02.02.2022
Trainer wirft Miamis Besitzer "Tanking" vor
Beben in der NFL: Brian Flores (40), bis vor wenigen Wochen Head Coach der Miami Dolphins, hat Anklage gegen die Liga erhoben. Im Zentrum der Diskriminierungsvorwürfe stehen drei verschiedene Teams.

Der Coach reichte die Klage am Dienstag vor dem Bundesgericht in Manhattan ein. Beschuldigt werden sowohl die NFL selbst als auch drei Teams: die New York Giants, die Denver Broncos sowie Flores' Ex-Team, die Miami Dolphins.
Sowohl den Giants als auch den Broncos wirft Flores Diskriminierung im Auswahlprozess um die Position des Head Coaches vor. Sie sollen, so der Coach, ihn nur für ein Bewerbungsgespräch eingeladen haben, um die sogenannte "Rooney Rule" zu erfüllen. Diese schreibt NFL-Teams vor, mindestens einen Kandidaten einer ethnischen Minderheit für die Position eines Head Coaches interviewen zu müssen.
Als Beweis im Fall der Giants führt Flores eine SMS von Patriots-Coach Bill Belichick an, die dieser vergangene Woche versehentlich an Flores statt an Brian Daboll geschickt hatte. Darin beglückwünschte er Daboll zum neuen Job bei den Giants, den dieser letztlich auch bekam. Brisant aber: Die SMS schickte Belichick mehrere Tage, bevor Flores überhaupt sein Vorstellungsgespräch bei den Giants antrat. Die Entscheidung sei also längst gefallen gewesen, als Flores noch zum Interview eingeladen wurde.
Die Broncos hatten Flores bereits im Jahr 2019 für ein Gespräch eingeladen. Nach Flores' Aussagen erschienen General Manager John Elway und mehrere Mitglieder des Stabes eine Stunde zu spät zum Termin und waren verkatert. Dieses Auftreten sowie die Gesprächsinhalte hätten, so Flores, klar indiziert, dass Denver gar keine ernsthafte Absicht gehabt habe, ihn für den Head-Coach-Posten in Betracht zu ziehen.
Jeden Donnerstag neu! "Icing the kicker - der NFL-Podcast"
Flores unterschrieb stattdessen 2019 in Miami und führte die Dolphins in den beiden vergangenen Saisons jeweils zu einer positiven Bilanz - das war dem Team seit 2003 nicht mehr gelungen. Trotz acht Siegen aus den letzten neun Spielen der abgelaufenen Saison war der Defensivstratege Anfang Januar völlig überraschend entlassen worden.
Nun erhob Flores - abgesehen von den Diskriminierungsvorwürfen - weitere schwere Anschuldigungen gegen Teambesitzer Stephen Ross. So habe dieser ihm in seiner Premierensaison 100.000 US-Dollar für jede Niederlage angeboten, um die Draft-Position des Teams zu verbessern. Das absichtliche Verlieren, in den USA als "Tanking" bezeichnet, ist verboten. Als die Dolphins gegen Ende der Saison einige Spiele gewannen, sei Ross "sauer" gewesen.
Direkt im Anschluss an die Saison habe Ross ihn dann dazu gedrängt, einen "prominenten" Quarterback zu rekrutieren, der namentlich nicht genannt wird. Dies habe Flores mit Verweis auf die sogenannte "Tampering"-Regelung der NFL abgelehnt. Dieser Richtlinie zufolge dürfen Teams vor Beginn der Free Agency sich nicht mit Spielern anderer Teams treffen. Ross habe den angesprochenen Quarterback jedoch auf eine Yacht eingeladen, Flores das Schiff vor dessen Eintreffen aber wieder verlassen. Nach diesem Vorfall habe Ross ihn "mit Verachtung behandelt".
Die NFL sowie die drei beschuldigten Teams wiesen die Vorwürfe von sich. Die Liga erklärte in einem Statement, man werde sich gegen die Klage verteidigen, die "jeglicher Grundlage entbehrt". Diversität sei "der Kern von allem, was wir tun".
Seit den Entlassungen von Flores in Miami sowie David Culley bei den Houston Texans ist in Mike Tomlin (Pittsburgh Steelers) nur noch ein einziger Afro-Amerikaner unter den Head Coaches in der NFL. Hinzu kommen Robert Saleh (New York Jets) und Ron Rivera (Washington Football Team) als Angehörige von ethnischen Minderheiten.
mib