16.11.2020
Hail Mary sorgt für Ekstase - selbst LeBron twittert über Hopkins
Die Steelers weiter ungeschlagen, Seattle verliert erneut, die Eagles in der Krise - eigentlich alles große Themen dieses NFL-Sonntags. Doch die Football-Welt redet nur über eine Szene - den Wahnsinns-Catch von DeAndre Hopkins bei der Hail Mary der Arizona Cardinals.

In Los Angeles bahnte sich eine Überraschung an. Würden die Seahawks trotz 13:23-Rückstand nochmal herankommen? Ein Field Goal und ein gelungener Onside Kick wären dafür notwendig gewesen. In der "NFL RedZone", dem NFL-Äquivalent zur Bundesliga-Konferenz von "Sky", lief gerade Kicker Jason Myers an, da schaltete man trotz der Spannung um nach Arizona. Und man blieb in Arizona. Minutenlang.
Die meisten Zuschauer hatten wohl nur mit ein paar Sekunden gerechnet. Wie soll das auch noch klappen mit den Cardinals gegen die starken Buffalo Bills? Sie lagen ja mit vier Punkten zurück, waren satte 43 Yards von der Endzone entfernt, noch elf Sekunden auf der Uhr.
Ein Wunder musste her - und ein Wunder geschah.
Quarterback Kyler Murray geriet schnell unter Druck, wich zurück, wich nach links aus, beinahe wäre er getackled worden. Die Auslinie rückte immer näher, gerade noch davor warf er das Ei irgendwie irgendwo Richtung Endzone.
Eine "Hail Mary" also, wie der Name sagt sowieso schon eine Art Himmelfahrtskommando. Und dann hatte es auch noch nur DeAndre Hopkins rechtzeitig in die Endzone geschafft, umringt von drei (!) Buffalo-Verteidigern. So recht konnte wohl zuerst keiner verstehen, warum Team-Kollege Andy Isabella, der Erste am Tatort, auf einmal wie ein Wilder auf den am Boden liegenden Hopkins herumtrommelte. Doch tatsächlich: Hopkins tauchte aus dem Menschenpulk mit dem Ei in der Hand auf, der Referee gab das Touchdown-Zeichen und der Kommentator in der RedZone brüllte: "It is caught!".
In Arizona ging nun der wilde Punk ab, ein paar waren aber auch schlicht sprachlos. Das ungläubige Staunen im Gesicht von DJ Humphries wird in keinem Rückblick auf diese Szene fehlen. Die Social-Media-Abteilung der Cardinals reagierte komplett nachvollziehbar. Ihr Kommentar: "dhqiudhliweufbalweiubg;iewn;foemnw;coiwne;o". Bei den Cards flippte man entweder aus oder man brabbelte wirres Zeug.
Arizonas Head Coach Kliff Kingsbury nahm zuerst die Ausflipper wahr. "Den Pass auch nur loszukriegen war schon unglaublich", lobte er Murray, der "gerannt, ausgewichen und sich geduckt" habe. "Ich dachte nicht, dass er ihn noch losbekommt. Von meiner Position aus konnte ich nicht viel sehen, ich sah nur, wie die Fans durchdrehten. Ich habe unsere Leute gefragt: 'Hat er ihn gefangen'"?
Hatte er. Und Hopkins machte daraus nicht mal eine große Sache. "Sie waren zu dritt. Sie waren in Position. Ich habe nur besser gefangen", sagte der Neuzugang aus Houston. Den Catch ordnete er aber trotzdem richtig ein in seine Hitliste. "Der steht an Nummer eins", sagte der 28-Jährige. Auch auf Twitter reagierte er cool. Murray beschrieb dort seine Gedanken vor dem Wurf ("Shiiiiiiiiiiiiid.....Hop down there somewhere!"). Hopkins retweetete nur: "Never Panic".
Andere waren da weniger zurückhaltend. Hopkins sei ein "Monster Man", schrieb Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes, Basketball-Legende LeBron James brachte nur ein "WOW WOW WOW!! HOP HOP HOP!" heraus. Sein "Bro" Hopkins sei eben "anders". Das wusste auch Bills-Receiver Cole Beasley, der schon eine dunkle Vorahnung gehabt hatte. "Immer wenn sie den Ball werfen und er in der Nähe ist, wird man nervös - und zwar deswegen."
Seahawks-Kicker Myers verwandelte übrigens das Field Goal in Los Angeles, der Onside Kick misslang. Doch das erfuhren die Zuschauer in der RedZone erst viel, viel später.
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