11.11.2025
Kommentar zum Berlin-Spiel 2025
Das Berlin Game 2025 war für die NFL ein voller Erfolg. Neben dem spannenden Spiel zwischen den Colts und Falcons (31:25) hatten Teams und Liga im Vorfeld enorme Präsenz in der Hauptstadt gezeigt und viel Zuspruch erhalten. Das war beste Werbung für Deutschland, sodass die NFL bereits nächstes Jahr zurückkommen muss. Ein Kommentar von Sebastian Mühlenhof.

"The world is closing in ... and did you ever think that we could be so close, like brothers?" Als die zweite Strophe des Kultlieds "Wind of Change" von den Scorpions durch das Olympiastadion hallte, dürfte auch den letzten Skeptikern klar gewesen sein: Die NFL gehört nach Berlin!
Als dieser historische Song erklang und überall im Stadion Fahnen in Rot, Gelb, Schwarz, Blau und Weiß aufstiegen, entstand ein Moment für die Ewigkeit. Solche Gänsehautmomente erlebt man nur ganz selten.
Dass es ein derart besonders Spiel werden würde, hatte sich bereits in den Tagen zuvor angedeutet. Spätestens durch die Enthüllung des XXL-Gemäldes am Savignyplatz war offensichtlich, dass die NFL gekommen war, um mächtig die Werbetrommel für den Sport zu rühren.
Das ist der US-Liga absolut gelungen: Sei es die NFL Experience am Brandenburger Tor, das große Logo auf der anderen Seite des Tors, dem großen NFL Shop in der Einkaufspassage am Potsdamer Platz oder die Teamzone der Indianapolis Colts im einstigen Sony Center. Überall war der Andrang riesig, sodass es zu langen Schlangen kam. Doch den Fans war das herzlich egal. Sie nahmen sich die Zeit, um in den Genuss des NFL-Flairs zu kommen.
Dabei ließen sie sogar vergessen, dass am Samstag mit dem FC Bayern der Rekordmeister zum Bundesliga-Spiel bei Union Berlin (dramatisches 2:2 bis in die Nachspielzeit) angereist war. Fußballtrikots suchte man an diesem Wochenende jedoch vergebens, stattdessen dominierten die Jerseys von den Kansas City Chiefs, Seattle Seahawks, New England Patriots, Indianapolis Colts und Atlanta Falcons.
Das war aber auch nicht verwunderlich, denn alle Teams mit Marketingrechten in Deutschland waren in der Hauptstadt vertreten. Egal, ob mit eigenen Teampubs, einer riesigen Teamzone, Watchpartys oder einer Ausstellung in der Fotografiska. "Das ist das nächste Level", hatte RTL-Experte Björn Werner bereits bei einem Medientermin am Donnerstag ein Gefühl geäußert, dass seine Heimatstadt ordentlich abliefern würde.
Ein paar Tage später nach dem Spiel - auch um etwas Abstand zu gewinnen - lässt sich festhalten, dass der frühere Profi der Colts (2013 bis 2015) damit absolut Recht behalten hatte. "Es war einfach eine phänomenale Atmosphäre für uns", schwärmte etwa Shane Steichen, Head Coach der Colts. Auch der Österreicher Bernhard Raimann wusste nicht, wohin er mit seinen Gefühlen sollte: "Die Atmosphäre war wieder verrückt wie schon vor zwei Jahren in Frankfurt. Das hier aber jetzt in der deutschen Hauptstadt zu erleben, war großartig."
Deswegen werden schon jetzt Stimmen lauter, dass das nächste Berlin Game nicht erst 2027 stattfinden soll, wie es vertraglich vereinbart ist inklusive 2029er-Stippvisite. So forderte Werner bereits lautstark: "Ich habe das Gefühl, es gehört hierher und es sollte hier bleiben."
Das dürfte bestimmt auch NFL-Commissioner Roger Goodell wahrgenommen haben. Im Vorfeld der Partie ließ sich der Football-Boss jedoch bei RTL nicht in die Karten schauen. "Ich kann das Drehbuch nicht verraten. Wir kommen mit Sicherheit zurück", schürte Goodell aber zumindest die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr.
Nach den Tagen dürfte es für ihn jedoch immer schwieriger werden, Berlin nicht zu einem dauerhaften Bestandteil des NFL-Spielplans zu machen. Und so lässt sich hoffen, dass die Worte der Scorpions bald Wahrheit werden: "The future is in the air, I can feel it everywhere ... blowing with the wind of change."
smu