11.12.2017
NFL, Week 14, Sunday: Statement-Sieg der Jaguars und feiernde Steelers
Nachdem am frühen Sonntag das Schneechaos in Buffalo sowie späte Comeback der Packers gespannte Blicke auf sich gezogen hatte, ging es in der Spätschicht nicht minder interessant zu: So landete Jacksonville im Duell mit Seattle einen echten 30:24-Statement-Sieg mit unschönem Ende, während der Traum der Chargers nach wie vor lebt. Trotz 43:37-Erfolg bei den Rams reagierten derweil die nun sicher für die Play-offs qualifizierten Eagles (11:2) entsetzt. Ihr Top-Quarterback verletzte sich! Im Sunday Night Game behielt Pittsburgh die Oberhand und buchte ebenfalls ein Ticket.
Unterschiedlicher kann die Gefühlswelt in der National Football League kaum sein - und das zur gleichen Zeit. Denn beim Offensivfestival zwischen den Los Angeles Rams (9:4) und den Philadelphia Eagles (11:2), das die Gäste aus Philly unter anderem dank eines Field Goals von Kicker Jake Elliott 3:45 Minuten vor Schluss spät mit 43:35 für sich entschieden, ereigneten sich zwei immens aussagekräftige Dinge.
Die positive Neuigkeit vorneweg: Die Eagles haben sich durch diesen Erfolg, den natürlich einmal mehr ein herausragender Quarterback Carson Wentz (291 Yards, vier Touchdowns, eine Interception) zusammen mit Wide Receiver Torrey Smith (100 Yards) und Tight End Trey Burton auf den Weg brachte, als erstes Team für die NFL-Play-offs qualifiziert. Die aktuelle Bilanz von 11:2 sichert den Eagles zum ersten Mal seit 2013 den NFC-East-Titel sowie damit einhergehend ein sicheres Heimspiel in der Endrunde im Januar 2018.
Doch die schlechte Neuigkeit an diesem Abend trübt die Freude in Philadelphia gewaltig - eigentlich mehr als das: Denn Spielmacher Wentz verletzte sich spät im dritten Quarter am linken Knie, als er sich das Bein bei einem Sprung nach vorn unglücklich einklemmte und so etwas verdrehte. Der 24-Jährige spielte zunächst angeschlagen weiter, fand sogar Receiver Alshon Jeffery für einen Touchdown, wurde dann aber aus dem Spiel genommen, behandelt - und er selbst humpelte schließlich in die Katakomben. Dort wurden in den Folgeminuten etliche Betreuer beobachtet, wie sie kopfschüttelnd aus der Kabine kamen.
Das, was schon zu Beginn in den Köpfen gekreist war, wurde schließlich erstmals offiziell angedeutet: Ersten Informationen von NFL-Network-Insider Ian Rapoport zufolge befürchtet das Team, dass sich Wentz einen Kreuzbandriss zugezogen hat. Weitere Informationen dürften am Montag folgen, nachdem die genaueren Untersuchungen abgeschlossen sind.
Während Trainer Doug Pederson nichts sagen wollte und nur die Gefühlswelt von Wentz nach dem Sieg wiedergab ("Er war richtig glücklich darüber, dass wir NFC-Champs sind"), machte Mitspieler Lane Johnson (Offensive Tackle) ein paar Andeutungen: "Dass er erst noch weitergespielt hat zeigt, wie stark er ist. Er hat wie immer alles gegeben. Dieser Sport bedeutet ihm einfach die Welt. Er ist ein Kämpfer - und wird zurückkommen." Nur wann?
Eines ist jedenfalls klar: Sollte es sich in der Tat um eine solch schwerwiegende Verletzung wie einen Kreuzbandriss handeln, würde eine bislang großartige Spielzeit für die Eagles plötzlich unter einem ganz anderen Stern stehen - und auch die NFC-Play-offs müssten neu sortiert werden. Denn mit Ersatzmann Nick Foles, der sich mit 42 Yards (kein TD, kein Int.) ganz wacker geschlagen hat und sicher kein schlechter QB ist, ist Philly nicht Philly.
Ein Team, das in der NFC noch richtig kräftig mitmischen will, kommt zum Beispiel aus Seattle. Wenngleich es in Week 14 einen kleinen Rückschlag gab: Die Seahawks (8:5) verloren nämlich mit 24:30 bei den Jacksonville Jaguars und rutschten nach den vorhergegangenen zwei Siegen am Stück direkt wieder aus dem Wild-Card-Rennen.
Einen eher gebrauchten Abend durchlebte dabei Seattles Star-Quarterback Russell Wilson: Der 29-Jährige erreichte zwar gute 271 Yards und drei Touchdown-Pässe, er leistete sich jedoch auch drei Interceptions gegen die einmal mehr bärenstarke Jags-Abwehr. Zum ersten Mal in dieser Saison und zum erst vierten Mal in 105 NFL-Spielen erlaubte sich Wilson, der auch zwei "Sacks" einstecken musste, so viele Fehlwürfe.
Jacksonville dagegen, das fortan bei 9:4 steht, untermauerte mit diesem Statement-Sieg gegen Seattle die eigenen Ansprüche in der AFC South vor den Tennessee Titans (8:5, 7:12-Niederlage in Arizona). Obendrein zeigte Quarterback Blake Bortles mit 268 Yards und zwei TD-Pässen (keine Int.), dass mit ihm auch gegen große Gegner zu rechnen ist. Zur Seite standen dem 25-Jährigen dabei Running Back Leonard Fournette (101 Yards, ein TD) sowie die Receiver Keelan Cole (99 Yards, ein TD) und Dede Westbrook (81 Yards, ein TD).
Unschön wurde es kurz vor Schluss, als die Jags bereits die Victory Formation einnahmen und sich vor allem ein Hawks-Profi als schlechter Verlierer zeigte: Defensive Lineman Sheldon Richardson zettelte eine gewaltige Rudelbildung mit reichlich Handgreiflichkeiten an, ehe er dafür als 15. Spieler dieser NFL-Saison vom Spiel ausgeschlossen wurde (Höchstwert seit 2001). Sein Kollege Quinton Jefferson, der ebenfalls noch verbannt wurde, wurde beim Abmarsch in die Katakomben zudem mit Essen und Getränken beworfen. Daraufhin brannten beim 24-Jährigen die Sicherungen durch: Er wollte auf den Block stürmen und die Fans nach deren Wurfattacken angreifen. Er konnte aber noch vom Sicherheitspersonal aufgehalten werden. Sein Kommentar: "Ich bin wie der Mann im Publikum auch nur ein Mensch, der sich wehrt, wenn er nicht respektiert wird."
Von den Play-offs träumen auch nach wie vor die Los Angeles Chargers - und das absolut zu Recht: Denn nach dem 0:4-Saisonstart steht L.A. durch das klare 30:13 gegen die nun endgültig ausgeschiedenen Washington Redskins (5:8) inzwischen bei 7:6. Dieser Erfolg war bereits der vierte Sieg in Folge. In diesem Zeitraum hat das vor der Saison aus San Diego umgezogene Team die Gegner mit 131:53 vom Feld gekehrt. Herausragender Mann dabei: natürlich Quarterback Philip Rivers, der dieses Mal 319 Yards und zwei Touchdowns verzeichnete (keine Interception) und sich vor allem auf die Receiver Tyrell Williams (vier Receptions für 132 Yards und einen TD) und Keenan Allen (111 Yards) verlassen konnte.
14:0, 20:14, 20:31, 29:31, 36:38 und 39:38. Was nach einem Zahlencode oder nach einer ganzen Reihe von Ergebnissen klingt, waren Zwischenstände beim Sunday-Night-Gipfel zwischen Pittsburgh (11:2) und Baltimore (7:6). Das mit Spannung erwartete AFC-North-Duell zwischen den Steelers und den Ravens, die es bekanntlich erst seit 1996 in der NFL gibt, versprach nicht zu viel. Es ging wahrlich hin und her - mit dem besseren Ende für "Steel City", das mit diesem Sieg vorzeitig den dritten Divisionstitel in vier Jahren gewann und damit nach den Philadelphia Eagles als zweites Team das Play-off-Ticket buchte.
Während bei den knapp unterlegenen Ravens neben Quarterback Joe Flacco (269 Yards, zwei TDs, eine Int.) vor allem Running Back Alex Collins (120 Rushing Yards, ein TD, 46 Receiving Yards) die Verteidigung in den Wahnsinn trieb, lieferte auf Seiten Pittsburghs allen voran Star-Spielmacher Ben Roethlisberger eine Nacht für die Geschichtsbücher ab.
Der 35-jährige "Big Ben" warf für 506 (!) Yards und zwei Touchdowns (keine Int.) und stieg damit zum ersten QB der NFL-Geschichte mit drei 500+ Games auf. Ebenfalls traumhaft waren einmal mehr die anderen drei von den vier "Killer B’s" aus "Steel City": Star-Receiver Antonio Brown markierte 213 Yards, Star-Läufer Le’Veon Bell legte 48 Rushing Yards, zwei Rushing TDs, 77 Receiving Yards sowie einen Receiving TD auf, während Kicker Chris Boswell wie schon in den vergangenen Wochen gegen Green Bay (31:28) und in Cincinnati beim hässlichen AFC-North-Duell (23:20) per Field Goal die Entscheidung brachte.
Atlanta - New Orleans 20:17
Buffalo - Indianapolis 13:7 (OT)
Cincinnati - Chicago 7:33
Cleveland - Green Bay 21:27 (OT)
Kansas City - Oakland 26:15
New York Giants - Dallas 10:30
Tampa Bay - Detroit 21:24
Carolina - Minnesota 31:24
Houston - San Francisco 16:26
Denver - New York Jets 23:0
Arizona - Tennessee 12:7
Los Angeles Chargers - Washington 30:7
Los Angeles Rams - Philadelphia 35:43
Jacksonville - Seattle 30:24
Pittsburgh - Baltimore 39:38
Miami - New England
mag