03.01.2021
NFL, Week 17: Baltimore wird zum gefürchteten Team
Die Cleveland Browns waren mit dem Ziel in diesen letzten Spieltag der NFL-Regular-Season gegangen, erstmals seit 2002 (!) wieder ein Teil der Play-offs zu sein - und jubelten nach reichlich Drama. Ganz anders die Stimmungslage in Miami, wo alles schief lief. Doch noch besteht Hoffnung. Groß spielte derweil erneut Baltimore auf.

Wie viel Spott hatten die Fans der Cleveland Browns über beinahe 20 Jahre ertragen müssen? Viel, weil das stolze NFL-Franchise tatsächlich seit 2002 nicht mehr in den Play-offs vertreten war und oftmals total schwach abgeschnitten hatte - die 0:16-Saison aus 2017 lässt noch immer grüßen.
Doch nun wurde der Bann gebrochen: Mit einem 24:22 gegen AFC-North-Spitzenreiter Pittsburgh, der ohne Star-Quarterback Ben Roethlisberger und weiteren Stammkräften nach Cleveland gereist war, schoben sich die Browns endlich wieder in die in schon in einer Woche startende Endrunde der NFL.
Doch kaum ein Spiel dieses Teams ohne Drama: Nach starker 10:0-Führung zu Beginn nämlich, darunter ein toller 47-Yard-Touchdown-Rush von Running Back Nick Chubb, ließen die Hausherren den Gast aus der "Steel City" wieder mit drei Field Goals auf 9:10 herankommen. Doch nicht nur das: Nachdem Browns-Quarterback Baker Mayfield (196 Yards, ein Touchdown, keine Interception) und Receiver Jarvis Landry gar auf 24:9 erhöht hatten, flatterte plötzlich das Nervenkostüm der Gastgeber - und sicherlich auch der vielen Fans vor den heimischen Bildschirmen. Plötzlich und so kurz vor dem Ziel geriet zunächst alles auf die schiefe Bahn: Pittsburghs Spielmacher Mason Rudolph (315 Yards, zwei TDs, eine Int.) fand Chase Claypool für 28 Yards und hernach JuJu Smith-Schuster für zwei Yards. Es stand nur noch 22:24, allerdings glückte die anschließende Two-Point-Conversion nicht.
Doch damit nicht genug: Nach einem versuchten Onside Kick der Steelers unterlief den Browns beinahe der Ballverlust, ehe kurz darauf ein kurzer Lauf von Mayfield höchstpersönlich den groß gefeierten Sieg unter Dach und Fach brachte. Damit buchte der achtmalige NFL-Champion aus Ohio (der letzte Titel allerdings 1964) zum ersten Mal seit 2002 wieder ein Play-off-Ticket. "Wir wollten das so sehr. Ich mag dieses Football-Team sehr, ich liebe es mit den Jungs zu arbeiten - und jetzt haben wir noch Arbeit vor uns", beschrieb Head Coach Kevin Stefanski hinterher gegenüber US-Medien die eigene Gefühlswelt. "Das ist außergewöhnlich - und ich freue mich auch sehr für Baker, der das Team getragen und selbst viele Plays gemacht hat." Mayfield selbst sagte: "Ein neuer Standard, ein neues Niveau hat sich hier entwickelt - das soll auch so bleiben."
Kurios: Nächste Woche zum Start der Play-offs, der Wild Card Round, bekommen es die Steelers schon wieder mit den Browns zu tun (dieses Mal in Pittsburgh und wieder mit Roethlisberger & Co.) - das stand schon direkt nach Spielschluss fest.
Mit einem eigenen Sieg hätten auch die Dolphins sicher in der K.-o.-Runde gestanden, doch stattdessen durchlebte Miami einen regelrechten Alptraum im Orchard Park bei den Buffalo Bills. Mit sage und schreibe 26:56 gingen die Fins bei den bereits qualifizierten Bills (13:3) unter - obwohl diese zwischenzeitlich ihre Startspieler schonten, darunter auch Quarterback Josh Allen (224 Yards, drei TDs, eine Int.). Doch die oftmals so starken Dolphins brachten über den gesamten Spielverlauf nicht allzu viel Konstruktives zusammen, allen voran Rookie-Spielmacher Tuanigamanuolepola "Tua" Tagovailoa brach offensichtlich unter dem großen Druck zusammen. Der 22-jährige Hawaiianer, in der 1. Runde an 5. Stelle gezogen, erreichte am Ende zwar 361 Yards und einen Touchdown, erlaubte sich darüber hinaus aber gleich drei Interceptions sowie viele schwache Zuspiele und Ungenauigkeiten. Trainer Brian Flores konnte nicht auf den starken Ersatzmann Ryan Fitzpatrick zurückgreifen (COVID-19-Liste).
Die Quittung dafür: Miami plumpste aus den Play-off-Plätzen und musste fortan auf Schützenhilfe beziehunsweise auf eine Niederlage der Colts (Spiel bei den bereits ausgeschiedenen Jacksonville Jaguars folgte zu diesem Zeitpunkt erst noch) hoffen.
Die Hoffnung nährten auch die New York Giants, die das NFC-East-interne Duell mit den Dallas Cowboys mit 23:19 für sich entschieden. Dabei gaben die G-Men um Quarterback Daniel Jones (229 Yards, zwei TDs, eine Int.) zwar eine 20:6-Führung aus der Hand (20:19 stand es plötzlich nur noch). Doch am Ende reichte es zum Sieg, mit dem die New Yorker vorübergehend auf Rang 1 sprangen - allerdings auf eine Niederlage des Washington Football Teams im Sunday Night Game in Philadelphia hoffen mussten.

Sein entscheidendes Schlusskapitel in dieser Regular Season gestaltete außerdem noch Baltimore erfolgreich - höchst erfolgreich: Mit einem 38:3 fegten die Ravens bei den Cincinnati Bengals übers Feld und stellten ihre überragende Form unter Beweis. Wer nun nächste Woche auf das Team um Star-Quarterback Lamar Jackson (113 Passing Yards, 97 Rushing Yards, drei TDs, eine Int.) trifft, muss sich sehr warm anziehen. Warum? Weil Baltimore fünf Partien in Folge gewonnen hat und allein in Cincy unfassbare 404 Rushing Yards als Team erreicht hat. Doch nicht nur das: Jackson selbst ist an diesem Sonntag in seiner noch jungen Karriere zum 46-mal in der Red Zone mit einem Touchdown-Pass erfolgreich gewesen - bei keiner einzigen Interception in der Red Zone bislang (neuer NFL-Rekord).
Die bereits für die Endrunde qualifizierten Tampa Bay Buccaneers fuhren ihrerseits noch ein 44:27 gegen Atlanta ein, verbesserten sich so noch auf 11:5 und machten abermals klar, dass mit ihnen in den Play-offs zu rechnen ist. Allen voran der nimmermüde Tom Brady (399 Yards, vier TDs, eine Int.) zeigte mal wieder richtig viel, fand unter anderem zum dritten Mal in Folge Receiver Antonio Brown und beendete diese Regular Season im Alter von 43 Jahren mit genau 43 Touchdowns (40 via Pass, drei erlaufene Scores).
mag