30.08.2019
NFL, Preseason, Week 4: Pats-Wide-Receiver im Mittelpunkt
In der Nacht zum Freitag (MESZ) fanden die finalen Preseasonspiele in der NFL statt. Ein deutscher Linebacker machte auf sich aufmerksam, eine der größten Skandalnudeln feierte ihr Comeback. Sorgen macht dagegen ein mehrfacher Super-Bowl-Sieger. Bei den Miami Dolphins wurde eine wichtige Entscheidung getroffen.

Wie üblich gingen die Head Coaches eine Woche vor Saisonstart absolut kein Risiko. In den Aufstellungen der Teams fehlte die überwiegende Mehrzahl der als Starter vorgesehenen Spieler, um Verletzungen zu vermeiden. So durften sich mehrheitlich Akteure aus der zweiten Reihe beweisen, der sportliche Aussagewert war dadurch allerdings begrenzt.
Dennoch gab es einige Highlights. Aus deutscher Sicht machte Mark Nzeocha auf sich aufmerksam. Der Linebacker der San Francisco 49ers fing bei der 24:27-Niederlage gegen die Los Angeles Chargers eine Interception. Nzeocha, der bei den 49ers in der vergangenen Saison in allen Spielen der regulären Saison zum Einsatz gekommen war, durfte im Schlussviertel als Middle Linebacker ran. Nach fünf gespielten Minuten durchschaute der gebürtige Franke Chargers-Quarterback Easton Stick und fing einen Pass des Spielmachers vor Wide Receiver Malachi Dupre im Hechtsprung ab. Der 29-jährige Nzeocha zeigte sich später noch einmal, als er einen Lauf von Wide Receiver Justin Liggins stoppte, die Chargers mussten einen Raumverlust von sieben Yards hinnehmen.
Nur an der Seitenlinie kam es zum Treffer der Bosa-Brüder. Sowohl Nick Bosa von den 49ers als auch sein älterer Bruder Joey von den Chargers kamen nicht zum Einsatz. Die beiden Defensive Ends begrüßten sich bei der Opening Ceremony herzlich, zu einem ersten gemeinsamen Kräftemessen auf dem Feld kam es aber nicht.

Die New England Patriots vermasselten ihre Generalprobe gründlich. Nicht nur, dass der Super-Bowl-Champion den New York Giants mit 29:31 unterlag. Viel schwerer als die Niederlage wog der Verlust von Julian Edelman. Der Wide Receiver und dreimalige Super-Bowl-Champion musste wegen einer Handverletzung das Feld verlassen. Ausgerechnet an der linken Hand, wo Edelman erst kürzlich eine Daumenverletzung auskuriert hatte. Wegen dieser Verletzung verpasste er auch die ersten drei Preseasonspiele, anders als die meisten anderen Starspieler der Pats sollte er sich gegen die Giants einem Formtest unterziehen.
Ein Ausfall Edelmans, der als einer der besten Slot-Receiver der NFL gilt, würde New England schwer treffen. Der MVP des letzten Super Bowls ist seit Jahren eine der bevorzugten Anspielstationen von Quarterback Tom Brady, beide verstehen sich auf dem Feld blind und gelten auch privat als befreundet. Besonders nach dem Karriereende von Tight End Rob Gronkowski kommt Edelman in der Offensive der Pats eine noch größere Rolle zu.
Immerhin machten zwei andere Wide Receiver auf sich aufmerksam - auch wenn diese alleine wegen ihrer Statur her komplett andere Spielertypen sind als Edelman. Da wäre zum einen Josh Gordon. Der mittlerweile 28-Jährige war in der Schlussphase der letzten Saison wegen eines Verstoßes gegen das Rehabilitations-Programm der NFL suspendiert worden, die Sperre wurde im August aber aufgehoben. Gordon, der Leading-Receiver der Saison 2012, ist weiterhin ein hochveranlagter und brandgefährlicher Wide Receiver, seine Liste von Verfehlungen ist aber mindestens ebenso lang wie die seiner Erfolge. Zum anderen stellte Demaryius Thomas mit zwei Touchdowns seine Leistungsfähigkeit unter Beweis und machte klar, dass mit ihm zu rechnen ist. Der 31-Jährige hatte sich in der Endphase der letzten Saison die Achillessehne gerissen, was letztendlich zu seiner Entlassung bei den Houston Texans führte. Die Patriots glaubten allerdings an ihn und statteten den Erstrundenpick von 2010 mit einem Einjahresvertrag aus. Die Rechnung scheint für beide Seiten aufzugehen.
Wichtiger als der 16:13-Sieg der Miami Dolphins über die New Orleans Saints waren die anschließenden Statements der Verantwortlichen gegenüber den Medien. Denn Dolphins-Head-Coach Brian Flores bestätigte, dass er Ryan Fitzpatrick als Starting-Quarterback auserkoren hat. Der 36-jährige NFL-Veteran sticht damit Josh Rosen aus - beide lieferten sich in der Vorbereitung ein Rennen um den Status als Nummer eins. "Ryan hat einen wirklich guten Job gemacht, und wir sind der Meinung, dass dies der beste Schachzug für das Team ist", begründete Flores seine Entscheidung. "Ich weiß, wer ich bin und was ich als Spieler kann" sagte Fitzpatrick. "Ich habe mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten als jeder andere auf der Welt." Dies sei manchmal von Nachteil, in den meisten Fällen aber, so Fitzpatrick, "wirkt sich das zu meinen Gunsten aus."
Was aber wird aus Rosen? Der 22-Jährige galt als talentierter Quarterback im Draft 2018, wurde aber "erst" an zehnter Stelle von den Arizona Cardinals gewählt. Nach einer schwachen Saison wurde ihm die Rolle eines Franchise Quarterbacks nicht zugetraut, Rosen wurde zu den Dolphins getradet. Nun muss er sich zunächst erneut hintenanstellen. "Der Konkurrenzkampf hört nie auf", kündigte Rosen an. "Ich werde ihn jeden Tag zu seiner Höchstleistung pushen und wenn er diese nicht mehr abrufen sollte, werde ich hoffentlich da sein."
Was war sonst noch der Erwähnung wert? Bei den Chicago Bears scheint noch immer keine befriedigende Lösung auf der Position des Kickers gefunden zu sein. Zur Erinnerung: Im Wild-Card-Game der letzten Saison schieden die Bears gegen die Philadelphia Eagles mit 15:16 aus, nachdem Kicker Cody Parkey in den letzten Sekunden ein siegbringendes Field Goal versemmelte. Parkey wurde entlassen, in der Vorbereitung durften sich gleich mehrere Kicker bei den Bears probieren. Eddy Pineiro startete bei der Generalprobe Chicagos gegen die Tennessee Titans (15:19), setzte aber prompt einen Extra-Punkt daneben. Ob der 23-Jährige, der im Sommer von den Oakland Raiders gekommen war, als etatmäßiger Kicker der Bears gelten kann, muss abgewartet werden.
jer