03.07.2020
Hauptsponsor fordert Namensänderung
Seit vielen Jahren kommen regelmäßig lautstarke Forderungen auf, die Washington Redskins sollen doch bitte ihren Namen ändern. Und speziell in der aktuellen Rassismus-Debatte in den USA werden diese Stimmen lauter und lauter. Sogar Investoren verlangen Veränderung.

Bereits Ende 2013 hatten sich lautstarke Stimmen gegen die Washington Redskins erhoben und die Frage in den Raum geworfen: Braucht das Franchise einen neuen Namen?
Der Hintergrund: Die National Football League hatte sich dazu bereiterklärt, sich mit Vertretern der Oneida Nation, einem Indianerstamm, zu unterhalten. Die Ureinwohner hatten zuvor eine Kampagne gestartet und Besitzer Daniel M. "Dan" Snyder (noch heute im Amt) aufgefordert, den Namen Redskins (Rothäute) sowie das Vereinswappen, einen Indianerkopf, abzulegen, da beides schlicht rassistisch sei. NFL-Commissioner Roger Goodell war diesbezüglich auch an die Öffentlichkeit gegangen - mit den Worten: "Wenn nur ein Mensch beleidigt wird, müssen wir uns die Sache anhören."
Doch passiert ist seither wenig, obwohl es im Jahr 2017 auch dazu eine Studie der California State University gegeben hat. Mit dem Ergebnis, dass 67 Prozent der Ureinwohner den Namen als rassistisch empfinden. Obwohl sich auch prominente Persönlichkeiten wie der ehemalige US-Präsident Barack Obama hinter die Sache stellen. Und obwohl Mitte Juni 2020 erst der nationale Kongress amerikanischer Ureinwohner die Veränderung des Namens Redskins vehement gefordert hat.
"Ich wende mich an die Mitglieder der Franchise in Washington D.C., um dem Problem eine Stimme zu verleihen und Helden zu werden", wird der Präsident des NCAI (National Congress of American Indians) Fawn R. Sharp gegenüber "Washingtonian.com" zitiert. "Alles was ich fordere, ist sich gegen die Doppelmoral zu stellen. Wer ist so mutig und will aus der Umkleidekabine in Washington direkt in die Geschichtsbücher laufen?"
Interessant auch, dass der Beiname Redskins in der US-Vergangenheit schon ein paar Mal gefallen ist. Ein Beispiel: 1997 änderte die University of Miami den Namen ihres Football-Teams zu Redhawks. "Wir haben schon über 2000 Namen, Logos, Symbolen, Maskottchen, die die Ureinwohner beleidigen, aus der US-Sportlandschaft entfernt", so die "Rising Hearts Coalition". "Wir werden nicht aufhören, bis sie alle in den Museen und Geschichtsbüchern verschwinden, wo sie hingehören."

Ebenfalls bemerkenswert: Bis 2027 sind die Washington Redskins vertraglich daran gebunden, ihre Heimspiele im benachbarten Bundesstaat Maryland auszutragen, wo sie im FedExField in Landover ihre Partien bestreiten. Sollte das Franchise in den Heimatbezirk Columbia zurückkehren wollen, müssten sie wohl spätestens hier den Beinamen Redskins ablegen. Was auch Washingtons schwarze Bürgermeisterin Muriel Bowser so sieht im Gespräch mit "The Team 980": "Der Name ist ein Problem für uns. Auch für die lokale Regierung, die uns den Grund vermietet, stellt er ein Problem dar. Ich denke, es ist an der Zeit für das Team, endlich das Problem zu adressieren, was so viele Leute bewegt und attackiert."
Das sehen aktuell offenbar auch 87 Investorenfirmen und Anteilseigner mit einem Gesamtbesitzvolumen von 620 Milliarden US-Dollar so. Denn wie aus einem neuen Bericht von "Adweek" hervorgeht, haben diese Unternehmen die großen Sponsoren "Nike", "FedEx" and "PepsiCo" darum gebeten, die Stränge mit den Redskins zu lösen - bis eben eine Namensänderung folgt.
US-Medien zitierten am Donnerstagabend zudem aus einer Mitteilung von Hauptsponsor "FedEx", in der es heißt: "Wir haben dem Team in Washington unsere Bitte mitgeteilt, den Namen des Teams zu ändern." FedEx hatte sich 1998 für umgerechnet rund 182,5 Millionen Euro bis 2025 die Namensrechte am seither FedExField genannten Stadion gesichert.
Der Druck wächst, eine Namensänderung wird zunehmend wahrscheinlicher. Das Franchise kündigte am Freitag an, dass der Name im Licht der jüngsten Ereignisse im Land und Rückmeldungen aus dem Umfeld einer gründlichen Prüfung unterzogen werde. Damit würden anfängliche Diskussionen zwischen Team und Liga in den vergangenen Wochen nun formalisiert. Team-Besitzer Snyder (55) verwies darauf, dass damit auch Beiträge von außen, unter anderem von Sponsoren, berücksichtigt werden könnten. "Dieses Thema ist mir ein persönliches Anliegen", sagte der neue Headcoach Ron Rivera in einer Pressemitteilung. "Wir werden sichergehen, dass wir die indigenen Völker ehren und unterstützen."
Zu sehen ist die Entwicklung natürlich vor dem Hintergrund der nach dem brutalen Tod von George Floyd und den anschließenden (weltweiten) Protestwellen der "Black Lives Matter"-Bewegung wieder intensiver geführten Rassismus-Debatte in den USA.
Immerhin hatten sich die Redskins schon in zwei Punkten einsichtig gezeigt. Vom eigenen Ruhmesring ist inzwischen nach Protesten der Gründer und frühere Eigentümer George Preston Marshall entfernt worden. Der Unternehmer hat die Mannschaft von 1932 bis zu seinem Tod 1969 besessen, sein offenkundiges rassistisches Gedankengut immer wieder zur Schau gestellt - und sich viele Jahre geweigert, dunkelhäutige Spieler aufzunehmen. Einmal hat Marshall gesagt, er werde erst dunkelhäutige Spieler verpflichten, "wenn die Harlem Globetroters weiße Spieler in ihr Team" aufnähmen.

Worte, die seine Haltung unterstreichen. Erst 1962, und auch nur nach Druck der Öffentlichkeit und der Politik - ohne die Integration hätte das Team damals nicht im neugebauten Robert F. Kennedy-Stadion spiele dürfen -, verpflichtete Marshall (in der NFL Hall of Fame seit 1983) den ersten schwarzen Spieler der Franchise-Geschichte. Sein Name: Bobby Mitchell. Dessen Rückennummer 49 hat das Team erst Mitte Juni 2020 "retired", ein Trikot mit dieser Zahl wird also nie mehr vergeben.
Das umstrittene NFL-Team wurde übrigens 1932 als Boston Braves gegründet und kurze Zeit später in Boston Redskins umbenannt. Seit 1937 ist das Franchise in Washington beheimatet. Seinen Ursprung hat der Begriff Redskins in der Kolonialzeit, als einheimische Stämme nach ihrer Hautfarbe kategorisiert wurden. Die Besitzer und Verantwortlichen der Redskins beteuern seither immer wieder, dass dies nicht wegen rassistischen Gedankenguts geschehen sei und lediglich an die Tradition und Geschichte des Landes sowie der Urvölker erinnern soll.
mag