06.02.2024
Four Downs: Die NFL-Kolumne von Adrian Franke
Am Ende dieser Woche steht die NFL ganz im Zeichen des Super Bowls - für 30 der 32 Teams steht aber schon jetzt die Offseason im Fokus. Neue Head Coaches werden verpflichtet, die Kaderplanungen laufen bereits auf Hochtouren. Doch welche Spieler werden die diesjährige Free Agency prägen? kicker-Experte Adrian Franke blickt voraus.

Ein Problem mit der Free Agency ist häufig, dass solide bis gute Spieler gute bis sehr gute Verträge bekommen, einfach weil sie auf dem freien Markt sind und Teams sich überbieten. Das führt dann zu solchen Verträgen wie dem von Derek Carr, Jimmy Garoppolo, Jawaan Taylor oder Dre’Mont Jones, um nur einige der teuersten Verpflichtungen mit überschaubarem Impact aus der vergangenen Free Agency zu nennen.
Spannender ist da häufig die Mittelklasse. Denkt etwa, um in der vergangenen Free Agency als Parallele zu bleiben, an Jakobi Meyers (3 Jahre, 33 Mio. Dollar), Juan Thornhill (3/21) oder Samson Ebukam (3/24). Keine Headliner, keine Verpflichtungen, die für große Schlagzeilen sorgen. Aber abgesehen von den Schnäppchen-Glückstreffern wie Baker Mayfield oder Jadaveon Clowney sind das in aller Regel Jahr für Jahr die besten Moves im Frühjahr.
In dieser Spielerkategorie sehe ich die angehende Free-Agency-Klasse stark aufgestellt. Mit Spielern wie Pass-Rusher Josh Uche, Safety Geno Stone, Receiver Curtis Samuel, Tight End Gerald Everett, Defensive Lineman Denico Autry oder Safety Jordan Fuller. Das sind keine Spieler, die eine Unit im Alleingang auf den Kopf stellen und es sind auch keine Spieler, die zwangsläufig einen riesigen Breakout haben werden. Aber es sind kluge Investments, gute Role Player, für überschaubares Geld - das sind die besten Deals in der Free Agency in meinen Augen.
Gleichzeitig sind das nicht die Spieler, die in den Top-Free-Agents-Rankings auftauchen, aber gerade deshalb wollte ich sie zumindest kurz erwähnen. Auch der Offensive-Line-Markt könnte über die absolute Spitze einiges zu bieten haben, etwa mit Connor Williams, Jonah Williams, Graham Glasgow, Robert Hunt oder Dalton Risner. Auch hier: Keine Superstars, aber Spieler, die schnell helfen können. Und wer den ganz großen Upside-Versuch wagen will, für den wäre Mekhi Becton eine Option.
Außergewöhnlich ist dieses Jahr zudem der Running-Back-Markt. Neben den unten aufgeführten Optionen werden unter anderem Josh Jacobs, Austin Ekeler, Tony Pollard, D’Andre Swift, Gus Edwards und Devin Singletary Free Agents. Hier gibt es viele Möglichkeiten, um eine Rolle im eigenen Backfield zu besetzen - insbesondere in einem Jahr, in dem der Draft auf der Position eher überschaubar daherkommt.

Genau wie Josh Jacobs, war auch Barkley in der vergangenen Offseason ein starker Fürsprecher der Running-Back-Vertrags-Gilde - und wie bei Jacobs halfen auch seine Leistungen in der Saison dem Argument nicht wirklich. Und dabei hat Barkley individuell nicht wirklich schlecht gespielt, es war vielmehr übermäßig deutlich, wie sehr er eben von den Umständen abhängig ist.
Barkley wird in ein paar Tagen 27 Jahre alt, und für den Moment kann er noch mit seiner Athletik punkten. Ich würde ihn gerne in einer ausgeprägteren Receiver-Rolle sehen, als das letztes Jahr der Fall war. Dass ein Team aber für dieses Paket tief in die Tasche greift, ist aber äußerst unwahrscheinlich.
Awuzie schlug 2021 in Cincinnati als Free-Agency-Neuzugang voll ein, ehe er sich 2022 in Woche 8 das Kreuzband riss. Der 28-Jährige kehrte in dieser Saison schon in Woche 1 zurück und spielte über 700 Defense-Snaps für die Bengals, und während Awuzie bislang nicht wieder an seine 2021er Form anknüpfen konnte, ist er dennoch eine mehr als solide Nummer-2-Option für eine Secondary, die auf der Suche nach kurzfristiger Stabilität ist.
Nach drei Jahren mit Höhen und Tiefen hatte McKinney im letzten Jahr seines Rookie-Vertrags seine bis dato beste NFL-Saison. In der aggressiven Defense von Wink Martindale wurde er mehr in Box-Nähe eingesetzt als in den vergangenen Jahren, und glänzte dort in Coverage und generell als defensiver Playmaker.
Seine 20 Tackles bei Pass Plays wurden von nur zwei anderen Safeties in dieser Saison übertroffen, in Man Coverage ließen ligaweit nur vier Safeties (Minimum: 300 Coverage Snaps) ein niedrigeres Passer Rating gegen sich zu, als McKinney. Er ist in vielerlei Hinsicht der prototypische moderne NFL-Safety, und mit gerade einmal 25 Jahren auch gerade am Anfang seiner Prime.
Gilmore ist jetzt 33, insofern ist davon auszugehen, dass er sich über die nächsten Jahre von Einjahresvertrag zu Einjahresvertrag hangeln wird - bis irgendwann der spürbare Dropoff kommt. Bisher lässt der auf sich warten.
Gilmore ist zwar nicht mehr der dominante Nummer-1-Corner, der er vor drei, vier Jahren war. Aber er ist immer noch eine legitime Nummer 1, was er in Dallas nach der Verletzung von Trevon Diggs unter Beweis stellen musste.
Es würde mich wundern, wenn Smith 2024 woanders als in Dallas spielen würde. Gerade angesichts der Tatsache, dass die Cowboys weitere Baustellen in ihrer Offensive Line haben, die sie angehen müssen und sich wohl kaum ein zusätzliches Loch auf Left Tackle reißen wollen.
Fakt ist: Smith ist 33 Jahre alt, er hat eine ausgedehnte Verletzungsgeschichte und hat in dieser Saison zum ersten Mal seit 2018 über 900 Snaps gespielt. Fakt ist aber auch, dass, wenn Smith fit ist, er noch immer ein Elite-Left-Tackle sein kann. Könnte das zu einem Zahltag woanders führen, bei dem die Cowboys nicht mitgehen wollen? Vergleichbar mit dem Wechsel von Terron Armstead nach Miami vor zwei Jahren?
Irgendwann wird auch bei Derrick Henry der Einbruch kommen - die Frage ist nur: Wann? Und wie risikofreudig wird ein Team sein, um sich die Dienste des zweifachen Rushing-Champions und 2.000-Yard-Runners zu sichern?
Es steht außer Frage, dass von einem Leistungsabfall in der vergangenen Saison noch nichts zu sehen war. Henry spielte in äußerst schwierigen Umständen, hinter einer schwachen Offensive Line und mit einer inkonstanten Quarterback-Situation.
Dennoch hatte er unter allen Running Backs mit mindestens 100 Runs die achtmeisten Yards nach Kontakt pro Run, die viertmeisten Forced Missed Tackles und beendete die Saison einmal mehr als einer der besten reinen Runner in der NFL.
Henry wird im Sommer 30 Jahre alt, noch 2022 schulterte er absurde 349 Carries für die Titans. Seine ideale Rolle wäre als ein Dampfhammer für 200 bis 230 Runs in einer Offense, die andere Backfield-Rollen bereits besetzt hat. Ich denke da etwa an Dallas, oder an die Dolphins.
Vielleicht gewinnt er am Sonntag den Super Bowl, dann wird es ihm herzlich egal sein - aber auf individueller Ebene ist der Trade von Washington nach San Francisco nicht wirklich wie erhofft gelaufen. Young hatte bei den 49ers in mehr Pass-Rush-Snaps weniger Pressures und weniger Sacks als in den ersten acht Spielen in Washington, er hatte auch weniger Defensive Stops und gegen den Run wirkte er mitunter auffällig behäbig.
Ich gehe nicht davon aus, dass die Niners, nach dem, was sie dieses Jahr von ihm gesehen haben, Young einen neuen Vertrag geben. Und ich erwarte auch keinen spektakulären Markt. Young wird demnächst erst 25 und hatte mit Verletzungen in seiner bisherigen NFL-Saison zu kämpfen, das in Kombination mit dem hohen Pre-Draft-Status wird ihn noch immer interessant machen. Aber ich tippe auf einen Einjahres-Prove-It-Deal.
Die Inkonstanz, die Davis’ Spiel bisweilen so frustrierend macht, könnte sehr gut dazu führen, dass der bald 25-Jährige sich in dieser Free Agency mit einem Prove-It-Deal zufriedengeben muss. Davis hatte in dieser Saison zehn Spiele mit weniger als drei Catches und vier Spiele mit sechs oder mehr.
Davis hatte fast genauso viele Spiele mit weniger als 20 Receiving-Yards (6), wie er Spiele mit über 85 Receiving-Yards hatte (5). Seine elf Deep Catches (20+ Air Yards Downfield) wurden von nur zehn Receivern ligaweit übertroffen - seine Drop-Quote von 8,2 Prozent übertrafen unter Receivern mit mindestens 75 Targets allerdings auch nur neun andere Receiver.
All diese Zahlen fassen auch den Eindruck zusammen. In Davis’ besten Momenten wirkt er wie ein dominanter Receiver, der vielleicht sogar kurz vor dem Sprung zu einer Low-End-Nummer-1 steht. Die Realität ist aber vermutlich eher, dass er eine Big-Play-Waffe, ein Role Player und ein Nummer-2-Receiver innerhalb einer Offense ist.
Positionsbezogene Flexibilität ist gerade in der Offensive Line eine Qualität, die Spieler zusätzlich wertvoll macht. Und kaum jemand bringt das in dem Ausmaß mit, in dem Mike Onwenu damit glänzen kann.
Schon in seiner Rookie-Saison wurde der einstige Sechstrunden-Pick als Left Guard (112 Snaps), Right Guard (185) und Right Tackle (616) eingesetzt. In seiner zweiten Saison war er dann vor allem auf Left Guard und Right Tackle im Einsatz, ehe er 2022 ausschließlich Right Guard spielte, nur um dann in dieser Saison wieder auf Right Tackle geschoben zu werden.
Der 26-Jährige spielte auf all diesen Positionen auf einem guten bis sehr guten Level und selbst wenn davon auszugehen ist, dass Teams ihn auf dem Markt als Right Tackle priorisieren: Onwenu sollte einen äußerst breiten Markt haben.
Gar nicht so einfach, hier einen vernünftigen Platz für Baker Mayfield zu finden. Es steht außer Frage, dass er seine Karriere in dieser Saison bei den Bucs wiederbelebt hat. Nach dem gescheiterten Gastspiel bei den Panthers und dann einem kurzfristigen Intermezzo bei den Rams war Mayfields Zukunft extrem ungewiss - was auch der sehr überschaubare Vertrag, den er in der vergangenen Offseason von den Bucs erhielt, unterstrich.
Jetzt scheint es relativ unumstritten zu sein, dass Mayfield 2024 einen Starting-Job bekommen wird - vermutlich mit einem neuen Vertrag in Tampa Bay. Mayfield hat dieses Jahr mit einem ganz anderen Selbstvertrauen und auch einem auffälligen Vertrauen in die Offense gespielt. Das bringt die beste Version von Baker auf den Platz, und wenn die Bucs das auch mit neuem Offensive Coordinator konservieren können, kann er eine solide Übergangslösung sein.
Reader kam 2020 nach Cincinnati und war seitdem der buchstäbliche Fels in der Brandung. Als Interior-Run-Stopper ein Spieler, der einen echten Unterschied macht, weil er Räume kreiert, weil er leichtere Boxes erlaubt, weil er mehrere Gaps gegen den Run halten kann. Und er war aber auch ein konstanter Faktor als Pass-Rusher mit je mindestens 32 Quarterback-Pressures in jedem der letzten drei Jahre für die Bengals.
Reader wird im Sommer 30, und hatte mit einigen Verletzungen zuletzt zu kämpfen. Er ist aber immer noch ein Spieler, der nicht mit Total Stats oder regelmäßigen Big Plays glänzen wird, der einer Front aber signifikant mehr Stabilität und Flexibilität verleihen kann.
Ich halte Williams immer noch für einen sehr guten Allrounder, aber ist er noch ein echter Difference-Maker? Das war er in meinen Augen schon zum Ende seiner Giants-Zeit nicht mehr, was den Trade der Seahawks für ihn während der Saison zusätzlich fragwürdig machte.
Jetzt wird Williams auf den Markt kommen, im Sommer wird er 30 Jahre alt. Ich sehe in ihm einen guten Role Player für eine Front, die ihre Superstars bereits hat. Da sollte Williams am besten zur Geltung kommen.

Einer der spannenderen Free Agents, weil wir Huff bisher noch nicht in einer größeren Rolle gesehen haben, sondern lediglich als Rotationsspieler. Da aber hat er sich zumindest dringend für mehr empfohlen und das macht ihn zu einem möglichen Breakout-Kandidaten.
65 Edge-Rusher hatten in dieser Saison mindestens 300 Pass-Rush-Snaps, genau zwei hatten eine höhere Pass-Rush Win Rate als Huff: Micah Parsons und Myles Garrett.
In True Pass Set Win Rate belegte Huff den vierten Platz, er ist der einzige Edge-Rusher dieser Saison mit unter 500 Pass-Rush-Snaps und über 50 Quarterback-Pressures - Huff brauchte dafür nur 334 Anläufe.
All das, nachdem er im Jahr davor mit noch kleinerer Sample Size (173 Pass-Rush-Snaps) die Liga in Pass-Rush Win Rate anführte. Huff wird im April 26 Jahre alt, bisher hat er noch nie 500 Defense- oder 350 Pass-Rush-Snaps in einer Saison gespielt. Man kann sich sicher sein, dass man einen Elite-Rotations-Rusher holt - aber kann Huff sogar mehr sein als das?
Greenard verpasste die Hälfte der vergangenen Saison verletzt, doch in dieser Saison hatte er dann im ersten Jahr unter DeMeco Ryans seine mit Abstand beste Saison bisher. 53 Quarterback-Pressures, 12,5 Sacks in der Regular Season - mehr als in seinen ersten drei Saisons zusammengenommen.
Greenard ist ein sehr guter Edge-Allrounder und sollte eine hohe Priorität in Houston haben.
Stand heute würde ich darauf tippen, dass die Colts Pittman nicht auf den Markt kommen. Aber inwieweit unterscheiden sich die Preisvorstellungen der beiden Seiten? Pittman hatte dieses Jahr seine zweite 1.000-Yard-Saison und persönliche Bestwerte in Targets und Catches. Aber sehen die Colts ihn als echte Nummer 1? Denn falls nicht, könnten sich die finanziellen Vorstellungen der beiden Seiten merklich unterscheiden.
Der einstige Zweitrunden-Pick aus Division-II-College Lenoir-Rhyne war über die letzten Jahre Bill Belichicks Allzweckwaffe in New England. Seit er 2020 in die NFL kam hat er 172 Snaps an der Defensive Line, 1.581 in der Box, 586 als Free Safety, 619 als Slot-Corner und 206 als Outside Cornerback gespielt.
Insbesondere 2022 war er einer der besten Safeties in der NFL und seine Vielseitigkeit wird auf dem Markt für Interesse sorgen. Gerade angesichts der Tatsache, dass Spieler, die im Slot und in der Box einen echten Unterschied machen können, immer relevanter in modernen Defenses werden.
Ein wichtiger Reminder bei Ridley gilt den Trade-Konditionen, die darauf Auswirkungen haben könnten, ob die Jaguars mit ihm verlängern. Sollte Jacksonville dem Receiver einen neuen Vertrag geben, wird aus dem Drittrunden-Pick, der Stand jetzt noch nach Atlanta wandern würde, ein Zweitrunden-Pick. Könnte das die Jags daran hindern, Ridley einen neuen Deal zu geben?
Oder kommt man schlichtweg zu dem Fazit, dass ein Kader, der ohnehin einige offene Baustellen hat und ein Team, das in dieser Saison deutlich enttäuscht hat, ein solches Talent einfach nicht abgeben kann? Ridley war in seiner ersten Saison nach eineinhalb Jahren (Zwangs-)Pause noch nicht der dominante Receiver, der er 2020 in Atlanta war, aber er war ein wichtiger Bestandteil der Offense, hatte die zweite 1.000-Yard-Saison seiner Karriere und ergänzt sich gut mit Christian Kirk.
Für Brown hätte die Zeit in Arizona kaum unglücklicher verlaufen können. In seiner ersten Saison absolvierten er, DeAndre Hopkins und Kyler Murray genau ein Spiel zusammen, erst fehlte Hopkins, dann Brown, dann riss sich Murray das Kreuzband. In der Folge musste er dann die ersten zwei Drittel dieser Saison mit Backup-Quarterback bestreiten, und als Murray dann zurückkam, dauerte es nicht lange, ehe eine hartnäckige Fersenverletzung Brown für die letzten vier Wochen der Saison außer Gefecht setzte.
In den ersten sechs Wochen der vergangenen Saison, als Nummer 1 ohne Hopkins und mit Murray, legte Brown Nummer-1-Receiver-Zahlen auf: 43 Catches für 485 Yards und drei Touchdowns in sechs Spielen, ein Season-Pace von 122 Catches, 1.374 Yards und acht Touchdowns.
Ich halte Brown noch immer für eine dynamische High-End-Nummer-2, der einer Offense wie der der Chiefs dringend benötigte Explosivität wiedergeben könnte. Und nach dem, wie die letzten beiden Jahre liefen, vermutlich zu überschaubaren Konditionen.
Evans hatte eine absolut beeindruckende Saison, für mich genug, um ihn ins All-Pro Team zu packen. Unter anderem auch deshalb, weil er so essenziell für diese Offense war. Evans war in Single Coverage kaum zu verteidigen und das ermöglichte Baker Mayfield auch einfache Reads und Big Plays.
Evans ist inzwischen 30 Jahre alt und wird 31 im Laufe des Jahres, aber diesen Effekt kann er noch immer auf eine Offense haben: Ein echter X-Receiver, der Defenses diktieren kann, weil die wenigsten Cornerbacks Eins-gegen-Eins gegen in standhalten können. Und das ist äußerst wertvoll. Für Evans lautet jetzt die große Frage: Zum Ende seiner Karriere noch woanders vielleicht einen Titel jagen? Oder die Karriere in Tampa Bay auch beenden?
Egal, welches Scheme, egal, welcher Coach, egal, welche Mitspieler: Danielle Hunter produziert. Hunter hatte seit 2017 nur ein Mal weniger als 65 Quarterback-Pressures in einer Saison, und das war 2021, als er verletzungsbedingt weite Teile der Saison verpasste.
2021 war auch die einzige Saison in den letzten fünf Jahren, in der er keine zweistellige Sack-Zahl vorweisen konnte, in der gerade beendeten Saison legte er in Brian Flores’ aggressiver Defense sogar Höchstwerte in Sacks (16,5) und Forced Fumbles (4) auf. In True Pass Set Win Rate belegte er Platz 8 unter Edge-Rushern, unter anderem vor Clowney, Will Anderson, Chubb, T.J. Watt und Maxx Crosby.
Die größte Frage bei Hunter ist das Alter - im Oktober wird er 30 -, sowie einige Probleme mit Verletzungen in der Vergangenheit. Deshalb reden wir hier vermutlich eher über einen Vertrag in der 3-Jahres-Range. Aber Hunters Resümee ist extrem stark und er kann ohne Frage ein Boost für so ziemlich jeden Pass-Rush in der NFL darstellen.

Wenige Spieler haben sich in dieser Saison so viel Geld verdient wie Jaylon Johnson. Der 24-Jährige hatte im letzten Jahr seines Rookie-Vertrags seine mit weitem Abstand beste Saison, er war ein echter Nummer-1-Corner und hat einen legitimen Case für den besten Cornerback in dieser Saison. Für mich war er eine klare All-Pro-Wahl.
Die Bears hatten in der vergangenen Offseason an einer vorzeitigen Vertragsverlängerung gearbeitet, doch beide Seiten konnten sich nicht einigen. Johnson hatte dann vor der Trade-Deadline sogar um einen Trade gebeten, der aber ebenfalls nicht zustande kam. Er ist ein logischer Franchise-Tag-Kandidat, aber es ist schwer, abzuschätzen, wie verhärtet die Fronten hier am Verhandlungstisch sein werden.
Hatte seine klar beste Saison als Pass-Rusher. 77 Quarterback-Pressures sind mehr, als Madubuike in seinen ersten drei Saisons zusammengerechnet hatte. Auch seine 13 Sacks sind 4,5 mehr, als er in seinen ersten drei NFL-Spielzeiten zusammengenommen vorweisen konnte. In puncto Pass-Rush Win Rate waren nur acht Defensive Tackles besser.
Madubuike ist im November gerade 26 Jahre alt geworden, und es gibt ohne Frage ein Argument dafür, dass er jetzt in seine Prime kommt. Teams werden abwägen müssen, wie sehr sie seiner Pass-Rush-Explosion vertrauen, denn gegen den Run ist er ein solider bis guter Spieler, aber nicht mehr.
Der 27-Jährige hat eine großartige Saison gespielt und konnte damit leistungstechnisch an sein starkes Vorjahr anknüpfen. Der Unterschied, und das macht ihn noch wertvoller: 2021 und 2022 spielte Sneed primär im Slot - in dieser Saison war er für lediglich 28 Snaps im Slot, die restlichen gut 1.000 Defense-Snaps spielte er Outside.
Mit Trend McDuffie als Starter innen konnte Sneed wieder nach außen rücken, aber dass er diese Flexibilität mitbringt, setzt ihn ab. Und dass er in einer Defense spielt, die ihre Cornerbacks viel auch Eins-gegen-Eins spielen lässt und enge Coverage am Mann verlangt, lässt seine Aktien zusätzlich klettern.
Schlichtweg einer der besten Safeties in der NFL, weshalb auch fest davon auszugehen ist, dass Winfield nicht auf den Markt kommt. Mit seiner Physis und Antizipation herausragend gegen den Run, verlässlich in Coverage und in dieser Saison hatte er zudem sein mit Abstand produktivstes Jahr als Blitzer.
Winfield ist einer der wenigen Defensive Backs, der eine Defense mit prägen kann - und das in Tampa Bay auch seit einer Weile bereits macht.
Ich würde bei Wilkins nicht von einem Breakout-Jahr sprechen, dafür war er die letzten beiden Jahre schon zu gut. Aber es steht außer Frage, dass er sich mit seinen neun Sacks - doppelt so viele wie in seiner in dem Bereich bis dato besten Saison 2021 - mehr in den Vordergrund gespielt hat.
Es war auch seine beste Saison als Pass-Rusher darüber hinaus, seine 61-Quarterback-Pressures sind mit weitem Abstand persönlicher Bestwert (bisher: 33 im Jahr davor). Einzig seine Pass-Rush Win Rate (Platz 48 unter Defensive Tackles) lässt zu wünschen übrig. Aber Wilkins ist ein kompletter Defensive Lineman, dessen Stärken gegen den Run ohnehin immer größer waren als seine Pass-Rush-Qualitäten. Die vergangene Saison hat eher die Balance etwas ausgeglichen.
Dolphins-GM Chris Grier sagte nach Saisonende, dass das Team Wilkins in der vergangenen Offseason ein "faires Angebot" gemacht habe, aber dass Wilkins "auf sich selbst gesetzt hat und es sich verdient hat, Free Agent zu werden". Das klingt nicht so, als würde die Zukunft des 28-Jährigen in South Beach liegen.
Was den statistischen Gesamt-Output angeht, hatte Burns nicht seine beste Saison. Dennoch war er in einer Panthers-Defense, die von der eigenen Offense häufig in schlechte Situationen gebracht wurde und die nicht viele Difference Maker hat, selbst in diesem Jahr ein Lichtblick.
Burns ist klar in der zweiten Gruppe, was Pass-Rusher-Tiers angeht. Nicht in der Elite, aber ein sehr guter Pass-Rusher, der eine legitime Nummer 1 für eine Front sein kann und der im Frühjahr erst 26 Jahre alt wird.
Und es ist möglich, dass er in Carolina keine Zukunft mehr sieht: Beide Seiten waren in der vergangenen Offseason wohl noch weit voneinander entfernt, und während der Saison legte Burns alle Vertragsgespräche auf Eis. Der Franchise Tag ist hier vorerst die wahrscheinlichste Option - Ausgang offen.
Allen hatte die beste Saison seiner bisherigen Karriere. Der 26-Jährige verzeichnete persönliche Saison-Bestwerte in Quarterback-Pressures - nur vier Edge-Rusher hatten in der Regular Season mehr -, Sacks und Defense-Stops. Er beendete die Saison auf Platz 6 in Pass-Rush Win Rate unter Edge-Rushern, sowie auf Platz 2 in True Pass Set Win Rate.
Anders formuliert, Allen war einer der dominantesten Edge-Rusher in der NFL. Jacksonville kann es sich nicht leisten, seinen besten Verteidiger gehen zu lassen und alles andere als mindestens der Franchise Tag wäre eine echte Überraschung.

Es ist so selten, dass Spieler wie Tee Higgins auf den Markt kommen. Ein 25-jähriger Top-20-Spieler auf einer Premium-Position, der, als Ja’Marr Chase verletzungsbedingt fehlte, gezeigt hat, dass er sowohl eine Elite-Nummer-2, als auch eine legitime Nummer 1 sein kann.
Ein X-Receiver, der ganz "klassisch" rund 80 Prozent seiner Snaps Outside spielt und vor allem vertikal und am Catch Point gewinnt.
Der "auf den Markt kommt"-Part ist deshalb auch wenig überraschend mit einem dicken Fragezeichen versehen. Die Bengals könnten sich mit Higgins noch auf einen neuen Vertrag einigen. Sie könnten ihm auch den Franchise Tag geben - und ihn womöglich dann traden.
Sollte Higgins zu haben sein, wäre er ein seltenes "Fundstück" und ohne Zweifel dementsprechend begehrt - und teuer.
Cousins ist zehn Jahre älter als Higgins, aber auch diese Art Spieler kommt nicht häufig auf den Markt: Ein immer noch in seiner Prime agierender Quarterback, der gezeigt hat, dass er sich im Top-10-Dunstkreis bewegen kann. Die Verletzung muss man hier natürlich berücksichtigen - Cousins arbeitet sich gerade von seinem Achillessehnenriss zurück -, aber das, was Cousins in dieser Saison bis zur Verletzung gezeigt hat, sollte ihm einen starken Markt bescheren. Und der 35-Jährige ist nun wirklich kein Quarterback, der von seiner Mobilität lebt.
Ein Quarterback seiner Qualität würde für so viele Teams Sinn ergeben. Pittsburgh könnte mit Cousins und dieser Defense ein legitimes Playoff-Team sein. Die Falcons mit Cousins wären der Favorit in der eigenen Division. Er könnte nach Denver zu Sean Payton gehen, vielleicht wäre auch ein Team wie die Patriots interessant?
Ich bin noch nicht ganz davon überzeugt, dass die Vikings Cousins wirklich gehen lassen. Aber falls das passiert, wäre er für mich eine wesentlich attraktivere Option, als das Derek Carr und Jimmy Garoppolo in der vergangenen Free Agency waren.
Bereits in der vergangenen Offseason befanden sich die Chiefs und Chris Jones lange in einer Patt-Situation, bis zu dem Punkt, dass Jones sogar das Saison-Auftaktspiel gegen Detroit im Holdout verpasste. Kurz danach einigten sich beide Seiten auf einen angepassten Einjahresvertrag und mit all dem im Hinterkopf ist es durchaus vorstellbar, dass die Zeichen hier auf Trennung stehen.
Sollte es so kommen, wird der Markt von Jones ein faszinierendes Thema sein. Denn dass Jones Stand heute einer der dominantesten Verteidiger in der NFL ist, steht außer Frage. Unter allen Defensive Tackles hatte in der Regular Season nur Aaron Donald mehr Quarterback-Pressures als Jones - und Donald hatte 87 Pass-Rush-Snaps mehr.
Jones war auch dieses Jahr wieder Top-5 in Pass-Rush Win Rate unter Defensive Tackles, und mit seinen zehn Quarterback-Pressures in den bisherigen Playoffs konnte er Spielen ebenfalls bereits seinen Stempel aufdrücken.
Gleichzeitig wird er nächstes Jahr 30 Jahre alt, gegen den Run hat er dieses Jahr merklich nachgelassen, und Jones wird hohe Forderungen haben. Er kann die ideale Verpflichtung für ein Win-Now-Team im Titelfenster sein - aber wer kann und will sich Chris Jones leisten?
Adrian Franke