04.12.2022
Rückkehr beim Ex-Team in Houston
Deshaun Watson ist nach fast zwei Jahren Unterbrechung wieder als aktiver NFL-Spieler zurückgekehrt - und hat rein sportlich einen durchwachsenen Auftritt durchlebt. Zu einem Sieg beim Ex-Team hat es aber gereicht.

Schlagzeilen ohne Ende hatte es in diesem Jahr bereits über Deshaun Watson gegeben - über sportliche Belange (Aus bei den Texans, Top-Vertrag bei den Browns für 230 Millionen US-Dollar bei fünf Jahren Laufzeit) und über ein großes Thema abseits des Platzes.
Elf Spiele Sperre, eine Geldstrafe in Höhe von fünf Millionen US-Dollar und eine Therapie: Dazu hatte die NFL den vielfach wegen sexueller Belästigung angeklagten 27-Jährigen verdonnert, obwohl zwei Geschworenengerichte in Texas auf eine strafrechtliche Anklage verzichtet hatten. Zivilrechtlich gab es in 23 der 25 angezeigten Fälle inzwischen einen Vergleich mit den Frauen, die Watson für Massagen gebucht und dann mit Berührungen, Ausziehen und sexuellen Handlungen missbraucht haben soll.
Nun, 700 Tage nach seinem bislang letzten NFL-Einsatz, kehrte Watson für sein erst 55. Spiel zurück auf die große US-Bühne des American Footballs - und zwar ausgerechnet zum Gastspiel bei seinem ehemaligen Team in Houston.
Dort in Texas vor Augen von etwa zehn Frauen, die den Athleten angeklagt hatten, brauchte der Profi sichtlich Eingewöhnungszeit. Das nutzte Houston selbst zu einer frühen 3:0-Führung durch Kicker Ka'imi Fairbairn (44 Yards) - und weil Browns-Running-Back Nick Chubb im zweiten Quarter nicht aus der eigenen Endzone gekommen war, stand es nach dem verhängten Safety gar 5:0.
Es war allerdings auch klar ersichtlich, warum die Texans das schwächste Team der gesamten NFL sind. Denn so richtig wollte offensiv nichts herausspringen. Erst ganz spät erreichten die Texaner einen Touchdown, der nur noch Ergebniskosmetik sein sollte.
Vielmehr drehte Cleveland zwischenzeitlich auf - und zwar nicht über Watson, der letztlich arg überschaubare Werte (131 Yards, kein Touchdown, eine Interception) auffuhr. Dafür verbuchte Donovan Peoples-Jones einen Punt Return Touchdown über 76 Yards, Denzel Ward einen Fumble Return Touchdown über vier Yards und Tony Fields einen Interception Return Touchdown über 16 Yards. Am Ende sollte es für die auf 5:7 verbesserten Browns zu einem 27:14-Erfolg reichen, Houston um QB Kyle Allen (201 Yards, ein TD, zwei Int.) rutschte derweil auf 1:10:1 ab und darf sich so langsam Gedanken machen, wer mit dem First Overall Pick im Draft 2023 geholt werden soll.

Für Watson war es also trotz eigener schwacher Leistung eine sportlich gelungene Rückkehr. Dass sein zweifelhafter Ruf und seine mutmaßlichen Taten nicht in Vergessenheit gerieten, dafür sorgten allerdings die rund zehn Frauen - die obendrein von Zuschauern im Stadion unterstützt wurden. Einige Plakate gegen Watson waren zu sehen, auch Pfiffe und Buh-Rufe waren deutlich zu vernehmen.
Ein Anwalt der wegen sexueller Belästigung anklagenden Frauen gab außerdem gegenüber CNN ein Statement ab: "Sie alle dachten, dass es wichtig sei, Anwesenheit zu zeigen und klarzumachen, dass sie noch da sind und sie auch zählen. Ich bin stolz auf sie - und deswegen habe ich es auch möglich gemacht, dass sie heute hier sein konnten." Watson selbst hatte sich im Vorfeld trotz weiter aufkommender Fragen und Nachfragen vieler Journalisten nicht mehr zu den Vorwürfen geäußert. Er wolle sich auf den Sport und das Team fokussieren.
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