09.11.2020
Neuer Quarterback in Los Angeles überzeugt seit Wochen
Die Los Angeles Chargers sind mit dem Plan in diese Regular Season gestartet, ihren Rookie-Quarterback Justin Herbert an die NFL heranzuführen. Das gelingt bis hierhin glänzend. Nur eines fehlt: die passenden Ergebnisse auf den Anzeigentafeln nach (!) Spielschluss.

Wer geglaubt hat, die Atlanta Falcons seien das einzige Team mit einer akuten Schwäche gegen Spielende, der irrt sich. Denn die Los Angeles Chargers sind das aktuelle "Nicht-Maß" der Dinge. Doch der Reihe nach ...
Nach der schwachen 2019er Regular Season und dem Verpassen der Play-offs hatte sich das von Anthony Lynn trainierte Team dazu entschlossen, sich nach 16 Jahren vom etablierten Star-Spielmacher Philip Rivers (inzwischen Indianapolis Colts) zu trennen. Das Franchise aus Kalifornien entschied sich daraufhin, im NFL-Draft in der 1. Runde bereits an 6. Stelle Rookie-Quarterback Justin Herbert (22) zu ziehen - und diesen zu Saisonbeginn erst einmal hinter dem erfahrenen Tyrod Taylor (31) lernen zu lassen.
Der Plan einer insgesamt gut aufgestellten Mannschaft ging auf: Der im College für seinen starken Arm hochangesehene Herbert gewöhnte sich an den Top-Football, während Taylor zum Auftakt mit 16:13 bei den Cincinnati Bengals gewann.
Schon in Week 2 folgte der überraschend frühe Tausch auf der Quarterback-Position, weil ein Arzt dem eigentlich weiter gesetzten Taylor unmittelbar vor dem Duell mit den Chiefs unabsichtlich die Lunge verletzte - und so kurzerhand Herbert gegen den amtiernden Super-Bowl-Champion ran musste, ran durfte. Mit starken 311 Yards, zwei Total Touchdowns und nur einer Interception überzeugte der Neuling auch direkt, wenngleich ihm unmittelbar der erste Nackenschlag blühte: Denn dieses in die Verlängerung gegangene Spiel wurde 1:55 Minuten vor Overtime-Ende von Chiefs-Kicker Harrison Butker aus 58 Yards Entfernung zum 23:20 beendet.
Seither stockte der gefeierte Oregon-Quarterback sein Konto auf stolze 2146 Passing Yards, 17 Passing Touchdowns, zwei Rushing Touchdowns und nur fünf Interceptions auf. Allerdings gewann Herbert nur noch in Week 7 mit 39:29 gegen Jacksonville. Ansonsten hieß es 16:21 gegen die Panthers, 31:38 in Tampa Bay, 27:30 in New Orleans, 30:31 in Denver und nun an diesem Sonntag 26:31 gegen Las Vegas. Die Bilanz von Herbert also: 1:6. Die Bilanz der Chargers: 2:6. Die Chancen auf eine anvisierte Play-off-Teilnahme sind kaum mehr da.
Stattdessen stellt Los Angeles unrühmliche Statistiken auf: Bis zum jetzigen Duell mit Las Vegas (26:31) hatten die Chargers in vier aufeinanderfolgenden Partien Führungen von 17, 17, 16 und 21 Punkten verspielt - neuer NFL-Negativrekord. Außerdem verspielte L.A. als erstes Team seit vier Jahren überhaupt einen Vorsprung von mindestens 21 Punkten in der zweiten Hälfte. Das vorherige Team: ebenfalls die Chargers (2016).
Und: Bei allen sechs Saisonniederlagen hat die Mannschaft von Head Coach Lynn mit nur einem Score Unterschied verloren (insgesamt nur 24 Punkte Differenz zu den Gegnern). "Wir sind alle sehr enttäuscht. Das hat uns hart getroffen - und es gibt keinen Zauberspruch, der das alles noch schnell ändern kann. Niederlagen sind immer schwer, besonders solche", so Herbert im Nachgang dieser bitteren Pleite (kurz vor Schluss zwei große Touchdown-Chancen noch verpasst). Der Rookie-Quarterback ergänzte: "Wir kommen immer nah ran, aber es reicht nicht. Deswegen müssen wir noch härter arbeiten und besser werden."
mag