06.12.2021
Wide Receiver richtet Gruß nach Deutschland
Mit einem Touchdown in letzter Sekunde ist Amon-Ra St. Brown auf der großen NFL-Bühne angekommen. Im Anschluss richtete er einen Gruß nach Deutschland.

Nachdem er den Ball gefangen hatte, wollte er ihn auch nicht mehr loslassen. Obwohl sich um Amon-Ra St. Brown eine riesige Jubeltraube gebildet hatte, blieb da dieser eine Gedanke. "Ich musste den Ball behalten. Das war mein erster Touchdown in der NFL, ich habe den Ball die ganze Zeit in meiner rechten Hand behalten", sagte St. Brown nach seinem siegbringenden Catch am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur.
Kein ganz leichtes Unterfangen angesichts der vielen Umarmungen und Schulterklopfer - aber den Ball in der Bedrängnis festhalten, das hatte St. Brown ja kurz zuvor schon bravourös geschafft. Beim letzten, entscheidenden Spielzug der Partie gegen die Minnesota Vikings lief der deutschstämmige Wide Receiver eine Slant Route, wurde von Vikings-Cornerback Cameron Dantzler nicht konsequent aufgenommen und hielt den Pass von Quarterback Jared Goff schließlich fest, obwohl sich zwei Defender auf ihn gestürzt hatten. In letzter Sekunde hatte er der Rookie den bis dahin sieglosen Lions doch noch den ersten Erfolg der Saison beschert - und das mit dem ersten NFL-Touchdown überhaupt.
Aber nicht nur in dieser Hinsicht war es St. Browns größter Auftritt, seitdem ihn die Lions im vergangenen April in der vierten Runde des Drafts ausgewählt hatten. Zwölf Targets, zehn Receptions, 86 Yards - allesamt Bestwerte in der noch jungen Karriere des 22-Jährigen. "Es geht nicht besser", freute sich St. Brown. "Erster Touchdown und erster Sieg in der NFL. An diesen Tag werde ich mich lange erinnern."
St. Brown, Sohn einer Deutschen und eines US-Amerikaners, ist der vierte Spieler mit deutschem Pass, dem in der NFL ein Touchdown gelungen ist - nach Markus Kuhn, Jakob Johnson - und seinem großen Bruder Equanimeous St. Brown, der bei Division-Rivale Green Bay unter Vertrag steht.
Auf der Pressekonferenz mit US-Journalisten wechselte Amon-Ra, der die gesamte Runde auf Englisch abgehalten hatte, abschließend noch die Sprache und richtete auf Deutsch einen Gruß in die Heimat seiner Mutter: "Ich will einfach Hallo sagen zu allen meinen Zuschauern in Deutschland. Ich liebe euch und Danke für alles!"
Aber auch in den US-Medien wurde St. Brown, dessen Rolle in einer dysfunktionalen Lions-Offense bislang überschaubar war, nun zum großen Thema. "Er ist ein Hengst", sagte Quarterback Goff über seine Anspielstation. "Er ist ein Hengst und wird ein Hengst bleiben, so lange er in dieser Liga spielen will."
St. Brown war am Sonntag mit Abstand der Spieler, den Goff am häufigsten angeworfen hatte. "Er ist einer der Jungs, auf die wir uns inzwischen ziemlich gut verlassen können", bestätigte Head Coach Dan Campbell. "Ehrlich gesagt, er war die ganze Zeit schon ziemlich selbstbewusst. Aber das schadet nicht."
Das Selbstbewusstsein des 22-Jährigen strotzt auch aus einer weiteren Aussage, die er nach Spielschluss tätigte: "Wir haben jetzt eine gute Chance und noch fünf Spiele", führte er zur Restsaison der Lions aus. "Davon können wir drei, vier, fünf gewinnen." Angesichts der bisherigen Leistungen seines Teams wohl eine gewagte Prognose. Aber sein Coach würde wohl sagen: "Das schadet nicht."
mib/dpa