01.05.2023
Kansas City adressiert Value-Positionen
Die Chargers legten einen, im besten Sinne, langweiligen Draft hin. Und der Super-Bowl-Champion. Die Grades.

Die Picks: Receiver Marvin Mims (2. Runde), Linebacker Drew Sanders (3. Runde), Cornerback Riley Moss (3. Runde), Safety JL Skinner (6. Runde), Center Alex Forsyth (7. Runde)
Die Analyse: Durch die finalen Nachwehen des Russell-Wilson-Trades hatte Denver keine Picks in den ersten beiden Runden - und dennoch entschieden sich die Broncos dafür, gleich zwei Mal in den mittleren Runden hoch zu traden: Für Mims, sowie für Riley Moss, was die Broncos unter anderem bereits einen 2024er Drittrunden-Pick kostete.
Strategisch zumindest fragwürdig, immerhin aber gefielen mir sportlich betrachtet die ersten beiden Spieler. Mims ist ein unterschätzter vertikaler Receiver in dieser Klasse, der gut zu Russell Wilson passt. Sanders hatte ich ein gutes Stück höher gegradet, hier ist noch massive Upside, und Sanders hat die Qualitäten, um auch Edge-Snaps zu bekommen.
Der Rest der Klasse hinter Moss ist dann aber überschaubar, und angesichts der Range, in welcher wir uns dann im Draft befinden, für die Grade auch vernachlässigbar. Die Broncos hatten nicht viele Ressourcen, aber mit diesen limitierten Ressourcen haben sie nicht gut gehaushaltet.
Die Note: 3+
Die Picks: Edge Felix Anudike-Uzomah (1. Runde), Receiver Rashee Rice (2. Runde), Tackle Wanya Morris (3. Runde), Safety Chamarri Conner (4. Runde), Edge B.J. Thompson (5. Runde), Defensive Tackle Keondre Coburn (6. Runde), Cornerback Nic Jones (7. Runde)
Die Analyse: Die Chiefs-Klasse ist ein gutes Beispiel dafür, dass es in der unmittelbaren Bewertung einer Klasse wichtig ist, sich zumindest ein wenig von der eigenen Analyse zu lösen. Denn insbesondere die Picks in den Runden 2, 3 und 4 hätte ich jeweils gerne eine Runde tiefer gesehen. Gleichzeitig aber hat KC Value-Positionen adressiert, und gute Scheme-Fits gepickt.
Ich mag Anudike-Uzomah - den ich sogar in der Late-First-Round-Range gegradet hatte - als technisch versierten Pass-Rusher in dieser Front. Die Chiefs haben jetzt in meinen Augen drei potenzielle High-End-Nummer-2-Edge-Rusher, mit Anudike-Uzomah, Karlaftis und Charles Omenihu. Im Zusammenspiel mit Nummer-1-Defensive-Lineman Chris Jones kann das gut funktionieren.
Rashee Rice sehe ich als großen Possession-Receiver, der die Rolle übernehmen könnte, die JuJu Smith-Schuster letztes Jahr hatte. Morris kann um den Starting-Right-Tackle-Spot konkurrieren. Thompson ist ein interessanter Upside-Pick, der bei Stephen F. Austin mit seiner riesigen Statur gegen schwache Competition dominieren konnte.
Die Note: 2-
Die Picks: Edge Tyree Wilson (1. Runde), Tight End Michael Mayer (2. Runde), Defensive Tackle Byron Young (3. Runde), Receiver Tre Tucker (3. Runde), Cornerback Jakorian Bennett (4. Runde), Quarterback Aidan O’Connell (4. Runde), Safety Christopher Smith (5. Runde), Linebacker Amari Burney (6. Runde), Defensive Tackle Nesta Jade Silvera (7. Runde)
Die Analyse: In puncto Trades waren die Raiders nicht gerade zimperlich: Ein Uptrade in Runde 2 für Michael Mayer, ein Uptrade in Runde 4 für Bennett, ein Uptrade später in Runde 4 für O’Connell, ein Uptrade in Runde 5 für Smith - das ist ein zumindest mal diskussionswürdiger Process, der zeigt, dass ein Team zu sehr von seinen eigenen Evaluationen überzeugt ist.

Bennett bringt irren Speed mit, und die Raiders mussten auf Cornerback aktiv werden. Tucker ging deutlich höher als erwartet, Young hatte ich auch eher eine Runde später auf dem Zettel. Bei O’Connell würde es mich wundern, wenn er mehr als ein Backup werden würde.
Die Highlights der Klasse sind ohne Frage die ersten beiden Picks. Bei einem Top-7-Pick sollte auch ein High-Impact-Spieler rauskommen, Wilson kann das definitiv werden. Er bringt nicht nur eine gigantische Größe und Länge mit, sondern auch noch enorme Upside. Ich halte es für denkbar, dass er in zwei Jahren der beste Pass-Rusher dieser Klasse ist.
Mayer fiel weiter als gedacht. Ich hatte ihn mit einer Zweitrunden-Grade, hier passt der Value für mich aber dennoch. Ich vermute, dass er in Josh McDaniels Offense schnell und gut funktionieren wird.
Die Note: 3
Die Picks: Receiver Quentin Johnston (1. Runde), Edge Tuli Tuipulotu (2. Runde), Linebacker Daiyan Henley (3. Runde), Receiver Derius Davis (4. Runde), Tackle Jordan McFadden (5. Runde), Defensive Tackle Scott Matlock (6. Runde), Quarterback Max Duggan (7. Runde)
Die Analyse: Ein - im besten Sinne! - langweiliger Draft, weil die Chargers nirgends großartig überrascht haben, keinen wilden Trade eingebaut haben, und schlicht und ergreifend ihre Needs adressiert haben, ohne dafür Reaches rauszuhauen.
Deshalb "im besten Sinne", denn viel häufiger sehen wir von Teams Drafts, in denen sie dann für ihren Wunschspieler hochgehen, um sicher zu stellen, dass sie ihre Baustelle auch adressiert bekommen.
Die Chargers haben das nicht gemacht. Johnston passt mit seiner Größe in ihr Receiver-Profi, aber er bringt auch guten Speed mit, etwas, das dieser Offense gefehlt hat. Zusätzlich holten sich die Chargers mit Davis in Runde 4 einen echten Burner, der zudem Returner spielen könnte.
Edge-Tiefe war ein Thema, Tuipulotu ist ein High-Motor-Spieler, der mehrere Positionen spielen kann. Und auch Linebacker war ein Problem, und Henley ist einer der besseren Cover-Linebacker dieser Klasse. Die Chargers haben in diesem Draft Needs adressiert, ohne sich an irgendeinem Punkt verbiegen zu müssen. Auch ohne, dass sie irgendwo spektakulären Value eingesammelt hätten, aber das ist ein rundum solider Draft.
Die Note: 2
Adrian Franke