25.08.2019
"Ich konnte nicht mehr das Leben führen, das ich wollte"
Mitten in die Preseason hinein erschüttert eine überraschende wie niederschmetternde Meldung die NFL: Star-Quarterback Andrew Luck von den Indianapolis Colts beendet mit sofortiger Wirkung seine aktive Karriere. Als Grund für seinen Rücktritt gab der 29-Jährige anhaltende Verletzungsprobleme an.

"Das ist die schwierigste Entscheidung meines Lebens, aber es ist die richtige Entscheidung für mich", erklärte Luck auf einer Pressekonferenz im Anschluss an das Preseason-Spiel der Colts gegen die Chicago Bears in der Nacht von Samstag auf Sonntag (MESZ). "In den vergangenen vier Jahren war ich in diesem Kreislauf von Verletzung, Schmerz, Reha, Verletzung, Schmerz, Reha, und es nahm kein Ende, es war unerbittlich", schilderte Luck, teils den Tränen nahe, sein Leid. "Ich hatte das Gefühl, in diesem Kreislauf festzustecken, und der einzige Weg heraus, den ich sehe, ist es, nicht weiter Football zu spielen."
Seit 2015 hatte Luck, der Nummer-Eins-Pick des Drafts 2012 und einer der Elite-Quarterbacks der Liga, immer wieder mit Blessuren zu kämpfen, vor allem die rechte Schulter machte dem hochtalentierten Spielmacher zu schaffen. Zwischen Dezember 2016 und September 2018 stand er insgesamt 616 Tage nicht auf dem Feld. In diesem Zeitraum war bereits vereinzelt über ein verletzungsbedingtes Karriereende spekuliert worden.
Der jetzige Zeitpunkt des Rücktritts kommt trotzdem völlig überraschend, denn hinter Luck liegt eines der stärksten Jahre seiner Karriere. In der Saison 2018 zeigte sich der 1,93 Meter große Modellathlet so gut wie vor seiner Schulterverletzung, warf für 4593 Yards und 39 Touchdowns (15 Interceptions) und führte die Colts überraschend bis in die Divisonal Play-offs (13:31 gegen die Kansas City Chiefs). Im Anschluss an die Saison wurde er zum "Comeback Player of the Year" gekürt.
Die Comeback-Story des 29-Jährigen erfährt mit dem plötzlichem Rücktritt nun ein jähes Ende. In der Offseason hatte Luck zunächst wieder mit einer Knöchelverletzung zu kämpfen, erst in den vergangenen Tage hatten sich aber die Gerüchte gemehrt, dass der Spielmacher den Saisonstart verpassen könne. Die neuerliche Blessur wollte Luck aber nicht als den entscheidenden Faktor für seinen Rücktritt verstanden wissen, viel eher sei es der "ausbleibende Fortschritt" gewesen, der ihn zum Rücktritt veranlasst habe.
"Es hat mir die Freude am Football genommen. Ich hing in diesem Prozess fest und konnte nicht das Leben führen, das ich führen wollte", erklärte der für seine Spielintelligenz und starken Wurfarm bekannte Quarterback. "Nach der Saison 2016, in der ich unter Schmerzen gespielt habe, habe ich mir geschworen, dass ich mir das nie wieder antun werde." Nun sehe er sich in einer ähnlichen Situation und nur noch eine Möglichkeit, dem Kreislauf zu entfliehen - das Karriereende.
Mit Luck verliert die NFL nicht nur einen ihrer stärksten Quarterbacks im besten Alter, sondern auch einen ihrer beliebtesten Spieler. Der Signal Caller, der Teile seiner Kindheit in Frankfurt am Main verbrachte, wurde für seine offene und freundliche Art von Kollegen und Journalisten stets geschätzt.
Nicht zuletzt stellt sein Karriereende einen herben Rückschlag für die Indianapolis Colts dar. Das junge, hochveranlagte Team zählte mit einem wiedererstarkten Luck zum Favoritenkreis für den kommenden Super Bowl - bis jetzt. Zwar steht mit Jacoby Brissett einer der besseren Ersatz-Quarterbacks der Liga bereit, ein Qualitätsverlust ohne Star und Anführer Luck scheint jedoch unausweichlich.
mib