20.01.2021
San Diego, Los Angeles, Indianapolis: Schlussstrich mit 39 Jahren
Die NFL verliert wohl gleich zwei Quarterbacks, die die Liga über Jahre hinweg geprägt haben: Noch vor Drew Brees hat Philip Rivers seine aktive Karriere beendet - mit vielen individuellen Bestmarken, aber ohne den ganz großen Wurf.

Seinen Abschied nach 17 Jahren machte Rivers am Mittwoch (20. Januar 2021), also dem Tag der Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden (Nachfolger von Donald Trump), gegenüber dem "San Diego Union-Tribune" öffentlich. "Es ist einfach Zeit", sagte der 39 Jahre alte Spielmacher. "Es ist einfach richtig."
In San Diego hatte Rivers den Großteil seiner Profizeit verbracht, nachdem er 2004 an einem spektakulären Draft-Trade zunächst von den New York Giants gezogen, direkt im Anschluss aber zu den damals noch in San Diego ansässigen Chargers getradet worden war. Der Franchise blieb er fast 16 Jahre lang treu, machte auch den Umzug nach Los Angeles mit und liegt in fast allen relevanten Individual-Statistiken der Chargers ganz vorne.
Der große Wurf blieb ihm allerdings trotz vieler erfolgreicher Jahre stets verwehrt. Zwar beendet Rivers seine Karriere nun mit den fünftmeisten Passing Yards (63.440) und Passing Touchdowns (421) der NFL-Historie und damit vor Legenden wie John Elway, Joe Montana oder Dan Marino, in einem Super Bowl spielte Rivers aber nie. Nahe dran war er am 20. Januar 2008 (also exakt 13 Jahre vor seinem jetzigen Schlussstrich), als er mit den Chargers das AFC Championship Game gegen die New England Patriots mit 12:21 verlor - und trotzdem viel Bewunderung erfuhr: Rivers absolvierte das komplette Spiel trotz eines in der Vorwoche erlittenen Kreuzbandrisses.
Vor der nun endenden Saison hatte Rivers sich nach 16 Jahren von den Chargers verabschiedet, um mit den Indianapolis Colts den letzten großen Angriff zu wagen. Tatsächlich führte der bullige Spielmacher sein Team in die Play-offs, wo jedoch in der ersten Runde gegen die Buffalo Bills nach einem knappen 24:27 Schluss war. Seine nicht von Erfolg gekrönte "Hail Mary" in letzter Sekunde, die fast noch zu einem überraschenden Colts-Sieg geführt hätte, war damit sein letzter Pass in der NFL.
In Zukunft wird Rivers als Trainer tätig sein. Zur kommenden Saison übernimmt er das Team der St. Michael Catholic High School in seiner Heimat Alabama. "Das wollte ich schon immer machen", sagte Rivers, dessen Vater ebenfalls High-School-Coach war. Der wachsende Wunsch, in dessen Fußstapfen zu treten, habe es ihm nun leichter gemacht, die eigenen Schuhe an den Nagel zu hängen. Zudem hat Rivers, der in all der Zeit kein einziges Spiel gefehlt hat (252 Starts in Folge, 134 Siege), nun mehr Zeit für seine Kinder - deren hat er mit seiner Frau Tiffany schließlich neun mit den Namen Halle, Caroline, Grace, Gunner, Sarah, Peter, Rebecca, Clare und Anna. Dazu sagt er: "Mein Kindheitstraum, in der NFL zu spielen, endet hier. Und wo meine Spielerkarriere endet, beginnt jetzt ein neues Kapitel - meine Frau und ich können uns nun endlich voll auf die Familie fokussieren."
mib