01.09.2022
NFL 2022: Eagles in Angriffslaune - Nächster Neuanfang für Wentz
In Dallas und Philadelphia hoffen schlagkräftige Offensivreihen auf baldigen Play-off-Erfolg, während in Washington und New York zwei Quarterbacks vor ihrer wohl letzten Chance stehen. Die NFC East im kicker-Check …

Siege im Super Bowl können die Cowboys, Giants, Commanders und Eagles zahlreich vorweisen: Mit insgesamt 13 Titelgewinnen ist die NFC East gar die erfolgreichste Division der NFL, doch seit dem Erfolg der Eagles 2017/18 herrscht eine regelrechte Dürrephase in den Play-offs.
Überraschen tut das wenig, liefern sich die vier traditionsreichen Teams bereits in der regulären Saison doch regelrechte Schlachten um den Divisionstitel. Diesen konnte seit 2004 auch kein Franchise mehr verteidigen. Somit wird es auch in diesem Jahr wieder spannend, wer am Ende des Jahres den Thron der NFC East erklimmt.
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Der Titel ging im vergangenen Jahr an die Cowboys, die vor allem dank der statistisch stärksten Offensive der Liga zwölf Siege einfahren konnten. Diesen Erfolg auch 2022 zu wiederholen, wird schwer, müssen die Texaner doch auf Star-Receiver Amari Cooper sowie auf Michael Gallup verzichten. Während Cooper aus Kostengründen zu den Cleveland Browns abgegeben wurde, verpasst Gallup nach seinem Kreuzbandriss den Saisonstart. Und auch in der sonst so starken Offensive Line erweisen sich Lücken. La'el Collins verlies "Americas Team" in Richtung Cincinatti, während Tyron Smith einen Großteil der kommenden Saison verletzungsbedingt verpassen wird.
So liegt ein Großteil der Offensivlast auf dem jungen CeeDee Lamb und den Running Backs Ezekiel Elliott und Tony Pollard, die beide an eine überzeugende Vorsaison anknüpfen wollen. Zuletzt sei natürlich auch Dak Prescott erwähnt: Auch im zweiten Jahr nach seiner Vertragsverlängerung über 160 Millionen US-Dollar steht der 29-Jährige weiter unter Beobachtung der Experten und erfolgshungrigen Cowboys-Fans. Er muss beweisen, dieses Geld auch wert zu sein. Findet die schlagkräftige Offensive der Cowboys früh zusammen, kann es für den fünfmaligen Super-Bowl-Sieger weit gehen, doch besonders auf Prescott und Elliott lastet dabei hoher (Erwartungs-)Druck.
Die Eagles wollen zurück an die Spitze: Um den Titelgewinn von 2017/18 zu wiederholen, wurde in diesem Sommer reichlich Geld in die Hand genommen und der Kader auf gleich mehreren Positionen grundlegend verstärkt. Allen voran ist natürlich A.J. Brown zu nennen, mit dem sich nun ein zweiter hochkarätiger Wide Receiver neben DeVonta Smith in den eigenen Reihen befindet. Der 25-Jährige kam im Tausch für einen Erst- und einen Drittrunden-Pick aus Tennessee nach "Philly" und unterschrieb dort einen Vierjahresvertrag über 100 Millionen US-Dollar. Er soll eine zentrale Rolle in der Offensive der Eagles einnehmen und Quarterback Jalen Hurts dabei helfen, seinen Formanstieg aus der vergangenen Saison weiter fortzuführen.
Auch auf der anderen Seite des Balles hat sich in der "Stadt der brüderlichen Liebe" viel getan - mit Haason Reddick konnte einer der besten erhältlichen Pass Rusher in der diesjährigen Free Agency verpflichtet werden. Er soll gemeinsam mit Safety Chauncey Gardner-Johnson, der kurz vor Saisonstart per Trade von den New Orleans Saints geholt wurde, die starke Defensive des letzten Jahres weiter verstärken. Zumindest auf dem Papier scheinen sich die vielen Investitionen auch auszuzahlen, denn Schwächen lassen sich im ganzen Line-up nur wenige erkennen. Entscheidend für den Verlauf ist wie so oft die Leistung von Quarterback Hurts. Sofern er seine Entwicklung im kommenden Jahr weiter vorantreiben kann, ist der Kader in der Lage, es mit den besten Teams der Liga aufzunehmen.

Die Quarterback-Position ist und bleibt die Achillessehne des ab sofort Commanders heißenden Teams aus der Hauptstadt Washington: Planmäßig sollte diese im vergangenen Jahr Kultfigur Ryan Fitzpatrick bekleiden und dabei mithelfen, die Entwicklung des jungen Kaders voranzutreiben. Bereits im zweiten Spiel war diese Übergangslösung aber ebenfalls wieder Geschichte, "The Beard" verletzte sich an der Hüfte, verpasste so die restliche Saison und trat im Frühjahr aus der NFL zurück. An seiner Stelle spielte Back-Up Taylor Heinicke eine ordentliche Saison, sieben Siege waren den ambitionierten Bossen der Commanders dennoch zu wenig.
Der neue Heilsbringer in der US-Hauptstadt ist deshalb nun Carson Wentz, seines Zeichens Super-Bowl-Sieger von 2017/18. Der ehemalige Eagles-QB ist zurück in der NFC East und will beweisen, dass er doch zur Form aus seinen ersten zwei Jahren in der Liga zurückfinden kann. Nach seiner schweren Verletzung auf dem Weg zum Super Bowl damals fand der heute 29-Jährige nie zurück zu alter Stärke und steht nun vor seiner letzten Chance als startender Spielmacher in der NFL. Sollte ihm das gelingen, ist für das Team von Ron Rivera ein deutlicher Schritt nach vorn durchaus möglich. Auch eine Qualifikation für die Play-offs über die Wild Cards ist denkbar - neben Wentz muss sich dafür aber vor allem die Defensive gegen den Pass deutlich steigern, während die Offensivwaffen Terry McLaurin und Antonio Gibson ein weiteres Jahr Höchstleistungen abrufen müssen.
Wie Wentz in Washington erhält auch Daniel Jones eine letzte Chance, sich bei den New York Giants zu beweisen. Leicht hatte es der Spielmacher, der an sechster Stelle im NFL-Draft 2019 von den "Big Blue" ausgewählt worden war, nur selten. Head Coach Brian Daboll ist bereits der dritte Trainer, unter dem der 25-Jährige in seinem vierten Jahr in der Liga auflaufen wird. Die Schwächen des Spielmachers sind gut dokumentiert, zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass ihm oftmals die Unterstützung fehlte. Running Back Saquon Barkley kam nach zwei starken Jahren im "Big Apple" zuletzt auch verletzungsbedingt völlig aus dem Tritt. Gleiches gilt auch für Kenny Golladay, der bei seiner Verpflichtung noch als neuer Star der Giants gefeiert wurde, in seiner ersten Spielzeit weit hinter den Erwartungen blieb.
Veränderungen gab es in dieser Sommerpause aufgrund fehlendem Cap Space wenig: In Form von Kayvon Thibodeaux und Evan Neal kamen die größten Verstärkungen im Draft, während in der Free Agency kaum echte Schlüsselspieler den Weg in den blauen Teil von New York fanden. So wird es für die Giants schwierig, das desolate Abschneiden des Vorjahres merklich zu verbessern - ein Resultat, das für Jones wohl das Ende in New York bedeuten würde.
cfr