12.02.2022
Defensive Tackle der Rams könnte zum Schlüsselspieler des Super Bowls werden
Aaron Donald ist der beste Defensive Tackle seiner Generation. Im Super Bowl in der Nacht von Sonntag auf Montag kann er sein Karrierewerk vollenden - und ein Versprechen einlösen.

Die größeren Schlagzeilen kriegen meistens die anderen ab. Doch wenn in der Nacht von Sonntag auf Montag der Super Bowl steigt, dann heißt der hochdekorierteste Spieler auf dem Platz nicht etwa Matthew Stafford, Joe Burrow oder Odell Beckham Junior, sondern fraglos Aaron Donald.
Auf seiner Position des Defensive Tackle ist Donald im Alter von 30 Jahren schon jetzt eine Legende. Obwohl er noch mitten drin steckt in seiner Karriere, gilt er als der beste Defensivspieler seiner Generation, als einer der besten Defensivspieler in der Geschichte des Sports. Dreimal wurde er als Defensive Player Of The Year ausgezeichnet - Spitzenwert gemeinsam mit Lawrence Taylor (Giants-Ikone zwischen 1981 und 1993 sowie zweimaliger Super-Bowl-Champion) und JJ Watt (32, ehemals Texans und aktuell Cardinals). Sollte Donald den Award noch einmal gewinnen, was angesichts seiner kaum abfallenden Leistungskurve nicht unmöglich scheint - wäre er der alleinige Rekordsieger.
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Und das, obwohl Defensive Tackles eigentlich selten im Mittelpunkt stehen. Bevor Donald 2017 erstmals DPOY wurde, war 18 Jahre lang kein Spieler auf seiner Position zum besten Defensivspieler der Liga gekürt worden. Defensive Tackles werden gerne als die "selbstlosesten Spieler" einer Defense bezeichnet, weil sie Blocker auf sich ziehen, damit andere glänzen können. Donald hingegen zieht die Blocker nicht auf sich, er beherrscht sie. "Ich will das Spiel dominieren", sagte er in einem Interview der Super-Bowl-Opening-Night. Und genau das tut er schon seit Jahren.
In der fünften Saison in Folge verzeichnete er mindestens elf Sacks - schwindelerregende Zahlen für einen Spieler, der sich den Weg zum Quarterback meistens durch die Mitte bahnen und zumeist an mehr als einem Gegenspieler vorbei muss. Überwältigend: In der aktuellen Saison kommt Donald auf die dritthöchste "Pass Rush Win Rate" aller NFL-Spieler - und musste dabei fast dreimal so häufig mindestens zwei Gegenspieler schlagen als Dallas-Rookie Micah Parsons und Browns-Star Myles Garrett, die einzigen beiden Spieler vor ihm. Ein Gegner kann Donald quasi nie aufhalten - und selbst zwei reichen nicht für das explosive Kraftpaket.
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Und dann wäre da ja noch die Saison 2018, als einem nicht zu bremsenden Donald sogar 20,5 Sacks gelangen. Als Defensive Tackle. Zahlen, die spielstatisch eigentlich gar nicht möglich sind. Beobachter sprachen im Nachhinein teils von der besten Saison, die jemals ein Defensivspieler absolviert hat. Bei der Wahl zum MVP erhielt er trotzdem keine einzige Stimme. Die Position hat seine Nachteile.
Aber noch eine andere Auszeichnung fehlt Donald in seiner ruhmreichen Karriere: der Super-Bowl-Ring. Nach seiner Fabelsaison 2018 stand er mit den Rams zwar im Endspiel 2019 gegen die New England Patriots, erwischte aber ausgerechnet in diesem Spiel einen schlechten Tag (3:13). "Das geht auf mich", hörte man ihn noch während des verloren gehenden Spiels resignierend an der Seitenlinie sagen. "Ich hatte zweimal ein Eins-gegen-eins, das muss ich gewinnen. Das geht auf mich."
Umso größer war die Motivation, mit der Donald das mit Stars bepackte Team der Rams nun zum zweiten Mal in den Super Bowl führte. Als Los Angeles im Conference Championship gegen die San Francisco 49ers vor dem letzten Viertel mit 7:17 zurücklagen, war es der Star, der mit einer leidenschaftlichen Rede an der Seitenlinie vor versammelter Mannschaft das Feuer zurückbrachte. "Wir waren eigentlich am Ende", gab Safety Eric Weddle im Anschluss zu. "Aaron hat uns den Arsch gerettet." Defensive Coordinator Raheem Morris meinte sogar: "Es gab keinen wichtigeren Moment in diesem Spiel."
Einen gab es da aber vielleicht doch noch. Nachdem die Rams das Spiel gedreht hatten, setzten die 49ers noch einmal zum Gegenschlag an - und es war Donald, der Niners-Quarterback Jimmy Garoppolo im entscheidenden Moment unter Druck setzte, zur Interception zwang und das Spiel damit zugunsten der Rams beendete.
Auch wenn - wie üblich - im Vorfeld der Partie eher über die Quarterbacks und Wide Receiver gesprochen wird, so hat Donald bei den Rams doch ein ganz besonderes Standing inne. "Dieser ganze Laden will für Aaron Donald gewinnen", sagt Morris - und Head Coach Sean McVay ergänzt: "Für Typen wie Aaron Donald würdest du alles machen."
Auch, damit er sein Wort halten kann. "Vor dem letzten Super Bowl habe ich meiner Tochter versprochen, dass sie im Konfetti spielen kann", erzählte Donald in der "Opening Night" am Sonntag. "Sie sagt immer zu mir: 'Erinnerst du dich, Daddy? Du hast mir gesagt, ich kann im Konfetti spielen, wenn wir den Super Bowl gewinnen. Also musst du ihn gewinnen.'"
Als bräuchte einer wie Aaron Donald noch eine zusätzliche Motivation.
Der Super Bowl steigt in der Nacht von Sonntag auf Montag. Kickoff ist um 0.30 Uhr (MEZ), ein kicker-Ticker begleitet das Event bereits ab 23 Uhr - und übertragen wird das Spiel live und inklusive Halbzeitshow auf DAZN (Start Vorberichte um 23.30 Uhr).
mib