13.12.2020
NFL, Week 14: Titans-Laufwunder Henry walzt Jacksonville nieder
Nach einer Woche Pause meldeten sich die Tampa Bay Buccaneers und ihr Star-Quarterback Tom Brady mit etwas angesetztem Rost zurück, schüttelten diesen aber ab und siegten auch dank eines schlimmen Tages für den Kicker der Vikings. Auch der amtierende Super-Bowl-Champion aus Kansas City tat sich anfangs schwer.

Es braucht schon einiges, um die Chiefs-Offense in Schach zu halten. Nicht umsonst hatten Star-Qurterback Patrick Mahomes & Co. das Team 2019/20 mit Weltklasse-Auftritten bis zum ersehnten Super-Bowl-Titel getragen und zugleich in dieser Regular Season bis zum jetzigen Gastspiel in Miami schon wieder 44 Touchdowns erzielt (nur Tennessee mit 45 und Green Bay mit 48 hatten bis dato mehr). Doch die heimischen Dolphins schienen über die ersten 28 Minuten ein Gegenmittel gefunden zu haben, Beweise dafür waren gleich zwei (!) Interceptions der eigenen Abwehr gegen Mahomes und der Umstand, dass der "Raketenarm aus K.C." bis kurz vor der Pause mit angekommenen zehn Pässen nur 144 Yards und eben keinen Score zusammenbrachte. So stand nach einem erfolgreichen Wurf von Miamis Rookie-Spielmacher Tua Tagovailoa auf Tight End Mike Gesicki, einem verwandelten Field Goal von Kicker Jason Sanders sowie einem 32-Yard-Rush von Chiefs-Speedster Tyreek Hill ein verdienter 10:7-Vorsprung zu Buche. Die Fins durften ernsthaft von der Überraschung träumen.
Doch Mahomes ist eben nicht umsonst der mit Abstand bestbezahlte Quarterback der NFL (etwas mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar für die nächsten zehn Jahre). Der 25-Jährige führte sein Team kurz vor Ende des zweiten Viertels noch mit einem geschmeidigen Drive voran und warf 37 Sekunden vor Pausentee noch lässig für sechs Yards zu seinem Tight End Travis Kelce. Miamis tolle erste Hälfte endete so mit einem 10:14-Rückstand.
Doch nicht nur das: Das Momentum lag fortan komplett auf Chiefs-Seite. Beispiele gefällig? Zum Start des dritten Quarters warf Mahomes erst für 44 Yards zu seinem Wide Receiver Hill, ehe der pfeilschnelle Mecole Hardman einen Punt-Return über 67 Yards bis in die Endzone trug und dann auch noch die plötzlich sichere K.C.-Defense Miamis Hoffnungsträger-Quarterback in dessen eigener Endzone einen "Sack" verpasste - Safety und zugleich die 30:10-Führung.
Am Ende meldeten sich zwar die Hausherren in Florida nochmals zurück - Quarterback Tagovailoa (316 Yards, zwei TDs, eine Int.) warf einen Touchdown-Pass für 29 Yards auf Gesicki und lief einmal selbst über ein Yard in die Endzone -, das war aber nicht mehr als Ergebniskosmetik. Warum? Weil Mahomes (393 Yards, zwei TDs), der sich insgesamt an diesem Tag gar drei Interceptions erlaubte, seine nun bei 12:1 stehende Mannschaft Richtung Field Goal zum 33:24 führte und die Dolphins (8:5) nach dem 27:33-Anschluss den Onside Kick verpassten. Ganz nebenbei tütete das bereits für die Play-offs qualifizierte Kansas City zum fünften Mal in Serie den Gewinn der AFC West ein - zugleich der erste Staffelsieg dieser NFL-Saison.
Als durchwachsen war die bisherige Spielzeit der Buccaneers bewertet worden - und das absolut nachvollziehbar: Tampa Bay um den sechsmaligen Super-Bowl-Sieger Tom Brady hatte vor der jüngsten "Bye Week" drei aus vier Auftritten in den Sand gesetzt und so die Play-off-Aussichten in Gefahr gebracht. Etwas zu sehr ausgeruht präsentierten sich die Bucs zudem zu Spielbeginn gegen die Minnesota Vikings: Brady stand nach einem schwachen ersten Quarter bei einer miserablen Ausbeute, fand auch eindeutig freie Anspielstationen nicht. Und weil Vikes-Läufer Dalvin Cook über ein Yard zum Touchdown lief, stand ein 6:0 für den Gast zu Buche (Kicker Dan Bailey verschoss den Extrapunkt).
Dann aber fand Tampa Bay und allen voran Brady in die Spur - und zwar direkt mit einem 48-Yard-Touchdown-Geschoss auf Receiver Scotty Miller, was zugleich der weiteste TD-Pass von Brady in dieser Saison war. Es folgten ein toller Touchdown-Hechtsprung von Running Back Ronald Jones, ein Field Goal von Kicker Ryan Succop (18 Yards) zum 17:6-Halbzeitstand und danach ein TD-Wurf von Brady auf seinen langjährigen Kumpanen Rob Gronkowski. Weil Minnesotas Tight End Irv Smith mit einem 14-Yard-TD nach Pass von Kirk Cousins immerhin etwas Kosmetik betrieb plus die anschließende Two-Point-Conversion gelang, stand es 23:14 für die Buccaneers. Dabei wäre so viel mehr möglich gewesen für das Team aus Minneapolis. Doch Vikings-Kicker Bailey veschoss neben seinem eingangs erwähnten Extrapunkt stolze drei (!) Field Goals. Insgesamt war der Profi so für fehlende zehn Zähler verantwortlich - und stellte, weil er eben gar kein Field Goal versenkte, einen Negativhöchstwert seit 59 Jahren auf (John Aveni für Washington im Jahr 1961).
Besser machte es sein Pendant auf der anderen Seite, Ryan Succop. Dieser verwandelte aus 48 Yards 5:20 Minuten vor Spielende zum 26:14-Endstand. Endstand deswegen, weil Minnesotas Quarterback Cousins (225 Yards, ein TD, keine Int., sechs kassierte "Sacks") ganz spät beim Versuch einer letzten Aufholjagd von Verteidiger Jason Pierre-Paul nicht nur "gesackt", sondern auch vom Ball getrennt wurde - Fumble, Pleite besiegelt. Während die fortan wieder verstärkt zitternden Vikings damit auf 6:7 abrutschten, verbesserten sich die Bucs um Brady (196 Yards, zwei TDs, keine Int.) auf 8:5.

Auf 9:4 in der Gesamtbilanz sprangen unterdessen die Tennessee Titans, die sich mit einem klaren 31:10 bei den nun schon zwölfmal in Folge als Verlierer vom Feld geschickten Jacksonville Jaguars (1:12) behaupteten. Neben einem guten Auftritt von Spielmacher Ryan Tannehill (212 Yards, zwei TDs, keine Int.) waren die Augen natürlich einmal mehr auf Laufwunder Derrick Henry gerichtet. Und warum auch nicht, die Walzmaschine spulte unfassbare 215 Yards über den Boden ab und rannte dabei zweimal in die Endzone - einmal über volle 36 Yards. Kurzum: Einmal mehr war der 26-Jährige, der nun schon das vierte Spiel seiner Karriere mit mindestens 200 Yards sowie zwei Scores abriss (neuer NFL-Rekord vor den bei drei solcher Partien stehender Hall of Famer Jim Brown, Barry Sanders und LaDainian Tomlinson) schlicht und ergreifend nicht zu stoppen.
Was war sonst noch los? Die Denver Broncos verbesserten sich vor allem dank Quarterback Drew Lock (21 angebrachte Pässe für 280 Yards und vier Touchdowns) mit einem 32:27 bei den Carolina Panthers (4:9) auf 5:8, während die Arizona Cardinals (26:7 bei den New York Giants) um einen herausragenden Linebacker Haason Reddick (fünf Tackles, fünf "Sacks", drei Forced Fumbles), die Chicago Bears (36:7 gegen Houston) und die Dallas Cowboys (30:7 in Cincinnati) jeweils mit ihren Abwehrreihen nur sieben Punkte zuließen. Wichtig war der Erfolg dabei für alle drei siegreichen Teams, erhielten sie sich so doch die zuletzt wieder in weitere Ferne gerückte Chance auf die Play-offs in dieser Saison.
Ganz nebenbei war mit der Niederlage Houstons (4:9) klar, dass die Texans auch mathematisch keine Chance mehr auf die Endrunde im Januar 2021 mehr haben.
Und noch etwas: Aufgrund der anderen Ergebnisse zogen die Pittsburgh Steelers (11:1) noch vor ihrem Auftritt bei den Buffalo Bills (Sunday Night) vorzeitig in die Play-offs ein.
Cam Akers bügelt die New England Patriots nieder - Head Coach Bill Belichick nimmt Quarterback Cam Newton raus
Die Play-offs in der NFL: New Orleans Saints und Kansas City Chiefs gesichert, New England Patriots zittern
mag