01.05.2023
Local Talent für die Steelers
Gleich zwei Team verdienten sich in der AFC North die Note 1. Um wen es geht und warum? Die Grades.

Die Picks: Receiver Zay Flowers (1. Runde), Linebacker Trenton Simpson (3. Runde), Edge Tavius Robinson (4. Runde), Cornerback Kyu Blu Kelly (5. Runde), Tackle Malaesala Aumavae-Laulu (6. Runde), Guard Andrew Vorhees (7. Runde)
Die Analyse: Es ist eine ungewohnte Ravens-Klasse, angefangen damit, dass Baltimore für seine Verhältnisse doch sehr wenig Draft-Kapital in den ersten vier bis fünf Runden hatte. Normalerweise glänzen die Ravens mit jeder Menge Compensatory Picks, dieses Mal fehlte infolge des Roquan-Smith-Trades sogar der Second Rounder.
Der offensichtliche Punkt zuerst: Ich mag Flowers in Runde 1. Das ist kein Value-Pick, aber es ist eine Premium-Position und ein Spieler, der die Receiver-Gruppe um Odell Beckham Jr. und Rashod Bateman sehr gut ergänzt. Die Ravens werden unter Todd Monken eine ganz andere Offense spielen, 3-Receiver-Sets werden deutlich häufiger gespielt werden.
Dahinter war der Draft ein wenig unspektakulär. Linebacker war ein Need und Simpsons Athletik ist unbestreitbar, doch in puncto Antizipation und Spielintelligenz wird er noch Zeit brauchen - und die Ravens haben in Person von Roquan Smith eben mit dem Trade und dem neuen Vertrag hier schon sehr viel investiert. Alle Picks danach sehe ich eher in der Backup-/Rotation-Kategorie - mit Ausnahme von Vorhees, der das Pech hatte, sich bei der Combine das Kreuzband zu reißen. Er könnte 2024 auf einen Startplatz drängen.
Die Note: 2-
Die Picks: Edge Myles Murphy (1. Runde), Cornerback DJ Turner (2. Runde), Safety Jordan Battle (3. Runde), Receiver Charlie Jones (4. Runde), Running Back Chase Brown (5. Runde), Receiver Andrei Iosivas (6. Runde), Punter Brad Robbins (6. Runde), Cornerback DJ Ivey (7. Runde)
Die Analyse: Der Bengals-Draft ist ein Musterbeispiel dafür, wie es für ein gutes Team, das dementsprechend spät pickt, funktionieren kann, das Board zu sich kommen zu lassen und dann auf Value-Positionen zuzuschlagen.
Murphy gehört klar in die obere Edge-Gruppe in diesem Draft, und die Bengals hatten hier zumindest perspektivisch einen Need. Turner mit seinem spektakulären Speed und seinen Movement-Skills hat mir auf Tape sehr gefallen, in der flexiblen Bengals-Secondary kann ich ihn mir genauso gut vorstellen wie Jordan Battle. Battle ist kein High-Upside-Pick, aber ein unheimlich solider Safety, der auf dem Platz schlicht konstant in guter Position ist.
Diese drei Spieler sehe ich früher oder später als klare Starter, Charlie Jones könnte eine Slot-Alternative als perspektivischer Nachfolger von Tyler Boyd werden. Der Chase-Brown-Pick in Runde 5 gefällt mir deutlich besser als der teilweise gemockte First-Round-Running-Back; ein One-Cut-and-Go-Back, der Big-Play-Potenzial mitbringt. Iosivas ist ein spannender Tag-3-Flyer, ein ultra-athletischer Receiver, der bei Princeton sehr schwache Competition mit seiner Athletik dominiert hat, als Projekt in zwei Jahren aber eine Rolle spielen könnte.
So steht am Ende eine Draft-Klasse, die ich sehr mag. Eine Klasse mit Spielern, die fast durch die Bank weg entweder Scheme-Fits oder gute Value-Picks oder beides sind.
Die Note: 2+
Die Picks: Receiver Cedric Tillman (3. Runde), Defensive Tackle Siaki Ika (3. Runde), Offensive Tackle Dawand Jones (4. Runde), Edge Isaiah McGuire (4. Runde), Quarterback Dorian Thompson-Robinson (5. Runde), Cornerback Cameron Mitchell (5. Runde), Center Luke Wypler (6. Runde)
Die Analyse: Rein mit Blick auf das Talent gemessen an meinem, aber auch am Consensus Board war das ein spektakulärer Draft. Tillman ist ein prototypischer X-Receiver, für mich ist er Stand heute der beste X-Receiver dieser Klasse. Ika ist ein bulliger Nose Tackle, der aber auch Pass-Rush-Qualitäten auf Tape zeigt.

Dawand Jones muss man ein wenig separat betrachten. Allem Anschein nach gab es hier bei Teams Bedenken dahingehend, ob er sein Gewicht halten kann. Sein Tape mochte ich sehr und hatte ihn in der zweiten Runde gegradet, Jones ist ein gigantischer Tackle, der nochmal eine Nummer größer ist als Orlando Brown. Wenn er in der Spur bleibt, könnte das ein exzellenter Pick und ein perspektivischer Starter sein.
McGuire ist ein guter Edge-Rusher, und dann ist da noch Luke Wypler. Wypler ist noch jung, er ist dafür bereits technisch weit. Seine Range schien Runde 3 zu sein - ihn in Runde 6 zu bekommen ist auf den ersten Blick exzellenter Value. Vielleicht hätte er schlicht noch ein Jahr länger im College bleiben müssen.
Die Browns hatten keinen Pick in den ersten beiden Runden, haben aber sportliches Talent eingesammelt, als hätten sie mehrere Top-60-Picks gehabt.
Die Note: 1
Die Picks: Tackle Broderick Jones (1. Runde), Cornerback Joey Porter Jr. (2. Runde), Defensive Tackle Keeanu Benton (2. Runde), Tight End Darnell Washington (3. Runde), Edge Nick Herbig (4. Runde), Cornerback Cory Trice (7. Runde), Guard Spencer Anderson (7. Runde)
Die Analyse: Wenn ich die ersten vier Picks von allen Teams gegeneinander lege, haben die Steelers eine echte Chance, auf dem ersten Platz zu landen.
Jones war der letzte Spieler aus der Tackle-Spitzengruppe, ich verstehe, dass sie den kleinen Sprung gemacht haben, um vor die Jets zu kommen und sich Jones zu sichern. Der der nächste Baustein in einer nach und nach runderneuerten Offensive Line ist.
Porter war in nicht wenigen Mocks in Runde 1 ein Steelers-Target, Pittsburgh bekam den langen Press-Cornerback zum Start in die zweite Runde. Benton ist ein flexibler Defensive Lineman, der zuerst in der Rotation spielen wird und perspektivisch starten kann.
Und dann ist da Darnell Washington. Ich war sehr hoch bei Washington, übereinstimmenden Berichten zufolge ging er so spät, weil es einige medizinische Bedenken bei seinem Knie gab. Dementsprechend muss man diesen Pick mit einem Sternchen versehen, doch das Talent ist immens. Washington ist als Run-Blocker ein sechster Offensive Lineman, und als Receiver ist er mit seinem Frame und seiner Physis unfassbar dominant am Catch Point.
Aus strategischer Perspektive war Pittsburgh vor die Jets gesprungen, ein Trade, den ich wie gesagt nachvollziehen kann. Ein wenig von diesem Kapital holten sie sich später zurück, in einem Downtrade mit den Panthers. Und mit Cory Trice holten sie sich in Runde 7 sogar noch einen Corner, der vielerorts viel höher gehandelt wurde. Auch er bringt, ähnlich wie Joey Porter, enorme Größe und Physis mit, und ist am besten in einer Press-Rolle aufgehoben.
Das ist ein Draft, bei dem ich aus strategischer Perspektive und auch mit Blick auf die jeweiligen Spieler, die Pittsburgh ausgewählt hat, nichts auszusetzen habe. Ganz im Gegenteil.
Die Note: 1
Adrian Franke