leichtsinnig agiert, war dem Großteil der anwesenden Zuschauer im Lincoln Financial Field an diesem Montagabend egal, als es laut "MVP, MVP" durch das weite Rund hallte.
mkr