01.05.2023
Detroit überrascht mit Running Back
Aus ihren zwei Erstrundenpicks hätten die Detroit Lions irgendwie mehr machen können. Und wie haben sich die Green Bay Packers auf die Zeit nach Aaron Rodgers vorbereitet? Die Grades.

Die Picks: Tackle Darnell Wright (1. Runde), Defensive Tackle Gervon Dexter (2. Runde), Cornerback Tyrique Stevenson (2. Runde), Defensive Tackle Zacch Pickens (3. Runde), Running Back Roschon Johnson (4. Runde), Receiver Tyler Scott (4. Runde), Linebacker Noah Sewell (5. Runde), Cornerback Terell Smith (5. Runde), Defensive Tackle Travis Bell (7. Runde), Safety Kendall Williamson (7. Runde)
Die Analyse: Mit dem Downtrade raus aus dem Nummer-1-Overall-Pick haben die Bears sich eine Basis für den weiteren Rebuild geschaffen. Die Spieler, die sie dann in diesem Jahr auswählten, zeichnen ein klares Bild: Die Bears wollen tougher und physischer werden.
Es war ein offenes Geheimnis, dass Chicago viel von Darnell Wright hielt - und der Right Tackle war dann auch die Wahl mit dem Nummer-10-Pick. Dexter muss dringend an seinem Release arbeiten, bringt aber jede Menge Power in der Interior Defensive Line mit, genau wie Zacch Pickens. Roschon Johnson ist vielleicht der physischste Running Back dieser Klasse, und Tyrique Stevenson ein Outside Corner mit guter Größe und Länge. Selbst Tag-3-Linebacker Noah Sewell passt in dieses Profil.
Man erkennt eine klare Handschrift bei diesem Draft, und dass dann ein Spieler wie Tyler Scott, der ein echter Field-Stretcher und Downfield-Playmaker ist, bis an 133 zu ihnen fiel, macht das Bild noch kompletter. Auch wenn das für mich zumindest der einzige Pick war, bei dem ich Chicago eine Art Steal attestieren würde; die anderen Spieler waren alle in der Range, in der ich sie hatte, oder leicht früher gepickt.
Dieser Draft ist eine Weichenstellung für Chicago, einerseits aufgrund des künftigen Draftkapitals, welches die Bears eingesammelt haben, andererseits aber auch, weil ich drei, vielleicht vier realistische Starter in dieser Draft-Klasse sehe.
Die Note: 2+
Die Picks: Running Back Jahmyr Gibbs (1. Runde), Linebacker Jack Campbell (1. Runde), Tight End Sam LaPorta (2. Runde), Safety Brian Branch (2. Runde), Quarterback Hendon Hooker (3. Runde), Defensive Tackle Brodric Martin (3. Runde), Tackle Colby Sorsdal (5. Runde), Receiver Antoine Green (7. Runde)
Die Analyse: Die Lions sind ein guter Punkt, um nochmals einen Schritt zurück zu machen und sich bewusst zu machen, worum es in der direkten Reaktion auf den Draft maßgeblich geht. Denn ob die Spieler gut sein werden oder nicht, das wissen wir - inklusive der Teams - schlicht nicht, und dafür ist es lohnenswert, Draftklassen nach drei, vier Jahren rückblickend zu bewerten.
Was wir aber heute machen können, ist, neben der eigenen Analyse der Spieler vor allem die Herangehensweise der Teams zu bewerten, um so ein Gesamtbild zu malen. Und hier ist es schwer, Detroit in ein positives Licht zu rücken.
Die Lions, die in Jahr 3 ihres Rebuilds sind, hatten zwei Top-18-Picks, um sich weiter für die Zukunft aufzustellen. Mit diesen Picks entschieden sie sich für einen Running Back und einen Off-Ball-Linebacker, zwei der niedrigsten Value-Positionen in der heutigen NFL. Beide werden eine Rolle spielen, das steht außer Frage, aber der Value, den Detroit hier liegengelassen hat, um den Kader mittel- und langfristig weiter zu verbessern, tut weh.
Tag 2 lief dann etwas besser. Sam LaPorta ist für mich der beste Receiving-Tight-End nach Dalton Kincaid, und auf Tight End hatte Detroit einen großen Need - auch wenn man hier abermals nicht gerade auf eine Premium-Position ging. Safety Brian Branch fiel überraschend bis in Runde 2, ehe die Lions für ihn hoch tradeten. Ein sehr guter Pick in der Summe. Außerdem sammelten die Lions mit einigen Downtrades zusätzliches Draftkapital ein, sie gaben aber auch einiges aus, um für Branch und für Brodric Martin hoch zu traden, insbesondere Letzteres war überraschend. Hendon Hooker zu Beginn der dritten Runde ist ein Versuch, den man hier wagen kann. Er ist 25 und kommt von seinem Kreuzbandriss zurück, aber vielleicht kann er 2024 Jared Goff ablösen. Ich sehe ihn realistisch eher als Backup.
Ich hatte im Vorfeld bei diesem Draft gedacht, dass das in Jahr 3 des Rebuilds der Draft sein könnte, mit dem Detroit ein Titelfenster aufstoßen kann. Gemessen daran war die Herangehensweise eine doch erhebliche Enttäuschung.
Die Note: 4+
Die Picks: Edge Lukas Van Ness (1. Runde), Tight End Luke Musgrave (2. Runde), Wide Receiver Jayden Reed (2. Runde), Tight End Tucker Kraft (3. Runde), Edge Colby Wooden (4. Runde), Quarterback Sean Clifford (5. Runde), Receiver Dontayvion Wicks (5. Runde), Edge Karl Brooks (6. Runde), Kicker Anders Carlson (6. Runde), Cornerback Carrington Valentine (7. Runde), Running Back Lew Nichols III (7. Runde), Safety Anthony Johnson Jr. (7. Runde), Receiver Grant DuBose (7. Runde)
Die Analyse: Man kann den Packers nicht vorwerfen, dass sie in diesem Draft ihr offensives Waffenarsenal ignoriert hätten - auch wenn es einmal mehr mit einem athletischen Defensive Lineman losging. Van Ness ist ein athletischer Power-Rusher, der aber noch Zeit brauchen wird, und der mir im College-Tape fast besser innen als außen gefallen hat.

Tight End und Receiver waren Großbaustellen, und um Jordan Love vernünftig bewerten zu können, musste Green Bay diese adressieren. Interessant war, dass sie an Tag 2 gleich doppelt in die Tight-End-Position investierten - mit zwei Spielertypen, die sich gut ergänzen sollten.
Musgrave ist der athletische Freak, der vertikal gehen und eine schrittweise größere Rolle als Receiver übernehmen kann. Kraft ist mehr der In-Line-Blocker und Underneath-Receiver. Reed ist ein solider Receiver, sollte eine Yards-after-Catch-Waffe sein können, für meinen Geschmack war dieser Pick mindestens eine Runde zu früh.
Den Clifford-Pick verstehe ich überhaupt nicht, Wicks und Brooks aber waren einmal mehr sehr vielversprechende Tag-3-Packers-Picks. Ich bin gespannt, wo genau in der Defensive Line sie Brooks einsetzen - ein extrem produktiver Edge-Verteidiger bei Bowling Green, mit aber keinerlei athletischer Upside. Wicks hatte 2021 eine sehr gute Saison und bringt ein spannendes Skillset als Catch-Point-Artist mit. DuBose mochte ich als Tag-3-Sleeper und Anthony Johnson, der Corner-Safety-Hybrid, ging deutlich später als gedacht. Alles in allem ein starker dritter Tag.
Ich sehe Green Bay in diesem Draft nicht ganz vorne mit dabei, aber sie gehören für mich in die "sehr solide"-Kategorie und ich bin vor allem gespannt darauf, wie schnell und häufig wir die beiden Rookie-Tight-Ends gemeinsam auf dem Platz sehen werden.
Die Note: 2
Die Picks: Receiver Jordan Addison (1. Runde), Cornerback Mekhi Blackmon (3. Runde), Cornerback Jay Ward (4. Runde), Defensive Tackle Jaquelin Roy (5. Runde), Quarterback Jaren Hall (5. Runde), Running Back DeWayne McBride (7. Runde)
Die Analyse: Ohne Zweitrunden-Pick infolge des T.J. Hockenson-Trades ging Minnesota mit nicht viel Flexibilität in diesen Draft - insofern ergab es Sinn, von Pick 87 runter zu traden und zusätzliche Tag-3-Picks einzusammeln.
Mit Addison eröffnete Minnesota seinen Draft in der ersten Runde, er ist leicht und kein Elite-Athlet auf der Position. Aber er ist ein toller Route-Runner, ich sehe ihn in erster Linie im Slot in der NFL. Er sollte eine gute Ergänzung zu Justin Jefferson darstellen.
Addison ging in exakt der Range, in der man ihn auf dem Zettel hatte, bei den beiden Cornerback-Picks hatte ich dann ein wenig den Eindruck, dass der Need so deutlich war, dass die Vikings dringend zwei Shots auf die Position nehmen wollten. Insbesondere Ward ging doch deutlich früher als gedacht.
Mit Roy und McBride war Minnesota dann wieder am anderen Ende des Spektrums, beide hatte ich ein gutes Stück höher auf dem Zettel. Roy ist ein physischer Interior Lineman, der gegen den Run einen Anker setzen, und vereinzelt auch zum Quarterback kommen kann. McBride ist einer der besten Contact-Runner dieser Klasse, der aber eben keinerlei Top-Speed hat und im College gegen schwächere Competition glänzen konnte. Neben dem Downtrade an Position 87 ging Minnesota an 119 nochmals runter und nahm dabei einen 2024er Fünftrunden-Pick mit.
Die Note: 2-
Adrian Franke