23.11.2020
Trainer angezählt, Quarterback-Fragezeichen, niedergeschlagene Spieler
Am unteren Ende der 32 Teams starken NFL finden sich seit vielen, vielen Wochen die New York Jets. Und viel Besserung ist nicht in Sicht! Die Truppe von Adam Gase steht inzwischen bei 0:10 und steht so langsam davor, unrühmliche Geschichte zu schreiben.

Ein 28:34 bei den Los Angeles Chargers also dieses Mal. Klingt erst einmal knapp, ist es aber eigentlich nicht so richtig gewesen. In den desaströsen ersten beiden Vierteln hatten die Jets zwar anfangs dank eines 6-Yard-Sprints von La'Mical Perine mit 6:0 geführt (Extrapunkt von Sam Ficken vergeben), dann aber brach alles zusammen. Das Ergebnis zur Pause: 6:24 - und die Erkenntnis, in kompletten 30 Minuten zum Beispiel nur zweimal in Richtung von Wide Receivern geworfen zu haben.
Joe Flacco (35), seines Zeichens einmaliger Super-Bowl-Sieger und Vertreter des wohl bald zurückkehrenden Sam Darnold (23), gab direkt nach dem Spiel zu, von dieser Statistik nichts mitbekommen zu haben. Eine nachträgliche Erklärung seinerseits: Es sei aber auch schwierig, bei lediglich 23 offensiven Spielzügen in der gesamten ersten Hälfte viele Passempfänger einzubinden.
Doch da ist das Spiel schon gelaufen gewesen, am Ende haben auch mutigere Spielzüge in Quarter drei und vier (zum Beispiel ein TD-Pass über 49 Yards auf Breshad Perriman) nichts geholfen. Ein Rushing Touchdown von Oldie Frank Gore (37) sowie ein weiterer Score via Catch von Chris Herndon haben nur noch Kosmetik betrieben. Am Ende fing sich Chargers-Punter Ty Long noch absichtlich einen Safety in der eigenen Endzone ein, um die Uhr bis auf eine Sekunde auslaufen zu lassen - deswegen liest sich das Endergebenis mit 28:34 auf den ersten Blick ordentlich.
Hinter den Kulissen rumort es aber schon seit Beginn dieser Regular Season: Wie lange ist der erst 2019 installierte und in zwei Jahren bei 7-19 stehende Head Coach Adam Gase (42, zuvor 2016-2018 in Miami) noch zu halten? Es dürfte ein offenes Geheimnis sein, dass spätestens nach Week 17 ein Trennungsstrich gezogen wird. Und ereilt den an der Schulter lädierten Spielmacher Darnold, im NFL-Draft 2018 als Third-Overall-Pick an Land gezogen, dasselbe Schicksal? Schließlich könnte New York bei einer katastrophalen Saison am Ende wieder hoch im 2021er Draft zuschlagen und einen neuen Leader wählen - zumal Kritiker Darnold schon seit Wochen immer mehr anzählen (nur drei Touchdowns bei sechs Interceptions in sechs Spielen 2020, insgesamt in drei Jahren schon 34 Interceptions) und ihm immer weniger einen Sprung in Richtung Elite-Quarterback zutrauen.
Doch für den Moment haben die Jets schon genug zu tun, die Realität nach Week 11 aufzuarbeiten. Mit 0:10 ist das Team nämlich nicht nur als erste Mannschaft auch offiziell aus dem Play-off-Rennen raus (früheste Eliminierung seit 1990), sie verpassen nun schon im zehnten jahr in Folge die Endrunde und jagen unfreiwillig auch die beiden Shutout-Seasons der Detroit Lions (0:16 in 2008) und Cleveland Browns (0:16 in 2017). "So darf es nicht enden - besonders nicht, wenn das wirklich mein letztes NFL-Jahr sein soll", gibt sich passend dazu Running-Back-Legende Frank Gore. "Hoffentlich gelingt uns wenigstens ein Sieg. Ich wäre so glücklich."
Doch von Glückseligkeit oder Frohsinn sind die New York Jets dieser Tage sehr weit entfernt. Dazu passend eine aktuelle Aussage von Ersatz-Spielmacher Flacco nach seinem fatalen Pick-Six vom Sonntag ("Das war richtig schlecht") oder auch eine von Defensive Tackle Henry Anderson: "Wir sind alle so frustriert wie noch nie zuvor seit wir Football spielen."
Noch eine abschließende Randnotiz gefällig? Die aktuell längsten Dürrephasen ohne Play-off-Action durchleben die Cleveland Browns (17 Jahre) und die Tampa Bay Buccaneers (zwölf). Weil diese beiden Franchises aber derzeit sehr gut unterwegs sind, könnten die Jets nach 2020 mit ihren schon jetzt feststehenden zehn Jahren auch hier unfreiwillig führen.
mag