27.11.2017
NFL, Week 12, Sunday: New Orleans strauchelt in L.A.
Die sonntägliche Spätschicht von Week 12 begann mit wildem Chaos in Oakland, wo die Raiders den Rivalen Denver erwarteten: Nach einer wüsten Schlägerei direkt zum Start fuhren die Hausherren schließlich ein 21:14 ein. Sportlich weitaus spannender ging es im Topspiel zwischen den L.A. Rams und New Orleans zu. Die Saints mussten dabei nach dem 20:26 erstmals wieder die Segel streichen. Außerdem im Angebot: Seattles Sieg, ein Quarterback-Debüt bei den 49ers, ein laufendender Blake Bortles, ein Rekord-Field-Goal und das Sunday Night Game zwischen Pittsburgh und Green Bay.
Was hatte sich Green Bays Quarterback Brett Hundley zuletzt nicht alles gefallen lassen müssen: Der Ersatzmann von Superstar Aaron Rodgers, der ab Week 15 nach seinem Schlüsselbeinbruch wieder zurück erwartet wird, war nach dem desaströsen 0:23 gegen Baltimore erneut heftig kritisiert worden. Ausgerechnet im Sunday Night Game von Week 12 musste der 24-Jährige dann auch noch nach Pittsburgh zu den monströsen Steelers reisen.
Doch was Hundley und die zuletzt so kräftig strauchelnden Käsestädter in "Steel City" abrissen, war aller Ehren wert - und sollte trotzdem nicht reichen beim knappen 28:31. Der Packers-Quarterback warf für starke 245 Yards und drei Touchdowns (keine Interception), bewegte sich größtenteils gut, ließ den Ball schnell wie genau fliegen und konterte "Blitzes" der Hausherren teilweise mit klugen Scrambles oder Bootlegs. Zur Seite standen dem nach Spielschluss sichtlich geknickten Spielmacher Running Back Jamaal Williams (66 Rushing Yards, ein TD, 69 Receiving Yards, ein TD) sowie die Receiver Davante Adams (82 Yards, ein TD) und Randall Cobb (58 Yards, ein TD). Obendrein tütete die Defense von "The Pack" zwei Interceptions und einen Fumble ein.
Doch all das sollte nicht reichen, weil die drei Killer B’s aus Pittsburgh immer eine Antwort parat hatten: Die Steelers-Stars Ben Roethlisberger (351 Yards, vier TDs, zwei Int.), Le’Veon Bell (95 Yards) und Antonio Brown (169 Yards, zwei TDs) brachten den Gastgeber immer wieder zurück, ehe wenige Sekunden vor Ablauf der Uhr Kicker Chris Boswell aus 53 Yards das finale 31:28 verbuchte. Für den 26-Jährigen war dies nicht nur das längste verwandelte Field Goal der Karriere, sondern auch zusammen mit Cowboys-Kicker Dan Bailey (2016) das längste verwandelte Field Goal in der Steelers-Heimstätte Heinz Field.
"Unsere Jungs haben alles gegeben und großartig gekämpft", zeigte sich Packers-Coach Mike McCarthy stolz und geknickt zugleich hinterher. "Voller Selbstbewusstsein sind wir hier hergekommen, um zu siegen. So kurz vor dem Ziel sind wir gescheitert." In der Tat: Denn während "Steel City" die Bilanz auf 9:2 stellte, schwindet in Green Bay die Hoffnung (5:6) auf die Play-offs.
Das Top-Duell von Week 12 stieg derweil in Los Angeles im Memorial Coliseum vor 62.006 Fans, wo die Rams (8:3) die Saints (8:3) im Clinch zweier Tabellenführer erwarteten und in einer mit etlichen Highlights durchzogenen Partie mit 26:20 die Oberhand behielten.
Ein großer Faktor für das siegreiche L.A. war besonders die starke Defense, die den Gast aus New Orleans bei lediglich 14 First Downs, drei von 13 verwerteten Third Down Conversions und nur 24:34 Minuten Ballbesitz hielt. Obendrein konnten die vom jungen Sean McVay (31) trainierten Rams die zwei starken Saints-Profis Drew Brees (246 Yards, ein TD, keine Int.) und Rookie-Running-Back Alvin Kamara (87 Rushing Yards, ein TD, 101 Receiving Yards, ein TD) stets mit eigenen Angriffen auskontern. Die Meister dabei: Quarterback Jared Goff (354 Yards, zwei TDs, eine Int.), Receiver Cooper Kupp (116 Yards), Kicker Greg Zuerlein (vier Field Goals aus 50, 46, 49, 26 Yards) und Star-Receiver Sammy Watkins (82 Yards, ein TD), der sogar den finalen Onside Kick der Saints sicherte.
Während die Los Angeles Rams mit dem Erfolgserlebnis den fünften Sieg aus den jüngsten sechs Spielen verzeichneten und zugleich mit einer Bilanz von 8:3 erstmals seit 2006 eine Saison nicht mehr mit einer negativen Bilanz abschließen werden, muss New Orleans nach acht Siegen in Serie erstmals wieder eine Pleite verdauen. "Das ist eine enttäuschende Niederlage", gab NO-Coach Sean Payton hernach zu. "Großes Lob an die Rams, die heute einfach besser waren als wir. Wir waren in zu vielen Plays einfach schlampig."
Hochspannend ging es auch in Glendale/Arizona zu, wo die heimischen Cardinals (5:6) vor 63.891 Zuschauer im U of Phoenix Stadium mit 27:24 gegen Jacksonville (7:4) die Oberhand behielten und somit die eigenen Chancen auf die NFL-Play-offs am Leben erhielten.
Mann des Abends war dabei Cards-Kicker Phil Dawson, der genau eine Sekunde vor Spielschluss mit seinem Field Goal über 57 Yards das "W" eintütete. Aus solch einer weiten Entfernung hatte der 42-jährige Routinier bisher nie getroffen - und das in 19 Jahren NFL! Obendrein durchkreuzte er damit die Siegespläne der Jaguars um Quarterback Blake Bortles, der mit 160 Yards (eine Int.) und speziell mit zwei Rushing TDs aufhorchen ließ.
Ein besonders emotionaler Abend war dies im Übrigen auch für Arizonas Spielmacher Blaine Gabbert, der mit 241 Yards und zwei Touchdowns bei einer Interception ebenfalls kräftig mitwirkte und zugleich ein Erfolgserlebnis gegen das Ex-Team feierte. Denn die Jags hatten den heute 28-Jährigen einst 2011 in der ersten Draft-Runde an Land gezogen.
70.134 Zuschauer marschierten am Sonntag ins Levi’s Stadium in Santa Clara/California. Viele von ihnen wollten sehen, wie der erst vor wenigen Wochen von den New England Patriots verpflichtete Quarterback und Hoffnungsträger Jimmy Garoppolo seine ersten Sporen verdienen würde. Doch zunächst setzte 49ers-Headcoach Kyle Shanahan im Duell mit den Seattle Seahawks auf den bisherigen Starter C.J. Beathard. Gebracht hat’s wenig: Der 24-Jährige kam bei der klaren Heimniederlage nicht über 201 Yards (kein Touchdown, eine Interception) hinaus und war damit maßgeblich am verdienten 13:24 beteiligt.
Während San Francisco damit auf 1:10 abstürzte, sammelten die Hawks (7:4) den nächsten wichtigen Sieg in Richtung Play-offs. Überragender Mann war einmal mehr Russell Wilson, der auf 228 Passing Yards, einen Pass TD, 25 Rushing Yards, einen Rush TD und nur eine Interception kam. Keine Frage: Der 28-jährige Spielmacher trägt Seattle in dieser Saison schier allein in Richtung Endrunde. Von einem Ein-Mann-Haushalt bei den Seahawks will Wilson aber nichts wissen: "Wir sind ein Team, das schon oft bewiesen hat, dass es Championship-Kaliber hat. Wir haben keine Angst. Wir haben großartige Spieler in allen Mannschaftsteilen, haben eine Top-Defense und wissen immer Lösungen."
Die Lösung im Lager der unterlegenen Niners, die natürlich längst schon für die 2018er Saison im Hintergrund die Weichen stellen, könnte derweil schon jetzt Garoppolo heißen. Denn der 26-jährige Neuling sollte spät im Spiel den schwachen Quarterback Beathard ersetzten - und tat dies eindrucksvoll mit minimalem Aufwand: Während der ausgewechselte QB in 58:53 Minuten sein Team nur zu sechs Punkten geführt hatte, steuerte Garoppolo in 1:07 Minuten mit zwei erfolgreichen Pässen gleich sieben Punkte bei.
Viel mehr als eine Minute waren andernorts auch Broncos-Cornerback Aqib Talib und Raiders-Receiver Michael Crabtree nicht auf dem Feld - allerdings direkt zu Spielbeginn beim 21:14 zwischen Oakland (5:6) und Denver (3:8), den beiden AFC-West-Rivalen. Im Anschluss an einen frühen Drive der Gastgeber lieferten sich die beiden Raufbolde, die bereits vergangene Saison aneinander geraten waren, einen heftigen Schlagabtausch mit wilden Schlägen, einer kurzen Hetzjagd sowie einer heraufbeschworenen Rudelbildung der Teams. Die Referees griffen kompromisslos durch und disqualifizierten das Duo sowie Raiders-Guard Gabe Jackson, der während des Scharmützels einen Offiziellen geschubst hatte.
Zwischen Crabtree und Talib geht es seit längerer Zeit wild her: Erst am Neujahrstag 2017 hatten sich die Hitzköpfe während des 24:6 der Broncos ein Wortgefecht geliefert, ehe der Cornerback seinem Kontrahenten dessen goldene Halskette zerriss.
Sportlich lief derweil wie immer wenig bei den Broncos, die bereits die siebte Niederlage in Folge kassierten, damit Negativgeschichte von 1967 wiederholten und mit Paxton Lynch bereits den dritten Quarterback in dieser Saison einsetzten. Doch auch für den 23-Jährigen lief es gar nicht rund: 41 Yards, kein TD, eine Int. und eine Knöchelverletzung inklusive vergossener Tränen auf der Ersatzbank im dritten Quarter. Ersatzmann Travor Siemian, der erste Spielmacher in dieser Saison, erreichte immerhin noch 149 Yards und zwei TDs.
Detroit - Minnesota 23:30
Dallas - Los Angeles Chargers 6:28
Washington - New York Giants 20:10
Atlanta - Tampa Bay 34:20
Cincinnati - Cleveland 30:16
Indianapolis - Tennessee 16:20
Kansas City - Buffalo 10:16
New England - Miami 35:17
New York Jets - Carolina 27:35
Philadelphia - Chicago 31:3
San Francisco - Seattle 13:24
Los Angeles Rams - New Orleans 26:20
Arizona - Jacksonville 27:24
Oakland - Denver 21:14
Pittsburgh - Green Bay 31:28
Baltimore - Houston
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