29.08.2023
NFL 2023: Bengals, Ravens, Steelers, Browns im Check
Auf dem Papier dürfte die AFC North in der kommenden Saison eine der stärksten Divisionen sein. Dennoch gibt es bei allen vier Teams auch Fragezeichen, die es in der bevorstehenden Regular Season zu beantworten gilt. Die AFC North im kicker-Check.

Vor zwei Jahren scheiterten die Cincinnati Bengals im Super Bowl an den Los Angeles Rams, in der abgelaufenen Saison war erst im Conference Championship Game gegen den späteren Super-Bowl-Sieger, die Kansas City Chiefs, Schluss. Und auch in diesem Jahr gilt das Team um Star-Quarterback Joe Burrow wieder zu den heißen Anwärtern in der sehr schwierigen AFC. Burrow selbst verpasste große Teile des Trainingslagers mit einer sich im Training zugezogenen Wadenverletzung, er soll jedoch rechtzeitig zum Saisonstart fit sein und mit seinem ligaweit gefürchteten Receiver-Trio um Superstar Ja'Marr Chase, Tee Higgins und Tyler Boyd für Punkte auf der Anzeigetafel sorgen. Mit der Verpflichtung von Offensive Tackle Orlando Brown haben die Bengals zudem für weiteren Schutz Burrows gesorgt.
In der Defense hat das Franchise aus dem US-Bundesstaat Ohio mit Jessie Bates III and Vonn Bell beide Starting Safeties verloren, einen der beiden freigewordenen Positionen soll nach Möglichkeit Daxton Hill besetzten, der im NFL-Draft 2022 in der ersten Runde gezogen, im vergangenen Jahr aber relativ wenig eingesetzt worden war. Die gut besetzte Defensive Line sowie die Tatsache, dass Defensive Coordinator Lou Anarumo - der auch als Head-Coach-Kandidat bei anderen Teams im Gespräch war - weiterhin das Playcalling in der Defensive der Bengals übernehmen wird, sollte jedoch dafür sorgen, dass die Defense weiterhin auf einem guten Niveau agiert.
Bei kaum einem Team wird es in dieser Saison einen so großen schematischen Wechsel auf einer der beiden Seiten des Balles geben wie bei den Baltimore Ravens. Der ehemalige Offensive Coordinator Greg Roman wurde ersetzt durch Todd Monken, der im Vergleich zu seinem Vorgänger mit einem wohl deutlich passlastigeren Ansatz fahren wird. Die Frage wird sein, ob und wie schnell die neuen Zahnräder ineinander greifen. Helfen dürften dabei auch die Verpflichtungen von Odell Beckham Jr. und Erstrunden-Pick Zay Flowers, wodurch Jackson wohl das beste Waffenarsenal in seiner bisherigen NFL-Karriere zur Verfügung hat. Spannend, wenn man bedenkt, dass die Ravens mit Lamar Jackson - der nach langem hin und her erst vor einigen Monaten einen neuen Vertrag unterschrieben hat - den wohl gefährlichsten Rushing Quarterback der NFL in ihren Reihen haben.

Dass die Ravens mit einem fitten Jackson - immerhin MVP von 2019 - und einer funktionalen Offense mehr als ernstzunehmen sind, unterstreicht die Tatsache, dass man mit Back-up-Quarterback Tyler Huntley in den Play-offs nur hauchzart an den Bengals gescheitert ist. Grund dafür war allen voran die typisch starke Defense. Die Abgänge der Routiniers Justin Houston und Calais Campbell sollen der jüngst verpflichtete Jadeveon Clowney sowie einige junge, talentierte Spiele auffangen. Mit Roquan Smith und Marlon Humphrey stehen auf der Linebacker-Position beziehungsweise im defensiven Backfield zudem Unterschiedsspieler auf dem Feld, die dabei helfen sollen, dass die nach wie vor von John Harbaugh trainierten Ravens möglichst weit in den Play-offs kommen.
Steelers-Head-Coach Mike Tomlin wird in der kommenden Saison alles daran setzen, auch in seinem 17. Jahr im Amt seine beeindruckende Serie nicht reißen zu lassen: Noch nie standen für ihn in "Steel City" am Ende einer Saison mehr Niederlagen als Siege zu Buche. Das Prunkstück von Pittsburgh dürfte - auch dank Tomlin - weiterhin die Defense sein. Besonders die Defensive Line um T. J. Watt - immerhin "Defensive Player of the Year" aus dem Jahr 2021 sowie mit 22,5 Sacks im selben Jahr geteilter "All Time Sack Leader" innerhalb einer Saison - soll gegnerische Offensivreihen vor Herausforderungen stellen.
Auf der Gegenseite dürften viele Augen besonders auch auf Kenny Pickett gerichtet sein. Der 25 Jahre alte Quarterback geht in sein zweites Jahr, genauso wie Wide Receiver George Pickens, der als Rookie mit 801 gefangenen Yards hinter Diontae Johnson (882) zweitbester Passempfänger im Team war. Eine der größten Baustellen der vergangenen Jahre wurde in der Offseason adressiert - die Offensive Line. Mit Guard Isaac Seumalo (von den Philadelphia Eagles) sowie Erstrunden-Tackle Broderick Jones ist die Hoffnung, dass sowohl Pickett als auch Running Back Najee Harris mehr Zeit und Freiräume freigeblockt bekommen.
Bei den Cleveland Browns steht und fällt in der kommenden Saison wohl alles mit der Personalie Deshaun Watson. Der umstrittene Quarterback der Browns hat nach seiner Sperre in der abgelaufenen Saison lediglich sechs Partien absolviert - und dort nicht sonderlich überzeugt. Umso höher lastet der Druck auf ihm nun, schließlich haben die Browns jede Menge Kapital und Geld für den Trade und seinen Vertrag in die Hand genommen. Mit einer top-besetzten Offensive Line, dem bärenstarken Running Back Nick Chubb sowie einem durchaus gut besetzten Receiving Corps um Amari Cooper sind die Umstände für Watson auf alle Fälle gegeben.
Auch auf der anderen Seite des Balles haben die Browns einige Veränderungen vorgenommen, dass sich die schwache Saison - gerade in der Defensive Line - nicht wiederholt. Star-Pass-Rusher Myles Garrett bekommt dafür Unterstützung von den Neuzugängen Dalvin Tomlinson, Za'Darius Smith sowie Ogbonnia Okoronkwo. Von einer erhöhten Produktivität sollen dann aus Browns-Sicht bestenfalls auch die Linebacker-Unit um Jeremiah Owusu-Koramoah und die Secondary um Cornerback Denzel Ward profitieren. Das Talent im Roster der Browns ist erneut allemal vorhanden, letztlich stellt sich jedoch die Frage, ob sie es auch alle gemeinsam abgerufen bekommen.
fys