10.12.2018
Chicago Bears stoppen Rams - und begehren mächtig auf
Die Chicago Bears streben zurück an die Spitze der NFC North - und vielleicht zurück an die Spitze der gesamten National Football League. Das Franchise aus der "Windy City" hat nicht nur mit dem jüngsten Erfolg über die Los Angeles Rams gezeigt, was besonders defensiv in ihm steckt - und was Erinnerungen weckt.
Cris Collinsworth (59) weiß, wovon er spricht, wenn er über Chicago sagt: "Hier zu spielen, ist immer hart. Ich habe es selbst erlebt." Der ehemalige Wide Receiver der Cincinnati Bengals (1981-1988, über 400 Receptions, über 6000 Yards, 36 Touchdowns) und heutige NBC-TV-Kommentator von Sunday Night Football an der Seite von Al Michaels (74) hat schließlich hautnah miterlebt, wie die berühmten Bears 1985/86 ihre bis dato größte Saison der Neuzeit erlebten.
Das damalige Team von Trainer Mike Ditka pflügte mit einer Bilanz von 15:1 in die Play-offs, gewann die Divisional Play-offs gegen die New York Giants (21:0) und auch das NFC Championship Game gegen die Los Angeles Rams (24:0) mit einem Shutout! Im Super Bowl XX, der 20. Auflage am 26. Januar 1986, hieß es schlussendlich im Louisiana Superdome zu New Orleans 46:10 gegen die New England Patriots .
Damit ließ eine beeindruckende Mannschaft (am wenigsten Punkte und Yards zugelassen) um heutige Legenden wie Defensive End Richard Dent (17 Sacks), Linebacker Mike Singletary (Defensive Player of the Year) oder Running Back Walter Payton (1551 Rush Yards, neun Touchdowns) eben vor allem wegen der beeindruckenden defensiven Leistung den Spitznamen "Monsters of the Midway" neu aufleben.
Geboren wurde der Begriff einst in den 1930er und 1940er Jahren, als die Bears die Football-Macht schlechthin waren. 1932 zum Beispiel gewann das Team unter Head Coach Ralph Jones das erste jemals stattfindende Play-off-Spiel in der Geschichte der NFL mit 9:0 gegen die Portsmouth Spartans und sicherte sich nach 1921 den zweiten Titel der noch jungen Geschichte. Ein Jahr später kehrte George Halas als Trainer zurück und führte die Bears zur Titelverteidigung im NFL Championship Game 1933 gegen die New York Giants. Weitere Titel folgten 1940, 1941, 1943 und 1946.
Nach der letzten von insgesamt acht NFL Championships im Jahre 1963 war es dagegen eher still um Chicago geworden, bis eben 1985/86 der Super Bowl gewonnen wurde. Und auch seitdem ist eher das große Warten angesagt. In jüngerer Vergangenheit erntete die Mannschaft aus der "Windy City" vielmehr Hohn und Spott, landete zuletzt viermal in Folge auf dem letzten Platz der NFC North - was unter anderem auch am ehemaligen Hoffnungsträger Jay Cutler lag (153 Spiele, 35.133 Yards, 227 Touchdowns, 160 Interceptions, 60 Fumbles), der sich besonders "gern" gegen Erzrivale Green Bay Fehler am Fließband leistete (14 Duelle, 16 Touchdowns, 22 Interceptions, nur zwei Siege bei zwölf Niederlagen).
Doch auf einmal sind die Bears zurück im Titelrennen, stehen nach einer defensiven Glanzleistung beim 15:6-Sieg im Sunday Night Game gegen die bis dato bei 11:1 stehenden Los Angeles Rams selbst bei 9:4. Die erste Play-off-Teilnahme seit 2010 ist Chicago fast nicht mehr zu nehmen.
"Unser Spiel in der Defense... Wow, kann ich da nur sagen. So etwas habe ich gegen solch einen starken Gegner selbst seit langer, langer Zeit nicht mehr gesehen", zog der aktuelle Coach Matt Nagy den Hut vor seinen Abwehrrecken um Cornerback Kyle Fuller (sieben Interceptions), Safety Eddie Jackson (fünf Interceptions), Linebacker Roquan Smith (72 Tackles, 25 Assists), Defensive End Akiem Hicks oder auch Superstar Khalil Mack (zehn Sacks, sechs Forced Fumbles, eine Interception, ein Touchdown). Bill Belichick, berühmter Head Coach der New England Patriots, hatte selbst in dieser Saison schon großes Lob parat - speziell für Mack: "Er ist groß, stark und schnell, hat außerdem ein gutes Ballbewusstsein. Er rennt auf den Quarterback zu und spürt, ob er ihn angreifen oder ihm lieber den Ball wegschlagen soll."
Defensive End/Outside Linebacker Mack selbst ergänzt dazu höchst selbstbewusst: "Das liebe ich an dieser Defense. Das sind oft keine Fehler der gegnerischen Offense, sondern unsere Plays. Wir können von unserer Seite des Balles die pure Dominanz zeigen - und das ist im Gedankengut der Gegner inzwischen verankert."
Dazu passt auch diese Statistik, die unterstreicht, dass auch in den anstehenden Play-offs noch lange nicht Schluss sein muss für Chicago: Die Bears haben mit dem verdienten 15:6 gegen die L.A. Rams, die bis dato im Schnitt pro Spiel stolze 35 Punkte erreicht hatten, bereits das dritte aktuell in der Endrunde stehende Team geschlagen (Rams, Vikings, Seahawks) - und das im Übrigen neben einer bärenstarken Abwehr auch mit einer stets kreativen Angriffsspielweise um Quarterback Mitchell Trubisky (21 Touchdowns), den Receivern Taylor Gabriel/Allen Robinson (zusammen über 1000 Yards und sechs TDs) sowie einem immens flexiblen und schwer aufzuhaltenden Running Back Tarik Cohen (384 Rush Yards, 679 Receiving, sechs TDs), der auch zusammen mit Kollege Jordan Howard (713 Rush Yards, fünf TDs) gut funktioniert. Kurzum: Die "Monsters of the Midway" wollen und können die NFL erschaudern lassen.
mag