16.10.2019
NFC-North-Team steht bei 5:1 Siegen - und überragt mit der Defense
Auch wenn das 23:22 gegen die Detroit Lions auch aufgrund von krassen Schiedsrichterfehlentscheidungen schon arg glücklich dahergekommen ist, so steht doch fest: Die Green Bay Packers präsentieren sich nach zwei Jahren ohne Play-offs grundverbessert. Was übrigens nicht an Star-Quarterback Aaron Rodgers, der allerdings immer mehr aufdreht, liegt.

Allein mit dieser Statistik wird klar, was in Green Bay dieser Tage bestens funktioniert: Seit dem Start der 2018er Saison stehen die Packers bei 30 Sacks im Zuge von gegnerischen Third Downs (zwei davon letzte Woche beim 34:24 in Dallas, drei davon nun beim Last-Second-Sieg gegen Detroit).
Die Defense unter Coordinator Mike Pettine, dem früheren Head Coach der Cleveland Browns, verbessert sich seit über einem Jahr stetig - was sich bereits in dieser Saison mehrmals bezahlt gemacht hat. Mit lediglich 115 zugelassenen Punkten (19,2 im Schnitt) rangiert die Abwehr auf Rang neun der NFL, obendrein haben Cornerback Kevin King & Co. schon sieben Interceptions (Platz 4) und vier Fumbles verbucht. Überragend sind dabei auch die nicht verwandten und humorvoll als "Smith Bros" bezeichneten Linebacker Preston (sieben Sacks) und Za'Darius (sechs) oder Linebacker Blake Martinez (mit 40 Solo Tackles Platz zwei hinter Clevelands Joe Schobert mit 43).
Das alles hat dazu geführt, dass "The Pack" zum ersten Mal seit 2012 mit einem 3:0 innerhalb der NFC North gestartet ist und zugleich mit einer Bilanz von 5:1 in der gesamten NFL nur hinter den San Francisco 49ers (5:0) und den New England Patriots (6:0) liegt. Natürlich auch mit etwas Glück: Denn abgesehen vom schwachen 0:10-Spielstart gegen Detroit und der folgenden Steigerung im Verlaufe des Spiels ist Green Bay im jüngsten Monday Night Game für viele eigene Fehler (verpasste Catches, eine bittere Interception, zwei Fumbles) nicht von der Lions-Offense bestraft worden und hat zudem gleich dreimal von krassen Fehlentscheidungen der Referees profitiert (nicht geahndete Pass Interference, zweimal missinterpretierte "Illegal use of Hands"-Strafe). Die Liga selbst gestand im Anschluss sogar einen Fehler ein.

Am Ende jagte Kicker Mason Crosby das "Ei" aber Sekunden vor Schluss zum 23:22-Sieg durch die Stangen, feierte ausgelassen mit dem Team und genoss sichtlich vor 76.947 Zuschauern seinen "Lambeau Leap": "Das hat Spaß gemacht, Yeah! Dieses Gefühl, hoch auf die Ränge zu springen und die Energie von jedem um dich herum zu spüren, das ist etwas, an das ich mich immer erinnern werde. Das war großartig!"
Ein Strahlen setzte auch Aaron Rodgers direkt nach Spielschluss wieder auf, rannte mit erhobener Jubelhand in Richtung der Fans. Zuvor allerdings hatte der 35-Jährige auch wieder einige Male den Kopf schütteln müssen, besonders nachdem er mit etlichen guten Pässen seine Receiver gefunden - nur diese eben etliche vermeintlich einfache Catches nicht gemacht hatten (Aaron Jones und Jimmy Graham ließen sogar einfachste Touchdowns nach guten Zuspielen liegen) und "A-Rod" zugleich noch seine zweite Interception in dieser Saison eingebrockt hatten (beide nach Fehlern der Spieler).
Am Ende aber stand Rodgers bei 24 von 39 angebrachten Pässen und 293 Total Yards (zehn per Rush) sowie zwei Touchdown-Pässen. Doch nicht nur das: Der Super-Bowl-Sieger von 2010/11 und Nachfolger von Legende Brett Favre zeigte sich wie schon bei der knappen 27:34-Niederlage gegen die Philadelphia Eagles (422 Yards, zwei TDs, eine Int.) deutlich verbessert als noch zu Saisonbeginn - und brachte unter anderem grandiose Pässe zu Jamaal Williams und Marquez Valdes-Scantling an, genauso wie ein wunderschönes 35-Yard-Touchdown-Zuspiel auf Überraschungs-Spieler Allen Lazard (Top-Profi Davante Adams war zum Zeiten Mal in Folge verletzt). "In Teammeetings sitze ich tatsächlich neben ihm", freute sich Rodgers im Anschluss mit dem 23-jährigen Passempfänger. "Wir haben eine ziemlich gute Freundschaft geschlossen. Außerdem hat mich beeindruckt, dass der Receiver selbst im Huddle auf mich zugekommen ist, den Ball forderte und eine Route vorschlug. Das freut mich als Quarterback riesig. Wie kann man dann nicht Vertrauen in den Jungen haben und zu ihm werfen?"
Dennoch entbrennen vor allem in amerikanischen Medien immer wieder neue Diskussionen über den bestens bezahlten "Gunslinger" aus Green Bay. Ganz frisch bringt "The Athletic" Statistiken auf den Tisch, die zeigen, wie Rodgers' Zahlen und besonders die Effizienz seit Jahren (besonders nach seiner bärenstarken Zeit 2009-2014) nach unten gehen. Ein Auszug: Seine Quote bei angekommenen Pässen ist über die Zeit nach unten gegangen - 2009 (fast 66 Prozent), 2011 (über 69 Prozent), 2015 (unter 62 Prozent), 2018 und 2019 (über 62 Prozent).

Doch immer wieder lässt Rodgers natürlich auch sein glänzendes Spielverständnis walten, verlängert Plays, entkommt aus schier ausweglosen Situationen - und nutzt eben auch geschenkte Möglichkeiten wie im Spiel gegen die Lions eiskalt aus, um sein Team zum Sieg zu führen. Das macht vielleicht am Ende vielmehr einen großartigen Quarterback aus als reine Zahlenspiele; einen, der Spiele verwaltet und sich auch mal auf dem Rest der Mannschaft ausruhen kann/darf. Denn außer Frage steht: In den letzten Jahren hat Rodgers oft schier allein den Karren aus dem Dreck gezogen, mit Verletzungen gespielt. Nun darf sich der 35-Jährige über eine starke Defense freuen, muss sich außerdem weiter mit seinem neuen Trainer Matt LaFleur abstimmen - und kämpft außerdem mit Verletzungssorgen im Receiving Corps (Adams, Geronimo Allison, Equanimeous St. Brown), das ohnehin insgesamt nicht zum stärksten der NFL gezählt wird. Umso erstaunlicher dann fast, dass die Packers bei 5:1 stehen - und Rodgers dabei erst noch ins Rollen finden muss nach zuletzt zwei Jahren ohne Play-offs.
Andere Statistiken untermauern sein Können derweil weiter: Seine letzten vier Interceptions sind allesamt von Receivern unglücklich in die Hände der Gegner gelenkt worden (was zurück bis ins Jahr 2017 geht). Insgesamt steht "A-Rod" in 15 NFL-Jahren und 171 Regular-Season-Spielen lediglich bei 82 Interceptions (absoluter Top-Wert) - und hat zuletzt beim Super-Bowl-Sieg von einer Top-Abwehr profitieren dürfen.
mag