vor 10 Stunden
Beide spielen aggressiv
Wenn die Minnesota Vikings in Week 3 auf die Tampa Bay Buccaneers treffen, stehen sich zwei der aggressivsten Defenses der bisherigen NFL-Saison gegenüber. Kaum ein Team schickt häufiger zusätzliche Pass Rusher als Minnesota und Tampa Bay.

Doch während die Vikings mit ihrem Ansatz bislang tatsächlich enormen Druck erzeugen, sieht das bei den Buccaneers völlig anders aus. Ausgerechnet Baker Mayfield könnte dabei zur größten Herausforderung für Minnesota werden: Der Quarterback präsentiert sich gegen den Blitz bislang nahezu fehlerfrei.
Von einem Blitz spricht man vereinfacht gesagt, wenn eine Defense zusätzliche Pass Rusher schickt, anstatt den Quarterback ausschließlich mit ihrer regulären Front unter Druck zu setzen.
Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, schnell zum Quarterback durchzukommen. Gleichzeitig kann die Defense dadurch allerdings Räume in der Coverage öffnen. Unter Defensive Coordinator Brian Flores treiben die Vikings diesen Ansatz auf die Spitze.
Laut SumerSports liegt Minnesotas Blitz Rate nach den ersten beiden Saisonwochen bei 75,0 Prozent - Platz eins in der NFL. Andere Datenanbieter kommen aufgrund unterschiedlicher Definitionen auf leicht abweichende Werte, führen Minnesota allerdings ebenfalls an der Ligaspitze.
Bei den Vikings bleibt es zudem nicht bei der bloßen Aggressivität. Minnesota kommt laut SumerSports auf eine Pressure Rate von 53,4 Prozent und führt damit auch in dieser Kategorie die NFL an. Die Vikings setzen gegnerische Quarterbacks also bei mehr als jedem zweiten entsprechenden Passspielzug unter Druck.
Auch andere Zahlen unterstreichen die Effektivität. Nach zwei Spielen steht Minnesota bereits bei acht Sacks. Dallas Turner hat zudem 20 Pressures gesammelt.
Auch Todd Bowles setzt in Tampa Bay auf einen aggressiven Ansatz. Die Buccaneers schicken laut SumerSports bei 47,2 Prozent der entsprechenden Plays zusätzliche Pass Rusher und liegen damit auf Platz drei der NFL.
Der entscheidende Unterschied zu Minnesota zeigt sich allerdings beim Ergebnis. Während die Vikings ihre hohe Blitz Rate auch in Pressure umwandeln, liegt Tampa Bay bei der Pressure Rate lediglich auf Platz 30 von 32 Teams.
Auch andere Datensätze zeigen dieses Problem. Tampa Bay besitzt trotz der aggressiven Spielweise lediglich eine Sack Rate von 4,62 Prozent und befindet sich damit im hinteren Bereich der NFL.
Die Buccaneers gehen mit ihren zusätzlichen Rushers also regelmäßig Risiko, bekommen dafür bislang aber vergleichsweise wenig Druck auf den gegnerischen Quarterback zurück.
Für Minnesota wartet ausgerechnet jetzt eine besondere Herausforderung. Baker Mayfield hat gegen den Blitz in dieser Saison bislang elf seiner zwölf Pässe angebracht. Das entspricht einer Completion Percentage von 91,7 Prozent. Sein Passer Rating liegt in diesen Situationen bei 125,0.
Mayfield bestraft gegnerische Defenses bislang also regelmäßig dafür, zusätzliche Verteidiger nach vorne zu schicken. Gleichzeitig zeigt sich allerdings eine Schwachstelle in der Protection der Buccaneers. Insgesamt wurde Mayfield bei 40,8 Prozent seiner Dropbacks unter Druck gesetzt. Seine Sack Rate von 9,2 Prozent gehört ebenfalls zu den höchsten der Liga.
Damit entsteht eines der interessantesten taktischen Duelle des Spieltags. Minnesota will Quarterbacks mit verschiedenen Pressure-Looks zu schnellen Entscheidungen zwingen. Mayfield wiederum hat bislang gezeigt, dass genau diese Situationen zu seinen Stärken gehören können.
Auf der anderen Seite wartet auf Kyler Murray ebenfalls eine aggressive Defense. Wie Murray mit Tampa Bays Blitz-Paketen umgehen wird, lässt sich anhand der bisherigen Saison allerdings kaum seriös beurteilen.
Der Quarterback absolvierte aufgrund seiner Gehirnerschütterung bislang lediglich elf Snaps. Beim Saisonauftakt brachte er drei seiner fünf Pässe für 18 Yards an und warf eine Interception. Week 2 verpasste Murray komplett.
Gegen Tampa Bay kehrt er nun zurück - und trifft sofort auf eine Defense, die bei fast jedem zweiten entsprechenden Play zusätzliche Pass Rusher schickt.
Für Murray wird deshalb vor allem entscheidend sein, die Pressure-Looks von Bowles vor dem Snap zu erkennen und den Ball schnell loszuwerden.
Genau darin liegt der entscheidende Unterschied zwischen beiden Defenses. Minnesota und Tampa Bay verfolgen grundsätzlich einen ähnlich aggressiven Ansatz. Beide wollen gegnerische Quarterbacks mit zusätzlichen Rushers, wechselnden Fronts und verschiedenen Pressure-Looks zu schnellen Entscheidungen zwingen.
Bislang funktioniert das allerdings nur bei einem Team wirklich effizient. Die Vikings führen laut SumerSports sowohl bei der Blitz Rate als auch bei der Pressure Rate die NFL an. Tampa Bay blitzt ebenfalls häufiger als fast jedes andere Team, landet bei der tatsächlichen Pressure Rate aber nur auf Platz 30.
Am Sonntag wird deshalb nicht allein entscheidend sein, welche Defense häufiger blitzt. Entscheidend wird sein, welche Defense aus ihrer Aggressivität tatsächlich Druck erzeugt - und welcher Quarterback dafür die besseren Antworten findet.
nkr