30.10.2017
NFL, Week 8, Sunday: Regenschlacht in Washington
Dieses Spiel überstrahlte alles, was in der NFL am Sonntag im Zuge von Week 8 geboten war. Das Duell zwischen den Seattle Seahawks und den Houston Texans avancierte zu einer Offensivschlacht sondergleichen, zu einem Showdown der Superlative, zu einem Shootout der Quarterbacks sowie zu einem Thriller mit satten 79 Punkten und beinahe 1000 Yards - allein durch die Spielmacher. Das bessere Ende? Strichen die Hawks mit 41:38 ein! In den Pfützen von Washington D.C. tanzten derweil die Dallas Cowboys, während im Sunday Night Game Pittsburgh strahlte.
Das CenturyLink Field, die Heimstätte der Seahawks im US-Bundesstaat Washington, verkommt speziell für anreisende Gegner regelmäßig zu einem Ort der Qualen. Vor der Lautstärke der "12", den immens lautstarken Fans aus Seattle, fällt es Kontrahenten regelmäßig schwer, viele Punkte aufs Scoreboard zu hieven. Besonders die bärenstarke Hawks-Abwehr um Star-Cornerback Richard Sherman, der Teil der "Legion of Boom" ist, hält die Ausbeute der Gäste immens oft bei unter oder im "guten" Fall knapp über zehn Zählern.
An diesem Sonntag sollte aber alles anders kommen, was im Stadion bei den 69.025 Zuschauern und weltweit bei Football-Fans für pures Staunen sorgte. Denn dieses Mal verkaufte sich der angereiste Gast, die Houston Texans, teuer. Richtig teuer!
Allein Quarterback Deshaun Watson, der nach seinen ersten sieben NFL-Spielen bereits bei 19 Touchdowns steht und damit einen neuen Rookie-Rekord aufgestellt hat, bot beste Unterhaltung: 402 Passing Yards, 67 Rushing Yards, vier Touchdown-Pässe bei drei Interceptions schrieb der 22-Jährige ins Box Score. Hinzu gesellten sich noch die beiden Wide Receiver DeAndré Hopkins (224 Yards, ein TD) und Will Fuller (125 Yards, zwei TDs) mit jeweiligen Top-Leistungen. Letzterer steht in dieser Saison bereits bei sieben TDs - und das bei lediglich 13 Receptions (Bestwert seit 1991).
Blöd nur, dass das alles aus Sicht der Texaner, die fortan bei 3:4 stehen, nicht zu einem Sieg reichte. Was wiederum an einer zauberhaften Seahawks-Offensive lag, die in diesem Spiel stets konterte (21:21 nach drei Rückständen zur Pause) und am Ende nach sechs Führungswechseln in Durchgang zwei mit 41:38 die Oberhand behielt.
Lokführer der auf feurigen Gleisen fahrenden Seattle-Bahn war natürlich einmal mehr Russell Wilson, der einfach den einen Tick stärker war als Watson und 452 Passing Yards, 30 Rushing Yards, vier Touchdown-Pässe bei nur einer Interception verzeichnete. Die Receiver Tyler Lockett (121 Yards) und Paul Richardson (105 Yards, zwei TDs) sowie Tight End Jimmy Graham (39 Yards, zwei TDs) ragten ebenfalls hervor - und ermöglichten insbesondere kurz vor Schluss mit einem fantastischen Drive die 41:38-Führung.
Weil die Texans aber nochmals an den Ball kamen und zum finalen Nackenschlag ausholen wollten, war ein anderer Athlet gefragt, um den Sieg unter Dach und Fach zu bringen: Cornerback Sherman. Und der 29-Jährige lieferte - er fing zu guter Letzt einen weiten Pass von Watson ab; eine von insgesamt zwei Interceptions des Legion-of-Boom-Mannes.
"Dieser Offensive muss man Respekt entgegenbringen", fand Sherman hinterher lobende Worte für Kontrahent Houston, wenngleich er auch viele Fehler in seinem Team erkannte, die dieses verrückte Spiel erst ermöglicht hätten. Hawks-Quarterback Wilson zollte derweil allen voran seinem Gegenüber, der zusammen mit ihm an diesem Abend auf grandiose 951 Total Yards gekommen war, größten Tribut: "Deshaun Watson ist ein ganz besonderer Spieler. Am besten überreicht ihr ihm jetzt schon die Auszeichnung zum Rookie of the Year!"
Während in Washington State im Nordwesten der USA also ein offensives Feuerwerk abgefackelt wurde, ging es im Nordosten in der Hauptstadt Washington D.C. eher am Boden zur Sache - doch nicht unbedingt minder interessant. Denn beim Clinch zwischen den NFC-East-Rivalen Redskins (3:4) und Dallas Cowboys (4:3), die sich seit 1960 stets erbittert gegenüberstehen, stand erstens viel auf dem Spiel, zweitens schüttete es aus Kübeln und drittens lieferte der polarisierende Cowboys-Running-Back Ezekiel Elliott einen Sahneauftritt ab. Der 22-Jährige, der auf dem Feld liebend gerne mit Essensgesten feiert und immer noch für sechs Spiele gesperrt werden kann (Vorwurf der häuslichen Gewalt), verspachtelte die Abwehr der Washingtoner beim 33:19 komplett: 150 Rushing Yards und zwei Touchdowns.
Die Leistung lag möglicherweise auch darin begründet, dass die Redskins in der Defensive Line immense Ausfälle zu verkraften hatten. Headcoach Jay Gruden dazu: "Ich weiß nicht, ob man noch mehr Verletzungspech in der D-Line haben kann... Das ist unfassbar." Dallas’ Quarterback Dak Prescott, der nur 143 Yards beisteuerte, haderte derweil ein wenig mit den Witterungsbedingungen: "Wenn es wieder regnet, soll man einfach selbst mal mit einem Ball nach draußen gehen und versuchen, was man damit anstellen kann. Viel Glück dabei!"
Zum Abschluss des Tages stand noch das obligatorische Sunday Night Game auf der Agenda, in dem sich dieses Mal die Detroit Lions (3:4) und die Pittsburgh Steelers (6:2) gegenüberstanden - und sich ein spannendes wie kurioses Duell lieferten...
...kurios deswegen, weil Detroits Quarterback Matthew Stafford auf stolze 423 Yards kam, allerdings keinen einzigen Touchdown zustande brachte. Er hat dieses Kunststück mit über 400 Passing Yards ohne TD damit bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere hinbekommen, während dies ansonsten kein anderer Spielmacher in der NFL in 20 Jahren geschafft hat.
...kurios deswegen, weil Detroit fünfmal in die Red Zone vordrang, dort aber keinen einzigen Touchdown aufs Scoreboard brachte - also auch keinen Rush TD.
...kurios deswegen, weil die Lions ihre 15 Punkte nur durch fünf verwandelte Field Goals von Matt Prater zusammensetzten. Der Kicker traf aus 48, 37, 51, 34 und 19 Yards Entfernung.
...kurios deswegen, weil der erst 20-jährige Steelers-Receiver JuJu Smith-Schuster, der mit 193 Yards zum Mann des Tages avancierte, nach einem starken Pass von Quarterback Ben Roethlisberger (317 Yards, ein TD, eine Interception) über ganze 97 Yards in die Endzone lief und seinen Erfolg so feierte, indem er eine Stahlkette um ein Laufrad am Spielfeldrand legte. Hintergrund: Smith-Schuster war zuletzt sein Fahrrad, mit dem er immer zum Training radelt, gestohlen und später von der Polizei nach Auffinden wieder ausgehändigt worden. Auf Twitter hatten sich gar viele Fans unter dem Hashtag #TeamFindJuJusBike auf die Suche gemacht, sogar das "Fahrrad" selbst war unter @JuJusBike zu Wort gekommen.
Baltimore - Miami 40:0
Cleveland - Minnesota (in London) 16:33
Buffalo - Oakland 34:14
Cincinnati - Indianapolis 24:23
New England - Los Angeles Chargers 21:13
New Orleans - Chicago 20:12
New York Jets - Atlanta 20:25
Philadelphia - San Francisco 33:10
Tampa Bay - Carolina 3:17
Seattle - Houston 41:38
Washington - Dallas 19:33
Detroit - Pittsburgh 15:20
Kansas City - Denver
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