01.08.2022
Gutachterin verkündet mildes Urteil - Berufung durch die NFL möglich
Das Urteil in Sachen Deshaun Watson ist gesprochen. Der Quarterback der Cleveland Browns wird für die ersten sechs Spiele der neuen NFL-Saison gesperrt - ein Einspruch durch die Liga ist allerdings noch möglich.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll Watson wegen des Verstoßes gegen die Verhaltensregeln der NFL für sechs Spiele gesperrt werden. Dafür hat sich zumindest die frühere Richterin Sue L. Robinson ausgesprochen, die von NFL und Spielerverband NFLPA als Gutachterin ernannt worden war. Eine Geldstrafe sprach sie nicht aus. Vor einem Monat hatte es eine dreitägige Anhörung des Quarterbacks gegeben. NFL-Insider Tom Pelissero zufolge heißt es in Robinsons Urteilsbegründung, dass Watsons Verhalten "ungeheuerlich", aber "gewaltfreies Sexualverhalten" gewesen sei.
Während die NFLPA, die selbst einen Freispruch gefordert hatte, offenbar zufrieden mit dem Urteil ist und bereits angekündigt hat, keine Berufung dagegen einlegen zu wollen, ist ein Einspruch seitens der NFL durchaus wahrscheinlich. Sie hatte im Vorfeld Berichten zufolge eine wesentlich härtere Sperre von bis zu einem Jahr gefordert. Gespräche mit der NFLPA über einen möglichen Vergleich waren dem Vernehmen nach gescheitert.
In einem etwaigen Berufungsverfahren - ein entsprechender Antrag muss binnen drei Tagen erfolgen - hätte NFL-Commissioner Roger Goodell das letzte Wort bezüglich der Sperre gegen den Quarterback, dem 24 Frauen sexuelle Übergriffe und unangemessenes Verhalten in Massage-Sitzungen vorgeworfen hatten. Die NFLPA hatte die NFL in einem Statement bereits am Sonntag dazu aufgefordert, Robinsons Urteil anzuerkennen.
Zwei Geschworenenjurys hatten in Texas im März entschieden, keinen Strafprozess gegen Watson zu eröffnen. Dieser bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Von den 24 Zivilklagen gegen den Quarterback - eine 25. war nach der Auflage, Klägerinnen müssten in der Anklageschrift ihren Namen nennen, fallengelassen worden - konnte dieser 23 bereits außergerichtlich beilegen. Auch Watsons Ex-Team, die Houston Texans, einigten sich außergerichtlich mit 30 Frauen, die gegen die Franchise vorgehen wollten, weil diese von den Vorwürfen gewusst und Watson gedeckt habe.
Trotz der Vorwürfe und der schwelenden Untersuchung hatten sich mehrere Teams um Watsons Dienste bemüht. Das Rennen hatten am Ende die Browns gemacht, die drei Erstrundenpicks an die Texans abgaben und den Quarterback mit einem Fünfjahresvertrag ausstatteten, der ihm eine Garantiesumme von 230 Millionen Dollar beschert (NFL-Rekord). Die Gehaltsstruktur wurde dabei - im Vorgriff auf die anstehende Sperre - bereits so gestaltet, dass das Salär im ersten Vertragsjahr ausgesprochen niedrig ausfällt. Cleveland sicherte Watson zudem zu, dass Signing Bonus über 44,9 Millionen Dollar bei einer Sperre unangetastet bleibt.
Die Bemühungen um Watson sorgten nicht nur in Cleveland für Unmut, wo daraufhin das Tischtuch mit Quarterback Baker Mayfield zerschnitten war. Auch die Atlanta Falcons bemühten sich um Watson und verärgerten dadurch ihren Spielmacher Matt Ryan, der anschließend bei den Indianapolis Colts anheuerte. Die Browns werden mit Jacoby Brissett als Quarterback in die neue Saison starten, die für sie am 11. September ausgerechnet bei den Carolina Panthers (Mayfields neues Team) beginnt. Zuletzt hatten sie als möglichen Back-Up unlängst noch den früheren Erstrundenpick Josh Rosen erworben.
ski