11.01.2021
Pittsburgh steht vor wichtigen Entscheidungen - Was macht "Big Ben"?
Als richtiges "Dark Horse" hatten die Pittsburgh Steelers in den ersten Wochen der Regular Season noch gegolten, nun aber fand die Reise des Teams nach schwachen Wochen ein jähes Ende. Und nun?

Mit 11:0 war Pittsburgh in die Regular Season gestartet, hatte mit einem nach langer Verletzungspause 2019 wieder fitten und wie zu alten Zeiten solide passenden Ben Roethlisberger eine zuverlässige Offense sowie um T.J. Watt eine brachiale Defense gestellt. Experten waren sich trotz eines vergleichsweise einfacheren Spielplans sicher: Würden die Steelers diese Qualität aufrechterhalten, die AFC-Konkurrenz müsste sich in den Play-offs warm anziehen.
Doch dann das: "Steel City" war überraschend gegen Washington (17:23) leer ausgegangen, hatte nach dieser ersten Niederlage am Ende vier der finalen fünf Regular-Season-Spiele in den Sand gesetzt - und nun obendrein zum Start der Wild Card Round in den Play-offs mit 37:48 gegen AFC-North-Rivale Cleveland verloren. Und das nicht, weil die Browns exorbitant stark waren, sondern weil Pittsburgh unglaublich miserabel ins Spiel fand: Mit einem fatalen Snap von Center Maurkice Pouncey über Spielmacher Roethlisberger hinweg hatte es begonnen, drei schnelle Interceptions von "Big Ben" höchstpersönlich folgten - und plötzlich stand es noch im ersten Quarter (!) bereits 28:0 für die Gäste vom Lake Erie.
Zwar schnupperte der Gastgeber um den zweimaligen Super-Bowl-Sieger Roethlisberger (am Ende 69 geworfenene Pässe, 47 angebracht für 501 Yards und vier Touchdowns) zwar tatsächlich am Wunder-Comeback, doch mitunter seine vier Interceptions besiegelten das frühe Play-off-Aus, mit dem die 11:0-Steelers endgültig ihr Gesicht verloren und zu den 1:5-Steelers wurden.
"Wir waren eine Gruppe, die schon direkt im Ansatz gescheitert ist", musste Head Coach Mike Tomlin knirschend hinterher gegenüber US-Medien zugegeben. "Wir haben nicht genug gemacht, um zu gewinnen. Gerade in kritischen Momenten haben wir es nicht verstanden, abzuliefern." Defensive Tackle Cameron Heyward stimmte mit ein: "Wir haben das Spiel hergeschenkt. Das kann ich auch nicht schönreden. Da reicht ein Blick auf die Anzeigentafel. Als Defense haben wir zu viele Punkte zugelassen - und als Anführer habe auch ich versagt."
Roethlisberger und Pouncey waren derweil an der Seitenlinie gesichtet worden, wie ihnen beiden die Tränen kamen - eben aus den bekannten Gründen, eine so vielversprechend gestartete Saison so krachend und frontal gegen die Wand gefahren zu haben. "Ich liebe diesen Jungen", sagte "Big Ben" über seinen langjährigen Freund Pouncey, der den anfänglichen Fehl-Snap geworfen hatte. "Er ist einer der besten Kämpfer und Teamkollegen, die ich in meiner Karriere jemals hatte. Ich habe so viel Spaß, den ich mit ihm auf dem Football-Feld geteilt habe. Und ich hasse es, wie das alles nun geendet ist."

Damit machte Roethlisberger zugleich das Fass auf, das in den nächsten Wochen und Monaten die US-Medien rauf und runter thematisieren werden: Wie geht es mit den Steelers weiter? Wie geht es mit dem 31-jährigen Pouncey und wie mit dem 38-jährigen Roethlisberger weiter? Denn wenngleich "Big Ben" selbst das Thema Abschied oder Karriereende für den Moment auf die Seite packte ("Sich darüber Gedanken zu machen, dafür ist es jetzt so kurz nach dieser Niederlage zu früh"), so ist doch klar: Roethlisberger hat nur noch ein Jahr Vertrag in "Steel City" mit einem Volumen von 41,2 Millionen US-Dollar - und hat obendrein immer wieder betont in den letzten Monaten, dass er aufhören wird, sobald er dem Team nicht mehr helfen kann.
So müssen sich Besitzer, Trainer und Manager die Frage stellen: Wiegen die vier Interceptions mehr? Oder haben die über 500 erworfenen Yards plus vier TDs gezeigt, dass es der Altmeister immer noch drauf hat. Doch nicht nur das: Fast 20 Profis werden in der Offseason Free Agents - darunter wichtige Defensive Backs wie Mike Hilton und Cam Sutton oder auch Top-Receiver JuJu Smith-Schuster. Eine spannende Zeit steht bevor, um den an die Wand gefahrenen und arg verbogenen Stahl wieder neu zu formen, neu zu erhärten und anschließend zurück auf die NFL-Straße für eine erfolgreiche Kampagne 2021/22 zu bringen.
mag