27.11.2019
Erntedankfest ist in den USA besonders auch Zeit für Football
Am vierten Donnerstag im November ist es ein jedes Jahr soweit: Die USA feiern den staatlichen Feiertag Thanksgiving. Auf den Tisch kommt dabei oft ein saftiger Truthahn - und über die Flimmerkiste läuft von früh bis spät des Amerikaners liebster Sport: Football. Heimspiele gibt es dabei einmal mehr für Detroit und Dallas, die diesen Luxus seit vielen Jahren genießen.
Thanksgiving - ein besonderer Feiertag seit 1863 in Nordamerika, ein ganz besonderer Tag auch im American Football. Die ersten beiden Spiele werden dabei seit vielen, vielen Jahren immer in Detroit und in Dallas ausgetragen, das dritte und erst seit 2006 jährlich praktizierte Match findet zwischen zwei stets wechselnden Teams statt.
In diesem Jahr serviert die NFL folgendes Drei-Gänge-Menü: Die Lions (3:7:1) erwarten die Bears (5:6) am Donnerstag (18.30 Uhr, live bei DAZN), ehe es die Cowboys (6:5) mit den in dieser Saison erfolgreichen Bills (8:3) zu tun bekommen (22.30 Uhr). Zu guter Letzt treffen die Falcons (3:8) auf die Saints (9:2) - und zwar Freitag, 2.20 Uhr MEZ.
Doch warum dürfen eigentlich Detroit und Dallas stets vor heimischer Kulisse auftreten, müssen keine weite Reise antreten und können sich so über ein besonderes Image freuen?
Story Detroit: Hierzulande dürfte es nicht so bekannt sein, dass die Lions seit vielen Jahrzehnten (!) stets am Thanksgiving-Feiertag ein Heimspiel austragen dürfen. In den USA dagegen ist dieses Thema allgegenwärtig - und stößt bei anderen Teams teilweise auch sauer auf. Schließlich möchte jedes Franchise von höheren Einschaltquoten und einem exklusiven TV-Slot sowie dem damit verbundenen gesteigerten Interesse profitieren. Doch hierzu passt ein altes, deutsches Sprichwort: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Und die Lions waren eben das erste Team, das einst bezüglich Thanksgiving vorgeprescht war.
Die Lions wurden 1929 in Portsmouth als Spartans gegründet. George Richards, ehemaliger Direktor der Radiostation World Junior Records (WJR), verfrachtete das Team schließlich in die Großstadt Detroit.
Um mehr Fans anzuziehen, ordnete der Besitzer im Jahr 1934 an, Football am Thanksgiving Day steigen zu lassen. Hier haben die potenziellen Fans schließlich frei, können Zeit und Geld für ihr Football-Team aufwenden. Der Plan ging auf: Da der clevere Manager Richards nämlich mit seiner Radiostation Teil von "NBC Blue Network" war, brachte er die Vorgesetzten dazu, das erste Spiel (16:19-Niederlage gegen Chicago) über 94 Stationen landesweit zu übertragen.
Und wenngleich der Erfolg aus rein sportlicher Sicht für die Lions nicht festzustellen ist (überschaubare Bilanz von 37:40:2), so ist klar: Detroit hat merklich dazu beigetragen, das Thanksgiving für unzählige Amerikaner ein Football-Festtag im Kreise der Familie geworden ist.
Für die NFL selbst entpuppte sich der Umzug mitsamt den Maßnahmen im Nachhinein ebenfalls als sehr erfolgreich, da sie im fünften Anlauf endlich ein Team in der "Motor City" etablieren konnte. Zudem sicherten sich die Detroit Lions 1935 erstmals den NFL-Titel, im gleichen Jahr, als die Detroit Tigers zum ersten Mal die World Series gewannen und kurz bevor die Detroit Red Wings den Stanley Cup zweimal in Folge (1936, 1937) gewinnen konnten.
Story Dallas: Die stolzen Cowboys durften an Thanksgiving erstmals im Jahr 1966 ran, ehe das Prozedere ab 1978 und bis heute regelmäßig wurde. Und genau wie die Lions hofften die Macher der Texaner ebenfalls darauf, ihr Image mit diesem besonderen Feiertags-Auftritt aufzupolieren. Gesagt, getan - und wieder waren hier clevere Planer am Werk. Denn das Franchise etablierte sich in dieser Zeit unter Legenden-Coach Tom Landry, der zwischen 1960 und 1988 trainierte und die Cowboys 1971/72 (24:3 gegen Miami) und 1977/78 (27:10 gegen Denver) zum Super-Bowl-Sieg führte. "America's Team" ward geboren. Der damalige General Manager Tex Schramm trug in dieser Zeit enorm viel zum marketing-technischen Erfolg bei - unter anderem etablierte er die "Dallas Cowboys Cheerleaders".
Die Thanksgiving-Bilanz von Dallas, das gemeinhin aufgrund der heutzutage vielen, vielen Fans - wie erwähnt - einfach als "America's Team" bezeichnet wird, sieht derweil wie folgt aus: 31 Siege, 19 Niederlagen, ein Remis.
Kurzum: Seit 1934 tragen die Lions nun schon das erste Thanksgiving-Heimspiel aus, ehe seit 1978 Dallas immer im Anschluss an Detroit mit einer Partie vor heimischer Kulisse anschließt. Um allerdings auch andere der insgesamt 32 NFL-Mannschaften in den Genuss kommen zu lassen, lässt die Liga seit 2006 ein drittes, stets flexibles Duell austragen (dieses Mal eben Falcons vs. Saints). Der Zusatzgewinn daraus: Aus über sechs Stunden Football-Unterhaltung werden somit weit über neun - und der US-Feiertag Thanksgiving ist medial in der Hand von Football, was für die NFL natürlich Erlöse satt abwirft.
mag