29.01.2020
Star-Quarterback der Kansas City Chiefs kann sich früh krönen
Mit gerade einmal 24 Jahren kann Patrick Mahomes seine Laufbahn schon jetzt mit dem größtmöglichen Erfolg krönen. Angst bereitet dem Raketen-Arm der NFL der anstehende Super Bowl nicht. Der MVP der Vorsaison zeigt sich motiviert - und denkt an Kobe Bryant.

Im NFL-Draft 2017 hatten sich die Kansas City Chiefs einen gewissen Patrick Mahomes in der ersten Runde und an 10. Stelle gesichert. Wie sehr der heute 24-Jährige nur kurze Zeit später in der NFL einschlagen würde, konnte damals noch niemand ahnen. Inzwischen kennt den Raketen-Arm aber jeder football-interessierte Fan: Denn der Texas-Tech-Absolvent hat in seinem ersten Lehrjahr 2017 alles Wichtige vom damaligen Starter Alex Smith (später zu den Washington Redskins gewechselt, wo er sich noch heute von einer Horror-Verletzung erholt) gelernt - nur um seit 2018 die gesamte Liga zu verzücken.
Denn Mahomes kann schier alles mit dem Ei in der Hand. Der MVP der Regular Season 2018 (5097 Passing Yards, 50 Passing Touchdowns, nur zwölf Interceptions) ist nämlich nicht nur für irre No-Look-Pässe, Zuspiele im Sprung oder weite Geschosse zu haben, trotz seiner jungen Jahre weiß er das Spiel zu lesen, auch mal die sichere Variante vorzuziehen. Ach so: Mit seiner Schnelligkeit auf den Beinen kann "Pat" obendrein auch noch anrennenden Defense-Spielern in bester Manier ausweichen sowie für eigene Läufe entwischen.
Kurzum: Mahomes wirkt jetzt schon nahezu perfekt - und ist vor allem nach einer zunächst mit Verletzungen durchzogenen Anfangsphase in dieser Spielzeit wieder fit. Wieviel er bei voller Leistungsstärke abreißen kann, haben die Chiefs in den beiden Play-off-Partien gegen Houston (51:31 nach 0:24) und Tennessee (35:24 nach 7:17) bewiesen, als jeweils Rückstande noch in klare, dominante Siege umgekehrt wurden.
Nun steht Mahomes nach gerade einmal drei NFL-Jahren vor dem Höhepunkt: In der Nacht von Sonntag auf Montag (0.30 Uhr MEZ, LIVE! bei kicker) treffen seine Kansas City Chiefs im Hard Rock Stadium zu Miami im Zuge von Super Bowl LIV auf die San Francisco 49ers - und für KC winkt der erste Titel seit 1970 (Super Bowl IV, 23:7 gegen die Minnesota Vikings). Es wird auch das Duell von Mahomes mit Jimmy Garoppolo, der selbst mit 28 Jahren vor seinem ersten großen Endspiel als Starter steht.

Mahomes hat die in diesen Tagen steigenden Medienrunde in Miami Gardens unter anderem mit folgenden Zitaten eröffnet - und damit direkt gezeigt, dass er nicht nur an 76 geworfenen Touchdown-Pässen in 30 Regular-Season-Spielen sowie an zwei Play-off-Läufen in den letzten beiden Jahren (bitteres Overtime-Aus im AFC-Finale im Vorjahr gegen den späteren Champion New England) gemessen werden kann: "Das Beste an unserem Einzug in den Super Bowl ist, dass man den Kindern da draußen noch mehr als sonst zeigen kann, dass es egal ist, woher man kommt, welcher Rasse man angehört - du kannst deine Träume verwirklichen."
Für den in Texas aufgewachsene Afroamerikaner bedeutet dies: "Ich bin ein dunkelhäutiger Quarterback - habe einen dunkelhäutigen Dad und eine weiße Mum. Und egal was deine Träume sind, ob du Basketballer, Footballer oder was auch immer bist oder sein willst - stecke einfach deine Arbeit da rein und du wirst am Ende des Tages oben stehen." Kritik von außen, Anfeindungen? Sollen so gut es geht ausgeblendet werden.
Idole können dabei laut Mahomes helfen. Er hat selbst immer eines gehabt: Kobe Bryant, also die jüngst bei einem Helikopterabsturz gestorbene NBA-Legende der Los Angeles Lakers.
"Ich schaue mir heute noch Videos auf YouTube am Tag vor den Spielen an, höre ihm nur zu, wie er redet und wie er alles in die richtige Perspektive bringt", sagte Mahomes am Montagabend (Ortszeit) beim ersten Medientag vor dem Super Bowl. Er habe laut eigener Aussage viel vom fünfmaligen NBA-Champion viel gelernt - obwohl er ihn nie persönlich getroffen hat. Vor allem die Einstellung von Bryant zu seiner Arbeit habe ihn selbst immer wieder angetrieben: "Wie hart er arbeitete, wie er sich jeden Tag bemühte, der Beste zu sein. Das habe ich von Kobe gelernt. Das versuche ich jeden Tag auch für mich."

Begonnen wurde der erste NFL-Medientag übrigens auch mit einer Schweigeminute und einem Bild, auf dem Bryant zu sehen war. Danach kamen "Kobe! Kobe!"-Sprechchöre der Fans auf, ehe die Profis - darunter auch 49ers-Linebacker Mark Nzeocha aus Neusitz bei Rothenburg - vorgestellt wurden. San Franciscos Richard Sherman nannte die Legende der Los Angeles Lakers einen "Freund, Mentor und gewaltiges Vorbild."
Genau zu solch einem Vorbild könnte in den nächsten Jahren auch Mahomes werden - mit seiner phänomenalen Qualität auf dem Feld, seiner Bescheidenheit abseits sowie im besten Fall mit seinem ersten Super-Bowl-Ring am Sonntag (Ortszeit). Schließlich könnte der Mann mit dem Raketen-Arm erst der dritte schwarze Quarterback mit einem Einzug in sowie einem Triumph im Super Bowl werden - nach Doug Williams (1988, 42:10 gegen die Broncos) und Russell Wilson (2014, 43:8 gegen die Broncos). "Mein Opa war damals Fan der Redskins wegen Williams und all der eindrucksvollen Dinge, die er gemacht hat", berichtete Mahomes, der überhaupt nach Williams, Wilson, Steve McNair, Donovan McNabb, Colin Kaepernick und Cam Newton erst der siebte dunkelhäutige Spielmacher im großen Endspiel der NFL ist.
mag