05.09.2022
NFL 2022: Colts jagen Titans - Große Veränderungen in Jacksonville
In der AFC South steht ein Machtwechsel bevor: Während Tennessee mehrere Abgänge hinnehmen muss, ist in Indianapolis die Sehnsucht nach dem ersten Divisionstitel seit 2014 groß. Auch bei den Texans und Jaguars soll sich einiges ändern. Die AFC South im kicker-Check …

Im rundum erneuerten Süden der AFC wollen die Titans auch im dritten Jahr in Folge dominieren, doch auch die Colts haben mit dem geholten Star-Quarterback Matt Ryan einiges vor. Zudem könnten die neu aufgestellten Jaguars, die im letzten Jahr noch das schlechteste Team der Liga gewesen sind, überraschen.
In den vergangenen beiden Jahren führte in der AFC South kein Weg an den Tennessee Titans vorbei: Zu dominant war die Kombination von Quarterback Ryan Tannehill, der bei den Titans in bislang unbekannte Höhen erstarkte, und Star-Running-Back Derrick Henry. Doch bereits gegen Ende der letzten Spielzeit zeichnete sich ab, dass der bevorstehende Weg der Titans ein steiniger werden würde. Henry verletzte sich während der Saison schwer, verpasste einen Großteil der Saison, während Tannehill seine starke Form aus den Vorjahren nicht ganz halten konnte. Als in der Offseason dann auch noch Wide Reciever A.J. Brown aus Kostengründen zu den Philadelphia Eagles getraded wurde, schrillten endgültig die Alarmglocken bei einigen Fans.
Viel Cap-Space stand General Manager Jon Robinson nicht zur Verfügung, um für Verstärkungen zu sorgen, weshalb vor allem auf junge Spieler gesetzt werden muss. Im Tausch für Brown wanderte der 18. Pick des diesjährigen Drafts zu den Titans, mit dem sie postwendend Treylon Burks auswählten - einem Wide Receiver, der seinem Vorgänger Brown spielerisch ähnlich ist. Auch auf der Quarterback-Position wurde zumindest Absicherung geschafft, fiel den Titans doch der hoch gehandelte Malik Willis in der 3. Runde des Drafts in die Hände.
Jetzt hören! Die Podcast-Folge "Icing the kicker" mit den Vorschauen zur AFC & NFC South
Ob die wenigen Verstärkungen ausreichen, um die hochkarätigen Verluste (auch die O-Liner Rodger Saffold und David Quessenberry mussten gehen) auszugleichen, ist allerdings fraglich. Hinter den großen Namen fehlt es vor allem an der Tiefe im Kader, weshalb es für das Team um Head Coach Mike Vrabel schwer werden dürfte, die erstarkte Konkurrenz hinter sich zu halten.
Das Experiment Carson Wentz ist gescheitert: Mit dieser Realität sahen sich die Colts nur ein Jahr, nachdem sie den ehemaligen Eagles Quarterback für einen Erst- und einen Drittrunden-Pick verpflichtet hatten, konfrontiert. Als dritter Quarterback in drei Jahren soll nun Matt Ryan Indianapolis zurück an die Spitze der AFC South führen, wo die Colts zuletzt 2014 mit Andrew Luck standen. Das Team von Head Coach Frank Reich hat enormes Potenzial - nicht nur wegen "Matty Ice". Mit Jonathan Taylor steht unter anderem der beste Running Back des vergangenen Jahres im Backfield. 2021 erlief der 23-Jährige hinter einer starken Offensive Line die meisten Yards und Touchdowns in der gesamten Liga und wurde einstimmig in das All-Pro-Team gewählt.

Auch in der Defensive tummeln sich mit DeForest Buckner oder Darius Leonard, der künftig übrigens Shaquille gerufen werden will, gleich mehrere starke Playmaker, die in der Lage sind, Spiele im Alleingang zu entscheiden. Größere Schwächen offenbaren sich dagegen besonders bei den Passempfängern, mit Michael Pittman Jr. steht nur ein Receiver zur Verfügung, der in der abgelaufenen Spielzeit die magische 1000-Yard-Grenze überschreiten konnte. Dennoch: Sollte Matt Ryan in Indy weitestgehend an seine Form aus den Vorjahren in Atlanta anknüpfen können, wird der Divisions-Titel nur über die Colts laufen - zu stark erscheint der junge und gute Kern der Mannschaft.
Die dunkle Wolke um Skandal-Quarterback Deshaun Watson hat sich aus Texas verzogen: Im Tausch für drei (!) Erstrunden-Draftpicks konnten die Houston Texans den Spielmacher, der aufgrund von über 20 Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung von der Liga für elf Spiele aus dem Verkehr gezogen wurde, an die Cleveland Browns abgeben. Mit diesem Kapital ist es nun die Aufgabe des neuen Trainers Lovie Smith, eine rundum veränderte Mannschaft aufzustellen.
An Watsons Stelle genießt weiterhin Davis Mills, Drittrunden-Pick des vergangenen Jahres, das Vertrauen des Teams. Mit Brandin Cooks und dem derzeit verletzten John Metchie stehen ihm zwei hochveranlagte Receiver zur Verfügung. Auch sonst findet sich im Kader durchaus Qualität, besonders an Cornerback Derek Stingley Jr., der an dritter Stelle im diesjährigen Draft ausgewählt wurde, werden hohe Erwartungen gestellt. Dennoch wird es für die Texaner schwer werden, maßgeblich mehr Siege als in der Vorsaison einzufahren. Bei den Buchmachern gilt Houston gar als Mitfavorit auf den ersten Draft-Pick des kommenden Jahres.
Alles neu beim schlechtesten NFL-Team des Vorjahres: Der neue Mann am Ruder in Florida ist in diesem Jahr Doug Pederson, seines Zeichens Super-Bowl-Sieger 2017 mit den Philadelphia Eagles. Er wird versuchen, gerade nicht in die Fußstapfen seines Vorgängers Urban Meyer zu treten, der ebenfalls mit Vorschusslorbeeren nach Jacksonville gekommen war und im vergangenen Jahr nach nur 13 Spielen wieder entlassen wurde.
Der Kader der Jags wurde durch hohe Investitionen in der Free Agency auf beiden Seiten des Balles verstärkt, Trevor Lawrence, Nummer-Eins-Pick des Vorjahres, hat mit Christian Kirk, der aus Arizona losgeeist wurde, eine neue Anspielstation bekommen. Trevon Walker, der überraschend an erster Stelle des diesjährigen Drafts ausgewählt worden war, soll dabei helfen, die Defensive zu verstärken.
Pederson steht nun vor der schweren Aufgabe, die frisch zusammengewürfelte Truppe zu einer Einheit zu formen und gleichzeitig die hohen Erwartungen ob der vielen Neuverpflichtungen zu meistern. Gelingt dies, könnten die Jaguars überraschen, bei Problemen steht Jacksonville aber vor dem nächsten Debakel.
cfr