27.01.2022
NFL: Pittsburgh muss neuen Starting Quarterback finden
Auch wenn es Schatten über seiner Karriere gibt, hat Ben Roethlisberger auf sportlichem Wege die Pittsburgh Steelers bestens vertreten. Zwei Super-Bowl-Ringe sind dabei nur die Kirsche auf der Torte gewesen. Nun aber endet wie bereits fest erwartet die Karriere von "Big Ben" - nach 18 erfolgreichen Jahren in der NFL.

"Für alles, was du für diese Organisation, die Stadt und für dieses Spiel geleistet hast: Danke dir, Nummer 7!" Mit diesen Worten haben die Pittsburgh Steelers an diesem Donnerstag auf das offizielle Karrierende von Ben Roethlisberger nach dessen 18 NFL-Jahren reagiert.
Seine größten Errungenschaften kurz zusammengefasst: In seiner aktiven Zeit hat "Big Ben" das traditionsreiche Franchise aus der AFC North nicht nur zu zwei Super-Bowl-Siegen geführt (21:10 im Jahr 2006 gegen die Seattle Seahawks und 27:23 im Jahr 2009 gegen die Arizona Cardinals), sondern auch niemals (!) eine Saison mit einer negativen Bilanz abgeschlossen. 2011 verlor die Mannschaft des 1,96 Meter großen Stammspielers außerdem noch das Finale gegen die Green Bay Packers (25:31).
Roethlisbergers Karriere endete aber dennoch mit einer krachenden Niederlage. Mit 21:42 ging das gerade noch in die Play-offs gerutschte Team aus "Steel City" bei den Kansas City Chiefs unter, dabei durfte der 39-jährige Spielmacher am Ende immerhin noch zwei Touchdown-Pässe anbringen. Und auch sein allerletzter Wurf in diesem Spiel und damit auch sein allerletzter Wurf in seiner Karriere kam noch an.
"Er war einfach die Nummer 7. Es war eine Ehre und eine Freude", hatte damals direkt nach Spielschluss sein langjähriger und auch noch aktueller Steelers-Trainer Mike Tomlin (seit 2007 im Amt), der nun mit den Machern in Pittsburgh nach einem neuen Franchise Quarterback Ausschau halten muss, gesagt. Der Altmeister selbst war hierbei losgeworden: "Es war mir eine Ehre, auch in dieser Saison für die Jungs und dieses Franchise zu spielen. Es sollte einfach immer so sein, dass ich in Schwarz und Gold spiele. Ich bin stolz."
"Die Reise war aufregend und geprägt von Kampfgeist", sagte Roethlisberger nun an diesem Donnerstag (27. Januar 2022) in einem veröffentlichen Video zu seinem Schlussstrich. "Doch nun ist es an der Zeit, meinen Spind auszuräumen, meine Stollenschuhe an den Nagel zu hängen und für meine Frau und meine Kinder da zu sein. Ich ziehe mich als wahrhaft dankbarer Mann vom Football zurück."
Sportlich aber war und ist das Ende seiner Laufbahn absolut nachvollziehbar: Nach vielen Verletzungen in seiner Karriere, vor allem auch in den letzten Jahren, wirkte "Big Ben" spielerisch doch sehr schwerfällig. Sein Kraft im Wurfarm ließ ebenso nach wie seine ohnehin schon immer nicht sonderlich vorhandene Mobilität in der Pocket. Und trotzdem werden ihn die Fans mit ihren "Terrible Towels" in Pittsburgh vermissen - allen voran die erfolgreichen Zeiten mit insgesamt zwölf Play-off-Teilnahmen, seinen erreichten 64.088 Yards und 418 Touchdowns (211 Interceptions).
Der US-Sportriese "ESPN" würdigte "Big Ben" zuletzt bereits mit einem ausführlichen Porträt - und beschrieb noch einmal jene Szene, die die Mehrheit der Football-Fans vor Augen hat: jenen Pass im Super Bowl XLIII am 1. Februar 2009, als er seinen Mitspieler Santonio Holmes in der hintersten Ecke der Endzone fand und durch den Touchdown seinen zweiten Titel mit den Steelers ermöglichte. Seither allerdings warteten die Fans in Pittsburgh auf eine Rückkehr ins Finale. Auch deswegen wurde Roethlisberger doch nicht zu dem Quarterback, der es mit Tom Brady und den New England Patriots aufnehmen konnte.

Es gibt allerdings auch Schattenseiten: Ihm ist in der Vergangenheit vorgeworfen worden, Frauen vergewaltigt zu haben. 2008 in einem Hotel in Nevada und zwei Jahre später in einem Night Club in Georgia. Im ersten Fall einigte sich Roethlisberger außergerichtlich mit der Klägerin, im zweiten Fall wurde keine Anklage erhoben.
Weitere negative Berichte in den folgenden Jahren über erneute Missbrauchsvorwürfe (2010), die er selbst bestritten hatte, oder seine laut "Sports Illustrated" arrogante Einstellung sowie Art gegenüber vielen Menschen sollen ihn letztlich aber zu einem anderen Menschen gemacht haben. Er arbeitete an einem Imagewechsel, heiratete, bekam Kinder und sprach plötzlich öffentlich über seinen religiösen Glauben. Sportlich war "Big Ben" in den Jahren aber auch aufgrund von Verletzungen längst nicht mehr der alte - Abschied 2022 inklusive.
Seine eigenen Schlussworte: "Ich danke allen meinen Mannschaftskameraden und den unzähligen Freundschaften, die ich geschlossen habe, für unsere gemeinsame Hingabe, die Farben Schwarz und Gold mit Stolz und Würde zu tragen. Das Trikot jeden Sonntag mit meinen Brüdern zu tragen, wird für mich immer eine der größten Freuden meines Lebens sein."
mag