07.01.2019
Kicker der Chicago Bears besiegelt Play-off-Ausscheiden
Unter tosenden Pfiffen und mit reichlich Häme von den Rängen wird Cody Parkey am späten Sonntagabend (Ortszeit) von den Fans der Chicago Bears in die Katakomben verabschiedet. Hinterher nimmt der Kicker die Schuld kleinlaut auf sich, gibt Einblicke in seine Gefühlswelt - und dürfte inzwischen wissen, dass kurz vor seinem Doppel-Alutreffer noch etwas anderes passiert ist.
So etwas kann man sich kaum ausdenken: Da schreitet Bears-Kicker Cody Parkey beim hochspannenden Wild-Card-Match gegen die Philadelphia Eagles zehn Sekunden vor Ablauf der Uhr zum alles entscheidenden Field Goal aus 43 Yards. Es steht 16:15 für den Gast, den amtierenden NFL-Titelträger. Doch den 26-jährigen Parkey lässt der Druck kalt, er versenkt den Ball mittig durch die gelben Torstangen im mit 62.462 Zuschauern ausverkauften Soldier Field. Das Blöde nur: Dieser Versuch zählt nicht, weil Phillys cleverer Head Coach Doug Pederson seine letzte Auszeit kurz zuvor genutzt hat - und somit den Bears-Profi nochmals zum Gefühlstanz bittet.
Diese Maßnahme trägt aus Eagles-Sicht Früchte: Parkey konzentriert sich vor dem zweiten Schuss nochmals auf den x-mal trainierten Ablauf, atmet tief durch, fokussiert sich auf den Snap, läuft an - und schießt. Das Ei fliegt, alles blickt gespannt und dann das: linker Innenpfosten, Ball fliegt nach unten, unterer Querbalken, Ball fliegt zurück ins Feld und nicht durch die Torstangen. Zweimal Alu im alles entscheidenden Moment. "Doink, Doink", sagt der Amerikaner da.
"Es ist eines der schlimmsten Gefühle der Welt, dein Team im Stich gelassen zu haben. Ich fühle mich schrecklich", sagt Parkey, nachdem er unter den lauten Buhrufen den Rasen im heimischen Stadion verlassen hat, in der Kabine - umstellt von wissbegierigen Journalisten. Im Gesicht des Kickers nach der 15:16-Niederlage in der ersten K.-o.-Runde der diesjährigen NFL-Endrunde, die zugleich eine bärenstarke Saison der Chicago Bears (12:4) beendet hat, herrscht weitestgehend Leere. Ein leerer Blick ins Nirgendwo.
Während sich derweil in sozialen Netzwerken wütende Bears-Fans mit lustigen, harten und sicherlich auch unangebrachten Videos, Memes oder Beiträgen den Frust von der Seele tippen, packen die US-Experten Statistiken aus. Solche wie: Parkey hat in der abgelaufenen Regular Season nur 23 seiner 30 Field-Goal-Versuche verwandelt. Oder auch: Zum sechsten Mal in dieser Saison trifft er nur das Gestänge, doppelt so oft wie jeder andere Kicker der Liga. Zum Abschluss noch ein unschöner Nebenaspekt: Der Kicker aus Jupiter/Florida hat von 2014 bis 2016 ausgerechnet für die Eagles, die seinem Fehlschuss danken, gespielt.
"Die Niederlage geht zu 100 Prozent auf mich, aber morgen scheint die Sonne wieder. Leider wird der Stachel eine Weile sitzen", sagt Parkey noch abschließend.
Seine Teamkollegen wollen ihm aber dennoch nicht die Schuld zuschieben, dass Chicago weiter seit 2010 auf einen Play-off-Sieg warten muss. "Das ist eine schwere Pille, die er schlucken muss. Aber er ist immer noch unser Mannschaftskamerad, unser Bruder", springt ihm zum Beispiel Star-Verteidiger Khalil Mack zur Seite. "Es ist hart", sagt ein konsternierter Bears-Head-Coach Matt Nagy : "Es ist kaum zu glauben, wie die Dinge in dieser Saison für ihn gelaufen sind und wie er damit umgegangen ist. Wenn dann so etwas passiert, ist das bitter." Ob diese unterstützenden Worte aber seinen Job in der "Windy City" letztlich retten? Mehr als fraglich.
Da wird ihn auch dieser Umstand, der sich kurz vor dem verpatzten Field-Goal mit Doppel-Alutreffer wohl ereignet hat, nicht unbedingt zugutekommen: Wie mehrere Medien inzwischen übereinstimmend und nach zahlreicher Studie der TV-Bilder berichten, ist kurz nach dem Schuss das Ei von Philadelphias Block-Verteidiger Treyvon Hester touchiert und minimal abgelenkt worden. Das hat auch die NFL selbst inzwischen bestätigt und die Statistik dementsprechend verändert - Blocked Field Goal heißt es dort ab sofort. Immerhin ein kleiner Trost...
mag