06.01.2020
Nach insgesamt mehr als 20 Jahren bei den Texanern
Die Spatzen pfiffen es bereits von den Dächern, nun ist es offiziell: Die Zeit von Jason Garrett als Head Coach der Dallas Cowboys ist abgelaufen. Am Sonntag (Ortszeit) gaben die Texaner nach neun Jahren die Trennung von Garrett bekannt.

Die Entscheidung dürfte den Verantwortlichen der Dallas Cowboys alles andere als leichtgefallen sein. Sonst hätten sich die Bosse der Texaner nicht eine Woche Zeit gelassen, um den Daumen über Jason Garrett zu senken. Doch einen Sonntag nach dem Verpassen der Play-offs in der NFL war es soweit: Nach neun Jahren als Head Coach muss Garrett seinen Hut nehmen.
Doch Garrett besitzt noch weit mehr Verbindungen zu Dallas. Zwischen 1993 und 1999 war er Quarterback bei den Cowboys, wenn auch nicht als Starter. Seit 2007 arbeitet er im Coaching Staff, seit 2011 als Head Coach. "Wir sind Jason Garrett außerordentlich dankbar für seine mehr als 20-jährige Tätigkeit für die Dallas Cowboys als Spieler, Assistant- und Head Coach", wird Jerry Jones, der Eigentümer und General Manager der Cowboys, in einer Erklärung der Franchise zitiert. "Garretts Vermächtnis bei den Cowboys ist das eines Mannes, der immer nach dem Bestmöglichen strebte", führte Jones weiter aus. "Er ist und wird für immer ein hoch geschätztes Mitglied der Cowboys-Community bleiben."
Doch all die herzlichen Worte zum Abschied täuschen nicht darüber hinweg, dass Garrett als der Hauptverantwortliche für das erneute Verpassen der Play-offs verantwortlich gemacht wird. Die Cowboys hatten eigentlich die Postseason fest eingeplant und lagen lange Zeit auch auf Kurs. Doch im Endspurt der regulären Saison leisteten sie sich in den letzten fünf Partien drei Niederlagen - unter anderem das letztendlich entscheidende 9:17 bei den Philadelphia Eagles. Die Eagles überholten die Cowboys mit einem 5:0-Run im Endspurt und setzten sich die Krone in der NFC East auf.
Die Cowboys müssen die Play-offs also mal wieder vor dem Fernseher verfolgen - und dies, obwohl sie mit Dak Prescott den Quarterback mit den zweitmeisten geworfenen Yards (4902), mit Ezekiel Elliott den Running Back mit den viertmeisten erlaufenen Yards (1375), mit Amari Cooper den Wide Receiver mit den achtmeisten gefangenen Yards (1189) sowie die neuntbeste Abwehr nach zugelassenen Yards hatten.
Insgesamt nur dreimal konnte Garrett in seinen neun Jahren als Head Coach die Cowboys in die Play-offs führen. Dabei gelangen ihm nur zwei Siege, über die Divisional-Finals (Viertelfinale) kamen sie nie hinaus. Eine angesichts der finanziellen Möglichkeiten und der eigenen Ansprüche mehr als enttäuschende Bilanz Garretts bei "America's Team". Allerdings müssen sich auch die Bosse der Cowboys Fragen stellen lassen. Denn diese hatten nicht den Mut, bereits nach der letzten Saison die Konsequenzen zu ziehen, als die Cowboys in den Divisional-Finals an den Los Angeles Rams (22:30) gescheitert waren. Statt mit Garrett zu verlängern oder ihn zu entlassen, kündigten sie an, den am 14. Januar 2020 auslaufenden Vertrag mit ihm nicht zu verlängern. Eine - nicht nur in der NFL - unübliche Entscheidung, die den verantwortlichen Trainer unnötig schwächt.
Garrett ist also bei den Cowboys Geschichte, über die Zukunft finden gerade Beratungen statt. Bereits am Wochenende sollen die Verantwortlichen Kontakte zu Mike McCarthy sowie Marvin Lewis aufgenommen haben. Besonders heiß gehandelt wird die Personalie McCarthy. Dieser war von 2006 bis 2018 Head Coach der Green Bay Packers und führte die "Cheeseheads" in der Saison 2010 zum Gewinn des Super Bowls. McCarthy war zudem zuvor bei mehreren Teams als Quarterback-Coach bzw. Offensive-Coordinator tätig, ist also grundsätzlich ein offensiv denkender Coach. In seinen letzten Jahren bei den Packers verließ ihn bei seinen Play-Calls aber ein wenig der Mut, was auch zum Zerwürfnis mit Star-Quarterback Aaron Rogders geführt haben soll.
Anders als McCarthy kann Marvin Lewis als Head Coach noch keinen Super-Bowl-Ring vorweisen. Als Assistent Coach der Baltimore Ravens triumphierte er aber in der Saison 2000. Und zwar als Defensive-Coordinator, die Ravens stellten damals einen neuen Rekord an den wenigsten zugelassenen Punkten in einer regulären Saison auf. Lewis, der von 2003 bis 2018 Head Coach der Cincinnati Bengals war, denkt anders als McCarthy also eher defensiv.
jer