12.11.2020
Wäre Foles die bessere Wahl gewesen?
Es läuft nicht sonderlich gut für die verletzungsgeplagten Philadelphia Eagles in dieser Regular Season - allen voran nicht für Quarterback Carson Wentz. Die Play-offs sind trotzdem realistisch.

Eines vorneweg: Verloren ist in dieser Spielzeit für Philly noch lange nichts, was natürlich an der weiterhin immens schwachen NFC East liegt. Trotzdem haben die Eagles, die bei den New York Giants (2:7) an diesem Sonntag (19 Uhr MEZ) antreten, alle Trümpfe selbst in der Hand. Mit der aktuellen Bilanz von 3:4:1 liegt das Team knapp vor dem Washington Football Team (2:6) und den Dallas Cowboys (2:7).
Klar ist aber auch: Ausbaufähig ist das Ganze durchaus. Denn einerseits lässt die Defense mächtig zu wünschen übrig, andererseits stimmt es auch in der Offese nicht - was auch mit Verletzungen zu tun hat. Die Zahlen rund um Wentz, der in seinem Rücken auch den erst in diesem Draft in Runde 2 geholten Rookie und Jalen Hurts (22) immer mehr spüren dürfte, lesen sich ernüchternd. Erreichte Total Yards bislang: 2640 (Platz 29). Davon Passing Yards: 1691 (Platz 28). Interceptions: 12 (Platz 1 mit Denver). Turnovers: 16 (Platz 1). Kassierte Sacks: 32 (mit Abstand Platz 1). Außerdem steht der Spielmacher mit nur 58,4 Prozent Passquote auf dem vorletzten Rang, in Sachen Yards pro Wurf (6,1) auf 29.
Diese Zahlen hat jüngst NFL-Legende Brett Favre ( Super-Bowl-Sieger mit Green Bay) zum Anlass genommen, Eagles-Spielmacher Carson Wentz öffentlich anzuzählen. In einer Schalte mit "ESPN" hat der langjährige "Gunslinger" der Packers mitgeteilt, dass es wohl nach dem Super-Bowl-Sieg 2018 die bessere Wahl gewesen wäre, Nick Foles (im Anschluss nach Jacksonville, inzwischen in Chicago) zu behalten. Schließlich habe dieser der Stadt Philadelphia erst den ersehnten vierten Titel (zuvor 1948, 1949, 1960) eingebracht - mit einer famosen Leistung gegen die New England Patriots um Tom Brady.
"Ich dachte damals direkt, dass sie lieber Nick Foles als Carson Wentz behalten hätten sollen - einfach nur basierend aufgrund der Resultate", so Favre. "Sie haben den Super Bowl mit Foles gewonnen. Deswegen fand ich die Entscheidung im Anschluss schon überraschend. Doch offensichtlich setzen sie weiterhin auf ihn (Wentz; Anm.d.Red.). Nur wie viele Jahre lässt du noch verstreichen, ehe du Nägel mit Köpfen machst?"
Klare Worte, die sich zwangsläufig auch an Eagles-Trainer Doug Pederson (seit 2016 im Amt) richteten. Also auf den Mann, der zwischen 1995 und 1998 als Ersatz-Quarterback für die Packers zusammen mit Favre gespielt sowie 1996/97 den Super Bowl gewonnen hatte - und der mit der Legende bis heute gut befreundet ist.
Pederson selbst antwortete auch darauf - und stärkte seinen in den vergangenen Jahren oft verletzten Schützling Wentz (27), der nach der Saison 2018/19 einen Vierjahresvertrag für 128 Millionen US-Dollar Volumen bekommen hatte. "Ich respektiere seine Meinung", sagte der Head Coach am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. "Aber ich teile sie nicht. Carson ist unser Mann - Ende."
Pederson fügte trotzdem noch etwas an: "Carson war unser Draft-Pick (2016, Second Overall; Anm.d.Red.). Carson ist der Mann, der uns trägt und dieses Football-Team anführt." Und nochmals zu Favre: "Jeder hat das Recht, seine Meinung kundzutun. Was immer er sagen mag, ist völlig okay - und wir bleiben Freunde."
Und was meint der nicht nur von Favre, sondern auch von anderen NFL-Experten dieser Tage angezählte Wentz selbst? Schließlich ist dieser in North Dakota als Favre-Fan aufgewachsen? "Am Ende des Tages bedeutet das nichts. Jeder hat seine eigene Meinung."
mag