01.05.2023
Arizona tradet mehrfach herunter
Ein Kicker in Runde 3? Also bitte, 49ers! Da drafteten die Divisionsrivalen aber besser. Die Grades.

Die Picks: Tackle Paris Johnson Jr. (1. Runde), Edge BJ Ojulari (2. Runde), Cornerback Garrett Williams (3. Runde), Receiver Michael Wilson (3. Runde), Guard Jon Gaines II (4. Runde), Quarterback Clayton Tune (5. Runde), Linebacker Owen Pappoe (5. Runde), Cornerback Kei’Trel Clark (6. Runde), Defensive Tackle Dante Stills (6. Runde)
Die Analyse: Wenn man unmittelbar nach dem Draft maßgeblich auch aus Process-Perspektive auf die Vorgehensweise der Teams schaut, muss man Arizona zu den klaren Gewinnern dieses Drafts zählen. Denn als ein Team zu Beginn eines Rebuilds musste eine hohe Priorität darauf liegen, dass man möglichst viel zusätzliches Kapital sammelt - und mit mehreren Downtrades haben die Cardinals genau das geschafft.
Unter dem Strich hat Arizona durch Trades unter anderem einen Erst-, zwei Dritt- und einen Fünftrunden-Pick im 2024er Draft dazugewonnen, genau wie einen mehrere Tag-3-Picks im diesjährigen Draft. Und wer weiß, wie hoch der 2024er Erstrunden-Pick der Houston Texans am Ende sein wird. Kein Team hat mehr Trade-Value in diesem Draft eingesammelt.
Dafür gibt es klare Pluspunkte, genau wie für die Tatsache, dass sich Arizona an den ersten beiden Draft-Tagen eindeutig auf Premium-Positionen fokussiert hat. Paris Johnson ist einer der besten Tackles der Klasse, BJ Ojulari - bei dem ich persönlich etwas skeptischer war als der Konsens - ein explosiver Speed-Rusher. Er könnte die Haason-Reddick-Rolle in Jonathan Gannons Defense einnehmen. Williams muss von seinem Kreuzbandriss zurückkommen, hat aber tolle Movement- und Coverage-Skills gezeigt und Wilson ist ein großer Receiver mit exzellentem Release und sehr guten Route-Running-Fähigkeiten. Ohne die Verletzungshistorie wäre er vermutlich früher gegangen.
Was Tag 3 angeht: Gaines könnte als Center eingeplant werden, Pappoe ist einer der athletischsten Linebacker dieser Klasse.
Der erste Draft des neuen GMs Monti Ossenfort trug außerdem eine klare charakterliche Handschrift: Insbesondere die Picks an den ersten beiden Tagen galten in ihren jeweiligen Teams als Leader und High-Character-Spieler. Vor allem aber strategisch war es ein sehr vielversprechender erster Draft des neuen Regimes.
Die Note: 1-
Die Picks: Guard Steve Avila (2. Runde), Edge Byron Young (3. Runde), Defensive Tackle Kobie Turner (3. Runde), Quarterback Stetson Bennett (4. Runde), Edge Nick Hampton (5. Runde), Tackle Warren McClendon (5. Runde), Tight End Davis Allen (5. Runde), Receiver Puka Nacua (5. Runde), Cornerback Tre’Vius Hodges-Tomlinson (6. Runde), Edge Ochaun Mathis (6. Runde), Running Back Zach Evans (6. Runde), Punter Ethan Evans (7. Runde), Safety Jason Taylor II (7. Runde), Defensive Tackle Desjuan Johnson (7. Runde)
Die Analyse: Ein zumindest mal interessanter Draft, der zwar keinen First Rounder hatte, aber eine schier unglaubliche Masse an Tag-3-Picks - was die Bewertung offen gestanden auch nicht gerade leicht macht. Dieser Draft kommt fraglos über jene Masse, und die Rams sind mehrfach an Tag 2 und Tag 3 noch runter gegangen, um noch mehr Tag-3-Kapital einzusammeln.
Vielleicht die offensichtlichsten Punkte zuerst: Steve Avila ist ein sofortiger Starter, auf Guard oder auf Center. Young war mir deutlich zu eindimensional, weil er so gar keine Physis gegen den Run hat, als Speed-Rusher ist er aber eine gute Ergänzung zu Aaron Donald in der Front. Der Bennett-Pick so hoch hat mich überrascht, ich sehe ihn zwar perspektivisch als guten Backup-Quarterback, aber das hätte ich als ein Team im Rebuild hier nicht priorisiert.
Mit der schieren Menge an Tag-3-Picks besteht eine reelle Chance, dass hier zwei, vielleicht sogar drei Starter dabei sind. Wenn ich Geld setzen müsste, würde ich auf Hodges-Tomlinson als Slot-Corner und Ochaun Mathis als Pass-Rusher tippen. Aber die reine Masse an Tag-3-Spielern in einer gemeinhin als schwächer eingestuften Draft-Klasse stimmt mich dann doch nur bedingt euphorisch.
Die Note: 3+
Die Picks: Safety Ji’Ayir Brown (3. Runde), Kicker Jake Moody (3. Runde), Tight End Cameron Latu (3. Runde), Cornerback Darrell Luter Jr. (5. Runde), Edge Robert Beal Jr. (5. Runde), Linebacker Dee Winters (6. Runde), Tight End Brayden Willis (7. Runde), Receiver Ronnie Bell (7. Runde), Linebacker Jalen Graham (7. Runde)
Die Analyse: Wenn man mit drei Picks in der Top 150 in den Draft geht, dann gilt es, den maximalen Wert aus diesen Picks herauszukitzeln. Die Niners haben das exakte Gegenteil gemacht.
Einen Kicker in Runde 3 würde ich scharf kritisieren, selbst wenn ein Team massig Munition an den ersten beiden Tagen hätte. In dieser Situation ist es umso verheerender. Bei all den Ungewissheiten um den Draft, ist die Tatsache, dass einen Kicker zu draften vom Grundsatz her eine schlechte Idee ist, vergleichsweise deutlich nachweisbar.
Brown war eine Spur zu früh für meinen Geschmack, aber ich mag seine Flexibilität. Hoch gegangen wäre ich in Runde 3 aber nicht für ihn. Latu ist allerdings noch eher der andere Top-150-Pick, den ich neben dem Kicker kritisieren würde. Ein bestenfalls rundum solider Spieler ohne klare Trumpfkarte, ohne athletische Upside - das wirkte so, als hätten sich die Niners nach bereits acht Tight Ends vom Board gesagt, dass sie auch noch etwas auf der Position brauchen, und dann einfach den nächsten Tight End in ihrem Ranking gepickt.
Luter als großer, langer Press-Corner ist vielleicht der interessanteste Spieler aus dieser Klasse, aber für mich ist das ein Draft, bei dem ich die Herangehensweise und weitestgehend auch die ausgewählten Spieler so gar nicht nachvollziehen kann.
Die Note: 4
Die Picks: Cornerback Devon Witherspoon (1. Runde), Receiver Jaxon Smith-Njigba (1. Runde), Edge Derick Hall (2. Runde), Running Back Zach Charbonnet (2. Runde), Guard Anthony Bradford (4. Runde), Defensive Tackle Cameron Young (4. Runde), Edge Mike Morris (5. Runde), Center Olusegun Oluwatimi (5. Runde), Safety Jerrick Reed II (6. Runde), Running Back Kenny McIntosh (7. Runde)
Die Analyse: Nach den ersten drei Picks war ich großer Fan dieses Seahawks-Drafts. Seattle adressierte High-Value-Positionen mit seinen ersten drei Picks, und zumindest im Fall der ersten beiden Picks war ich auch großer Fan der jeweils ausgewählten Spieler.
Smith-Njigba ist mein klarer Nummer-1-Receiver dieser Klasse, ein fantastischer Slot-Separator, der beste Route-Runner dieser Klasse und in Seattle passt er perfekt als Ergänzung zu Metcalf und Lockett. Witherspoon war mein klarer Nummer-1-Corner, ein sehr physischer Corner, der das Spiel exzellent liest und Plays antizipiert.

Hall ist mir etwas zu eindimensional, ihm fehlt die Power, ich hätte ihn eine Runde später gepickt - aber der Gedankengang ist zumindest nachvollziehbar. Das lässt sich über den vierten Pick nicht sagen: Mit einem Top-55-Pick entschieden sich die Seahawks dafür, einen Backup-Running-Back zu priorisieren. Charbonnet ist ein sehr kompletter Back, aber dieser Pick, mit nach wie vor massiven Needs in der Interior Offensive Line und der Defensive Line, nachdem man im Vorjahr in der zweiten Runde bereits Kenneth Walker in der zweiten Runde gedraftet hatte, ist ein verschwenderischer Umgang mit den eigenen Ressourcen.
Umso mehr gefielen mir die Interior-O-Line-Picks an Tag 3. Oluwatimi ist athletisch limitiert, aber seine Erfahrung und seine Übersicht sieht man auf Tape; für mich ist das der Week-1-Starting-Center der Seahawks. McIntosh ist eine gute Receiving-Option aus dem Backfield, und auch in die Defensive Line haben die Seahawks gute Picks gesteckt. Dazu hat Seattle im Downtrade mit den Broncos nochmal ordentlich Value eingesammelt. Das ist ein sehr guter Draft, mit dem für Seattle fast obligatorischen, fragwürdigen, weil zu hohen Running-Back-Pick.
Die Note: 2+
Adrian Franke